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Wo ist eigentlich das E-Book?

Das Romanheft, das Universum ... und die Dinge dazwischen - Die Multimedia-KolumneWo ist eigentlich das E-Book?
(kleines Update)

Was soll denn die Frage? Selbstverständlich gibt es E-Books. Jeder Verlag, der etwas auf sich hält, bietet sie feil, manchmal selbst, manchmal über Zweitanbieter. Und dennoch: Keine rechte Akzeptanz. Ich vermute ja, dass sich die Verlage heimlich die Hände reiben, denn - wenn wir mal ehrlich sind - mit einer flächendeckenden Einführung und Abnahme elektronischer Bücher würden für die Verlage und Herausgeber dieselben Probleme auftauchen, mit denen die Film- und Musikindustrie bereits seit Jahren zu kämpfen haben... Oder?

Denn mit einer elektronischen Verbreitung ihrer Werke steigt die Gefahr von Raubkopien und sinkenden Margen exponentiell, denkt der Manager. Ein Buch kann ich verleihen und hätte es vielleicht auch gern zurück, um es wieder meinem Sammlungsregal zuzuführen, einen elektronischen Text kann ich beliebig vervielfältigen und weitergeben, ohne den Text selbst aufgeben zu müssen. Wer kennt das nicht: Buch verliehen und nie mehr wieder zurück erhalten; dumm gelaufen - nochmal gekauft (oder jahrelang geflucht).

DRM - Digital Rights Management - heißt das Zauberwort, das dem im Weg stehen soll, doch wenn man ehrlich ist, dann ist das Thema lange durch, da von der Musikindustrie zu Tode geritten. Wenn ich einen elektronischen Text erwerbe, dann möchte ich den schon auch in 20 Jahren noch lesen können. Wenn der jedoch schon ins Datennirvana verschwindet, wenn ich meinen Rechner wechsle? Ohne mich! An dem Problem kranken im Musikbereich Modelle wie der Versuch, Napster zu legalisieren: Ich zahle einen Obolus für Musik und wenn das Abo abläuft, kann ich diese Musik nicht mehr anhören? Na sicher, sucht euch Dümmere. Ähnliches würde ja auch im Bereich der E-Books drohen, denn gerade im IT-Bereich werden Fehler gern wiederholt, insbesondere, wenn es um monetäre Begehrlichkeiten geht.

Formate in der digitalen Welt sind kurzlebig. Was heute noch en vogue ist, kann morgen schon zum alten Eisen gehören, wer mir also heute ein proprietäres E-Book- oder DRM-Format andienen will, hat sofort verloren. Macht die Firma morgen pleite oder wird das Format nicht angenommen (oder beides), kann ich mir meine digitalen Texte im DRM-doppelt-und-dreifach-geschützten-Format noch nicht mal mehr (wie früher) hinter der Badezimmerspiegel klemmen. Denn die sind dann weg. Somit wird dieses DRM-Konzept nie aufgehen, oder nur so lange, bis die Käufer merken, wie sie für dumm verkauft wurden.

E-Books müssen, um für mich akzeptabel zu sein, in einem Format vorliegen, das möglichst kompatibel ist. Klar dürfen gern Zusatzgimmicks enthalten sein, Bilder, Audiokommentare des Autoren, holografische Titelbilder, kaffeeholende Gremlins, aber ausschlaggebend ist letztendlich nur der eigentliche Inhalt der Publikation - und den will ich in 20 Jahren auch nochmal lesen können. Redundanz der Daten würde das Zauberwort heißen, auf einer DVD (oder Nachfolgeformaten) kann ich schließlich auch mehrere Tonspuren unterbringen, warum nicht in einem E-Book auch immer eine schlichte Reintext-Variante? Die kann ich problemlos über Rechnergenerationen und Datenspeichervarianten hinweg mitführen. Denn eins ist klar: Die Varianz der Betriebssysteme wird immer geringer werden und die übergreifenden Formate aufgrund des Internets immer mehr und wichtiger. Ich wage mal die spannende Hypothese, dass wir auch in hundert Jahren unsere heutigen Dateiformate noch lesen können, wenn sie nicht allzu exotisch sind. Spinnerei? Mitnichten, der geneigte Leser werfe einen Blick darauf, welche Emulatoren heutzutage auf hochgerüsteten CPU-Boliden noch Programme aus den späten 70ern ausführen, oder deren Daten lesen können. Gutenberg ist auch echt lange her...

Abgesehen von all diesen letztendlich wirtschaftlichen Erwägungen, krankt das E-Book-Konzept auch noch an einem ganz anderen Problem: Die Lesegeräte, neudeutsch "Reader". Ansätze gab es ja bereits ein paar - und alle hatten sie ein Problem: Viel zu teuer (bis heute übrigens). Das zweite Problem, nämlich das der miserablen Darstellungsqualität, ist durch Techniken wie e-ink und e-paper inzwischen gelöst, das sieht schon verteufelt gut aus. Gut, ich gestehe, ich habe eine weitere Einschränkung vollständig unterschlagen: Stromverbrauch. Wenn der Akku leer ist, hat sich's ausgelesen, insbesondere wenn es in den nächsten Jahren zu einem Endzeitszenario kommen sollte, wäre das für den Bücherfreund mit elektronischer Bibliothek wirklich hochgradig ärgerlich, wenn er seinen Reader nirgendwo mehr aufladen kann...

Kommen wir zum Preis zurück: Heutzutage gibt es - wie weiter oben erwähnt - Geräte, die Darstellungsformen bieten, die dem gedruckten Buch nahe kommen. Eigentlich ist das ja eine prima Sache: Reintext lässt sich großartig komprimieren, ich könnte meine gesamte Bibliothek in einem entsprechenden Lesegerät immer bei mir haben (und mich zu Tode ärgern, wenn sie mir geklaut wird, ohne dass ich ein Backup besitze). Kein Baum müsste mehr sterben, nur weil ich die Tageszeitung lesen will, die fünf Minuten später in den Müll wandert.

Als jemand, der Bibliotheken gemütlich findet, wäre für mich ein ideales Vertriebskonzept, zu Büchern zusätzlich und kostenfrei eine elektronische Version beizugeben. Das Buch für den Schrank und die nostalgischen Momente, die E-Version für mein Lesegerät. Das ist nicht nur theoretisch möglich, das gibt es schon. Doch: Bücher kosten in der elektronischen Variante zum Teil mehr als in der gedruckten (wie bitte???) und die brauchbaren Lesegeräte gehen für 400 Euro und mehr über den Tisch.

Meiner Ansicht nach gibt es keine billigeren Varianten, da den Verlegern das, was ich weiter oben ausführte, völlig klar ist: Elektronische Bücher werden kopiert werden. Und davor haben sie Angst.
Diese Angst ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach völlig unbegründet. Bücher sind nicht hip. Es ist nicht cool, Bücher zu besitzen oder zu vervielfältigen. Bücher sind nicht so einfach zu konsumieren wie Musik oder Filme. Schon heute werden viel weniger Bücher gelesen als früher. Bücher sind noch nicht out, aber auf dem Weg dorthin. Die Bereitstellung von Büchern in elektronischer Form ist vielmehr Chance denn Risiko.

Ich habe es eher gezwungenermaßen denn freiwillig ausprobiert: Als ich unerwartet ins Krankenhaus musste, hatte ich meinen PDA dabei, auf dem befand sich unter anderem die Projekt-Gutenberg-Version von Edgar Rice Burroughs "A Princess Of Mars". Da ich nichts anderes zum Lesen dabei hatte und auch die im Krankenhaus vorhandene Lektüre nicht einmal ansatzweise meinem Geschmack entsprach, startete ich den E-Book-Reader "Plucker". Schon nach Minuten hatte ich trotz der vergleichsweise minderwertigen Darstellung vergessen, dass ich keine Seiten umblättern musste und las den Klassiker, als hätte ich niemals anders gelesen. Es funktioniert, sogar ziemlich problemlos. Mit ansprechenderer Hardware, annehmbaren Preisen und DRM-frei würde ich mir eher heute als morgen einen E-Book-Reader samt Software - vulgo: Bücher - kaufen.

Wunschdenken.
Für mich ist eins völlig klar: Ich will E-Books. Ich will, wenn ich ein Buch oder einen Heftroman kaufe, die elektronische Variante gleich dazu, oder diese für kleineres Geld ausschließlich erwerben. Deutlich billiger, versteht sich, denn der Verlag hat keinerlei Druckkosten. Ich will einen preiswerten Volks-E-Book-Reader, der so cool ist wie ein Apple IPhone, damit die dumpfen Kids wieder lesen.

Dennoch bleibt die Frage aus der Überschrift:

Wo ist eigentlich das E-Book?

 

Kleiner Nachtrag
(08.12.2007): Die Rettung scheint nah, denn SONY hat ein sehr brauchbar aussehendes Gerät am Start, den PRS-500 , der auch allenthalben von Testern ob seiner Darstellungsqualität gelobt wird. Er hat allerdings denselben Nachteil, den die Reader alle haben: mit 300 Euro ist er viel zu teuer.
Dafür beherrscht er neben dem proprietären BBeB-LRX-Format laut Heise auch PDF sowie TXT und RTF, weiterhin kann er jpg-Bilder anzeigen und spielt MP3s.

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