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... Pascal Hermeler über Abgründe und Poetry Slam

Pascal Hermeler ... Pascal Hermeler ...
... über Abgründe und Poetry Slam

"Jerome Arn D'Jeffey, einer der jüngsten Buchautoren der Welt" - mit diesem Prädikat begann Pascal Hermeler seinen Weg aus Autor. Das Buch "Shawn Stone: Die Macht der Magie" erschien 2008. Inzwischen ist Pascal ein Slammer ... ein Poetry Slammer. Wer Pascal Hermeler ist, um was es sich bei einem Poetry Slam handelt und welche Abgründe er kennt, darum geht es in diesem Interview.

Zu spät – Eine Geschichte von Abgründen (Auszug)

„Es ist dunkel, kalt, geräuschkarg und einsam hier – genau richtig!“ spricht er in sich hinein und verharrt in Bewegungslosigkeit verfallen hinter den Büschen der einsamen Landstraße... es ist Freitagnacht, in wenigen Minuten blättert die Zeit um und ein neuer Tag beginnt. „Es ist nur eine Frage der Geduld. Sie kommen alle hier vorbei“ sprechen seine Gedanken und er schweigt still... Kälte, Feuchtigkeit, Einsamkeit und Dunkelheit, machen ihm nichts aus denn er schwebt, schwebt höher als jedes andere Individuum und er wartet!

Im Dorf nahe der Landstraße verlässt Marie angetrunken aber dennoch zurechnungsfähig die Disco, sie ist allein - ihr Freund und die anderen sind noch dort -Tränen überschallen ihre Wangen und sie will einfach nur fort, fort von hier, nach Hause oder sonst wohin. Sie kramt den Schlüssel ihres Rades heraus, schließt das Schloss auf packt es in ihre Tasche, stellt diese in den Fahrradkorb, nimmt es aus dem Radständer, setzt sich darauf und fährt los. „Du Arschloch, du gnadenloses Arschloch! Du wirst mich nie wieder sehen!“ sagt sie „Aber du wirst von mir hören“ flucht sie und schwankt ein wenig beim Radfahren, sie gelangt langsam auf die Landstraße, ihr Licht weist ihr den Weg durch die Dunkelheit.
Wie recht sie hat, wenn sie sagt „du wirst noch von mir hören“ und wie naiv sie doch ist zu denken das er sie nie wieder sieht.

Die feinen Ohren der Menschgewordenen Bestie erschnappen das Speichengeräusch der fremden Radfahrerin, seine Augen sind das einzige was in der Dunkelheit aufblitzt. Helle blaue, starrende, kühle Augen.

Sie singt leise ein kleines Lied um Ihre Angst hier in der Dunkelheit zu verdrängen, doch immer wieder nimmt sie Schattenspiele ihrer Phantasie war und fürchtet sich vor dem glucksen des Kreuzchens und vor dem mahnen der Laubbetten, welches wenige Zeit später ihr eigenes werden wird.

Nun sieht er sie, macht sich bereit für einen Sprung aus dem nichts.... aus der Jackentasche holt er ein Tuch und eine Flasche mit einer gefährlichen Flüssigkeit. Er lässt einige Tropfen mit dem Tuch eins werden und wartet auf den passenden Moment.

Zauberspiegel: Als wir dich um ein Interview baten - und einen Text aus deiner Feder, hast du uns den Text "Zu spät" gegeben. Wir bringen einen kleinen Auszug, da der Text aus einem Buch stammt, das noch nicht erschienen ist. Um was geht es in dem Text?
Pascal Hermeler: Es ist der heftigste Text, den ich habe. Er handelt von Missbrauch und Mord. Das Buch voller Abgründe besteht aus kurzen Texten von maximal 7 Minuten Vortragslänge. Alle Texte handeln von "Abgründen". Es geht um all das, was hinter verschlossenen Türen geschieht - aber nicht ausgesprochen wird.

Zauberspiegel: Du hast in dem Buch, wie du sagst, Texte, die nicht gerade einfache Kost sind?
Pascal Hermeler: Ich habe diesen "Zu Spät"-Text unter Angstzuständen geschrieben, aber ich hatte das Gefühl, dass dieser Text geschrieben gehört. Weil genau das irgendwo geschehen ist, und ich es erzählen muss. Es ist außerdem der einzige Text, den ich bis heute nicht vorgetragen habe, weil ich mich dazu nicht befähigt sehe. Er ist circa ein dreivertel Jahr alt.

Zauberspiegel: Wenn du sagst weiter oben "Vortragslänge" ... das deutet  schon an, dass dies nicht in erster Linie ein Buch zum "leise lesen" ist ... Was für ein Buch erwartet einen?
Pascal Hermeler: Es ist ein klassisches Poetry Slammer Buch. Alle Texte sind Slamtexte. Daher für einen Vortrag konzipiert und nicht wie z.B. ein Roman geschrieben.

Zauberspiegel: Du sagst, es sei ein Poetry Slammer Buch ... Was ist ein Poetry Slam?
Pascal Hermeler: Ein Poetry Slam ist ein moderner Dichterwettstreit, bei dem mehrere Autoren selbstgeschriebene Texte innerhalb einer individuellen Zeitvorgabe präsentieren müssen. Jene Texte werden immer von einer Jury, die meist aus dem Publikum besteht, bewertet.

Zauberspiegel: Und du bist ein Poetry Slammer? Warum? Was interessiert dich an dieser Art deine Werke zu präsentieren?
Pascal Hermeler: Ich bin ein Slammer, weil mich diese Art mit direkter Publikumskonfrontation begeistert. Ich habe die Möglichkeit, direkt mit meinem Publikum zu kommunizieren. Außerdem gibt es ganz tolle Menschen innerhalb dieser "Community".

Zauberspiegel: Du sagst, die direkte Art der Rückmeldung des Publikums gefällt dir.  Dass heißt ja auch, das du dich sehr direkt der Reaktion stellst ... Positiv (das ist natürlich schöner), aber auch negativ. Braucht das nicht besonders viel Mut? Eine direkte, ungefilterte Ablehnung, während einer solchen Veranstaltung kann ja unter Umständen doch recht heftig sein. Das auszuhalten, stelle ich mir nicht ganz einfach vor.
Pascal Hermeler: Weil ich "bühnengeil" bin. Ich brauche die Bühne und brauche das Publikum. Anders kann ich's nicht erklären. Naja, man hört dir zu was du zu sagen hast und man jubelt dir zu - oder schweigt dich an bzw. buht.

Zauberspiegel: Wie lange "machst" du schon Poetry Slams? Wie kam es dazu?
Pascal Hermeler: Etwas über ein Jahr. Ich habe ja 2008 einen Roman veröffentlicht. Und bei einer normalen Lesung auf der Leipziger Buchmesse wurde mir gesagt, dass meine Art vor zu lesen sehr lebendig ist. Und ich mich mal mit Slam Poetry auseinander setzen sollte. Außerdem bin ich in der Alphabetisierung tätig und habe Infoveranstaltungen für den Bundesverband Alphabetisierung gehalten.

Zauberspiegel: Der Roman heißt Shawn Stone: Die Macht der Magie Band 1. Was ist der Unterschied für dich zum slammen? Warum ist der Poetry Slam reizvoller?
Pascal Hermeler: Naja, weil ich neue Städte kennen lernen kann. Weil ich neue Menschen kennen lerne, weil ich mich immer neu ausprobieren kann. Ich habe in einem Jahr circa 110 Slams besucht und an circa 90 Slams teil genommen. Ich verdiene damit, mit Workshops und Webdesign mein Geld.

Zauberspiegel: Seit wann gibt es diese Slams? Woher kommen die und wie entstanden sie?
Pascal Hermeler: Sie sind 1986 in Chicago entstanden. Es gibt in Deutschland eine Szene, die sich über Myslam.net vernetzt und plant. Man findet da alle Termine, teilweise sogar über den großen Ozean hinaus

Zauberspiegel: Du hast gesagt, du wärst im Bereich Alphabetisierung aktiv. Woher dieses Interesse?
Pascal Hermeler: Ich bin selber ehemaliger funktionaler Analphabet und konnte bis zu meinem 11 Lebensjahr nicht schreiben. Ich habe eine auditive Wahrnehmungsstörung. Daraus resultierte eine Legasthenie.

Zauberspiegel: Was bedeutet das für dich als Autor, als Slammer und für die Workshops heute?
Pascal Hermeler: Dass ich darauf achte immer konzentriert zu arbeiten, weil sich sonst wieder heftigste Fehler einmischen. Die Workshops sind zum Thema mit Problemen umgehen und an ihnen wachsen. Ich erzähle Geschichten über mich. Meine Geschichte, was mich gefestigt hat. Ich glaube, dass jeder Mensch gefestigt werden kann... Aber auch warum ich denke, dass in jedem Menschen ein Wesen steckt, das in der falschen Situation etwas falsches tun kann.
 
Zauberspiegel: Danke für das Interview, Pascal. Wir hoffen, dass wir dich dieses Jahr auf einem Slam hier in der Region treffen können, und wünschen dir bis dahin viel Erfolg!
Pascal Hermeler: Es gibt ja einen Slam in eurer Gegend, da treffen wir uns, versprochen. Bis dahin!

Kommentare  

#1 Zorro01 2011-01-27 18:26
Ein interessanter Beitrag....der Begriff Poetry Slam war mir bisher nicht geläufig und der Auszug aus "Zu spät" ist stark....
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#2 Claudia Kern 2019-08-06 15:01
Interessant, dass man ihn heute als verhinderten Hobbykoch bei "Rosins Restaurants" findet, neben seiner Mutter, die mittlerweile 100000 Euro Schulden angehäuft hat und nebenher als Kartenlegerin tätig ist. Aber was solls.. mit ehrlicher Arbeit kommt man heutzutage in Deutschland sowieso nicht mehr voran.
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