Die letzte Fahrt der San Diego - Tod in einer kleinen Pension
Die letzte Fahrt der San Diego
Tod in einer kleinen Pension
Auch das Cover der Pidax-DVD suggeriert ziemlich deutlich, dass es sich bei „Die letzte Fahrt der San Diego“ um einen Katastrophenfilm auf hoher See handeln könnte. Dem ist aber nicht so, denn Werner Tölckes („Das unsichtbare Visier“) Geschichte ist vielmehr ein Kammerspiel, dessen Handlung sich größtenteils in einer Pension in Hamburg abspielt. Die Verbindung zum Titel gebenden Schiff „San Diego“ ist eher marginal, da sich dieser Whodunnit in erster Linie damit beschäftigt, den Mörder des ehemaligen Kapitäns Heinrich Krogmann (Siegfried Wischnewski) zu entlarven und seiner Strafe zuzuführen. Patriarch Krogmann stirbt bereits in den ersten Minuten von Oswald Döpkes („Tod auf der Themse“) 1988 für das ZDF gedrehten Fernsehfilms. Nichtsdestotrotz ist Siegfried Wischnewski (1922-1989; „Ein Heim für Tiere“) auch im weiteren Verlauf der kommenden anderthalb Stunden immer mal wieder dabei, da die Beteiligten, unter denen sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Mörder oder die Mörderin befindet, nach und nach Begegnungen und Vorkommnisse mit Krogmann schildern, die dann in umfangreichen Rückblenden bebildert werden. Döpke, der auch auf eine sehr umfangreiche Karriere als Hörspielregisseur zurückblicken konnte, hat „Die letzte Fahrt der San Diego“ als dialoglastiges Kammerspiel mit wundervollen Darstellern in Szene gesetzt, und überrascht sein Publikum bei der Tätersuche immer wieder mit neuen Erkenntnissen.
Über den plötzlichen Tod des ehemaligen Kapitäns Krogmann scheint in der kleinen Pension, die er zuletzt als Familienbetrieb geführt hat, kaum jemand sonderlich traurig oder bestürzt zu sein. Krogmann war ein Griesgram und Alkoholiker, der mit seiner Meinung selten hinter dem Berg hielt und die meisten aus seinem unmittelbaren Umfeld damit tief verletzt hat. Von seinem Sohn Jochen (Rainer Luxem) hielt er nicht allzu viel, es war eher dessen Frau Elvira (Evelyn Hamann), die die Pension in all den Jahren über Wasser gehalten hatte. Krogmanns Tochter Christa (Katerina Jacob) versuchte selbst noch als Erwachsene, vom umfangreichen Vermögen ihres Vaters zu profitieren, um sich ein schönes Leben zu machen. Auch deren Ehemann Eberhard Schlüter (Felix von Manteuffel) sahnte bei den Geschäften Krogrmanns mit ab. Neben den Verwandten befanden sich zum Zeitpunkt von Krogmanns Tod noch die Pensionsrezeptionistin Marion Roeder (Karin Anselm), der alte Logiergast Wilhelm Berger (Hans Hessling) und Krogmanns persönlicher Sekretär Felix Carpentier (Max Volkert Martens) im Haus. Carpentier schlägt vor, die Polizei erstmal nicht zu verständigen, um potenzielle Pensionsgäste nicht zu verschrecken und somit kein weiteres Geld einzubüßen. Stattdessen will er den Mörder Krogmanns unter den Anwesenden suchen und durch eigene Investitionen überführen, um sie oder ihn anschließend zusammen mit der Leiche der Polizei zu übergeben.
Oswald Döpke bedient sich in „Die letzte Fahrt der San Diego“ bei den klassischen Genreelementen einer von Agatha Christie beeinflussten Whodunnit-Geschichte. Alle Verdächtige befinden sich gemeinsam in einem Raum, während man mit Befragungen versucht, die Vorkommnisse aufzuklären. Einen waschechten Ermittler gibt es dabei zwar nicht, wenngleich Felix Carpentier hier am ehesten diese Rolle zukommt. Werner Tölckes Drehbuch schlägt so manchen unvorhergesehenen Haken und kann das Publikum dadurch einige Male überraschen. Von kleineren Durchhängern abgesehen, bietet der Fernsehfilm damit bis zum Finale eine recht unterhaltsame Krimispannung, die Genrefans durchaus ans Herz gelegt werden kann. Die DVD-Erstveröffentlichung bietet ein weitgehend passables Bild (im Vollbild-Format 1,33:1) und einen stets gut verständlichen deutschen Originalton (in Dolby Digital 2.0). Auf die Beigabe von Bonusmaterial hat man verzichtet.



