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Nürnberg (2025) - Prozess des Jahrhunderts

Nürnberg (2025)

Prozess des Jahrhunderts

 

Als sich unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Alliierten zu einem Tribunal zusammenschlossen, um über die noch lebenden Führungspersönlichkeiten des Dritten Reiches zu Gericht zu sitzen, wurde daraus am Ende der Prozess des Jahrhunderts. James Vanderbilt rekonstruiert diesen aus Sicht eines Psychiaters, der dafür zu Hilfe geholt wurde. „Nürnberg“ ist nun u.a. auf 4KUHD fürs Heimkino zu haben.

Mit den Gerichtsprozessen in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Nationalsozialisten gemacht wurden, beschäftigte sich bereits 1961 einer der großen US-amerikanischen Klassiker des Gerichtsfilms. Stanley Kramers Meisterwerk „Das Urteil von Nürnberg“ handelte von der Anklage einiger Richter, die während der NS-Diktatur in den Gerichtssälen nach den Gesetzen der Nationalsozialisten „Recht“ gesprochen hatten. Kramers Film ist ein frühes Beispiel für die Aufarbeitung jener Jahre, dem es auch durch seinen internationalen Erfolg gelang, der breiten Bevölkerung vor Augen zu führen, was in den zwölf Jahren der NSDAP-Schreckensherrschaft in sämtlichen Bereichen für Unrecht verübt wurde. James Vanderbilt arbeitet in erster Linie als Produzent (so zeichnet er u.a. für die Neuauflage der „Scream“-Reihe verantwortlich) und hatte mit „Der Moment der Wahrheit“ mit Cate Blanchett und Robert Redford vor zehn Jahren seinen bislang einzigen Film als Regisseur vorgelegt. Der auf authentischen Vorkommnissen und einem Sachbuch von Mary Mapes basierende Film beschäftigte sich ebenfalls bereits mit der Suche nach Gerechtigkeit in Kombination mit den Medien, was Vanderbilt nun auch in „Nürnberg“ wieder aufgegriffen hat. Im Film geht es, anders als bei Stanley Kramer, um die Verurteilung der Nazi-Führungspersönlichkeiten, und auch dieser Film fußt wieder auf authentischen Vorkommnissen, die Jack El-Hai in seinem Sachbuch „Der Nazi und der Psychiater“ aufgearbeitet hatte.

Für den jungen Psychiater Dr. Douglas M. Kelley (Rami Malek) kommt es einigermaßen überraschend, dass er 1945 von den alliierten Siegermächten engagiert wird, um einige inhaftierte Nazi-Führungsgrößen auf ihre geistige Zurechnungsfähigkeit zu überprüfen. Der wichtigste und charismatischste von ihnen ist der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring (Russell Crowe), der auf Kelley schnell eine eigenartige Faszination ausübt. Zunächst nähert er sich dem Gefangenen zusammen mit dem Übersetzer Howie Triest (Leo Woodall), verzichtet aber schließlich auf die Barriere und beginnt, Göring alleine aufzusuchen, um dessen Vertrauen zu gewinnen. Das gelingt ihm auch damit, dass er Görings Frau Emmy (Lotte Verbeek) und deren kleine Tochter ausfindig macht und zwischen den Parteien Briefe hin- und hertransportiert. In seinen Einschätzungen kommt Kelley bald zu dem Schluss, dass Göring viel zu gerissen ist, als dass ihn Justice Jackson (Michael Shannon) im bevorstehenden Prozess wirklich festnageln könnte. Da die Alliierten sich aber keinesfalls die Blöße geben können, Göring am Ende freizusprechen, lässt sich Kelley auf das Doppelspiel ein, die Anklage mit Informationen über seinen Patienten und dessen Denkweise zu versorgen.

„Nürnberg“ lebt zunächst von der ungewöhnlichen Perspektive, die der Film durch die Wahl seines Protagonisten einnimmt. So dürften die meisten Zuschauer hier zum ersten Mal von den psychologischen Gutachten der Nazi-Bonzen erfahren und auf diese Weise Einblicke in deren Denkweisen erhalten. James Vanderbilt betreibt hier eine spannende Analyse des Bösen, und zeigt auch das Dilemma auf, in das sich die eigentlich Guten manövrieren, indem sie selbst einige fragwürdige Entscheidungen treffen. Dadurch, dass sich viel im Vorfeld des Prozesses abspielt, ist dies weit mehr als ein Gerichtsfilm geworden. Nichtsdestotrotz lebt das Werk von den grandiosen Darstellerleistungen und den ausgeklügelten Rededuellen zwischen den Beteiligten, vor allem Russell Crowe sticht hier äußerst positiv hervor. Durch die Einbindung einiger historischer Dokumentaraufnahmen von der Befreiung der Konzentrationslager auch von einer enormen emotionalen Sprengkraft und Wichtigkeit. Die 4KUHD-Erstveröffentlichung von Weltkino (Leonine) bietet ein exzellentes Bild (im Widescreen-Format 2,39:1). Auch der Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 5.1, Deutsch auch zusätzlich im DTS HD Master Audio 2.0, optional mit deutschen Untertiteln) ist sehr gut ausgefallen, wenngleich aufgrund der Art des Films vergleichsweise unspektakulär. Das Bonusmaterial der Steelbook-Veröffentlichung umfasst eine zusätzliche BluRay des Films sowie einen Audiokommentar mit Vanderbilt und Chefkameramann Dariusz Wolski, Interviews mit Regisseur und Drehbuchautor Vanderbilt (7 Minuten), Darsteller Michael Shannon (8 Minuten), Rami Malek & Leo Woodall (8 Minuten) und Richard E. Grant (8 Minuten) sowie Teaser und Trailer zum Film.

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