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Die Spur führt ins Verderben - Die mysteriöse Annabel Lee

Die Spur führt ins Verderben

Die mysteriöse Annabel Lee

 

Im Jahr 1992 verfilmte Wolf Gremm für das ZDF den Mysterythriller „The Name of Annabel Lee“ von Julian Symons mit prominenter deutscher Besetzung unter dem Titel „Die Spur führt ins Verderben“. Nun ist der Fernsehfilm in der Reihe „Pidax Film-Klassiker“ erstmals auf DVD erschienen und im Handel erhältlich.

Wolf Gremm (1942-2015), der professionell und privat mit der Berliner Erfolgsproduzentin Regina Ziegler liiert war, war als Filmemacher kein Mann der subtilen Zwischentöne. Bei ihm musste es immer laut und plakativ zugehen, gerne auch in der Nähe des Trashs, auf jeden Fall unkonventionell und außergewöhnlich. In den frühen 1980er Jahren gehörte Gremm zum erweiterten Künstlerumfeld Rainer Werner Fassbinders, tauchte unter dessen Regie in seinem letzten Kinofilm „Querelle“ auf oder besetzte Fassbinder selbst als Hauptdarsteller in seinem Film „Kamikaze 89“. Auch einen Fernsehfilm über Fassbinders letzte Arbeiten hat Wolf Gremm inszeniert. Ab Mitte der 1980er Jahre verlagerte er seinen Schaffensschwerpunkt komplett auf das Fernsehen, wo er die unterschiedlichsten Fernsehfilme und Miniserien verantwortete. Einige von ihnen sind in den letzten Monaten bereits bei Pidax für DVD-Veröffentlichungen wiederentdeckt worden, so z.B. die Zweiteiler „Gesucht wird Ricki Forster“ und „Inka Connection“ mit Heinz Hoenig. Ungefähr in dieselbe Zeit fällt der Fernsehfilm „Die Spur führt ins Verderben“, die auf einem Roman von Julian Symons basiert. Symons (1912-1994) war ein britischer Bestsellerautor mit Schwerpunkt auf Kriminalliteratur, der diverse Krimireihen ins Leben rief und für seine Arbeiten u.a. mit dem Edgar Allan Poe Award ausgezeichnet wurde. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Anspielungen auf Poes Arbeiten in „The Name of Annabel Lee“ (der Vorlage zu „Die Spur führt ins Verderben“) geradezu selbstreferentiell und süffisant.

In einer Theaterproduktion hat der Literaturprofessor Dudley Potter (Heinz Hoenig) die exzentrische Künstlerin Annabel Lee Richter (Stephanie Philipp, heute Stephanie Bothor) kennengelernt und sich in sie verliebt. Die beiden verbringen ein leidenschaftliches Wochenende in Holland, das Annabel Lee aber abrupt beendet. Potter ist dermaßen konsterniert, dass er sich auf die Suche nach Annabel Lee begibt – er mag einfach nicht glauben, dass sie ihm einfach so den Laufpass gegeben hat. Zunächst hat er den Schriftsteller Granitzki (Ferdy Mayne) in Verdacht, ihm die hübsche junge Frau ausgespannt zu haben, da die beiden gemeinsam eine Party erlassen hatten. Granitzki ist allerdings schwul, weswegen Potter nach Berlin reist, um seinen alten Freund Stefan Lorenz (Max Volkert Martens) aufzusuchen, der mit seiner Kanzlei das Vermögen Annabel Lees verwaltet. Zusammen mit Stefans Mitarbeiter Paul Rack (Leon Boden) nimmt Potter eine neue heiße Spur auf – und stolpert dabei über die Leiche eines Mannes, der sich im Nachhinein als Annabel Lees geschiedener Mann entpuppt. Ist diese in den gewaltsamen Tod ihres Ex-Mannes verstrickt? Und wo und warum versteckt sie sich vor Potter, der nach wie vor bis über beide Ohren in Annabel Lee verliebt ist und immer wieder Parallelen zwischen ihr und der gleichnamigen Figur aus Edgar Allan Poes Gedicht feststellt?

Auch in diesem Fernsehfilm versucht Wolf Gremm wieder, auf sehr plakative und mitunter theatrale Weise, Mysteryspannung zu schüren. Mit Hilfe eines etwas aufdringlichen Soundtracks und einigen Darstellerleistungen, die über das Ziel hinausschießen, sind das jedoch eher billige Mittel, die nur bei einem sehr oberflächlichen Publikum ans Ziel führen dürften. Immerhin können einige Aufnahmen an Originallocations das Interesse aufrecht halten, zumal Axel de Roches Kameraführung originell und auch angemessen mysteriös ist. Alles in allem sicherlich kein Genrehighlight, aber für Fans der Darsteller (Graf von Krolock aus Polanskis „Tanz der Vampire“, Ferdy Mayne, in einer seiner letzten Rollen) durchaus mal einen Blick wert. Die DVD-Erstveröffentlichung bietet allerdings ein überwiegend maues Bild (im Vollbildformat 1,33:1), das kaum über VHS-Niveau hinauskommt. Der deutsche Ton (in Dolby Digital 2.0) ist durchweg gut zu verstehen, auf die Beigabe von Extras hat man verzichtet.

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