In brightest day, in blackest night Green Lantern auf dem Bildschirm 10.01 Lanterns Staffel 1 Episode 1
In brightest day, in blackest night
Green Lantern auf dem Bildschirm 10.01
15 Jahre ist es inzwischen her, dass Hal Jordans erster Versuch die Kinoleinwände zu erobern, krachend scheiterte. Für 2020 war mit Green Lantern Corps zwar bereits ein neuer Anlauf geplant, der aber niemals realisiert worden ist. Nun macht sich der Streamingdienst HBO MAX an, die Abenteuer des smaragdgrünen Ritters erneut auf den Bildschirm zu bringen.
Die erste Frage, die sich Green-Lantern-Kennern unweigerlich stellt, lautet: Haben die Macher aus dem Desaster des Kinofilms gelernt? Die kurze Antwort: Ja, das haben sie. Allen anderen dürfte diese Frage ohnehin ziemlich egal sein, schließlich können sie völlig unvoreingenommen an die Serie herangehen. Puristen der Comicvorlage hingegen könnten sich an einigen Entscheidungen reiben. Denn Lanterns macht vieles richtig, aber eben auch vieles anders.
Der Großteil der ersten Folge spielt im Jahr 2016. Hal Jordan hat seine große Zeit als Green Lantern bereits hinter sich. Die Guardians haben John Stewart zu seinem Nachfolger erwählt und Hal soll den neuen Rekruten ausbilden. Das sorgt für Spannungen in dem ungleichen Duo und es entwickelt sich eine Buddy-Cop-Dynamik.
Auch auf der Erde bleiben Hal und John ihrem eigentlichen Beruf im Grunde treu. Als Green Lanterns sind sie intergalaktische Gesetzeshüter und in Nebraska ermitteln sie als Polizisten. Doch hinter dem Fall scheint mehr als ein gewöhnliches Verbrechen zu stecken. Einer der Verdächtigen ist ein als Mensch getarnter Außerirdischer und der Tatort ist nicht weit von der Stelle entfernt, an der Hal Jordan vor vielen Jahren seinen Green-Lantern-Ring erhielt. Die Folge endet mit einem Paukenschlag. Die Handlung macht einen Sprung ins gegenwärtige Jahr 2026 und dort macht John Stewart eine Entdeckung, die alles bisher Gesehene auf den Kopf stellt.
Zunächst präsentiert sich die Serie wie ein klassisches Copdrama, das an Erfolgsformate wie True Detective erinnert. Das übliche Origin entfällt, wie überhaupt die typischen Superheldenelemente nicht vorhanden sind. Und das tut dem Format sichtlich gut. Vergessen sind der Kinofilm, in dem in kryptischen Worten die Geschichte des Green Lantern Corps in den ersten zwei Minuten auf den Zuschauer reinprasst und ihn ratlos zurücklässt. Langsam baut sich die Handlung auf und richtet ihren Fokus auf die beiden Hauptakteure Hal Jordan und John Stewart. Der Zuschauer erhält so die Möglichkeit, sich Schritt um Schritt dem DC Universe und der komplexen Materie des Franchise anzunähern.
Hal Jordans beste Jahre scheinen hinter ihm zu liegen. Er ist sichtbar gealtert, desillusioniert und sein ausgeprägter Zynismus lässt keinen Zweifel daran, dass das Leben als Green Lantern seine Spuren hinterlassen hat. Trotzdem scheint es ihn zu stören, dass ihn der junge John Stewart ersetzen soll. Für John ist die Begegnung eine Ernüchterung. Er wird mit dem Helden seiner Kindheit konfrontiert und lässt die bissigen Sprüche und fragwürdigen Aktionen zunächst über sich ergehen.
Hal Jordan wird von Kyle Chandler gespielt und Aaron Pierre verkörpert John Stewart. Das Zusammenspiel der beiden funktioniert hervorragend und bietet dem Zuschauer einen guten Einstand in Lanterns. Dabei greifen die Macher auf ein bewährtes Konzept zurück. Zwei ungleiche Ermittler stolpern in einen mysteriösen Fall, während ihre Partnerschaft von der klassischen Dynamik zwischen einem abgeklärten Meister und seinem jungen, ambitionierten Schüler geprägt ist. Das ist zwar nicht neu, bietet aber die Möglichkeit, die Charaktere sich entwickeln zu lassen.
Das Origin aus der Comicvorlage verlieren die Macher dabei aber nicht ganz aus dem Auge. Hal Jordan hat als junger Mann seinen Ring von Abin Sur erhalten und arbeitete als Testpilot. In späteren Jahren ist er zur Polizei gewechselt und hat John Stewart als Partner zur Seite gestellt bekommen, den er nun auch zur Green Lantern ausbilden soll. Der Schachzug ist klug, denn als ein Testpilot arbeitender Hal Jordan ist ein Origin, das gut in die 1960er Jahre passt, im Jahr 2026 hingegen etwas antiquiert wirkt.
Comicfans sind mitunter unerbittlich und gnadenlos, finden sie in einer Verfilmung nicht eine möglichst originalgetreue Umsetzung ihres geliebten Charakters wieder. Im Vorfeld schlugen die ersten Informationen und Trailer zu Lanterns bereits hohe Wellen in den sozialen Medien. Zu wenig Action. Zu wenig grün. Abfällig wurde Hal Jordan wegen seiner Uniform als Brown Lantern tituliert und es wurde spekuliert, ob Hal seinen Ring auch tatsächlich am rechten Ringfinger trägt.
DC Comics reagiert mit Humor und verarbeitet einige der Kommentare auf dem Cover der Augustausgabe von Green Lantern. Darauf sitzt Green Lantern Kyle Rayner vor einem Bildschirm und wirkt angesichts der infantilen Kommentare sichtlich erschlagen. Einige davon sind sogar direkt auf dem Cover abgebildet.
Die Folge endet mit einem Paukenschlag, als John Stewart den toten Hal Jordan 10 Jahre später im Jahr 2026 findet. Noch lässt sich nur erahnen, wohin die Reise in Lanterns geht. Ist Hal Jordan wirklich tot und in der ersten Staffel erfahren die Zuschauer, wie es zu dem Ereignis gekommen ist? Hat vielleicht ein Außerirdischer das Aussehen Jordans angenommen, denn in dieser Folge erfährt der Zuschauer, dass mehrere Völker existieren, die die Gestalt von Menschen annehmen können? Oder ist das vielleicht sogar ein erster Hinweis auf Parallax, der den „War of light“ in den Comics einleitete und die erfolgreichste Storyline von Green Lantern mündetete, die sich über mehrere Jahre in den Comics hinzog.
Ein vielversprechender Auftakt ist gemacht. Ob Lanterns dieses Niveau halten kann und sich tatsächlich zu einer guten Serie entwickelt, lässt sich nach nur einer Folge allerdings noch nicht beurteilen. Die Macher scheinen zumindest eine wichtige Lehre aus dem Kinofilm gezogen zu haben. Eine bloße Aneinanderreihung spektakulärer Prügelszenen macht noch lange keine erfolgreiche Comicverfilmung aus. Neben einer spannenden Geschichte braucht es vor allem interessante Charaktere, mit denen der Zuschauer mitfiebern kann. Lanterns fühlt sich dabei erstaunlich wenig wie eine klassische Comicverfilmung an und vielleicht liegt genau darin die große Chance der Serie.
08/2026



