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»Ich war jünger als meine Schüler« - Erlebnisbericht eines Erst-Dozenten (23)

Der Dozent»Ich war jünger als meine Schüler«
Erlebnisbericht eines Erst-Dozenten (23)

Halle (S.) - Anfang des Jahres hatte ich mich mit einer Idee an die hiesige Volkshochschule gewandt. Nun, um genau zu sein, habe ich mich bei zwei Volkshochschulen beworben: Einmal die städtische und dann die Gemeinde-Volkshochschule im benachbarten Landkreis. Die Reaktionen hätten nicht unterschiedlicher sein können: Die städtische VHS reagierte verhalten auf mein Angebot, da man bereits einen Kurs mit einem etablierten Schriftsteller älteren Semesters hatte.

 

Der klassenraumDoch man war so "nett" und nahm mich mit meiner Kursidee „Schreib gut – für Autoren und Laien“ trotzdem auf. Die Gemeinde-VHS wiederum reagierte sehr positiv und geradezu enthusiastisch; man überredete mich sogar zu einem Jugendkurs.

Doch die Teilnahmen? Während sich ganze zwei (sic!) Leute für die Gemeindekurse interessierten und jener damit ins sprichwörtliche Wasser fiel, hatten sich insgesamt neun Leute für den Stadtkurs eingetragen! Für die Art des Kurses und die Umstände ist das ein grandioses Ergebnis. Und - das möchte ich betonen - als "Anfänger", gegen Konkurrenz und mit einem Minimum an Werbung!

Selbst die Volkshochschulleiterin fand lobende Worte, dass sie mit so einem regen Interesse nicht gerechnet habe - und verpflichtete mich im selbem Atemzug gleich für das nächste Semester.

Aber nun zum Kurs an sich: Er war in zwei Sitzungen geteilt, jeweils Montagabends. Der erste Termin war am 21.11. Wie zu erwarten war ich aufgeregt, aber vor allem ängstlich.

Warum ängstlich?

Nun, ausgerechnet zwei Tage vor dem großen Tag - zwei Tage vor meinem D-Day - wurde ich heiser! Gibt es das? Ja, das tut es! Klischeehafter ging es kaum, doch dank starken Medikamentenkonsums konnte sich meine Stimme die drei Schulstunden hindurch halten und der Kurs lief.

Der Schlüssel Wie war meine Klasse?

Super! Ich hatte von 23 bis 73 Jahren und vom Romancier bis zum Märchenerzähler alles im Raum sitzen. Sehr nette und höfliche Leute mit interessierten Fragen, ergiebigen Diskussionen und einem wirklichen Interesse an der Literatur und am Schreiben.

Die Sitzungszeit habe ich gut rumbekommen und verließ an jenem Tag die Volkshochschule mit dem guten Gefühl, geholfen zu haben.

Zur zweiten Sitzung: Hatte ich meine Klasse in der ersten Woche noch leicht heiser unterrichtet, war ich diesmal gut genug auskuriert und wieder voller Tatendrang. Bei der ersten Sitzung ging es vor allem um Grundlagenbegriffe: literarische Genres, Erzählperspektiven und die berühmte Inspiration. Heute sollte es aber knallhart ums Schreiben selbst gehen. Denn die Schüler hatten eine Hausaufgabe aufbekommen, die ausgewertet wurde und die ich auch gleich in den Unterricht einbezog, um Prämisse, Exposé und Verlagsanschreiben abzuhandeln.

Genauso interessiert wie beim letzten Mal wurden mir wieder etliche Fragen gestellt - insbesondere, als das Thema Verlage aufkam und ich Publikumsverlage und DKZV ansprach sowie einige private Erfahrungen zum Besten gab.

Auch diesmal verließ ich das Klassenzimmer wieder gut gelaunt, wenngleich noch allerhand Papierkram ausgefüllt werden wollte. Doch zum ersten Auftritt als Dozenten weiß ich nur zu sagen: Es - lief - großartig!

Ich könnte kaum zufriedener sein. Der interessanteste Aspekt war jedoch nach wie vor, wie einfach es war, sich als Dozent zu etablieren. Keine behördlichen Sperren oder Hürden bei der Tauglichkeit. Es ist ein vertrauensvoller Umgang miteinander.

Und – habe ich das bereits erwähnt? – im Mai 2012 wird es wieder einen Kurs geben!

Kommentare  

#1 Jonas Hoffmann 2011-12-31 02:38
Congrats.
Als ich mich das erstemal vor einen Kurs gestellt hab dacht ich, dass das nie gut gehen kann. Aber mit Vorbereitung und Ahnung gehts.
#2 Kerstin 2011-12-31 18:34
Wenn die Schüler sich für die Sache interessieren und mitarbeiten - wie man das bei VHS-Kursen erwarten sollte, schließlich sind die freiwillig da - kann das sicher eine sehr ersprießliche Zusammenarbeit sein. Natürlich muss auch der Dozent seinen Teil dazu beitragen und wirklich sachkundig sein.

Was es bei uns so an entsprechenden Kursen, Literaturkreisen und Schreibwerkstätten gibt, meist von hauptamtlichen Schullehrern gehalten, hat mich allerdings nicht verlocken können. Das ist mir zu nahe an Schule dran und zu weit weg vom echten Schriftstellerleben.

Ein Kurs, wie im Artikel beschrieben, wäre dann schon wesentlich interessanter.
#3 McEL 2012-01-01 20:14
Deckt sich mit meinen Erfahrungen. Manche Kurse fallen mangels Schülermassen aus, andere werden dagegen richtig toll.
M. E. hängt es tatsächlich von der Begeisterung des Lehrers für seinen Stoff ab, ob die Teilnehmer Spaß dran haben. Vorausgesetzt er kann die rüberbringen. Dann profitieren beide Seiten davon.

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