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Von Cliff zu Biff - Die umbenannten eBook-Helden

Von ›Cliff‹ zu ›Biff‹ Die umbenannten eBook-HeldenVon ›Cliff‹ zu ›Biff‹
Die umbenannten eBook-Helden

Bereits mehrfach wurden die Neuausgaben klassischer Heftromane als eBooks bei Cassiopeiapress / Edition Bärenklau angesprochen. (z.B. in den Beiträgen »Marken-Western als E-Books – Western Mustang - Feuerross - Kellock - Nevada - Red Rock Ranch …« und »Alter Wein in neuen Schläuchen – ›Timetravel‹ alias »Zeitkugel‹ als eBook«). Hier will ich nun versuchen einen allgemeinen Überblick über diesen Veröffentlichungsdschungel zu geben.

Einzelromane bleiben dabei zunächst einmal außen vor, ich beschränke mich auf Serien und die Umbenennung der Serienhelden. Was teilweise zu recht fragwürdigen Namen führte! Hintergrund dieser Umbenennerei ist die Rechtslage. Zwar hat Bärenklau über die Autoren bzw. deren Erben die Rechte an den Texten, die Rechte an den Serientiteln und den Namen der Protagonisten liegen aber weiterhin beim damaligen Verlag.

Dass aus Bill Waco, dem „Texas Marshal” der Bastei-Serie von William Scott (d.i. Peter Haberl) nun ein US Marshal Bill Logan wurde, wird wohl keinen Leser irritieren. Eher könnte die Entscheidung jedem Autor nur einen (seinen vermeintlich bekanntesten) Alias-Namen zuzuordnen, zu Verwirrungen führen. Weniger bei Peter Haberl – alle seine Romane werden unter Pete Hackett veröffentlicht –, aber wenn von Werner Dietsch selbst Arzt- und Liebesromane unter dem Western-Pseudonym Glenn Stirling erscheinen, befremdet das schon. Zudem kann man durchaus streiten ob beispielsweise Fritz Tenkrats Horror-Pseudonym A. F. Morland wirklich bekannter ist als sein Krimi-Pseudonym Brian Ford.

Western:
Ich teile die Übersicht nach Genres auf, vom Western über Kriminal- / Agentenromane und Horror bis zur Science Fiction. Die Romane aus der Western-Serien des Wolfgang-Marken-Verlages wurden bereits anderweitig besprochen, somit mögen hier nur noch die Western-Serien der anderen Verlage folgen. Aus dem Halbblut LOBO wurde CHACO, 49 Romane sind bislang erschienen; viele jedoch von Dietmar Kuegler, dessen Romane bei Bärenklau inzwischen nicht mehr erhältlich sind. LASSITER mutierte sowohl zu GRAINGER (bisher neun Romane) wie auch zu JOHN CUTLER (bisher ein Roman erschienen, einer angekündigt). Bei anderen Verlagen ist er bekanntlich unter weiteren Namen erschienen. JIM SHANNON war eine beliebte Sub-Serie von John F. Beck im Silber-Western, sie erscheint nun unter dem gleichen Titel und sogar in der ursprünglichen Reihenfolge als eBook. Gleiches gilt für zwei weitere John F. Beck-Serien: SHINGO aus den „Kung Fu-Western” des Bastei-Verlags wurde nur leicht variiert zu SHENG (NB.: Diese Romane sind weitaus besser als ihr Ruf und erscheinen ebenfalls in der originalen Reihenfolge.). Und aus der Zauberkreis-Serie „Socorro” wurde „Saltillo”. Die Protagonisten SEAN O’HARA, BEULAH SHEEN und JOE MERCER wurden ebenfalls nur geringfügig in SAM O’HARA, LAYLA SHEEN und BUCK MERCER umbenannt. Auch hier erschienen die ersten 13 Romane in der gleichen Reihenfolge wie die Hefte. Überhaupt ist zu sagen, dass die Chance auf eine originale Veröffentlichungsreihenfolge umso größer ist, je weniger Autoren an der Serie beteiligt waren.

Eine eigene Untersuchung wert wäre die Entwicklung von Alfred Wallons Serie „San Angelo Country”. Nachdem zunächst Wallons eigene Romane veröffentlicht wurden, integrierte dieser zwischen Band 31 und 44 Romane von Peter Dubina in die Serie. Ab Band 45 fanden Romane aus den unterschiedlichsten Western-Serien Eingang, darunter auch einige aus der legendären Serie „Tombstone”. JIM KANE wurde somit zu JAY DURANGO und LARRY CALHOUN und aus AMOS KANE wurde ANDY NOLAN, aber auch TOM CALHOUN und JOHN CALHOUN. Als moderne Western werden gerne die Trucker-Romane bezeichnet. Erstaunlicherweise erschien die Serie „320 PS-Jim” nicht nur unter ihrem alten Namen, auch die Trucker JIM STONEWALL und CHRIS MORRIS durften ihre Namen behalten. Warum allerdings vier Romane der Serie von Alfred Wallon als „Highway Cowboys” mit den umbenannten Fahrern JIM SHERIDAN und CHRIS MORGAN außerhalb der Serie veröffentlicht wurden, bleibt schleierhaft.

Detektive und Agenten:
Blieben die Namen der Serienhelden bei den Western recht nah bei Vorlagen, bei den Kriminalserien verließ die Bearbeiter mehr als einmal der gute Geschmack. Die größte Verirrung war wohl aus CLIFF CORNER, der Chicagoer Jerry-Cotton-Version, einen BIFF CALDER zu machen. Calder geht ja noch, aber Biff? Wer denkt sich diesen Namen für einen Serienhelden aus? Zum Glück erschien hiervon nur ein Roman. JERRY COTTON selbst fand in zwei Metamorphosen seine Wiedergeburt, als JESSE TREVALLIAN und als PERRY RYKER. Spezi PHIL DECKER agiert als MILO TUCKER bzw. LUKE WEBBER. Während bereits rund 150 Jesse-Trevellian-Romane erschienen sind, beschränkten sich Perry Rykers Auftritte auf drei Fritz-Tenkrat-Romane.

Auch Peter Haberls OWEN BURKE ist eine Jerry-Cotton-Adaption, allerdings in der dritten Person geschrieben und so stark bearbeitet, dass es sich quasi um neue Romane handelt. Aber Burke brachte es bisher auf immerhin 66 Einsätze. Jerry Cottons größter Konkurrent am Zeitungskiosk, JO LOUIS WALKER, gen. „Kommissar X” bekam den herrlichen Namen BOUNT REINIGER, aus TOM ROWLAND wurde – weniger originell – TOBY ROGERS. Unter dem Titel „N.Y.D. – New York Detectives” sind bisher schon über 200 Romane wiederveröffentlicht.

Die Umbennenung von JOHN DRAKE in ARCHIBALD DUGGAN dagegen lässt statt eines Agenten eher einen Butler erwarten. Zwölf Romane von .ky und Glenn Stirling gibt es bis jetzt. Infantil klingt auch TOBY MARTINI, hinter dem sich Kriminalreporter TOBY GIN verbirgt; doch hier war ja schon der Originalname Geschmackssache. Gelungen dagegen die neuen Namen von FRANCO SOLO, der nun ROBERTO TARDELLI heißt, und der „Fledermaus” ANTHONY QUINN, als TONY CANTRELL fast klangvoller als das Originalname. Die Kelter-Serienhelden JACK HILTEN und MIKE TAYLOR finden sich nun als JACK BRADEN (gelungen) und MIKE TORRINGER (geht so) wieder. Und die INSPECTOREN KENNEDY (Kelter-Krimi) bzw. MCCORMICK ermitteln nun als INSP. FERGUSON bzw. MCALLISTER.

Die Serienhelden aus „Der Baron”, „Callgirl 2000” und „Sam & Sally” finden sich nun in „Der Baron”, „Die Agentin” (aus NATASCHA ULOWA wurde NATALIA USTINOV) und „Ein Fall für Sid & Sue Harrison” wieder. An der Grenze zur Science Fiction stehen die Reihen „Checkpart”, „Plutonium Police” und „Mark Baxter”. Sie kehren als „Global Task Force”, „Nuclear Task Force” und Unsichtbare Mission” zurück. Wobei MARK BAXTER für „Unsichtbare Mission” der wenig klangvolle Namen MIKE BORRAN verpasst wurde. Einen ungewöhnlichen Weg ging Hans-Jürgen Raben. Während ein Großteil seiner Romane in den Reihen New York Detectives und Roberto Tardelli wiedererscheinen, wollte er offenbar auch einen eigenen Helden kreieren. STEVE MCCOY war Rabens Pseudonym als Kommissar X-Autor, nun wurde unter diesem Namen ein neuer Protagonist geschaffen, der in umgeformten Krimis der Reihen „Silber Krimi”, „Kommissar X” und „Franco Solo” auftaucht und es auf immerhin schon 14 Fälle brachte.

Horror:
Wenig Änderungen waren bei den Horrorromanen nötig. Dass GORDON BLACK zu BLAKE GORDON wurde ist verschmerzbar, da MILTON SHARP, Wolfgang Rahns Subserie aus dem Silber-Gruselkrimi, ebenso ihren Namen behalten konnte wie Fritz Tenkrats BARRY BELMONDO aus den Vampir Horror Romanen. Und auch BRENDA LOGAN aus der Frauengrusel-Serie „Das magische Amulett” darf weiterhin unter eigenem Namen agieren.

Science Fiction:
Unübersichtlich und nicht immer geschmackssicher wurden die Umbenennungen bei den Science-Fiction-Romanen vorgenommen. Hinter der bislang 38-bändigen „Chronik der Sternenkrieger” steckt die einstige Kultserie „Sternenfaust”. Hier erscheint die Umwandlung gelungen, die Titel zeigen an, dass aus dem Kreuzer ‚STERNENFAUST’ die ‚STERNENKRIEGER’ wurde. Aus Captain DANA FROST wurde RENA SUNFROST und die Offiziere MICHAEL TONG, STEPHAN VAN DEYK und ROBERT MUTAWESI heißen nun RAPHAEL WONG, STEVEN VAN DOREN und ROBERT UKASI. Das Prequel um Commander Leslie aus den Sternenfaust-Hardcover findet man als zwanzigbändige Subserie „Commander Reilly”, wobei RICHARD J. LESLIE zu WILBUR J. REILLY mutierte. Eine anderes legendäres Raumschiff, die ‚Orion’, taucht nun als Raumschiff ‚Prokyon’ wieder auf und bringt die Orion-Romane von Harvey Patton neu heraus. Hier kann man sich wohl am schwersten an neue Namen gewöhnen. TAFFORD B. CAINE, LUCA LADORA, DORIT GRENELLE, ORVID BASHKIRI, LARS GUNNARSSON und MITANI N’KASAA klingen eigentlich ganz gut, doch CLIFF ALLISTAIR MCLANE, MARIO DE MONTI, HELGA LEGRELLE, ATAN SHUBASHI, HASSO SIGBJÖRNSSON und ARLENE N’MAYOGAA aus dem Kopf zu verdrängen ist fast unmöglich. Gegen „Space Agent” BARRY CLAYBORN kann man wenig einwenden, er tritt an die Stelle BARRY SCOTTS aus der Serie „Commander Scott”. Und seine Buddys PENZA SARATOW, VEEM CHEMILE und PROF. LUDEN durften sogar ihre Namen behalten. Nicht gefallen muss einem jedoch, dass aus dem klassischen Perry-Rhodan-Rivalen MARK POWERS der eher holprig klingende MARK TOLINS wurde. Über die Änderungen bei der Serie „Timetravel” bzw. „Zeitkugel / Erde 2000” wurde bereits berichtet.

Kaum durchzublicken ist bei den diversen ‚Raumschiff Promet’-Serien. Schon die Altserie ist mit Serien und Subserien („Arn Borul – Von Stern zu Stern”, „Raumschiff Promet”, „Promet – Neue Abenteuer”, „Promet-Sternenabenteuer”, „Titan-Sternenabenteuer”) etwas für Eingeweihte; die eBooks sind es ebenso. Da gibt es unter dem Übertitel „Weg in die Galaxis” Subserien wie „Raumschiff Pluto” (dahinter stecken Romane der klassischen Serie aus den AV Science Fiction Romanen) und „Neue Abenteuer” (aus den „Promet – Neue Abenteuer”-Büchern, Nummerierung beginnt obskurerweise erst mit #6, die es aber dafür gleich zweimal gibt), aber auch die eigentliche „Weg in die Galaxis”-Serie, die „Titan-Sternenabenteuer” bringt. Hier seien nur wahllos einige Umbenennungen herausgegriffen: Aus der ‚PROMET’ wird die ‚PLUTO’, aus dem RAUMSCHIFF TITAN das RAUMSCHIFF FERRUM, aus ARN BORUL wird ARON LUBOR und AMOS CARTER wird zu ANDREW FROST.

Die Suche nach der originalen Heftausgabe ist manchmal echte Detektivarbeit, zuweilen bleibt sie auch erfolglos. So konnte ich z.B. bisher nicht herausfinden welche Romane sich hinter den vier ‚New York Police Department’-eBooks von Peter Haberl verbergen. Doch Hinweise auf frühere Titel tauchen leider nur sporadisch in den eBooks auf. Wünschen würde man sich auch eine größere Sorgfalt bei der Titelbilderstellung. Die Titelbilder einer Serie halten nur selten ihren Stil über viele Romane hinweg bei, eine Identität durch einheitliche Cover entsteht so nicht. Die Meinung, das sei bei einem eBook nicht nötig, kann ich dabei nicht teilen.

Kommentare  

#1 matthias 2018-11-04 00:12
Vielen Dank für diese tolle Aufschlüsselung. Für mich als Gelegenheitsleser sehr interessant.
Sammler hingegen sehen das sicherlich anders...
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#2 Heiko Langhans 2018-11-04 10:46
Der Hinweis auf Franco Solo hat etliche Zuordnungen erbracht ...
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#3 Zakum 2018-11-04 15:55
Auch von meiner Seite sei DANK ausgesprochen!
Nicht nur bei Franco Solo, sondern auch sonst konnte man ein wenig fündig werden. Ja, war schon ganz hilfreich ;-)
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