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Das kirchliche Schlitzohr - »Keiner haut wie Don Camillo«

Keiner haut wie Don CamilloDas kirchliche Schlitzohr
»Keiner haut wie Don Camillo«

In den 1980er Jahren lief die gemeinsame Kinokarriere von Bud Spencer und Terence Hill langsam aus, und die beiden Italiener versuchten sich unabhängig voneinander in thematisch ähnlich gelagerten Solofilmen. 1983 entschied sich Terence Hill alias Mario Girotti dazu, mit „Keiner haut wie Don Camillo“ die beliebten italienisch-französischen Komödien mit Fernandel und Gino Cervi einer Frischzellenkur zu unterziehen.

Keiner haut wie Don CamilloUm die Emanzipation von seinem gemütlich-dicken Leinwandpartner Bud Spencer noch deutlicher zu machen, entschied sich Terence Hill dazu, „Keiner haut wie Don Camillo“ auch selbst zu inszenieren. Sein Regiedebüt wurde zu einem wahren Familienunternehmen, denn das Drehbuch stammt aus der Feder seiner Ehefrau Lori Hill, mit der der blauäugige Star seit mittlerweile mehr als 50 Jahren verheiratet ist. In kleineren Nebenrollen treten der gemeinsame Sohn Jess Hill (als Phantom – in der deutschen Version aber geschnitten) und auch Ross Hill auf, ein Adoptivsohn der Hills, der 1990 mit erst 16 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen sollte. In Grundzügen hat man sich an den vielfältigen Auseinandersetzungen zwischen dem katholischen Pfarrer und dem kommunistischen Bürgermeister orientiert, wie sie zunächst in den Büchern von Giovanni Guareschi geschildert worden waren. Heutzutage dürften sich die meisten natürlich am ehesten an die filmischen Umsetzungen mit Fernandel und Gino Cervi erinnern, die in insgesamt fünf Filmen (ein sechster blieb aufgrund von Fernandels frühem Tod unvollendet) in die ikonischen Rollen geschlüpft waren und auch den deutschen Fernsehzuschauern in schöner Regelmäßigkeit auf der Mattscheibe wiederbegegnen.

Keiner haut wie Don CamilloPfarrer Don Camillo (Terence Hill) und der kommunistische Bürgermeister „Peppone“ Bottazzi (Colin Blakely) sind nur selten einer Meinung. Beide haben schlitzohrige, selbstsüchtige Charaktereigenschaften, durch die sie immer wieder aneinandergeraten. Camillo trainiert beispielsweise als Fußballmannschaft die „Angels“, während Peppones Team den Namen „Devils“ trägt. Auch beim Kartenspielen versuchen sich die beiden sturen Männer, immer wieder gegenseitig übers Ohr zu hauen und mit faulen Tricks als Sieger hervorzugehen. Dass sich vor allen Dingen Don Camillo dabei selten so verhält, wie man es von einem kirchlichen Würdenträger erwarten würde, spricht sich schließlich sogar bis zum Bischof (Cyril Cusack) herum, der damit droht, den Hitzkopf in eine beschauliche Bergregion strafzuversetzen, weil der dortige Pfarrer gerade gestorben ist.

Keiner haut wie Don CamilloTerence Hill versucht, die klassischen Geschichten um Don Camillo und Peppone in die 80er Jahre zu transferieren. Deswegen ist sein Pfarrer nicht nur deutlich jünger und schnittiger als Fernandel, sondern fährt auch leidenschaftlich gern Motorrad. Wenn die Argumente versiegen, lässt er die Fäuste sprechen, wie wir das aus den bisherigen Filmen des Stars gewohnt sind. Hills Regiedebüt hätte insgesamt etwas mehr Tempo nicht geschadet, denn es kommt immer wieder zu Durchhängern und deutlich zu lang ausgewalzten Szenen. Für Fans des Schauspielers und das jugendliche Zielpublikum bietet aber auch dieser Film noch charmante und amüsante Unterhaltung. Die BluRay-Einzel-Disc-Erstveröffentlichung lässt „Keiner haut wie Don Camillo“ in einer exzellenten Schärfe und ausgewogenen Farben (im Widescreen-Format 1,85:1) erstrahlen, die keine Wünsche mehr offenlassen. Der Ton liegt auf Deutsch und Italienisch im DTS HD Master Audio 2.0 vor und ist ebenfalls in Ordnung (beim italienischen Originalton fehlen ungefähr 20 Sekunden, die an der entsprechenden Stelle mit dem deutschen Synchronton und italienischen Untertiteln aufgefüllt wurden). Als Extras bietet die Veröffentlichung eine Postkarte und zwei neuere Trailer zum Film sowie eine kleine animierte Bildergalerie.

Kommentare  

#1 Laurin 2021-10-29 19:53
Die Solo-Filmprojekte von Terence Hill waren damals dann für mich und meinen Freundeskreis nicht mehr eine so sichere Bank für einen gemeinsamen Kinobesuch. Gerade bei ihm hatte man nämlich das Gefühl, dass da häufig einfach etwas fehlte, nämlich Bud Spencer, der dieses Problem in seinen Filmprojekten eher im Griff hatte, so das dessen Filme wie etwa "Sie nannten ihn Mücke" usw. weitaus lieber im Freundeskreis für einen gemeinsamen Kinobesuch genutzt wurden. Und in der Rolle als "Don Camillo" war er damals nun wirklich schauspielerisch auf keinem ansprechenden Kurs für uns gewesen. Einer seiner wirklich sehr guten Solo-Filme finde ich selbst heute noch den Film "Renegade" in dem ebenfalls sein Adoptievsohn Ross Hill mitspielte, der leider viel zu früh verstarb (Januar 1990).
#2 AARN MUNRO 2021-10-30 08:58
Die "Nobody-Filme" fanden wir ganz witzig.Ansonsten kam man eher an Bud Spencer nicht vorbei, das ist richtig (der auch in einem Lassiterheft einen Auftritt hatte als Spud Spencer).
#3 AARN MUNRO 2021-10-30 10:13
Ansonsten bevorzuge ich den eher feinsinnigen (Knüppel)-Humor bei Fernandel: Von oben:"Don Camillo!!! Wohin willst Du mit dem Baseballschläger?"
Antwort:"Aber Herr! Das ist doch ein ganz weicher Eichenknüppel!"
#4 Laurin 2021-10-30 11:49
Was die alten Don Camillo-Filme mit Fernandel und deren Humor angeht, da bin ich ganz bei dir @AARN MUNRO. ;-)
#5 Friedhelm 2021-11-01 19:37
Terence Hill und "Don Camillo" - sorry, nichts gegen italienischen Sonnyboy der Spencer/Hill-Prügelcomics, aber diesen Film habe ich damals schon fast als "Sakrileg" gesehen, denn für mich gab es in dieser Rolle immer nur den Mann mit dem Pferdegebiss...,"Fernandel."

Terence Hill und Bud Spencer waren in den 1970ern ganz sicher ein kassenträchtiges Duo. Aber den beiden kann einfach nicht entgangen sein, dass sich dieses Muster irgendwann einmal abnutzt. Und während Hill (aka Mario Girotti) auch gerne mal ernstere Rollen spielte (u.a. in "Marschier oder stirb, 1977" als Legionär..) blieb Bud Spencer ja eher der Prügel-Komik treu.

Ich habe die beiden als Youngster immer gerne gesehen - aber Ende der 1970er konnte ich mich dafür irgendwie nicht mehr so erwärmen. Allerdings sehe ich die alten Dinger im Tv ab und an ganz gerne wieder. Auf DVD habe ich jedoch eher ihre gemeinsamen 60er-Western (u.a. "Vier für ein Ave Maria..") - da gefielen mir die beiden aus unerfindlichen Gründen um einiges besser.

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