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... Oliver Graute über Crowdfunding, ein Stretchgoal und noch mehr Denglisch

Oliver Graute... Oliver Graute ...
... über Crowdfunding, ein Stretchgoal und noch mehr Denglisch

Große Verlage nehmen Anleihen auf oder gehen an die Börse, wenn sie große Projekte stemmen oder sich den Herausforderungen der Zukunft stellen wollen. Bastei Lübbe zeigt das.

Welche Möglichkeiten bleiben kleineren Häusern? Eines davon ist das sogenannte Crowdfunding. Darüber sprachen wir mit Oliver Graute von Feder & Schwert.


Oliver GrauteZauberspiegel: Oliver, herzlichen Glückwunsch ...
Oliver Graute: Danke, aber wozu?

Zauberspiegel: Naja, Buchmesse, Galaktisches Forum, Buchmessecon - wenn man diese Langstrecke in und um Frankfurt geschafft hat, kann man gratulieren, oder? Es ist immerhin eine anstrengende Woche gewesen.
Oliver Graute: Ach so, ja, das stimmt. Die Zeit um die Buchmessen ist immer etwas hektisch.

Zauberspiegel: Außerdem seid ihr dank des Buches "Die zerbrochene Puppe" einer der ersten deutschen Verlage überhaupt, der erfolgreich ein Crowdfunding-Projekt realisieren konnte. Kannst du für unsere Leser, die mit der zerbrochenen Puppe bisher nichts anfangen können, kurz erzählen um was es in dem Buch geht?
Oliver Graute: Sofern ich weiß sind wir tatsächlich der erste Verlag, der erfolgreich einen Roman in Deutschland per Crowdfunding finanziert. Ohne die tatkräftige Unterstützung der einzelnen Autoren wäre uns das vermutlich aber auch nicht gelungen. Die zerbrochene Puppe handelt von der Physikerin Æmelie von Erlenhofen die auf einer Konferenz in Venedig den Prototypen einer Brennstoffzelle vorstellt. Kurz darauf dringen wandelnde Tote in ihre Unterkunft ein und töten die Wissenschaftlerin. Ihrem Mann Naðan gelingt die Flucht. Das Letzte, was ihm von Æmelie bleibt, ist ihre alte Porzellanpuppe, die mit der Stimme der Verstorbenen spricht. Die sterblichen Überreste Æmelies indes verschleppen die wandelnden Kadaver. Die Polizei kann der Spur bis nach Æsta, einer schwimmenden Stadt auf einem Eisberg, folgen, wo sie sich verliert. Naðan beschließt, weiter nach Æmelies Leiche zu suchen. Mittellos fahndet er zwischen Gewerkschaftlern, Huren und Opiumsüchtigen nach dem Täter. Eine Odyssee beginnt, in deren Verlauf Naðan zahlreiche Irrungen und Wirrungen durchleben muss, ehe er einem schrecklichen Geheimnis auf die Schliche kommt.

Zauberspiegel: Mit "Die zerbrochene Puppe" habt ihr Samstag den Preis für den besten deutschen Fantasyroman gewonnen. Was war zuerst da - die Idee für die Anthologie oder die Information über den Preis als bester Roman?
Oliver Graute: Die Idee für die Anthologie war zuerst da. Das Crowdfunding für „Eis und Dampf“ lief bereits einen Monat, bevor wir davon erfuhren, dass „Die zerbrochene Puppe“ prämiert werden sollte.

Zauberspiegel: Schon erwähnt habe ich ja den Begriff des Crowdfunding. Da der Begriff noch nicht allgemein bekannt ist, was bedeutet Crowdfunding ganz allgemein und speziell in eurem Fall?
Oliver Graute: Crowdfunding ist die Finanzierung von Projekten, Produkten oder Geschäftsideen mit Hilfe von Fremdkapital. Kapitalgeber dabei ist die mehr oder weniger anonyme Masse der Internetnutzer. Der Projektleiter kalkuliert sein Projekt und setzt einen Mindestbetrag fest, der dann im Laufe einer ebenfalls von ihm festgelegten Frist durch Unterstützer (Crowdfunder) erbracht werden muss. Dabei steht es den Unterstützern frei, ob sie das Projekt aus altruistischen Beweggründen, also ohne Gegenleistung, finanzieren möchten oder ein zuvor vom Verlag in Aussicht gestelltes Dankeschön für ihren Einsatz haben wollen. Damit ein solches Projekt überhaupt erst einmal starten kann, muss es zuvor eine am Betrag orientierte Zahl von Freunden generieren. Ist diese Zahl erreicht, beginnt die Unterstützungsphase. Dabei leistet jeder Unterstützer einen nur geringen finanziellen Anteil der Gesamtsumme. Wurde das Projekt dann in der vorhergesehenen Zeit ausreichend finanziell unterstützt und der Schwellenwert erreicht, geht das Buch in die Printpublikation, und die Förderer erhalten ihre „Dankeschöns“. Scheitert das Projekt, erhält jeder Förderer sein zuvor investiertes Geld ohne Verlust zurück. Dafür garantiert die zwischengeschaltete Bank, die das Treuhandkonto zum betreffenden Projekt verwaltet.

Zauberspiegel: Warum habt ihr euch für diesen Weg der Finanzierung entschieden? Crowdfunding ist ja im deutschen Verlagswesen bisher nicht ausgesprochen verbreitet.
Oliver Graute: Nun ja, wir sind ein kleiner Verlag, der sich keine Fehler leisten kann. Aus jahrelanger Erfahrung wissen wir, dass Anthologien so etwas wie das schwarze Schaf der Phantastik sind. Sie verkaufen sich nicht sonderlich gut. Darüber hinaus ist Steampunk ein noch recht neues, unbekanntes Genre innerhalb der Phantastik und somit ist ein Projekt wie „Eis und Dampf“ ein echtes Wagnis. Da wir es aber dennoch probieren wollten, weil bei uns nicht jede Entscheidung mit dem Rechenschieber getroffen wird, haben wir diesen Weg ersonnen.

Zauberspiegel: Nachdem klar war, dass es geklappt hat euer erstes Ziel zu erreichen, war am 09.10.2013 das erste "Stretchgoal" finanziert. Was bedeutet "Stretchgoal"? Und warum bekommt ihr nicht genug?
Oliver Graute: Stretchgoals sind sogenannte erweiterte Ziele. Sie ermöglichen es den Projektleitern und dem Publikum gleichermaßen auszuloten, wie weit die Begeisterung reicht. Wenn die Crowd mit dem E-Book zufrieden gewesen wäre, dann wäre es nicht zum Erreichen eines Stretchgoals gekommen. Offenbar streben die Fans aber doch nach mehr und was wir nicht zu hoffen gewagt haben, hat jetzt doch die Chance wahr zu werden: Die gedruckte Auflage des Titels.

Zauberspiegel: Mal ganz ohne Enthüllungsjournalismusgehabe - die Entscheidung zu Crowdfunding ist für einen etablierten Verlag nicht ganz ungefährlich, oder? Das Risiko, sich zu blamieren, wenn man die angestrebte Summe nicht zusammenkriegt, nur mal als Beispiel. Wart ihr euch sicher, dass es klappt, oder denkt ihr da irgendwie anders?
Oliver Graute: Wir haben bereits einmal „versagt“. Vor über einem Jahr haben wir einen Krimi über diese Methode finanzieren wollen und sind gescheitert. Doch es hat uns nicht geschadet. Es hat uns nur gezeigt, dass wir etwas bei dem Projekt falsch gemacht haben und/oder dass das Buch niemand haben wollte, und wir sind ganz froh darüber, es herausgefunden zu haben, bevor ein Baum dafür sterben musste. Die Buchbranche ist im Umbruch begriffen. Wir testen Vieles aus und lassen es hinterher wieder sein oder freuen uns, dass es funktioniert hat. Wer das nicht begreift, der hat bereits verloren.

Zauberspiegel: Wie ist das für einen Starter? Hockt man die ganze Zeit am Rechner und wartet auf den virtuellen Countdown bzw. das Feuerwerk, wenn der entscheidende Euro in der Supporterkasse klimpert? Bricht man beim Jubel in das untere Stockwerk durch? Und was bedeutet es für dich als einen der beiden Federn und Schwerter? Oder war da eher der Steampunker in dir aktiv?
Oliver Graute: Ganz ehrlich, ich habe nicht daran geglaubt, dass es funktioniert. Crowdfunding hält in Deutschland nur sehr zögerlich Einzug. Es ist schwierig das Vertrauen der Menschen in diese Form der Projektfinanzierung zu erlangen. Wenn sie aber erst einmal gemerkt haben, dass es für sie keine Nachteile gibt, klappt es ganz gut. Als wir das erste Ziel so schnell erreicht hatten, war ich schon sehr glücklich und voller Hoffnung, auch weitere Projekte auf diesem Weg angehen zu können. Und ja, natürlich sitzt man vor dem Rechner und schaut regelmäßig nach, ob sich was getan hat.

Zauberspiegel: Gerade in diesem Moment - bei wieviel steht euer Konto? Solltet ihr die Kosten für das gedruckte Buch bis zum 20.10. einspielen, was ist das nächste Goal?
Oliver Graute: Das gedruckte Buch ist erst Mal das Endziel. Wir würden noch weitermachen, aber die Zeit dürfte für nichts Weiteres ausreichen. Für weitere Ziele, wie etwa ein Rollenspiel vor dem Hintergrund der Welt von „Die zerbrochene Puppe“ müsste man ein neues Projekt anbahnen. Derzeit steht der Zähler auf 2.515 €. Es fehlen also noch knapp 600 € bis zum finalen Sieg. Aber ein Sieg ist es natürlich jetzt schon.

Zauberspiegel: Jetzt nochmal für mich zur Klärung: Es gibt also auf jeden Fall ein E-Book der Anthologie. Die kann ich kaufen. Die "detaillierte Karte Europas und Nordafrikas in der Eiszeit für den Roman" bekomme ich nur, wenn ich auf die Seite des Projektes gehe http://www.startnext.de/eis-und-dampf und das Projekt mit 15€ als Kartograph unterstütze? Anders kaufen kann ich die nicht? Was muss ich machen, wenn ich eine gedruckte Ausgabe von "Eis und Dampf" (also der Anthologie) will? Wird es danach nie mehr eine gedruckte Ausgabe der Geschichtensammlung geben? (Wenn nein, warum nicht?)
Oliver Graute: Puh so viele Fragen auf einmal. Das E-Book kommt auf jeden Fall und wird auch normal im Handel erhältlich sein. Der Erlös aus den Verkäufen kommt natürlich auch den Autoren zugute, die bislang noch nichts daran verdient haben. Eine gedruckte Auflage wird es vermutlich nicht geben, wenn die Finanzierung nicht gelingt. Es sei denn, das E-Book verkauft sich so gut, dass wir neu denken müssen. Die Karte kann man vermutlich auch im Nachgang beziehen, denn sie ist ebenfalls finanziert und wird aus produktionstechnischen Gründen in größerer Stückzahl produziert als im Augenblick zwingend nötig. Um das gedruckte Werk zu unterstützen und direkt zu bekommen, muss man im Projekt das Dankeschön Teslafriese für 25 € wählen. Wenn die Finanzierung der Printversion steht muss man bei uns nur angeben, dass man Eis und Dampf möchte, klappt es nicht, kann man sich ein anderes Buch auswählen.

Kommentare  

#1 Christian 2013-10-17 14:01
Der Projektlink fehlt leider.

www.startnext.de/eis-und-dampf

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