Ellis - Staffel 1
Sie ist hartnäckig, kann brüsk und vermeintlich herzlos sein, hat ein hervorragendes Gespür für die Anforderungen der Forensik und eine besondere Beobachtungsgabe für das Verhalten der Menschen um sie herum. Hinter der Härte, die sie ausstrahlen kann, steckt aber auch die andere Seite von Ellis (interessanterweise wird ihr Vorname in den drei Folgen der ersten Staffel nicht erwähnt). Sie kann mitfühlend und zugewandt sein, wenn es um die Auseinandersetzung mit Opfern oder Angehörigen geht, entlarvt aber dabei auch immer wieder Lügen und/oder verborgene Motive der Beteiligten, ihr Mitgefühl gehört den Opfern und denen, die um sie trauern.
Die erste Staffel besteht aus "nur" drei Folgen ("nur", weil es drei Folgen in Spielfilmlänge sind), die sich, wie beschrieben, mit den Situationen beschäftigen, in denen die Ermittlungen der dortigen Polizei in der Sackgasse hängen.Mit der Schauspielerin Sharon D. Clarke (auch bekannt aus Doctor Who, wo sie 2018 bis 2021 mit Jodie Whittaker spielte) hat sich der britische Sender Channel 5 erstmals dazu entschlossen, eine schwarze Frau als leitende Ermittlerin einzusetzen. Es ist spannend zu beobachten, wie sie mit sehr sparsamer Mimik und Gestik arbeitet, und mit Blicken oder einer kleinen Wendung des Kopfes ihr Missvergnügen ausdrücken kann. Das alles lässt sie dabei zwar unnahbar, nicht aber gelangweilt oder desinteressiert wirken.
Man kann davon ausgehen, dass DCI Ellis mit großer Wahrscheinlichkeit im Rahmen ihrer Karriere erlebt hat, wie problematisch es für eine Frau, die noch dazu schwarz ist, gewesen sein dürfte, ihre Position zu erreichen und ernst genommen zu werden. Übrigens ist Ellis die erste weibliche farbige Chefermittlerin in einer britischen Serie, was für Sharon D. Clarke mit ein Grund war, die Rolle zu übernehmen. "Mein Interesse galt also in erster Linie der Tatsache, dass jemand eine ältere schwarze Frau als leitende Ermittlerin in Betracht zog, die diese fehlgeschlagenen Ermittlungen untersuchen würde, dass sie (ich) am Ruder sein würde.Das war es, was mich interessierte, noch bevor ich die Drehbücher gesehen hatte. Denn als jemand, der in den 70er Jahren aufgewachsen ist, habe ich das nie im Fernsehen gesehen - ich habe mich nie auf diese Weise dargestellt gesehen. Und ich wollte ein Teil davon sein." (Quelle: Interview mit Sharon D. Clarke, Promomaterial Edel Motion)
In der Tat wird die Ermittlerin von Seiten der örtlichen Polizei, in deren "Revier" sie auftaucht, in der Regel erst einmal misstrauisch beäugt, nicht ernst genommen, boykottiert oder im schlimmsten Fall versucht man, sie auszubooten.In der ersten Folge ist dies beispielsweise der Fall, als man ihr DC Harper der lokalen Polizei "zur Unterstützung" beiordnet, der die Aufgabe hat, seinen eigentlichen Vorgesetzten über die Schritte von Ellis zu informieren. Dies gelingt nur so zum Teil, denn Chet Harper (der tatsächlich einen Vornamen in der Serie hat) bemerkt rasch die hervorragenden Fähigkeiten von Ellis und wird zu ihrem Sidekick, der in den beiden verbleibenden Folgen ihr Helfer wird und sich da profiliert. Chet Harper wird von Andrew Gower (unter anderem Being Human und Outlander) gespielt. Dieser wirkt manchmal etwas verschüchtert und tollpatischig im Vergleich zu Ellis, entwickelt sich jedoch zu einem wichtigen Mitarbeiter von ihr, auch wenn sie ihn dies nur im Ausnahmefall merken lässt.
Die Serie wurde inzwischen um eine zweite Season verlängert und soll hier wieder drei Folgen haben.
Mir gefielen die drei Filme richtig gut, auch (oder gerade weil) Ellis so wenig Emotionen an den Tag legt, und man bei ihr an Kleinigkeiten merkt, wenn sie nachdenklich oder ärgerlich ist. Dann spielt sie beispielsweise gerne mit dem Ladekabel ihres Handys, Dinge, die man als Zuschauer am Rande miterlebt. Auch wird ein wenig die Tatsache angedeutet, dass DCI Ellis natürlich ein Privatleben und eine Vorgeschichte hat. Diese ist nicht wirklich Thema, die Serie konzentriert sich auf die eigentliche Ermittlungsarbeit, die aus viel Lauferei/Fahrerei/Gesprächen mit den Beteiligten und die Spannungen innerhalb des Polizeiapparates konzentriert. Soweit möglich sollte man die Serie unbedingt auch auf Englisch schauen, wo nochmal deutlich wird, wie Sharon D. Clarke weniger ihre Mimik und Gestik als in dem Fall ihre Stimme einsetzt, um von einer Sekunde zur anderen scharf und hart zu werden.
Wer schnell ist, kann sich den dritten Teil der ersten Staffel heute Abend auf dem ZDF ansehen, denn heute (28.8.2025) ist die deutsche Erstausstrahlung des Teils zu verfolgen. Ich empfehle aus den gerade genannten Gründen aber die DVD.
Eine echte Empfehlung.
Kommentare
Kann man übrigens auch in der ZDF Mediathek schauen...
Ich finde, es lohnt sich.
Was neuere, britische Serien betrifft bin ich bisher ja eher ein Fan von "Inspektor Barnaby". Ich mag diese schrägen Mordgeschichten, bei denen man auch mal über die Figuren lachen kann. Mal sehen, wie ich mit der ernsteren "Ellis" klar komme.
Ich bin generell kein Freund dieser zu sehr in die Länge gezogenen Krimiabenteuer. "Father Brown" hat mit knapp 50 Minuten das perfekte Format, ebenso wie "Death in Paradise". 60 Minuten sind auch OK, aber alles darüber hinaus gehend ist mir zu viel. Siehe "Inspector Barnaby" und "Poirot".
Man muss der Serie Ellis aber zugute halten, dass jede dieser Episoden einen abgeschlossenen Fall bietet (genau wie eben bei Barnaby, nur das es hier doch etwas ernster zugeht..) Es gibt also keinen unnötig in die Länge gezogenen Handlungsbogen, der sich über eine ganze Staffel ausdehnt. Da gibt es so einige Serien, bei denen das nervt.