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Telefon - Menschliche Zeitbomben

Telefon

Menschliche Zeitbomben

 

Nachdem es Mitte der 1970er Jahre zu fundamentaler Entspannung zwischen Ost und West gekommen war, kam ein Film wie Don Siegels „Telefon“ gerade recht. Denn der entwarf ein Szenario, wie uns die ausgeklügelten Hintertürchen für einen möglichen Dritten Weltkrieg doch noch gefährlich werden könnten. Am 29. Januar erscheint der Spannungsklassiker erstmals auf BluRay, zusammen mit einer DVD im Mediabook von Plaion Pictures.

Don Siegel (1912-1991) hatte als Regisseur in den 1940er Jahren begonnen. Nach ersten gelungenen Genrefilmen schuf er 1956 mit „Die Dämonischen“ (Invasion of the Body Snatchers), einer Verfilmung des Romans von Jack Finney, einen ersten Klassiker, der bis heute Bestand hat und etliche weitere Male adaptiert wurde. In den 1960er Jahren war Siegel überwiegend fürs US-Fernsehen tätig, bevor er sich zum Ende des Jahrzehnts wieder verstärkt dem Kino zuwandte. Zusammen mit seinem Hauptdarsteller Clint Eastwood entstanden nun weitere hochwertige Arbeiten, darunter „Coogans großer Bluff“, „Ein Fressen für die Geier“ und natürlich „Dirty Harry“, der 1971 den Auftakt für eine ganze Reihe harter Cop-Krimis bildete. Nach „Die schwarze Windmühle“ und „The Shootist – Der letzte Scharfschütze“ machte sich Don Siegel 1977 an die Verfilmung des zwei Jahre zuvor erschienenen Romans „Krieg per Telefon“ von Walter Wager (der später auch die Vorlage für „Stirb langsam 2“ schreiben sollte). Der Autor hatte in seinem Politthriller aktuelle Entwicklungen aufgegriffen, denn mit der KSZE-Schlussakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 ging der Kalte Krieg zwischen den USA und den UdSSR langsam in eine Phase der Entspannung und Normalisierung über. Wager nutzte dies in seinem Buch, um ein Schreckensszenario zu entwerfen, das dem aus Richard Condons 1959 erschienenem Roman „The Manchurian Candidate“ (verfilmt 1962 als „Botschafter der Angst“ und noch einmal 2004 als „Der Manchurian Kandidat“) gar nicht so unähnlich ist: In beiden Stoffen können Menschen in einem Zustand der Posthypnose als willenlose Zeitbomben eingesetzt werden.

In den USA kommt es zu seltsamen Attentaten eigentlich völlig unbescholtener Bürger auf militärische Einrichtungen. So fährt beispielsweise der Automechaniker Harry Bascom (Jim Mitchum) mit seinem Truck und einer Bombe in einen Militärlagerraum. Dass dort bereits seit vielen Jahren nichts wirklich Wichtiges mehr untergebracht worden war, macht die Sache nur noch kurioser. Harley Sandburg (Frank Marth) von der CIA und seine Computertechnikerin Dorothy Putterman (Tyne Daly) versuchen, hinter das Geheimnis zu gelangen, während man in Moskau schon einen Schritt weiter ist. Die UdSSR hatte nämlich während der Hochphase des Kalten Krieges sowjetische Staatsbürger in die USA geschmuggelt, wo diese falsche Identitäten annahmen und nur darauf warteten, mittels eines Hypnosecodes aktiviert zu werden, um Anschläge zu verüben. Der russische Hardliner Nicolai Dalchimsky (Donald Pleasence), der mit der Entspannungspolitik nichts anfangen kann, ist in den Besitz des geheimen Buches gelangt, das die Namen und Adressen der Schläfer enthält, die dieser nun einen nach dem anderen aktiviert. Da der Parteichef in Moskau nichts von den Schläfern weiß, schicken General Strelsky (Patrick Magee) und Colonel Malchenko (Alan Badel) mit Major Borzov (Charles Bronson) einen Einzelkämpfer in die USA, der ein fotografisches Gedächtnis hat. Vor Ort soll er zusammen mit der Doppelagentin Barbara (Lee Remick) Jagd auf Dalchimsky und diesen schließlich unschädlich machen. Das Brisante ist, dass beide Geheimdienste noch ganz andere Ziele verfolgen.

„Telefon“ ist ein meisterhaft inszenierter Politthriller ohne allzu große politische Ambitionen: Don Siegel war ein viel zu bedachter Regisseur, um sich irgendwie festzulegen. So schuf er mit diesem spannenden Ost-West-Thriller einen zeitlosen Nervenkitzelfilm, dessen Stärken in der straffen Schauspielerführung, im präzisen Timing und einer explosiven Story liegen. Ein Klassiker des spannenden Actionkinos, der in all den Jahren nichts von seiner Faszination und seinem Unterhaltungswert eingebüßt hat. Die BluRay-Erstveröffentlichung in einem Mediabook von Plaion Pictures bietet ein ganz passables Bild (im Widescreen-Format 1,85:1), das stellenweise sehr scharf, aber immer mal wieder auch sehr grobkörnig und matschig erscheint. Der Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Mono, optional mit deutschen und englischen Untertiteln) ist soweit in Ordnung und entspricht den Möglichkeiten zur Entstehungszeit. Die Extras bestehen aus dem deutschen Kinotrailer und einer sehr umfangreichen (rund 100 Motive) Bildergalerie mit internationalem Werbematerial und Aushangfotos.

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