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Gelobter Krimi-Mehrteiler mit Schwächen - »Die verlorene Tochter«

Die verlorene TochterGelobter Krimi-Mehrteiler mit Schwächen
»Die verlorene Tochter«

Zehn Jahre ist es her, dass Isa in der schwülen Sommernacht des Schulfestes spurlos verschwand. Es gab keine Zeugen, keine Hinweise, nichts. Zehn Jahre voll von Gerüchten, Ahnungen, Ängsten und offenen Fragen. Isas Großvater starb vor Gram, als ihn die Nachricht vom Verschwinden der geliebten Enkelin erreichte, und stellte damit die Brauerei-Familie von Gems vor einen zweiten Schicksalsschlag.

Die verlorene TochterIsas Verschwinden hat den Ort verändert, denn jeder in Lotheim war berührt von der Tragödie. Und jeder ist berührt, als Isa plötz­lich und vollkommen unerwartet wieder auftaucht – ohne Erinne­rung an das, was passiert ist. Neue Gerüchte tauchen auf: Kann sich Isa wirklich nicht erinnern? War vielleicht alles inszeniert? War sie wirklich der Engel, als der sie in den letzten Jahren galt? Und ist es überhaupt Isa, die da zurückgekommen ist? Immer mehr verbreitet sich in Lotheim die Annahme, dass Isa nichts von dem vergessen hat, was wirklich passiert ist. Und das treibt die Unruhe im Ort und in der Familie in eine neue Dimension.

"Die verlorene Tochter" erzählt im großen Bogen ein geheimnisvolles Familiendrama vor dem Hintergrund eines scheinbaren Verbrechens. In den einzelnen Episoden aber erzählt diese Geschichte von vernarbten Wunden, von Familie, von deutschem Leben und von der Suche nach Erinnerung und Vergessen, nach Wahrheit und Glück. Und sie erzählt von Flucht – auch vor der eigenen Familie. (1)

Das ZDF hat mit seiner neuen Miniserie gepunktet und nahezu 5 Millionen via Mediathek (2) dafür begeistert. Das zeigt auch, dass Streaming und Mediatheken durchaus einen Nutzerzuwachs verzeichnen. Auch im Hauptprogramm war die Serie vor allem bei den älteren Zuschauern gut besucht.

Schlechter Ton
Ich habe mir die sechs Teile angeschaut und komme zu einer sehr geteilten Meinung. Zum einen ist die Handlung und der Figurenaufbau zu loben. Auch die darstellerische Besetzung kann punkten, indem man gestandene Schauspieler wie Götz Schubert, Claudia Michelsen und Christian Berkel ans Set geholt hat. Mir sollten so Nuscheleien und undeutliche Aussprachen erspart bleiben. So glaubte ich. Doch der Ton und die Technik des Film waren sehr schrecklich. Man hat einige Darsteller tatsächlich nicht verstanden. Ganze Worte oder Sätze waren genuschelt und wurden verschluckt. Nach sechs Folgen komme ich zu dem Schluss, dass die Geschichte und der Plot ganz gut sind, wenn auch mit Abstrichen. Ich verstehe jedoch nicht, warum man diese Geschichte so kompliziert verschachtelt erzählen musste? Es diente nur dazu um den Zuschauer an der Nase herum zu führen. Das ist nichts Schlechtes, aber man spielt er zu Ungunsten einer flotten Handlung mit aussagekräftigen Dialogen, mit den Erwartungen der Zuschauer. Und das mag ich eigentlich nicht. Auch sechs Teile wären nicht nötig gewesen um diese Geschichte auszubreiten. Vier Folgen hätten locker gereicht.

Es gibt zahlreiche Wendungen, besonders in den letzten beiden Folgen. Diese sind verstörend und zum Teil droht man den Überblick zu verlieren.

Leistungen
Bei den Schauspielern überzeugten in erster Linie Götz Schubert als alter Polizist a.D., der das Geheimnis um die einst verschollene Isa lüften will. Leider wird seiner Rolle, aufgrund der vielen anderen Figuren zu wenig Raum gelassen, obwohl er die männliche Hauptrolle inne hatte. Henriette Confurirus überzeugt überaus als Titelfigur Isa.

Sie spielt ihre Emotionen glänzend. Allerdings leidet ihre Rolle auch etwas unter dem Mantel des Schweigens. Denn Isa umgibt ein Geheimnis, welches sie nicht verraten darf. Das Drehbuch lobt sie:

Ich muss ja das Geschriebene sprechen, denken und verstehen können, und das war für mich bei diesem Buch tatsächlich traumwandlerisch leicht. Ich habe schnell ein klares Gefühl für meine Rolle gefunden.

Christian Berkel und Claudia Michelsen liefern eine Routinedarbietung ab. Auch Nina Gummich und Max von der Groeben liefern sehr überzeugende Darstellungen ab.

Fragen bleiben am Ende aber dennoch offen. Ausgerechnet im letzten Teil geht alles etwas zu schnell. Und warum nun Isa von dem Franzosen aufgenommen und gesund gepflegt wurde, wird nie ganz deutlich.

Die verlorene TochterDie verlorene Tochter
Sechsteilige Event-Miniserie
Stab:
Idee und Drehbuch_____Christian Jeltsch
Regie_____Kai Wessel
Kamera_____Alexander Fischerkoesen
Schnitt_____Tina Freitag
Musik_____Martin Todsharow
Kostüm_____Wiebke Kratz
Szenenbild_____Dominik Kremerskothen
Herstellungsleitung_____Ulli Neumann
Produktion_____X FILME Creative Pool, Berlin
Produzenten_____Michael Polle und Uwe Urbas
Redaktion_____Axel Laustroer
Länge_____6 x 43'30 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller:
Isa von Gems_____Henriette Confurius
Peter Wolff_____Götz Schubert
Heinrich von Gems_____Christian Berkel
Sigrid von Gems_____Claudia Michelsen
Philip von Gems_____Rick Okon
Lore von Gems_____Hildegard Schmahl
Robert Wolff_____Max von der Groeben
Jenny Wolff_____Nina Gummich

in weiteren Rollen:
Veronica Barclay_____Emily Cox
Martin Cassdorff_____Christian Beermann
Polizist Martin Helbig_____Frederic Linkemann
Mehmet Eren_____Hadi Khanjanpour
Polizistin Kathrin_____Petra Hartung
Rebecca Hammann_____Marie Leuenberger
Bürgermeister Harald Helbig_____Michael Schiller
Marc Wolff_____Max Woelky
Greta Döhring_____Julia Jäger
Melzner_____Fritz Roth
Sven Fallax_____Alexander Wüst
Jules Girot_____Jules Armana
Uschi Cassdorff_____Carina Wiese
Kirsten Bentow_____Carolina Vera
Ronny Gerber_____Roland Wolf
Patrick Wolff_____Milo Eisenblätter
Celia von Gems_____Úna Lir
Alter Pfarrer_____Christian Steyer
Schuldirektorin_____Susann Toni Wagner
Französin Céline_____Petya Alabozova
Heilsarmist_____Hans Brückner
Leo Messsmer_____Jef Bayonne
Manager Goodman_____Clayton Nemrow
Richard von Gems_____Dieter Schaad
und andere

(1,2) = ZDF
Fotos: ZDF

© by author (Text)

Kommentare  

#1 Hermes 2020-02-04 00:13
Zitat:
Und warum nun Isa von dem Franzosen aufgenommen und gesund gepflegt wurde, wird nie ganz deutlich.
Der Franzose hatte kurz vorher seine Frau und Tochter bei einem Autounfall verloren, für den er sich die Schuld gab. Er hat die Verletzte auf der Straße auf der Straße gefunden und sich um sie gekümmert und sich als ihr Vater gefühlt und verhalten. Hat er das als vom Schicksal gestellte Chance oder Aufgabe gesehen?

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