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Ein Fingerzeig des Universums - Perry Rhodan – Das Ende der Neuauflagen

Zauberwort - Der Leit(d)artikelEin Fingerzeig des Universums
Perry Rhodan – Das Ende der Neuauflagen

Wer im Heftroman immer noch ein Erfolgsformat vermutet, der hat jetzt vom Erben des Universums einen weiteren Fingerzeig erhalten, dass dem nicht so ist. Die letzte Neuauflage, die fünfte, der Heftserie wird mit dem Doppelband 1598/99 eingestellt.

Schluss. Aus. Feierabend. Das Ende für das Format Heftroman kommt immer näher. Jede Einstellung ist ein Sargnagel.


Dabei sah im Frühherbst 1982 alles noch so rosig aus. Da konnte man bundesweit im Umfeld von Bahnhöfen großflächige Plakate sehen, auf denen der 5. Start der Stardust zum Mond großflächig und werbewirksam angekündigt wurde. Die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte des ›Erben des Universums‹. Es liefen die Heftserien nun in fünf Auflagen, die Taschenbuchserie in zwei Auflagen, »Atlan« und dazu die ›Silberbände. Das war ganz großes Kino. Es wurde eigentlich nur darüber diskutiert, ob die 6. Auflage dann 1986 oder erst 1987 an die Kioske kommen sollte. »Perry Rhodan« war die Erfolgsgeschichte des Heftromans. Ein Imperium der Unterhaltung. Die Sechziger und Siebziger hatten ihm gehört. So groß die Erfolge von »Jerry Cotton« (der es ›nur‹ auf vier parallel laufende Auflagen brachte) oder den Horrorserien (Brent, Sinclair und Dämonenkiller) auch sein mochten, den Erfolg der Geschichte des ehemaligen Majors Perry Rhodan konnten sie nicht toppen. Im Jahre 1982 war Perry in Sachen Heftroman das Maß der Dinge (und ist es auch heute noch).

Nebenbei bemerkt starteten im Herbst 1982 auch »Tony Ballard« (Bastei), »Gordon Black« (Marken) und »Der Magier« (Zauberkreis) am Kiosk. Das waren noch Zeiten, oder …

Aber dann kam das Jahr 1986 und 1987. Und nein, eine 6. Auflage wurde nicht gestartet. Die erste Auflage »Perry Rhodans« lief unbeeindruckt und erfolgreich weiter, aber im Laufe der Jahre verschwanden die 2. und 4. Auflage. Die dritte und fünfte wurden zu Doppelbänden zusammengefasst. Dann verschwand zunächst die dritte und nun eben auch die fünfte Auflage von den Kiosken.

Das sind Indizien für den Nieder- und drohenden Abgang des Heftromans. Da passiert nicht mehr viel. Die Erstauflage läuft, aber wenn man mich fragt, hat selbst der ›Erbe des Universums‹ in den letzten Jahrzehnten auch da verloren, aber die Erstauflage hält eisern die Marktführerposition und wird immer wieder fit gemacht für die Zukunft, doch auch die Erstauflage ist längst nicht mehr so glanzvoll wie vor 40 Jahren, aber längst nicht so schwach, dass sie gefährdet ist. Sie ist immer noch das Herzstück der ›Marke‹ ›Perry Rhodan‹ und daher unverzichtbar.

Doch nur wieder einmal den Niedergang des Heftes zu verkünden, ist nicht ausreichend. Ein Blick auf die Aktivitäten der Rastätter macht Hoffnung, denn sie sind rührig, was Alternativen angeht. Alternativen in anderer Erscheinungsform.

Nämlich als Taschenheft …

Werfen wir einmal einen Blick auf die Taschenhefte bei VPM. Es begann nicht mit Rhodan, sondern mit dem Landser. Da wurden – ohne viel Aufhebens mal Taschenhefte auf den Markt gebracht. Natürlich in Neuauflage, und sie liefen offensichtlich so gut, dass es inzwischen weitere Erzeugnisse dieser Art gibt. Und was beim Landser gut läuft, das sollte dann doch beim Rhodan zu schaffen sein.

Und in der Tat.

Zunächst kamen die alten Taschenbücher unter dem alten Motto »Planetenroman«. Dann folgte ›Neo‹, und nun kommt die gute alte Atlan-Serie mit den Abenteuern auf der ›Sol‹ wieder zu Ehren. Und alle drei Ableger scheinen zu funktionieren. Sie laufen.

Da wird der Boden bereitet, um im Falle eines Falles auch den Raum für den Transfer der Erstauflage zu schaffen. Das ist planvolles Handeln. Es zeigt sich, dass man noch Dinge ins Laufen bringen kann, wenn man alte Zöpfe abschneidet. Und ich möchte wetten, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Man mag nun einwenden, dass Bastei (in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts) und Kelter (2010) mit ihren Versuchen gescheitert sind, aber beide Versuche waren untauglich. Bei VPM fußt man auf erfolgreiche Serien, die noch nicht verbraucht sind. Anders als die 4. Auflage der Sinclair-Hefte, dem Klon von Akte X und dem wohl damals tauglichsten Versuch ›Vampira‹, oder Kelters Versuche des nicht klar definierten und eher zahmen Abenteuerromans oder seltsamer Fantasy (beides ist im Heft nie wirklich erfolgreich gewesen).

So liefert VPM dann nicht nur einen Fingerzeig auf ein sterbendes Medium, sondern auch, wie man triviale Unterhaltung auch in Zukunft in gedruckter Form präsentieren kann.

Es bleibt spannend …

Kommentare  

#31 Laurin 2013-05-02 19:54
Gut, eBooks sind ja für mich da kein Thema, daher sag ich dazu auch nichts. Freue sich der, der es mag, sag ich mal nur.

Die Silberbände (SiBi's) sehe ich aber nicht als eine Neuauflage in Buchform an, weil schlicht zuviel fehlt. Ein kleines Beispiel: Ich mochte gerade in der Anfangszeit die Abenteuer auf der Venus, die fallen aber in den SiBi's raus, weil man mittlerweile wusste das es auf der Venus keine Urwälder und Urviecher gibt und man das nachträglich ändern wollte. Schlußendlich fielen die Romane in den SiBi weg und in der Handlung der Romanserie doktorte man herum das es eine wahre Freude war. Leider hatte ja Voltz seine Finger da mit im Spiel (die er besser nach meiner eigenen Meinung aus vielen Sachen um PR hätte besser raushalten sollen). Denn eines hatte mich bei den SiBi's immer geärgert, nämlich das man willkürlich einfach Romane weg lässt (was ich Gängelung des Lesers nenne) und an den Handlungen herumfummeln muss um es dem Zeitgeist und neuesten Wissensstand anzupassen. Da mag zwar ein guter Wille hinter stecken, doch letztendlich ärgert das nur die, die das Original lesen wollen und nichts gerade gebogenes.
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#32 Jonas Hoffmann 2013-05-03 10:07
zitiere Laurin:

Die Silberbände (SiBi's) sehe ich aber nicht als eine Neuauflage in Buchform an, weil schlicht zuviel fehlt.

Das stört einen SiBa Leser aber nicht. Denn die SiBas würde er nicht lesen wenn er die Geschichte schon kennen würde. Dieses Argument der Auslassungen wird stetig gebracht. Doch immer nur von Leuten die eben in die Venusabeuter verliebt waren, von den Siedlerabenteuern usw.

Dinge die jemanden, der sie nicht kennt, nicht tangieren. Denn von Neulesern habe ich sowas noch nie gelesen.

@Haranathor
Dann mal viel Erfolg auf dem langen Weg. Der Heftroman mag in einer Nische verschwinden, aber tot ist er noch lange nicht.
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#33 Ganthet 2013-05-03 11:13
Thema SiBa: Ich bin ein Hörer der Siba und mir reicht das völlig. An den einzelnen Nebenkriegsschauplätzen bin ich gar nicht so interessiert. Ich möchte nur die Geschichten hören, die die Haupthandlung voran treiben. Ich lese noch so viel andere Sachen, da habe ich gar keine Zeit mich so tief in PR einzuarbeiten.

Thema Heftromane: Ob das Medium Heftroman überlebt ist für mich zweitrangig. Ich möchte nur meine Serien weiterlesen, egal ob in Heftform, Taschenheft, Taschenbuch, Buch, usw. Nur Papier sollte es sein.
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#34 Laurin 2013-05-03 11:23
Klar, Jonas, das bleibt ja auch jedem Leser der SiBi's unbenommen. Und wer die Hefte damals nicht gelesen hat, der kann ja auch nicht nachfragen.

Ich hatte mir die SiBi's zugelegt weil es schlicht im Regal besser aussieht, als Unmengen von Hefte herum fliegen zu haben. Da ich aber eben die Hefte kenne, bleibt die Kritik schlicht bestehen, denn ich wüsste nicht, warum ich sie zurück nehmen sollte.
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#35 Alfred Wallon 2013-05-03 15:52
Als die Fliegergeschichten vom LANDSWER als Extrareihe rauskamen, habe ich die ersten 10 Hefte gelesen, als die Taschenhefte rauskamen, habe ich es auch mal versucht.
Aber irgendwie ist es nicht meine Welt. Ich kann auch nicht beurteilen, ob das wirklich alles historisch korrekt ist. Mir erscheint diese "Kriegsbewältigung" als nicht mehr zeitgemäß.
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#36 Laurin 2013-05-03 17:16
Da stimme ich dir zu, Alfred Wallon. Aber die Dinger scheinen sich wie blöd zu verkaufen, also laufen sie weiter in den verschiedensten Formaten. :roll:
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#37 Reader 2013-05-05 16:29
Antwort auf #11
Hallo McEL
danke dir für deine Erläuterung.
Zitat:
Ein Heftroman - im eBook-Bereich "Kurzroman" - hat 180.000 bis 190.000 Anschläge
Der Teil war mir genau wie Normseite (30 Zeilen mal 60 Anschläge) schon bekannt, doch wie es mit einem Taschenbuch oder Taschenheft aussieht weiß ich nicht, da mir derzeit weder eines der alten Taschenbücher zur Heftromanserie, noch beispielsweise ein Perry Rhodan NEO vorliegt. Dazu kommt, von früheren Heftromanen habe ich mal gelesen, daß die bis zu 240.000 Anschläge gehabt haben sollen. Leider ist die Quelle, wo ich das las verschollen.

Eine Heftromanseite hat ja zwei Spalten, die wiederum je plusminus eine Normseite umfasst. Dadurch kommen auch die 115 Spalten plus Start und Schluß bei Professor Zamorra und John Sinclair zustande. Inspiriert durch die Teestunde habe ich mir mal die aktuellen Hefte gekauft, weil ich einfach mein Wissen erweitern wollte.
Wobei im Vergleich Professor Zamorra 1015 und John Sinclair 1816 das Zamorra-Manuskript umfangreicher war. Daran läßt sich auch ein Stück weit die Flexibilität des ansonsten vergleichbaren Layouts erkennen. Beide Hefte wurden ja im Verlag durch dasselbe Programm in den SATZ gegeben wo dann die Druckplatten hergestellt wurden. (Wie das bei BASTEI genau läuft würde mich mal interessieren.)

Zitat:
ein gebundenes Buch im Standardformat größere Ausmaße hat und entsprechend mehr Text auf eine Seite geht, d. h. also pro Seite mehr Inhalt hat
Mir liegt zufällig gerade Band 1 und Band 2 einer Trilogie vor. Beide in Imprints von BASTEI erschienen. 1 als Taschenbuch 2 als gebundenes Buch. Beide Bücher haben denselben Umfang, denselben Satzspiegel, nur ist die Schrift der gebundenen Ausgabe größer.
Bei gleicher Schriftgröße geht aber natürlich auf dieselbe Papierfläche mehr Inhalt.

Zitat:
Inhaltlich gab es zumindest früher für den Heftroman die Vorgabe, dass die Handlung nicht zu komplex sein sollte.
Das läßt sich aktuell auch sehr schön an John Sinclair belegen, der in dieser Hinsicht ziemlich klassisch geschrieben ist. Da ich diese Serie schon sehr lange nicht mehr mitbekommen habe, konnte ich Rolf Michaels Äußerung die Altersgruppen beider Serien seien unterschiedlich nicht richtig nachvollziehen. Nachdem ich aktuell die Lesemöglichkeit hatte, kann ich es verstehen.

Zitat:
Ich hoffe, ich habe alle Klarheiten restlos beseitigt. :)
Derzeit ja, wobei mir noch viele Fragen einfallen würden. Vielleicht gibts ja daraus auch mal eine Kolumne, denn Rolfs Teestunde fand ich immer sehr inspirierend.

Antwort auf #12
Hallo Haranthor,
Zitat:
Was McEl vergaß war die Format von 15x22 cm mit Softcover und der Heftung.
Und klar gibt es auch heute noch den Bedarf im Wortsinne trivial unterhalten zu werden, aber das (neudeutsch) Storytelling muss zeitgemäß sein. Das ist in den (noch) gängigen Heftserien eher nicht der Fall
womit wir wieder bei der Frage wären, was deiner Meinung nach am Ende ist.
Vermutlich das Format und das veraltete Storytelling, denn rein vom Manuskriptumfang her, dürfte der Heftroman wohl zeitlos weiter existieren, obwohl es wohl im eBook nicht mehr so starr genormt sein dürfte, wie es für ein Druckwerk nötig ist.

Antwort auf #13
Hallo Larandil,
Zitat:
...da fällt mir jetzt die "gute alte Zeit" ein, in der Taschenbücher 128 Seiten hatten und zwei Mark und achtzig Pfennige kosteten.
an den Umfang kann ich mich leider nicht erinnern, ich las ab und zu Perry Rhodan Planetenromane, bekam Mister Dynamit und Kommissar X sowie weitere Serien mit. War aber zu einem Zeitpunkt, als diese Taschenbücher schon zwischen 3,50 DM und 3,95 DM gekostet haben. Hatten diese Taschenbücher nicht mehr Seiten?

Viele Grüße
Reader
Zitieren
#38 Laurin 2013-09-14 00:40
Kleine Info bezüglich der Serie LANDSER, egal in welchem Format. Laut Spiegel-Online soll DER LANDSER jetzt eingestellt werden.
Zitieren
#39 Harantor 2013-09-14 01:13
Die Info ist korrekt. Es geht dabei dabei aber nicht um den Erfolg der Seren und Reihen, sondern um Vorwürfe, die Simon Wiesenthal Center erhoben hat.
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#40 Hermes 2013-09-14 02:14
Diese Einstellung kommt 30 Jahre zu spät. Die Reihe hat viel zu dem schlechten Image des Heftromans beigetragen.
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