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Multimedial betrachtet und in HD - Der unsichtbare Dritte

Der unsichtbare DritteMultimedial betrachtet und in HD
Der unsichtbare Dritte

Der New Yorker Werbefachmann Roger Thornhill wird mit dem US-Spion George Kaplan verwechselt und im Auftrag des feindlichen Agenten Phillip Vandamm entführt. Als der ahnungslose Thornhill sich weigert, etwas zu gestehen, wird er mit Alkohol vollgepumpt und auf abschüssiger Straße in ein Auto gesetzt. Ein vorgetäuschter Unfall soll ihn so aus dem Weg räumen. Thornhill wird von der Polizei gestoppt, aber niemand glaubt ihm die abenteuerliche Story.

Der unsichtbare DritteThornhill wird jetzt als Mörder gejagt und kann gerade noch in einem Zug untertauchen. Dort begegnet er der ebenso verführerischen wie geheimnisvollen Eve Kendall.

Er entdeckt, dass Eve offensichtlich die Geliebte seines Widersachers Vandamm ist. Nach ihrem Rendezvous mit Thornhill schwebt sie nun als mutmaßliche Verräterin in höchster Lebensgefahr. (1)

Lieblingsthema Verwechslungen
Hitchcock schien Gefallen am Thema Verwechslungen gefunden zu haben. So gibt es Verwechslungen oder Verdrehungen in einigen seiner Filme. Sie betreffen fast immer die Protagonisten. Dies findet sich z.B. in "Der Fremde in Zug" oder "Der falsche Mann" aber auch in "Bei Anruf Mord".

Hier geht es um eine klassische Verwechslung. Roger Thornhill wird für einen Agenten gehalten. Dabei ist er nur ein harmloser Werbefachmann. Das bringt auch eine unfreiwillige Komik mit sich.

Der unsichtbare DritteCary Grant
Immer wenn ich einen Film mit Cary Grant sehe, kommt mir dieser immer wie eine Komödie vor. So spannend der auch ist. Dabei ist "Der unsichtbare Dritte" sicher noch der spannendste Vertreter mit Grant in Hitchcocks Schaffen. Tatsächlich drehte er seine meisten und fast einzigen Krimis und Thriller unter dem Meister des Suspense, wobei dieser Film seinen letzten Beitrag zu Hitchcocks Gesamtwerk darstellt und auch sein letzter Thriller insgesamt sein sollte. Ähnlich wie Doris Day auf weiblicher Seite, war sein Fach eher die Komödie oder in der Frühphase seines Schaffens auch schonmal ein Abenteuerfilm oder eine ernste Charakterrolle. Ein alter Mann meinte sogar einmal zur mir, er sei gar kein richtiger Schauspieler, da er nie in einem Western mitgewirkt hat.

Mir geht es auch hier so, dass der "unsichtbare Dritte" teilweise wie eine Komödie wirkt. Ein Thriller ist aber schon, wenn auch nicht wirklich. An vielen Stellen kommt Komödie durch, was aber auch bei Hitchcock nicht so ungewöhnlich ist, wenn man z.B. an "Immer Ärger mit Harry" denkt.
Synchronisiert wurde Grant in dem Film von Erik Ode ("Der Kommissar"). Das lag daran, dass die MGM-Synchronstudios in Berlin die Bearbeitung übernahmen, denn sonst wurde Grant meist von Curt Ackermann gesprochen. (2)

Viele Szenenwechsel
Der Film lebt von vielen Szenenwechseln. Von New York geht es los nach Chicago, dann in ein Maisfeld und endet letztlich am Mount Rushmore National Memorial. Davon lebt dieser Film im allgemeinen und Hitchcock verstand etwas von der Macht der Bilder, die er gekonnt einsetzte. Auf Bluray wird das besonders deutlich - man kommt sich noch einmal wie im Kino vor - fast.

Darsteller des klassischen Kinos
Neben Grant besteht ein Großteil der Crew aus gestandenen Stars des Hollywood-Krimis und Abenteuerfilms. James Mason und Martin Landau sind zwei davon, aber auch Leo G. Carroll. Den weiblichen Haupt-Part übernimmt Eve Marie Saint. Hitchcocks gelungenste weibliche Hauptbesetzung neben der von Kim Novak in "Vertigo - Aus dem reich der Toten". Meiner bescheidenen Meinung nach. Saint wurde von Eva Pflug synchronisiert. (3)

Berühmte Szene
In vielen Hitchcock-Filmen gibt es berühmte Szenen, die seziert wurden und in vielerlei Hinsicht besprochen und gedeutet wurden. Hier war es die berühmte Maisfeld-Szene, die es auch mühelos in einen James Bond-Film hätte schaffen können. Doch Hitchcock hat so unglaublich viel daraus gemacht, z.B. als Tornhill am Maisfeld wartet und sich lange Zeit nichts tut, außer dass sich eine fast zerreißende Spannung aufbaut. Szenen die Filmgeschichte machten - das war sicher auch die Dusch-Mord-Szene in "Psycho" oder die Vogel-Ansammlung vor dem Schulgebäude in "Die Vögel".

"Der unsichtbare Dritte" war nicht der letzte Spionagefilm Hitchcocks. Es war aber der letzte Film von ihm in den 50er-Jahren. Er schließt diese Phase gelungen ab und ab 1960 wird Hitchcock wieder ernster. So heiter wie hier, wird es nicht mehr ganz, obwohl sein letzter Film "Familiengrab" wieder eine reine Komödie ist.

Der unsichtbare DritteDer unsichtbare Dritte
(North by Northwest)
mit Cary Grant, Eve Marie Saint, James Mason, Leo G. Carroll, Martin Landau u.a.

Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Ernest Lehman
Musik: Bernard Herrmann
Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1959
Länge: 136 Minuten

(1)= Auszug der Inhaltsangabe der ARD
(2,3) = Wikipedia (Eintrag zum Film)
© by author

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2021-05-25 18:27
Grants letzter Thriller dürfte eigentlich "Charade, 1963" gewesen sein - auch wenn sich im Plot ein paar komische Elemente finden. Das lässt sich allerdings auch vom "unsichtbaren Dritten" sagen. Und da Cary Grant ja eigentlich eher aus dem Komödienfach kommt (wie du ja selber schreibst), könnte man diesen Umstand evtl als Zugeständnis an ihn sehen.

Die berühmte "Maisfeld-Szene und James Bond - ganz sicher kannten die 007-Produzenten diesen Hitchcockfilm - eine ähnliche Sequenz findet sich ja auch im zweiten Connery-Bond "Liebesgrüsse aus Moskau/From Russia with Love."
Es gibt aber noch mehr, was den Streifen mit dieser Reihe "verbindet. Zum einen war Alfred Hitchcock einer der favorisierten Regisseure für den ersten Bond, und zu den möglichen Kandidaten für den Titelhelden zählte neben James Mason eben auch Cary Grant. Allerdings liess sich diese Wahl schon fast nicht mehr nachvollziehen. Grant wäre zum Drehbeginn fast 60 Jahre alt gewesen und hatte auch gar keine Lust darauf Held einer ganzen Reihe zu werden. Es dürfte zudem fraglich sein, ob James Bond dann überhaupt die 1960er "überlebt" hätte.

Was den hier besprochenen Film betrifft, darf man wohl tatsächlich sagen, dass er einer von Hitchcocks besseren ist. Spannend inszeniert, kann er bis zum Schluss glänzend unterhalten. Und man kan ihn öfter ansehen - ohne, dass es langweilig wird.

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