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… und nichts wird so sein, wie vorher - John Sinclair 2500

… und nichts wird so sein, wie vorher - John Sinclair 2500


John Sinclair erreicht in der Erstauflage die Nummer 2500. Bereits im Vorfeld streut der Verlag einige Informationen und kokettiert mit einem Neuanfang. Widersprüchliche und interpretationsfähige Aussagen werden durch die sozialen Medien gejagt und eine Diskussion unter den Fans entbricht. Schon wird gemutmaßt, der Bastei Verlag zerstöre das Lebenswerk Helmut Rellergerts, denn auf der Vorschau der Jubiläumsausgabe prangt nicht einmal mehr der Name Jason Dark.

 

Leser amerikanischer Superheldencomicserien kennen diese Form des Marketings zur Genüge, denn bereits seit den frühen 70er Jahren wird mit derartigen Maßnahmen versucht, die Verkäufe eines Mediums wieder anzukurbeln. Ähnlich wie beim Heftroman wird auch dem Leser von Superheldencomics ein festes Konzept vorgesetzt. Peter Parker ist Spider-Man und gleichzeitig Schüler an einer Highschool. Er bekämpft eine illustre Schar von Superschurken und muss sich daneben mit den Problemen seines Privatlebens herumschlagen. Eine Zeit lang lassen sich innerhalb dieser Grenzen spannende Geschichten erzählen. Irgendwann ist jedoch der Punkt erreicht, an dem sich die Handlungsmuster wiederholen und die erzählerischen Möglichkeiten erschöpft sind. Leser verlieren das Interesse, verlassen die Serie und wenden sich anderen Publikationen zu.

Nun ist der Moment gekommen, in dem der Verlag handeln muss. Eine langlaufende Serie mit einer beliebten Hauptfigur ist ein wertvolles Produkt, das stabile Gewinneinnahmen verspricht. Merchandising, Lizenzprodukte und Adaptionen in andere Medien sorgen für zusätzliche Einnahmen. Bei John Sinclair verhält es sich nicht anders. Die Figur ist längst zu einer Marke geworden, die sich in Hörspielen, Taschenbüchern und zahlreichen weiteren Produkten wiederfindet.

Aus diesem Grund greifen Verlage immer wieder zu Maßnahmen, die Aufmerksamkeit erzeugen sollen. Neuanfänge, einschneidende Veränderungen oder das scheinbare Ende vertrauter Strukturen gehören seit langer Zeit zum Repertoire, um das Interesse der Leser neu zu entfachen. Was im amerikanischen Superheldencomic seit den frühen 1970er Jahren praktiziert wird, lässt sich daher auch bei John Sinclair beobachten. Die Diskussionen um die Jubiläumsausgabe 2500 folgen letztlich einem bekannten Muster. Durch gezielte Andeutungen und kalkulierte Verunsicherung wird die Frage aufgeworfen, ob sich die Serie grundlegend verändern wird. Die daraus entstehende Debatte sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit der Leser genau auf das Produkt gelenkt wird, das verkauft werden soll.

Im Superheldencomic folgen derartige Veränderungen meist einem festen Muster. Zunächst legt der Held sein Kostüm ab und erklärt seine Karriere für beendet. Legendär ist bis heute das Cover von Amazing Spider-Man Nr. 50, auf dem Peter Parker sein Kostüm in eine Mülltonne geworfen hat. Reicht dieser Schritt nicht aus, stirbt der Held oder seine Rolle wird durch einen Nachfolger neu besetzt. Spider-Man machte diese Phase mit Ben Reilly als neuem Netzschwinger durch. Bleibt auch dies ohne den gewünschten Erfolg, greifen die Verlage zu radikaleren Maßnahmen. Zeitlinien werden verändert, alternative Dimensionen eingeführt oder ganze Universen neu geordnet. So weit ist John Sinclair bislang noch nicht gegangen. Dennoch folgen die Ankündigungen zur Jubiläumsausgabe 2500 genau diesem bewährten Muster. Bereits im Vorfeld entbrennt unter den Fans eine lebhafte Diskussion. Wie so oft bilden sich zwei Lager heraus, die ihre Positionen mit Nachdruck vertreten. Die einen wollen ihren Helden unverändert behalten und drohen mit der Kündigung ihres Abonnements. Die anderen, häufig jüngere oder erst später hinzugekommene Leser, begrüßen die angekündigten Veränderungen und hoffen auf eine Anpassung an eine zeitgemäßere Erzählweise. Gerade diese Kontroverse ist jedoch Teil des Kalküls, denn jede Diskussion erhöht die Aufmerksamkeit für die Serie und macht die Jubiläumsausgabe zum Gesprächsthema.

Band 2500 von John Sinclair war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, sodass der Bastei Verlag bereits kurz nach Erscheinen Nachdrucke ankündigen musste. Ob die im Vorfeld geschürte Diskussion und die Andeutungen eines möglichen Neuanfangs tatsächlich für diesen hohen Absatz verantwortlich waren, lässt sich jedoch nur schwer beurteilen. Letztlich handelte es sich um eine Marketingstrategie, die Aufmerksamkeit erzeugen und die Neugier der Leser wecken sollte.

Allerdings besitzen Jubiläumsausgaben einen besonderen Reiz. Sie markieren einen Meilenstein in der Geschichte einer Serie und bieten vielen Lesern allein deshalb einen Kaufanreiz. Dafür spricht auch ein Blick auf die zeitgleich erschienenen Veröffentlichungen des Verlags. Am selben Tag erschien mit Band 200 des Gespenster-Krimis ebenfalls eine Jubiläumsausgabe. Darin erzählt Wolfgang Hohlbein ein neues Abenteuer seines Hexers, und auch dieser Band war bereits nach kurzer Zeit vergriffen. Der Erfolg von John Sinclair 2500 dürfte daher nicht allein auf die kontroverse Werbekampagne zurückzuführen sein. Vielmehr scheint der hohe Absatz eine Kombination aus Jubiläumscharakter, Sammlerinteresse und medialer Aufmerksamkeit zu sein.

Schon ein erster Blick auf Band 2500 macht deutlich, dass einige Veränderungen vorgenommen werden sollen. Auf dem Titelbild richtet John Sinclair mit grimmigem Blick eine geladene Waffe auf den Betrachter. Das Motiv soll offenbar vermitteln, dass die Figur künftig härter, rauer und kompromissloser auftreten wird. Im eigentlichen Roman finden sich tatsächlich einige derbere Ausdrücke, darüber hinaus ist jedoch keine grundlegende Neuausrichtung zu erkennen. Weder die Erzählweise noch die Charakterisierung der Hauptfigur unterscheiden sich wesentlich von den vorherigen Ausgaben. Der Versuch, John Sinclair moderner und düsterer zu inszenieren, ist keineswegs neu. Bereits einige Jahre zuvor unternahm Dennis Ehrhardt den Versuch, ein härteres Sinclair-Reboot zu etablieren. Das Projekt brachte es allerdings lediglich auf zwei Bände und konnte sich nicht dauerhaft durchsetzen.

Für Diskussion sorgte der Untertitel der Serie. 2499 Ausgaben prangte dort der Titel „Die große Gruselserie von Jason Dark“. Auf der der Nummer 2500 schlägt dem Leser „Die erfolgreichste Horror-Serie der Welt entgegen“, was die Diskussion in den sozialen Medien weiter anheizt. Geht der Verlag wirklich den Schritt und unterzieht seinem erfolgreichsten Produkt im Segment Heftromane einen Wandel? Ein derartiger Schritt ist nicht ohne Risiko. Leser langjähriger Serien, sei es im Comic oder Heftroman, wünschen sich in der Regel keine grundlegenden Änderungen in der Grundstruktur ihres Lieblingshelden. Das ist die Welt, in der sie sich auskennen und die zu schätzen gelernt haben.

John legt in Band 2500 zwar nicht sein Kostüm ab, aber trotzdem zieht ihm Autor Ian Rolf Hill den Boden unter den Füßen weg. Johns Abteilung wird aufgelöst und er wird zur Mordkommission versetzt. Sir James wird in den Ruhestand geschickt, Suko wird suspendiert und Shao droht sogar die Ausweisung aus der Großbritannien. Hill zieht wirklich alle Register und entzieht dem Helden seine Ressourcen, die er im Kampf gegen seine Gegner benötigt. Aber schon ein Blick in die Vorschau der nächsten Ausgaben zeigt, dass sich die üblichen Gegner die Klinke in die Hand geben und mit Asmodia wird sogar eine Uraltgegnerin aus der Mottenkiste geholt. Die Fans können ganz beruhigt sein. In absehbarer Zeit wird sich John wieder wie ein Phönix aus der Asche erheben und kreuzschwingend gegen alle Dämonen antreten. Sir James wird die Spezialabteilung leiten, John wird wieder Glendas Kaffee genießen und Suko wird ihm im Kampf gegen die Mächte der Finsternis beistehen.

Provokation geglückt und Aufmerksamkeit generiert. Mal sehen, was den Leser zu Band 3000 erwartet.

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