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Eine Frage der Perspektive

SchicksalswächterEine Frage der Perspektive

Nach einer langen Zwangspause kann ich nun wieder den Blick auf das Geschehen in der Heftromanserie Professor Zamorra werfen. Das eine solche Pause manchmal ganz nützlich sein kann, war eine recht interessante Erkenntnis, dazu aber später mehr. Was aktuell, wie auch ein paar Romane vorher, in der Serie passiert ist, kann man durchaus interessant nennen. Die Ereignisse um LUZIFER und die Schöpferwesen haben ihren Höhepunkt erreicht.

Diesen Höhepunkt habe ich persönlich auch in dieser Form erwartet. Subtil wie eine Abrissbirne wird das Fundament der Serie fast schon zertrümmert. Das die Erneuerung des Höllenkaisers nicht klappen wird, war ja nun vorhersehbar, eine andere Wendung der Ereignisse war aufgrund der vorherigen Romane kaum noch denkbar.


Mein erster Reflex war dann auch die Titelseite anzusehen und zu schauen, ob da nicht Tony Ballard steht, denn dort wurde das Ende der Serie in ähnlicher Weise eingeläutet. Aber da es ja glücklicherweise mit Zamorra weiter geht, stand ich natürlich vor der Frage, was das denn nun soll. Geht es da jetzt nur noch um eine Abgrenzung bezüglich der Serienvergangenheit? Also einfach mal alles Zerschlagen und dann selber was aufbauen? Nein, kann ich mir nicht vorstellen. Denn bei aller Kritik, die Hintergründe spielen ja vor allem bei Oliver Fröhlich und Volker Krämer noch eine entscheidende Rolle. Auch Christian Schwarz war ja vor der Schöpferwesen Thematik um diese bemüht. Ich gehe davon aus, das der Höllenkaiser und seine Dämonensippe wieder auftauchen werden, ansonsten wird Zamorra in Zukunft viel Freizeit haben.
 
Klar, die japanischen Gottheiten, die auf der Bildfläche aufgetaucht sind, waren ein sehr großer Fremdkörper. Es musste wohl mit aller Gewalt diese Mythologie in die Serie gedrückt werden. Warum und wieso weiß ich nicht. Aber für mich als Leser waren diese Gottheiten immer deplatziert. Was aber wohl nicht nur mir so gegangen ist, denn laut Susanne Picard werden diese Gottheiten beinahe einhellig als albern angesehen. Aber gut, es ist nun mal geschehen. Kritisch sehen kann man das durchaus, ändern lassen wird es sich nicht mehr, da es Vergangenheit ist.

In meinen vorherigen Kolumnen ist meine kritische Position bezüglich der momentanen Form der Serie Professor Zamorra deutlich geworden, insofern möchte ich das nicht wieder aufwärmen. Nicht weil ich der Diskussion überdrüssig bin, sondern weil sich meine Perspektive geändert hat. Deswegen auch die oben gewählte Überschrift. Das, was diese Romanserie für mich sehr lesenswert gemacht hat, ist ja nicht verschwunden. Ich kann jederzeit in meine Sammlung schauen und mich daran erfreuen. Dann finde ich wieder die verschiedenen Handlungsebenen, die trotz ihrer Vielzahl immer wieder miteinander verknüpft werden. Ebenso finde ich dort längst vergessene Begleiter von Zamorra, bzw. Begleiter, die jetzt nur noch ein Schattendasein fristen. Oder wenn ich an die sehr guten Mehrteiler denke, die es geschafft haben über vier oder fünf Romane eine komplexe und abwechslungsreiche Handlung zu präsentieren. Aber der Mann, der hauptverantwortlich dafür war, ist leider verstorben, insofern wird die Serie niemals wieder so sein, wie er sie erschaffen hat. Wichtig bleibt aber, dass man sich der Hintergründe bewusst ist und auf diesen aufbaut.

Aber trotzdem bringt es nichts an der Vergangenheit zu hängen. Susanne Picard und das Autorenteam haben jetzt ihre eigenen Vorstellungen. Und genau diese brauchen sie auch um die Serie überhaupt weiter fortführen zu können. Sie können Werner Kurt Giesa nicht kopieren. Ich erwarte nicht mehr die Qualität, die ich bis Band 800 gewohnt gewesen bin. Dies meine ich jetzt auch nicht negativ, sondern es ist einfach eine andere und neue Erwartungshaltung entstanden. Andere Vorstellungen und Arbeitsweisen führen auch zu anderen Ergebnissen. Diese müssen auch nicht unbedingt schlechter sein. Problematisch wird es dann, wenn man versucht, es mit neuen Elementen/Einflüssen zu übertreiben. Diese Gefahr besteht in der aktuellen Serie durchaus. Der Gegensatz zwischen dem, was Christian Schwarz mit den Schöpferwesen gemacht hat, und wie Volker Krämer und Oliver Fröhlich mit der Serie umgehen, ist schon enorm. Da habe ich manchmal das Gefühl als würden gegensätzliche Kräfte aufeinandertreffen. Auf der einen Seite der Wille unbedingt neue Wege zu gehen, koste es was es wolle, auf der anderen Seite die Verbundenheit mit der Serie und ihren Hintergründen. Wenn da in Zukunft eine Balance gefunden wird, dann kann das für die Serie selber nur positiv sein. Ich bin gespannt, was in Zukunft passieren wird.

Zusätzlich zu der neuen Perspektive/Erwartungshaltung kann man einen wichtigen Punkt auch nicht außer Acht lassen. Wenn Susanne Picard mit ihrem Autorenteam diese Verantwortung übertragen wird, der Schöpfer der Serie verstorben ist, dann kann es ein „Weiter so“ einfach nicht mehr geben. Wer Verantwortung trägt, muss diese rechtfertigen. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, ob diese falsch oder richtig gewesen sind, sieht man erst, wenn diese Entscheidungen zu einem Ergebnis führen. Jeder, der selbst eine gewisse Verantwortung im Berufsleben hat, weiß, dass man zwar versucht mögliche Konsequenzen so gut wie möglich zu berücksichtigen, aber die Realität orientiert sich nicht immer an den Planungen. Auf der Leserseite des aktuellen Bandes passiert meiner Meinung nach etwas Erstaunliches, aber im positiven Sinn. Ich finde es hervorragend, dass auf dieser Leserseite sehr kritische Stimmen zu der Handlung um die Schöpferwesen veröffentlicht werden. Jetzt könnte man natürlich fragen, ob es aufgrund der schieren Menge an negativem Feedback nicht anders geht, aber das mache ich natürlich nicht…  Denn die Reaktion von Susanne Picard auf diese Kritik finde ich sehr passend. Sie versucht einen Blick hinter die Kulissen zu geben, bleibt dabei aber durchaus selbstkritisch. Mich persönlich hat diese Reaktion wirklich positiv überrascht. Kritik wird registriert, dies ist ein guter Schritt in die Zukunft. Ich denke, ich habe Susanne Picard in der Vergangenheit auch unrecht getan, wenn ich der Meinung war, dass Kritik nicht gern gesehen wird. Mal schauen, wie dies in Zukunft gehandhabt wird.
 
Entscheiden wird natürlich nur der Kunde. Erschwerend kommt hinzu, dass der Markt für Heftromane kaum hohe Wachstumsraten vorweisen kann, falls es diese überhaupt geben sollte. Das ist ein Umstand, welcher die Arbeit sicher nicht leichter macht. Hat man die Möglichkeit neue Kunden zu gewinnen, dann arbeitet es sich auch leichter, als wenn man ständig um die kaum wachsende/rückläufige Kundschaft kämpfen muss. Denn gewinnen kann man dann schwerlich etwas, sondern nur verlieren. Hier bin ich auch mal gespannt, was zukünftig passieren wird.

Wie sich die Serie in Zukunft weiter entwickeln wird, bleibt natürlich abzuwarten, aber ich bin bereit mich überraschen zu lassen. Im positiven wie auch im negativen Sinne. Denn Kritikpunkte gibt es nach wie vor. Eines ist mir aber in den letzten zwei Wochen besonders aufgefallen. Dies mag daran liegen, dass ich nach meiner langen Pause in sehr kurzer Zeit 15 Romane gelesen habe. Es geht um die Gesamtstruktur/Gesamtbild der Serie. Die Serie wirkt wie ein Puzzle, dessen Teile einfach nicht zusammenpassen wollen. Die Autoren schreiben ihren Themenbereich, aber es kommt fast zu keinen Überschneidungen der Handlungsebenen. Es wirkt dann mehr wie verschiedene Serien innerhalb der Romanserie von Professor Zamorra. Dies führt dazu, dass die Serie deutlich lebloser wirkt. Es fehlen einfach die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Ebenen. Kommt es doch mal zu einer Überlappung, wie bei diesen japanischen Göttern, dann hatte das für mich keinen Aha-Effekt, was vor allem mit der Darstellung dieser Götter zu tun hatte. Da wird meiner Meinung nach doch erhebliches Potenzial verschenkt. Um mal das Beispiel mit den Sandkästen zu bemühen: Jeder hat seinen eigenen, baut vielleicht auch sehr schöne Sandburgen, nur fehlt die Verbindung zu den anderen Sandburgen.

Ich weiß natürlich nicht, wie es mit der Serie weiter gehen wird, ob sie sich mehr zum positiven entwickeln wird, oder ob man den momentanen Status quo erhält. Aber die Vergangenheit sollte man vielleicht jetzt ruhen lassen, oder sich an ihr erfreuen, wenn man in die eigene Sammlung blickt. Was natürlich nicht bedeutet, dass man fehlerhaftes Hintergrundwissen oder willkürliches Umschreiben der Hintergründe tolerieren sollte, ebenso wie die Qualität der Romane natürlich auch wichtig ist. Aber das Kapitel Werner Kurt Giesa und was man machen könnte, mache ich für mich persönlich zu. Es ist eigentlich auch unfair, denn seine Leistung bei Zamorra wird von einem Autor kaum zu erreichen sein.

Die schwarze SeerBand 957 Der schwarze See (Andreas Balzer)
Zamorra und Nicole werden vom CIA auf weniger charmante Art und Weise dazu gezwungen ihnen bei einem Problem zu helfen. Die anfängliche Weigerung führt sogar dazu, dass der CIA Agent Devaine auf Nicole schießt. So zwingt er Zamorra zur Zusammenarbeit, denn nur dann bekommt Nicole die nötige Operation. Dass er sich dabei verkalkuliert ist besonderen Gegebenheiten geschuldet. Die Quelle des Lebens hat da ebenso Anteil dran wie Merlins Stern. Trotzdem stimmt Zamorra zu und hilft der CIA.
In Kolumbien gehen derweil seltsame Dinge vor. Der Regenwald ist zu einer Todeszone verkommen, die alles Leben zerstört und Menschen in Dämonen verwandelt. Um diese Gefahr bannen zu können, sieht der Geheimdienst nur eine Möglichkeit. Mit der Hilfe von Zamorra wollen sie ins Zentrum dieser Todeszone vordringen und eine Nuklearbombe zünden. Eine recht „elegante“ Lösung. Während also Zamorra den Weg ins Zentrum der Todeszone findet, erholt sich Nicole von ihren Verletzungen und wehrt sich gegen mehrere Angriffe der Dämonen. Nur um dann in die Hände eines kriminellen Plantagenbesitzers zu fallen.

Wie es das Schicksal so will erhofft sich dieser „Zuckerbaron“ Antworten von Nicole, denn seine Männer haben einen Dämonen gefangen, halten diesen aber für ein gezüchtetes Experiment aus einem Genlabor. Da er nicht sonderlich zufrieden mit den Antworten von Nicole ist, führt das schlussendlich dazu, dass sie sich alle in einem Kampf auf Leben und Tod gegen diesen Dämonen wiederfinden.

Während also Zamorra in der Todeszone um sein Leben kämpft, gegen einen Gegner, dem er nicht gewachsen ist, und Nicole den Plantagenbesitzer und gefangenen Dämonen beschäftigt, eröffnet sich noch ein weiteres Problem: Zamorras Heimat wird von Gestaltwandlern angegriffen, den Shi-Rin. Dies führt dazu, dass alle Dorfbewohner ins geschützte Château Montagne evakuiert werden. Es beginnt ein heftiger Kampf, der nur mithilfe des Silbermonddruiden Gryf ap Llandrysgryf geführt und gewonnen werden kann. Der Roman findet dann seinen Höhepunkt, als die Nuklearbombe tatsächlich gezündet wird, die frei werdende Energie aber von der Entität absorbiert wird, die für die Todeszone verantwortlich ist. In letzter Sekunde schafft Gryf es dann Zamorra aus dieser Todeszone zu retten und sie treten den Rückzug an.

Der Roman von Andreas Balzer hat mich von der ersten Seite an spannend unterhalten. Er beginnt direkt mit einem Paukenschlag, dem Schuss auf Nicole und führt diese Spannung auch bis zum Ende weiter. Die Handlung auf drei Ebenen spielen zu lassen ist dem natürlich auch zuträglich. Einmal Zamorra mit dem skrupellosen CIA Agenten in der Todeszone, der Kampf der verletzten Nicole und der Überlebenskampf im Château Montagne. Die drei Handlungsstränge ergänzen sich gut und so kann der Spannungsbogen immer aufrecht gehalten werden. Etwas Stirnrunzeln hat bei mir das Ende ausgelöst, denn da stehen sich dann Nicole und der Agent, der auf sie geschossen hat, gegenüber und es passiert genau gar nichts. Das konnte ich dann nicht so ganz verstehen, denn genau diese Tat ist ja ein zentrales Element gewesen, da wäre ein deutlicheres Ende sicher besser gewesen. Sie hätte ihm wenigstens mal die Leviten lesen können. Aber nein, es wird ja lieber über den Hintern von Zamorra geredet.
 
Hinzu kommt, dass das von den Gestaltwandlern attackierte Dorf zerstört wurde, dieses dann aber mal eben innerhalb von 14 Tagen wieder aufgebaut wird. Anstatt diesen Umstand mit in die nächsten Romane zu nehmen und diesen zu berücksichtigen, wird einfach mal das zerstörte Dorf vor Château Montagne im Schnellverfahren wieder aufgebaut. Wenn man schon den Mut hat, auch mal was kaputt gehen zu lassen, dann bitte doch konsequenter, was die Folgen betrifft. Da das Chateau zu einem Asyl für die Dorfbewohner geworden ist, könnte man diese Problematik in den nächsten Romanen auch wieder aufleben lassen. Aber dieses Schnellverfahren wirkt doch deplatziert.

Kommentare  

#1 Remis Blanchard 2011-02-11 08:35
Mit Kritik ist das immer so eine Sache. In den 90er Jahren war ich mal auf deinem Pery Rhodan Con und da wurde das Thema Kritik auch angesprochen. Und das sagte Arnd Ellmer, der LKS Onkel, er würde kaum, wenn überhaupt kritische Leserbriefe bekommen. Wenn ich ich mich aber dann durch diverse Foren durchlese, sieht das Bild aber ganz anders aus. Schreiben diese Leuten denn keine Leserbriefe an den Verlag, oder werden diese Briefe bewusst nicht gebracht um eine positives Bild der Serie zu übermitteln? Hat man Angst, dass viele Leser dann abspringen würden, wenn zu viele kritische Leserbriefe veröffentlicht werden?
Mir ist auch aufgefallen, dass Susie endlich mal kritische Leserbriefe veröffentlicht. Ich finde das sehr positiv, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass nur positive Briefe in der Redaktion eintrudeln.
Was die Handlung angeht, muss man sehen, was die Zukunft bringt. Ich gehe ja mal davon aus, dass Susie und ihr Team sich irgendetwas ausgedacht haben um die Problematik Vernichtung der Hölle usw. auf einen neuen Kurs zu bringen. Da wird die London Thematik ja auch noch eine wichtige Rolle spielen. Ich denke mal in den nächsten 4 bis 6 Romanen werden wir vielleicht ein wenig klarer sehen.
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