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Lobster - Privatdetektiv mit harter Schale

LobsterLobster
Privatdetektiv mit harter Schale

Lobster ist Privatdetektiv. Für 500 Mark plus Spesen kann man seine Dienste kaufen. Und wenns drauf ankommt auch für sehr viel weniger Geld. Nämlich wenn Lobster an einem Fall besonders interessiert ist. Lobsters „bester Freund“ ist Kriminalkommissar Korn. Korn schiebt Lobster die Fälle zu, die nicht in die Kompetenz der Polizei fallen. Lobster hat eine Frau, die immer irgendwo in der Welt herumreist. Und er hat Ellen, eine Tochter von 20 Jahren, die ihn liebt und ihn kritisiert.


LobsterLobster scheint nach keiner Regel zu leben, er erscheint friedlich, faul und träge.

Tatsächlich aber hat er sich die Spielregeln seines Lebens sehr genau ausgedacht, er ist ökonomisch: er vermeidet überflüssige Arbeit. Er hat eine Sensibilität dafür entwickelt, nach welchen Regeln andere sich verhalten. Besonders in Außenseiter, in Gestrandete, in Sonderlinge, kann er sich gut hineinversetzen. Und so kommt es, dass er meist an Außenseiter gerät und in deren extreme Probleme verwickelt wird. (1)

Diese Krimiserie war Mitte der Siebziger in der Tat etwas eigenartig. Aber sie war auch Vorläufer für viele andere krimihelden. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Autoren wie Peter Berneis uns Karl-Heinz Willschrei an der Figur werkelten, deuten auf einen Vorläufer für Krimiserien wie etwa "Der Alte" (1977). Die Idee zur Serie hatte Hans W. Geissendörfer ("Lindenstraße"). Tatsächlich war die Serie so etwas wie ein Wendepunkt bei den deutschen Krimis, wo man immer mehr von klassischen Ermittlern wie "Der Kommissar", "Derrick" oder anderen abkam. ab jetzt wurden neue Konzepte erdacht. "Soko 5113" in dem es um realitätsnahe Krimis mit starken sozialen und aktuellen Bezügen ging. Auch der "Tatort" wandelte sich. Der Höhepunkt war die Figur des Schimanski, den Götz George von 1981 bis 1991 spielte. Schon "Der Alte", den Siegfried Lowitz zwischen 1977 und 1985 spielte, war ein ganz anderer Ermittlertyp. Im Vorfeld der Serie LOBSTER kam es zu Problemen. Karl-Heinz Willschrei war erbost, weil Hans W. Geissendörfer seine Drehbücher entfremdete und umschrieb. Er zog seinen Namen daraufhin ab Folge 6 zurück.

"Das ist alles so blöd und unsinnig. Geissendörfer hat sich da einen Detektiv ausgedacht, der wie ein Gammler lebt. Das wirkt alles so unglaubwürdig. Mit Sicherheit ziehe ich meinen Namen für die 6. Folge zurück. Mit diesen geschmacklosen und peinlichen Szenen will ich nichts zu tun haben. Geissendörfer hat etwas völlig anderes verfilmt, als ich geschrieben habe. Er hat versucht mein Buch so umzuschreiben, wie er schreiben würde, wenn er schreiben könnte" (2)

Der WDR empfnad die Umsetzung der Serie von Anfang an als zu kostspielig, wegen allzuhäufiger Szenenwechsel und diverser Schauplätze. Schon die ersten Entwürfe mussten deswegen verworfen, bzw. umgearbeitet werden. Später äußerste sich auch Dr. Rohrbach (Chefdramaturg des WDR) zu Regisseur Geissendörfer.

"Ich halte Geissendörfer für einen sehr guten Regisseur. Ob wir ihm aber nochmal sechs Krimifolgen geben würden, ist eine andere Frage ..." (3)

Geissendörfer kassierte eine Gage von 100.000 DM für die Serie. In der Presse bewarb man den neuen Detektiv - und es war der erste des deutschen Fernsehens - als deutschen Colombo, was völliger Unsinn ist. In Wahrheit wollte man eine Konkurrenz zu den US-Serien schaffen, weshalb der deutsche Krimi ansich ein neues Gesicht bekam. Amerikanisch waren diese Krimis dann bis in die späten 80er Jahre nie. Heute sind sie es mehr denn je. Als die sechs Folgen über die Bildschirme flimmerten, fanden sie keine Akzeptanz bei den Zuschauern. Aus heutiger Sicht verwundert das etwas. Die Storys waren sehr gut und spannend. Es gab einige Actionszenen und durchlöcherte Leichen in Nahaufnahme. Es gab Mordszenen im Detail. Das war mehr als ungewöhnlich. Aber vielleicht war das Publikum noch nicht reif dafür. Zumal Lobster alle Eigenarten eines Faulpelzes hatte, der viel im Bett herumlag und immer knapp bei Kasse war. Dieses Figurenbild erinnert auch ein wenig an den heutigen Detektiv Wilsberg im ZDF. Obwohl der etwas komödiantischer ist. Die Titelrolle übernahm Heinz Baumann. Der damals 48jährige hatte bereits Krimierfahrung durch diverse Tatortrollen. Später spielte er u.a. auch den Ermittler in "Soko 5113" (1984-1994) und in "Adelheid und ihre Mörder" (1993-2007). Detektiv war er dann nocheinmal im "Soko 5113"-Spin-Off "Solo für Sudmann" (1997).

"Ich bin sowenig ehrgeizig wie dieser Bursche. Diese Figur ist mir so ähnlich, dass ich sie mir selbst zur Freude spiele" (4)

Als seine Tochter wurde Leonie Thelen besetzt.

"Die Rolle war mir nicht so wichtig. Ich hatte mich mehr auf die Arbeit mit Regisseur Geissendörfer gefreut. Die Figur des Lobster finde ich ganz lustig. Die Geschichten sind zum Teil weit hergeholt". (5)

Gastrollen übernahmen Heinz Bennent, Lisa Kreuzer, Wilfried Klaus, Anne Bennent, Alexander Golling, Herbert Fleischmann, Andrea Jonasson, Richard Münch, Gisela Uhlen, Irm Hermann, Günther Stoll, Walter Kohut, Ivan Desny u.a.

LobsterUnd warum hieß die Serie nun ausgerechnet LOBSTER?

"Wie ein Hummer tastet der Detektiv seine Umwelt gründlich ab und schlägt unverhofft kräftig zu, wenn ihm ein Fall unter die harte Schale dringt und den weichen Kern trifft."  (6)

Studio Hamburg hat nun alle 6 Folgen auf DVD herausgebracht.

Die Folgen:

  • 1 Der Einarmige 25.02.1976
  • 2 Zwei Fliegen 10.03.1976
  • 3 Stirb 24.03.1976
  • 4 Handschellen 07.04.1976
  • 5 Blut 21.04.1976 
  • 6 Das Kind 05.05.1976


(1) Studio Hamburg
(2) Karl-Heinz Willschrei
(3) Dr. Rohrbach (WDR)
(4) Heinz Baumann
(5) Leonie Thelen
(6) Hans W. Geissendörfer

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