Blue Velvet - Fremde, seltsame Welt
Blue Velvet
Fremde, seltsame Welt
Schon mit seinem Langfilmdebüt „Eraserhead“ wusste der 1946 in Montana geborene David Lynch sein Publikum aufzuwühlen. Der 1977 in Schwarz-Weiß gedrehte surrealistische Alptraum über die Geburt eines Monsterkindes nahm schon etliche Motive Lynchs vorweg, die dieser in seinen kommenden Arbeiten immer wieder aufgreifen sollte. Auch „Der Elefantenmensch“ nach realen Vorkommnissen war monochrom eingefangen und verortete seine Alpträume und Monster in der realen Welt. Lynchs dritter Film „Der Wüstenplanet“ war die groß angelegte Blockbuster-Adaption des Kult-Science-Fiction-Romans von Frank Herbert, die an den Kinokassen allerdings gnadenlos Schiffbruch erlitt und den mit Produzent Dino De Laurentiis abgeschlossenen Vertrag über die Verfilmung der beiden Fortsetzungen hinfällig machte. Stattdessen sollte Lynch für De Laurentiis nun einen kleinen Krimi für wenig Geld inszenieren. Der Filmemacher entschied sich für eine eigene Geschichte, die z.T. auf Vorkommnissen aus seiner Kindheit, z.T. auf den persönlichen Alpträumen des Regisseurs basierte. „Blue Velvet“ sollte den Ruf Lynchs wiederherstellen und die lange und erfolgreiche Phase seiner surrealen amerikanischen Angstträume einleiten, zu denen die Kultserie „Twin Peaks“ oder Filme wie „Lost Highway“, „Mulholland Drive“ oder „Inland Empire“ gehören. Für „Blue Velvet“ sollte Lynch die zweite von insgesamt drei Oscar-Nominierungen als bester Regisseur erhalten, und obwohl er weithin als einer der herausragendsten und faszinierendsten Vertreter seiner Zunft galt, wurde ihm die Gold-Statuette lediglich 2020 (fünf Jahre vor seinem Tod) in Form eines Ehren-Oscars zuerkannt.
In der Kleinstadt Lumberton in North Carolina findet der College-Student Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) nach einem Krankenhausbesuch bei seinem Vater auf einem nahe gelegenen Feld ein abgetrenntes menschliches Ohr. Er gibt das ungewöhnliche Fundstück bei Detective Williams (George Dickerson) von der Polizei ab, der die Ermittlungen aufnimmt. Von dessen Tochter Sandy (Laura Dern) erfährt Jeffrey, dass die ebenfalls in der Nachbarschaft wohnende Nachtclubsängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) derzeit auch in einen Kriminalfall verwickelt ist. Jeffreys Interesse ist geweckt, und er tüftelt gemeinsam mit Sandy einen Plan aus, wie er sich heimlich in die Wohnung von Vallens begeben kann, um der Sache auf den Grund zu gehen. Bei seinem Eindringen wird Jeffrey allerdings entdeckt und von Dorothy Vallens verführt. Als plötzlich Frank Booth (Dennis Hopper) in der Wohnung auftaucht, gelingt es Jeffrey gerade noch, sich im Kleiderschrank zu verstecken. Dort beobachtet er, wie Booth sich mit Hilfe von Amylnitrit (einem Chemsex-Stimulans) in Stimmung bringt und Dorothy vergewaltigt. Aus seinen Beobachtungen schlussfolgert Jeffrey, dass Dorothys Ehemann und ihr kleiner Sohn von Frank Booth entführt wurden und dieser die Frau damit erpresst. Jeffrey ermittelt weiterhin auf eigene Faust in dem Fall und bringt sich dabei in tödliche Gefahr.
Ein sehr eigener und auch exzentrischer Film, mutig, direkt, krass und gleichzeitig unbeschreiblich spannend und vorzüglich von David Lynch in Szene gesetzt. Dennis Hopper und Kyle MacLachlan kosten ihre Rollen voll aus und helfen zusätzlich, den ohnehin schon kurzweiligen Film wie im Fluge vergehen zu lassen, obwohl einige der Szenen nach heutigen Sehgewohnheiten sehr langsam inszeniert sind. Lynch taucht hier tief ein in die Seele Amerikas und fördert Ängste zutage, die er in einem zeitlos-surrealen Setting effektvoll vorzuführen versteht. Die 4KUHD-Erstveröffentlichung von Plaion Pictures bietet ein ganz gutes Bild (im Widescreen-Format 2,35:1), das allerdings kaum über BluRay-Niveau hinauskommt. Ähnlich verhält es sich mit dem Ton der Scheibe, der auf Deutsch wahlweise in Mono, PCM 2.0 oder im DTS HD Master Audio 5.1 vorliegt (Englisch in PCM 2.0 und im DTS HD Master Audio 5.1, optional mit deutschen und englischen Untertiteln). Außerdem enthält das Mediabook eine BluRay des Films und eine BluRay mit Extras sowie ein 24seitiges Booklet mit Filmbildern und einem analytischen Text des österreichischen Regisseurs Paul Poet („Ausländer raus! Schlingensiefs Container“). Das Bonusmaterial besteht aus einigen bereits zuvor veröffentlichten und einigen neuen Materialien: die Dokumentation „Blue Velvet Revisited“ aus dem Jahr 2016 (89 Minuten), die Dokumentation „Mysteries of Love“ aus dem Jahr 2002 (71 Minuten), geschnittenen Szenen (52 Minuten), Outtakes (2 Minuten), ein Interview mit Dennis Hopper (45 Minuten), eine Besprechung der Filmkritiker Siskel & Ebert (2 Minuten), Trailers from Hell mit Josh Olson (2 Minuten), Clips, TV-Spots, englische und deutsche Trailer zum Film sowie eine Bildergalerie.



