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Manga! Der definitive Guide

Manga! Der definitive Guide

Von Helen McCarthy

Manga haben in den letzten Jahrzehnen einen erstaunlichen Siegeszug durch die Popkultur abgehalten. Anfangs noch belächelt, gehören sie mittlerweile zum dominierenden Medium des Genre Comic. Helen McCarthy zeichnet in Manga! Der definitive Guide diese Entwicklung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart nach und widmet sich den wichtigsten Genres, Beiträgen und Künstlern.

 

Ältere durch franko-belgische und amerikanische Superhelden Comics geprägte Leser verbinden japanische Zeichentrick- und Comic-Kultur oft zuerst mit Serien wie Heidi, Captain Future oder Biene Maja. Viele erinnern sich dabei vor allem an die typischen großen Augen der Figuren, ohne zu wissen, dass diese Serien bereits stark von japanischen Animes und Mangas geprägt sind. Was damals im deutschen Fernsehen eher als außergewöhnlicher Zeichenstil wahrgenommen wird, hat sich im asiatischen Raum bereits zu einer Kulturbewegung entwickelt, die sich langsam über die ganze Welt ausbreitet.

Heute gehören Manga längst zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Medienformaten überhaupt und haben die Verkaufszahlen ihrer bunt kostümierten Kollegen zuweilen längst überrundet. Helen McCarthy nimmt diese Entwicklung in „Manga, Der definitive Guide“ genauer unter die Lupe und zeichnet die wichtigsten Strömungen, Künstler und Werke dieses Genres nach.

Mit diesem Band schafft sie ein Standardwerk, das weit über eine einfache Einführung hinausgeht. Bereits In den ersten Kapiteln vermittelt die Autorin ein umfassendes Bild, wie Manga erfolgreich wurden und warum sie ein wichtiger Bestandteil der modernen Popkultur sind. Comics sind immer ein Spiegel ihrer Zeit und so gelingt es ihr, die Themen der Geschichten in Bezug zu den gesellschaftlichen und politischen Ereignissen ihrer Zeit zu setzen und schafft ein Werk, das gleichzeitig Bildband, Kulturgeschichte, Nachschlagewerk und Liebeserklärung zugleich ist.

Der Band beginnt mit den historischen Ursprüngen des Manga. McCarthy erklärt, dass die Wurzeln japanischer Bildergeschichten weit zurückreichen. Sie setzt bei den traditionellen Bildrollen (Emaki) und Holzschnittdrucken der Edo-Zeit ein und beschreibt, wie sich daraus allmählich moderne Comics entwickeln. Manga beginnen sich auf die westliche Welt auszubreiten und umgekehrt gibt es Rückkopplungsprozesse, als Manga einen Einfluss auf die US-amerikanische Comicszene ausüben.

In mehreren Kapiteln widmet sich McCarthy den unterschiedlichen Genres des Manga. Der Leser erfährt, dass etwa Shonen actionreiche Abenteuer für junge Männer, Shojo romantische und emotionale Geschichten für junge Frauen oder Seinen ernstere, oft komplexe Geschichten für Erwachsene sind. Dabei werden sämtliche Subgenres wie Horror, Fantasy, Sport oder Science-Fiction bedient, wie es Leser anderer Comics kennen. Gerade Leser, die sich dem Thema Manga erstmals nähern, dürften überrascht sein, mit welcher thematischen Vielfalt das Medium aufwartet.

Die Autorin ordnet dem jeweiligen Genre eine Vielzahl an Serien zu, die auch dem unerfahrenen Leser schon einmal begegnet sein könnten. Astro Boy, Applessed, Akira, Attack on Titan sind nur einige der Titel, die kurz beschrieben werden und dem Leser einen Eindruck über die Bandbreite vermitteln. Dabei versteht sich der Band allerdings weniger als eine detaillierte oder tiefere kritische Auseinandersetzung mit den jeweiligen Serien, sondern als Überblick über die enorme Themenvielfalt.

McCarthy geht in die Tiefe, wenn sie erläutert, wie bestimmte gesellschaftliche Themen in Japan populär werden und wie sie in die Manga Einzug halten. Sie geht intensiv darauf ein, wie sich das Frauenbild in Japan verändert und gesellschaftliche Tabus in den Manga thematisiert werden. So hat sich beispielweise mit dem Subgenre Boy-Love eine eigene Sparte entwickelt und auch andere erotische Spielarten finden ihren Platz.

Ein weiterer wichtiger Bereich des Bandes beschäftigt sich mit der Verbindung zwischen Manga und Anime. Die Autorin erklärt, wie erfolgreiche Manga häufig als Grundlage für Anime-Serien dienen und wie beide Medien sich gegenseitig beeinflussen. Dabei werden bekannte Studios wie Studio Ghibli oder berühmte Regisseure wie Hayao Miyazaki erwähnt. Auch die internationale Verbreitung japanischer Popkultur wird ausführlich thematisiert, vom weltweiten Anime-Boom der 1990er Jahre bis zur heutigen Streaming-Generation.

In den letzten Kapiteln widmet sie sich der Fanszene und beschreibt die Auswirkungen dieser Kunstform, die weit in die japanische Gesellschaft hineinreichen. Comicmessen mit Cosplaywettbewerben, in denen sich Fans wie ihre Vorbilder aus den Comics verkleiden, finden in vielen Städten statt. Die Themen finden sich in Kunst und Kultur wieder und werden vielfältig in verschiedene Medien transferiert, wie etwa in Filmen, Musik, Mode, Romanen, Merchandise und mehr.

Trotz der enormen Themenbreite ist der Band auch für Einsteiger gut zu lesen. Erfahrene Mangaleser erfahren viel Hintergrundwissen zu ihrem Lieblingsmedium, könnten sich bei einzelnen Serien jedoch tiefere Analysen wünschen. Einsteiger werden mit einer neuen, spannenden Welt konfrontiert und können dem Band problemlos folgen und dürften nach der Lektüre motiviert sein, sich doch mal den einen oder anderen Manga zur Hand zu nehmen.

 

Manga! Der definitive Guide
Autorin: Helen McCarthy
Veröffentlichung: 2026
Verlag: Prestel
Preis: 26,00€

 

 

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