Vollmacht zum Mord - Der eiskalte Manipulator
Vollmacht zum Mord
Der eiskalte Manipulator
Der britische Filmguru Leslie Halliwell nannte „Vollmacht zum Mord“ von Cyril Frankel („Das Geheimnis der weißen Nonne“) „langweilig, doof“. Auch der renommierte „Motion Picture Guide“, ein Standard-Filmlexikon aus der Zeit vor dem Internet, sieht darin ein „langweiliges und wirres Drama. Ava Gardner ist schrecklich.“ Etwas gnädiger, aber auch nicht sonderlich positiv gestimmt waren die bundesdeutschen Kritiker. „Die Zeit“ bezeichnete den Film als „mittelmäßig inszenierten Agenten-Thriller“, der „Filmdienst“ meinte, der Film „bleibt in pseudo-kritischen Ansätzen stecken“ und ist „ohne Höhepunkte“ gedreht. Als Vorlage diente ein Roman von Robin Estridge (1920-2002), den dieser hier selbst in ein Drehbuch umgeschrieben hatte. Das Buch war bereits 1967 unter dem Titel „W.I.L. One to Curtis“ erschienen und der damaligen Zeit weit voraus. Denn während der Hochphase der James-Bond- und Agentenfilme waren die politischen Seiten noch klar voneinander getrennt, waren die Russen und der Ostblock das klar definierte Feindbild, wohingegen die westlichen Spione für das Gute standen und die Welt vor dem Untergang zu retten hatten. Bei Estridge hingegen sind diese durch den Kalten Krieg geprägten Ansichten nicht ganz so eindeutig voneinander getrennt. Bei ihm können durchaus auch Menschen von Jenseits des Eisernen Vorhangs hehre Ziele haben und die vermeintlich edlen westlichen Agenten mit unlauteren Methoden arbeiten. Für diese komplexen Rollen engagierte Frankel in seiner Adaption die international renommierten Stars Bekim Fehmiu („Ich traf sogar glückliche Zigeuner“) und Sir Dirk Bogarde („Tod in Venedig“), von denen insbesondere letzterer darstellerisch aus dem Vollen schöpfen konnte und eine spannende Figur kreierte.
Alan Donald Curtis (Sir Dirk Bogarde) arbeitet als Agent für einen Zusammenschluss westlicher Geheimdienste. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, die Pläne des im Exil lebenden östlichen Oppositionsführers Alexander Diakim (Bekim Fehmiu) zu verhindern. Denn Diakim möchte in sein Heimatland zurückkehren, das sich unter faschistischer Führung befindet, und dort gemeinsam mit einer Revolutionstruppe kommunistische Ideale durchsetzen. Curtis kontaktiert unterschiedliche Menschen, die in der Vergangenheit mit Diakim bekannt waren und dessen Vertrauen genießen: seine Ex-Geliebte Katina Petersen (Ava Gardner), mit der er ohne es zu wissen ein Kind hat, den idealistischen amerikanischen Journalisten Scott Allison (Frederic Forrest) und den Vertreter des britischen Außenministeriums, Charles Lord (Timothy Dalton), das Diakim einen üppigen Kredit gewährt hat, der bislang nicht zurückgezahlt wurde. Hinzu kommt die Terroristin Melissa Lascade (Nicole Calfan), der in Aussicht gestellt wird, dass ihr Freund wieder die Freiheit erlangt, wenn sie mit Curtis zusammenarbeitet. Gegen die drei anderen hat der skrupellose Agent Material in der Hand, mit dem er diese zur Zusammenarbeit erpressen kann. Aber die unter Druck gesetzten Menschen machen plötzlich gemeinsame Sache und verschwören sich gegen Curtis, um dessen Pläne zu durchkreuzen…
„Vollmacht zum Mord“ ist kein herkömmlicher Agententhriller, der mit aufwändigen Stunts und Actionszenen aufwarten kann, sondern seine Spannung primär aus den psychologischen Konflikten zieht, die sich zwischen den unterschiedlichen Figuren entspinnen. Hier kann Cyril Frankel auch auf das Talent und die Schauspielkunst seiner Stars vertrauen, von denen insbesondere Dirk Bogarde über jeden Zweifel erhaben ist. Der Brite legt seine aalglatt-zwielichtige Rolle mit sehr viel Spielfreude an, die man auch als Zuschauer in jeder Szene spürt. Wer Freude an Psychothrillern mit Spionage- und Krimielementen hat, sollte hier auf jeden Fall mal einen Blick riskieren. Die DVD-Erstveröffentlichung wartet mit einem ganz guten Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) auf. Auch der Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Digital 2.0) ist nicht zu kritisieren. Einige kurze, bislang geschnittene Szenen liegen hier nun im englischen Original mit deutschen Untertiteln vor. Als Extras gibt es eine nette animierte Bildergalerie und den deutschen und US-amerikanischen Trailer zum Film.