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Murder in the First - Lebenslang in Alcatraz - Gefängnis unter Anklage

Murder in the First – Lebenslang in Alcatraz

Gefängnis unter Anklage

 

Im Jahr 1995 verfilmte Marc Rocco ein Drehbuch von Dan Gordon, das auf tatsächlichen Ereignissen der Jahre 1938-1941 basierte. Der Alcatraz-Häftling Henri Young wurde in dieser Zeit nach einem Fluchtversuch in Einzelhaft genommen und von den Wärtern gefoltert. Ein junger Anwalt brachte die grausamen Methoden des Gefängnisses vor Gericht. Nun ist der moderne Klassiker bei StudioCanal erstmals auf 4KUHD erschienen.

Die vor San Francisco gelegene Insel Alcatraz, die in den Jahren 1934 bis 1963 als Bundesgefängnis für Schwerverbrecher (wie Al Capone und Machine Gun Kelly) und Unverbesserliche diente, hat so manche abenteuerliche Geschichte hervorgebracht. Auch im Filmbusiness hat man immer wieder Bezug auf sie genommen. Man denke beispielsweise an die Romanverfilmung „Der Gefangene von Alcatraz“ von John Frankenheimer aus dem Jahr 1962, in der Burt Lancaster als Totschläger in Einzelhaft zum Vogelexperten wird. Oder an eine weitere Romanadaption, „Flucht von Alcatraz“, die Don Siegel 1979 mit Clint Eastwood in der Hauptrolle realisierte, in der es um eine spektakuläre Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis geht. Auch der von Jerry Bruckheimer und Don Simpson im Jahr 1996 produzierte und von Michael Bay inszenierte „The Rock – Fels der Entscheidung“ mit Sir Sean Connery und Nicolas Cage machte sich den legendären Ruf von Alcatraz für eine packende Abenteuerstory zunutze. Marc Rocco (1962-2009), der überwiegend als Produzent gearbeitet hatte, inszenierte 1995 mit „Murder in the First – Lebenslang in Alcatraz“ seinen vierten und letzten Film als Regisseur. Das Drehbuch hatte mit Dan Gordon ein Mann beigesteuert, der bereits in den 1980er Jahren zahlreiche Vorlagen für Michael Landons erfolgreiche Fernsehserie „Ein Engel auf Erden“ (Originaltitel: Highway to Heaven) geschrieben und dabei bewiesen hatte, dass er zu Herzen gehende Stoffe publikumswirksam aufbereiten konnte. Dies war nun auch bei Henri Youngs authentischer Geschichte der Fall, die Gordon an einigen Stellen glättete und verschönte, um die Zuschauer umso wirkungsvoller in das Geschehen hineinzuziehen.

Im Jahr 1938 wagt der Kleinkriminelle Henri Young (Kevin Bacon) mit einigen weiteren Insassen die Flucht von der Gefängnisinsel Alcatraz, wird aber wieder gefasst. Der beinharte stellvertretende Gefängnisdirektor Milton Glenn (Gary Oldman) hat Young daraufhin auf dem Kieker und verdammt ihn zu jahrelanger Einzelhaft in einem dunklen Kerker auf der Insel. Auch körperlich lässt er den Gefangenen misshandeln und legt dabei selbst Hand an. Als Young nach drei Jahren in katatonischem Zustand wieder in den normalen Teil der Haftanstalt verlegt wird, ermordet er einen seiner damaligen Mitflüchtlinge mit einem Löffel. Dem frisch gebackenen Anwalt James Stamphill (Christian Slater) wird der Fall übertragen, dem keinerlei Aussicht auf Erfolg bescheinigt wird, da die Tat von hunderten Zeugen gesehen wurde. Der ambitionierte Stamphill dringt dennoch zu seinem verschlossenen Mandanten durch und erkennt, dass dieser nicht im eigentlichen Sinne für seine Tat zur Verantwortung zu ziehen ist. Nach und nach erkennt er, dass auf Alcatraz ein hartes Regime geführt wird, das selbst gegen Gesetze verstößt und neben Young noch etliche weitere Menschen dort gebrochen worden sind. Entgegen der Ratschläge seines älteren Bruders Byron (Brad Dourif) und seines Vorgesetzten Henkin (Stephen Tobolowsky) gräbt Stamphill tiefer und bringt schließlich auch Glenn und dessen vorgesetzten Gefängnisdirektor Humson (Stefan Gierasch) in den Zeugenstand, um dabei auch deren Verfehlungen öffentlich zu machen.

Marc Rocco hat hier ein dunkles Kapitel im Strafvollzugssystem der USA ausgegraben und zu einem bewegenden Plädoyer für mehr Menschlichkeit verarbeitet. Dan Gordons Drehbuch setzt geschickt Akzente, die das Publikum für den Verurteilten einnehmen. Dieser wird auf beeindruckende Weise von Kevin Bacon dargestellt, der vor allem die Sensibilität und Verletzlichkeit gut zum Ausdruck bringt. Ein spannend inszenierter und sehr einfallsreich fotografierter Gerichtsfilm, der trotz seiner mitunter recht freien Auslegung der tatsächlichen Vorkommnisse packend und bewegend zu unterhalten versteht. Für die 4KUHD-Erstveröffentlichung bei StudioCanal konnte man auf ein in 4K restauriertes Master zurückgreifen, das sich insbesondere beim sehr guten Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) bemerkbar macht. Der deutsche Ton ist leider eher mau ausgefallen, da er lediglich in PCM Stereo 2.0 vorliegt (die englische und französische Fassung sind im DTS HD Master Audio 5.1 aufgespielt, optional gibt es deutsche und französische Untertitel sowie englische für Hörgeschädigte), außerdem ist er rund zehn Minuten nicht hundertprozentig synchron angelegt. Als Extras gibt es einen neu aufgenommenen Audiokommentar mit Chefkameramann Fred Murphy, drei zeitgenössische Kurzinterviews mit Christian Slater (7 Minuten), Kevin Bacon (7 Minuten) und Regisseur Marc Rocco (7 Minuten) sowie ein kleines Making Of zum Film (10 Minuten).

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