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Kneifel, Hanns - Der Engel der Apokalypse

Kneifel, Hanns - Der Engel der ApokalypseDer Engel der Apokalypse
von Hanns Kneifel
Historischer Roman
Originalausgabe
Bastei Lübbe Taschenbuch 16406
ISBN 978-3-404-16406-6
Euro 8,99

Bastei-Lübbe

Die ultimative Silvester-Party.

Italien Ende des 15. Jahrhundert. Nahe dem kleinen toskanischen Städtchen Lucca in Mittelitalien bereitet sich der vermögende Landadelige Desiderio Montfalcone akribisch auf den Weltuntergang zum Jahreswechsel 1499/1500 vor. Das hat seine Gründe: Die Welt der Frührenaissance ist für die Menschen von zahlreichen Ungewissheiten und Neuerungen geprägt.


Nach wie vor hält der „Schwarze Tod“ immer wieder reiche Ernte in Italien und Europa. Andererseits entdecken immer mehr Künstler und Handwerker die Erkenntnisse der römischen und griechischen Antike neu, die lange Zeit vergessen geglaubt waren und von der allmächtigen Kirche versteckt wurden. In Florenz flüstern sich die Menschen den Namen Leonardo da Vinci als einem unheimlichen Genie zu. In der Kirche bestimmen vielfach religiöse Fanatiker das Leben des einfachen Volkes: In den kleinen Stadtrepubliken Italiens macht der Dominikaner-Pater Girolamo Savonarola als Weltuntergangsprediger von sich reden. Er erwartet die Apokalypse nach der Offenbarung des Johannes für den Jahrhundertwechsel, erlebt das Großereignis aber selbst nicht mehr, weil ihn seine Gegner 1498 nach allen Regeln der Henkerskunst vom Leben zum Tode befördern.

Das kann unseren Desiderio Montfalcone nur kurz erschüttern. Der Landbaron ist aufgrund verschiedener persönlicher Vorgeschichten ein inbrünstig gläubiger Mensch, der in den Jahren vor Silvester 1499 alles dafür tut, den Weltuntergang in der Nacht zum 1. Januar 1500 als „Auserwählter“ mit seinen Getreuen zu überleben, so wie es Johannes geweissagt und Savonarola verbreitet hat. Seine Wiedergeburt soll der Bau einer gewaltigen Engelfigur unterstützen, eine für die Zeit unerhörte mechanische Konstruktion mit metallenen, beweglichen Teilen, deren gefiederte Flügel von der Kraft einer Wassermühle belebt werden sollen.

Die aus Bronze gegossenen Teile dieser Engelsfigur fertigt der Schmied und Gießer Sandro Castaciano aus einem Dorf nahe Lucca. Sandro, seine heimliche Freundin Caterina, ferner Sandros Vater und Schwester sowie ein befreundeter Dorfpolizist bilden die freundliche Gegenwelt zur mitunter sehr düsteren, von allerlei Schatten der Vergangenheit geprägten Lebenswirklichkeit des Desiderio Montfalcone. Ihr Leben und Handeln in den letzten vier Jahren des 15. Jahrhunderts verdichtet der Autor Hanns Kneifel zu einem überaus lesbaren und unterhaltsamen Roman aus der Zeit der italienischen Renaissance.

Der heute 74-jährige Kneifel war früher ein äußerst produktiver Verfasser von Science-Fiction-Romanen. „Perry Rhodan“ und „Raumpatrouille Orion“ gehören zu den bekanntesten Serien, an denen er mitwirkte. Für die Rhodan-Taschenbücher verfasste er Dutzende so genannter Atlan-Zeitabenteuer, in denen die Erlebnisse eines auf der Erde gestrandeten Außerirdischen während verschiedener Epochen der Menschheitsgeschichte geschildert wurden.

Die Erfahrungen mit diesen Zeitabenteuern führten Kneifel in den 90er Jahren, nach ihm bei der SF nichts mehr Neues einfiel und er auch aus dem Rhodan-Autorenteam geschmissen wurde, zu „echten“ historischen Romanen, von denen es mittlerweile eine ganz erkleckliche Anzahl gibt.

Und es werden glücklicherweise immer noch mehr.

In „Der Engel der Apokalypse“ darf der Leser sich einmal an Kneifels gewohnt detailreicher Sprache erfreuen. Kritiker haben ihm oft langatmige Beschreibungen vorgeworfen, tatsächlich handelt es sich dabei um intensive Beobachtungen in glasklarem Stil. Seinen Renaissance-Menschen gönnt der Autor zudem in den entscheidenden Szenen eine süffig-sinnliche Schreibe, die zu der historischen Zeit passt, aber Frauen haben es in einer solchen Welt sicher nicht einfach gehabt.

Während seine frühen historischen Romane, in denen Kneifel sich im Assyrer-Reich oder im alten Ägypten herumtrieb, oft wegen der vielen komplizierten Namen und Bezeichnungen schwerfällig daher kamen, liest sich „Der Engel der Apokalypse“ tatsächlich mediterran leicht. Der südländischen Lebensart gehört die Sympathie des Autors, das ist bei jeder beschriebenen Mahlzeit zu spüren. Olivenöl, Balsamico-Essig und Rotwein gehören dazu.

Damit das ausgehende Mittelalter und die heranbrechende Neuzeit nicht allzu freundlich erscheinen, verbindet Kneifel die Geschichte seines Landadeligen mit einem parallelen Handlungsstrang um einen Serienkiller, der in den Jahren vor dem Jahrhundertwechsel regelmäßig junge Frauen mordet und verstümmelt. Die Identität des Mannes und der Sinn seiner blutigen Taten, die einem Hannibal Lecter würdig gewesen wären, erschließt sich dem Leser erst ganz am Ende des Buches, wenn Kneifel die Handlungsstränge zu einem furiosen Finale auf einer ebenso opulenten wie ultimativen Silvester-Party zusammenführt.

Auf dem Gebiet des historischen Romans macht dem Kneifel, der sich gegen den Titel „Altmeister“ vehement wehrt, so schnell niemand etwas vor. „Der Engel der Apokalypse“ ist akribisch recherchiert, das Buch verweist auf historisches Personal und ist mit in allen Details dazu passenden erfundenen Handlungsträgern ausgestattet. Toskana-Fans können möglicherweise der Handlung mit dem Finger auf der Landkarte folgen. Ein lehrreiches, spannendes und in Abschnitten sehr sinnliches Buch – lesenswert!

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