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Eher befremdlich - »Der Todesrächer von Soho«

Die Bryan Edgar Wallace FilmeEher befremdlich
»Der Todesrächer von Soho«

In London gehen Angst und Schrecken um. Ein unheimlicher Messermörder tötet seine Opfer, nachdem er ihnen den Koffer gepackt hat. Inspektor Redford von Scotland Yard ermittelt, unterstützt wird er dabei von seinem Freund Charles Barton, einem Kriminalautor. Eine erste Spur führt in die Praxis des Arztes Dr. Bladmore. Dieser wurde am Tatort gesehen. Als ein neuer Mord passiert und der Mediziner wieder in der Nähe war, will Redford diesen aufsuchen.

Der Todesrächer von SohoDoch Dr. Bladmore ist spurlos verschwunden. Seine Wohnung wurde durchwühlt und komplett verwüstet ...(1)

Nach dem Film Das 7. Opfer erlegte sich die CCC-Film eine sechsjährige Paus ein Sachen Wallace auf. Doch nach dieser war nichts mehr so wie es war. Zwar überließ man den Markt überwiegend der Rialto-Film mit seinen Original-Wallace-Verfilmungen, doch ab 1969/70 änderte sich einiges. Auch Rialto stellte die Reihe um. Man produzierte in Co-Produktion mit Italien drei Filme, die eher dem Giallo zu zuordnen sind. Diese Stilrichtung hingegen orientiert sich an den Wallace-Filmen, sind aber von ganz anderer Atmosphäre. Erotik und ein Massenmörder stehen im Mittelpunkt. Außerdem sind diese Filme deutlich brutaler, mit Mord-Details wird nicht gespart, was vor allem in dem Film Das Geheimnis der grünen Stecknadel zu spüren ist. Auch die typischen Wallace-Stars der sechziger Jahre fehlen Großteils. Die Komik, die noch viele Schwarzweiß-Filme ausmachten, fehlt ganz oder ist eher unterschwellig untergebracht.

Artur Brauner setzte wohl nun auch auf Co-Produktionen ging aber abermals einen etwas anderen Weg. So wählte er für das Remake von Das Geheimnis der schwarzen Koffer, welches dieser Film darstellt, die Koproduktion mit Spanien. Während die Wallace-Garanten namens Tappert, Rütting und Siegfried Schürenberg in den koproduzieren Rialto-Filmen nicht mehr dabei waren, holt Brauner gerade diese Stars an den Set seines neuen Films in Portugal.

Der Todesrächer von SohoMit Fred Williams sicherte man sich einen eher minder bekannten, aber nicht weniger präsenten Schauspieler der 70er-Jahre als Inspektor, welcher sich schon 1969 in Nachts, wenn Dracula erwacht, die Ehre gab. Sein Name verhehlt, dass auch er ein deutscher Schauspieler ist. Ihm zur Seite stellte man Horst Tappert, der einen Autoren spielt, der den Inspektor bei seinen Ermittlungen unterstützt. Schürenberg wirkt auch hier etwas komisch, aber er hat eine zwielichtige Rolle. Auch Barbara Rütting ist eher böse, als gutherzig. Sie spielte in den Original-Wallace-Filmen Der Zinker und Neues vom Hexer. Wolfgang Kieling hat eine kurze Rolle als Mordopfer, in der er nicht nur nicht überzeugen kann, sondern auch noch synchronisiert wurde. Ebenfalls synchronisiert wurde Rainer Basedow. Und zwar von seinem Kollegen Elmar Wepper. Eine komische Rolle, oder eher alberne Rolle hat Luis Morris inne. Der wird in bester Pumuckl-Manier von Hans Clarin synchronisiert. All diese Synchros und ungewöhnlichen Rollen, lassen diesen Film mehr als befremdlich wirken. Auch der Drehort Portugal wirkt eher mystisch als authentisch. Das Spiel der meisten Akteure wirkt aufgesetzt und albern. Spannung sucht man vergebens. Einige Pluspunkte gewinnt die Musik von Rolf Kühn, der an die Wallace-Ära der 60er-Jahre anlehnt und an Filme wie Der unheimliche Mönch erinnert.

Zusammenfassend ist der Film ein sehr trauriges Beispiel der Reihe. Er ist m. E. schlecht inszeniert und schlecht gespielt. Und das trotz des bekannten Regisseurs Jess Franco, der gemeinsam mit Brauner auch das Drehbuch fabrizierte.

Pidax bietet den Film auf DVD, diesmal nicht in allerbester Bildqualität. Jedenfalls dann nicht, wenn man ihn direkt mit den schwarzweiß-Vorgängern vergleicht. Als Bonus findet man erneut das Presseheft zum Film und eine Bildergalerie.

Der Todesrächer von SohoHANS SCHAFFNER PRÄSENTIERT „Der Todesrächer von Soho“
mit Horst Tappert, Fred Williams, Barbara Rütting, Wolfgang Kieling, Rainer Basedow, Dan van Husen, Elisa Montés, Siegfried Schürenberg, Luis Morris, Ángel Menéndez, Moisés Augusto Rocha, Eva Garden, Andrés Monales, Mara Laso, Jess Franco, Beni Cardosi, Karl Heinz Mannchen, Guillermo Méndez

Drehbuch: Jess Franco, Artur Brauner (frei nach einem Roman von Bryan Edgar Wallace)
Kamera: Manuel Merino
Schnitt: Renate Engelmann
Musik: Rolf Kühn
Bauten: Klaus Meyenberg
Produzent: Artur Brauner
Regie: Jess Franco (=Jesús Franco Manera)
1 DVD in einem Amaray-Case mit Wende-Inlay (inwendig ohne FSK-Logo)
Laufzeit: ca. 76 Min.
Bildformat: PAL 4:3
Sprache: Deutsch
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Ländercode: 2 (Europa)
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Deutschland, Spanien 1971

(1) Pidax
Stabangaben: Pidax
Quellangaben zur Synchronisation: IMDB

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2020-10-14 15:31
"Edgar Wallace" war ja in den frühen 1970ern eigentlich gar kein sicheres Geschäft mehr, und da muss man sich schon wundern, dass immer noch Filme unter dem "Wallace-Label" in die Kinos kamen. Okay, hier wars dann mal wieder so ein Machwerk, das angeblich nach einem Roman des Sohnemanns, Brian Edgar..runtergekurbelt wurde.

Ich kann mich auch noch gut daran erinnen, dass der Film damals in unserem Kino lief. Und da wir (ich und mein Kumpel ) ja bereits den "Hund von Blackwood-Castle" (nach Papa Edgar..) auf der Leinwand erleben "durften", war die Erwartung natürlich dementsprechend (obwohl der ja auch nicht unbedingt 2das Gelbe vom Ei" war.). Fehlanzeige..

Mit einem Regisseur wie Jess Franco, der ja auch noch am Drehbuch mitgewerkelt hat, konnte man eigentlich auch nicht viel erwarten. Mir fehlte da eigentlich alles, was einen typischen Wallace so ausmachte. Den Plot war mehr als doof und die Darsteller agierten noch hölzener, als jene in den berühmten, origianalen "Edgar-Wallace-Verfilmungen.."

Artur Brauner hatte etwas Horst Wendland gemeinsam: letzterer verwässerte sein "Produkt", in dem er italienische Partner mit ins Boot brachte. Bei Artur waren es die Spanier..

Ich denke allerdings, dass die mangelhafte Qualität hier schon nichts mehr kaputt machen konnte, weil "Wallace" eh nicht mehr richtig zog.
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#2 G. Walt 2020-10-14 23:02
Der gute Herr Wendland hatte mit den Italienern ganz brauchbare Filme gemacht. Nur hätte man das Wallace-Label weglassen sollen und die Zuschauer auch nicht mit Schnitten bevormunden sollen. Aber das war dann das typsisch deutsche an den Produkten. Wallace-Label darauf und entsprechend anpassen - bis zum Titel.
Auch Brauners "schwarze Handschuhe" waren in Deutschland schrecklich verstümmelt. Mehr als die Leichen im Film. ;-)
CCC versuchte verzweifelt an den Erfolg anzuknüpfen mit den sogenannten echten Wallace.
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