Terra X: Tatort Steinzeit, Deutschland vor 7000 Jahren

ZDFArchäologen finden an Skeletten aus frühen Epochen wie der Steinzeit immer wieder Spuren von Gewalt, die in diesem Ausmaß lange unbekannt waren. Welche Veränderungen in der Lebensweise der Menschen in dieser Zeit führten zu Konflikten, die so brutal ausgetragen wurden? Ausgehend von Funden prähistorischer Massengräber in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niederösterreich entwirft der Film das Panorama einer Epoche, in der Menschen erstmals auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands sesshaft wurden.

Sonntag, 15. September 2019, 19.30 Uhr, ZDF
ab Mittwoch, 11. September 2019, 10.00 Uhr, Mediathek

2013 entdeckten Forscher bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt ein Massengrab mit elf Skeletten aus der Jungsteinzeit. Spuren an den Knochen zeugen von gezielter Tötung von Gefangenen. Sie zeigen , dass die Auseinandersetzungen der frühen Ackerbauern mit großer Brutalität geführt wurden. In anderen Teilen Deutschlands wurden ähnliche Gräber gefunden. Die Menschen scheinen alle zur selben Zeit brutal ermordet worden zu sein. Was ist hier vor knapp 7000 Jahren passiert?

Wissenschaftler sprechen von der "neolithischen Revolution", als sich Menschen etwa 9000 vor Christus im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds erstmals dauerhaft an einem Ort niederließen. Ungefähr 5500 Jahre vor Christus erreichte diese radikale Veränderung in der Lebensweise der Menschen auch Europa und erstreckte sich über ein Gebiet von der heutigen Ukraine im Osten bis zum Pariser Becken im Westen. Wo sich vorher noch Jäger und Sammler am Vorrat der Natur bedienten, wurden jetzt Hütten gebaut, Getreide kultiviert und Tiere gezüchtet. Siedlungen wuchsen, und der Handel florierte.

Aber die Sesshaftwerdung führte offenbar zu neuartigen Konflikten. Erstmals in der Geschichte entstand Privateigentum in einem Umfang, wie ihn die nomadisierenden Jäger und Sammler nicht kannten: Landbesitz, Häuser, Viehherden und so weiter. Mit dem Anspruch auf Eigentum schlich sich auch – das scheint die Botschaft der Massengräber zu sein – die Kehrseite des Besitzes ein: die Bereitschaft, ihn mit Gewalt gegen den Zugriff anderer zu verteidigen.

Starke Klimaschwankungen am Ende der Jungsteinzeit, die auf Ernteausfälle und Notstände hinweisen, verstärkten die Konflikte.

Am Beispiel der Funde von Halberstadt und anderer Massengräber rekonstruiert die Dokumentation das Leben der Menschen vor 7000 Jahren. Viele Fakten überraschen, etwa die Zeugnisse eines schon existierenden Fernhandels, technische Fertigkeiten und Kenntnisse sowie die Hinweise auf eine komplexe Religion. Angelegt als kriminalistische Spurensuche bringt der Film dem Zuschauer eine kaum bekannte, aber enorm folgenreiche Epoche der Menschheitsgeschichte in ihrer ökonomischen, sozialen und spirituellen Komplexität nahe.

Terra X: Tatort Steinzeit
Dokumentation
Buch: Stefan Schulze, Friedrich Steinhardt

Regie: Gabriele Wengler
Kamera: Namche Okon, Hans Jakobi, Thomas Bresinsky, Holger Neuhäuser
Schnitt: Jan-Philipp Stahl
Fachberatung: Christian Meyer
Sprecher: Tom Vogt
Produktionsleitung: Kerstin Schönborn (ZDF), Freda Wiethoff (ZDF), Hendrik Niklas (Caligari Film)
Producer: Friedrich Steinhardt
Produzentin: Gabriele M. Walther
Produktion: Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH
Redaktion: Georg Graffe
Länge: 43'30''

Bild: ZDF-Logo aus der Wikipedia

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