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»Schön war die Jugend?« - Ausflüge in die Romanheftvergangenheit: Höllenfahrt nach Sacramento (John Gray Westerm 20)

Schön war die Jugendzeit? -  Ausflüge in die RomanheftvergangenheitAusflüge in die Romanheftvergangenheit:
»Höllenfahrt nach Sacramento«
John Gray Western von John Gray (Dietmar Kuegler)

Von den zarten und bisweilen schutzbedürftigen bis fast schon gut emanzipierten Damen des Gaslicht-Romans wechsele ich mal schnell wieder auf die Seite mit den harten Männern, einfach weil Gegensätze den Blick wieder schärfen.Unger oder „Lassiter“ sollten es dann aber doch nicht sein, obwohl ich die meisten von den angesehenen personalisierten Serien ja zumindest einmal besucht hab.

Auf eine weitere Lückenfüllung darf man sich mit „Santana“ freuen, deshalb bin ich hier unwissend mit offenen Armen ins gleichsam ausgerichtete Messer gerannt, weil ich ohne digitalen Zugang beim Stöbern nach interessanten Serien hier fälschlich angenommen habe, es handele sich dabei tatsächlich um einen übersetzte amerikanische Serie.

Na gut, wäre zu schön gewesen (ich genieße ja bei „Gaslicht“ auch immer die Übersetzungen aus drei Jahrzehnten Mystery-Literatur), tatsächlich steckt hinter „John Gray“ die westernkundige Allzweckwaffe Dietmar Kügler, der sein Handwerk in Sachen Historie des Westens und des Westmanns wirklich von der Pieke auf gelernt und stateside über den großen Teich auch eigenhändig besucht, belebt und bearbeitet hat.

Kügler, der mit butterzarten 21 Jahren schon die Ronco-Reihe betreute, ist also ein Mann, der von Anfang sein Talent von außen wie von innen ergänzte und ausbaute, insofern erwartete ich von „Höllenfahrt nach Sacramento“ auch kein totales Plagiat von „Höllenfahrt nach Santa Fé“ (sollte jemand das nicht kennen, bitte John Wayne und John Ford googeln und Lücken auffüllen). Wurde es dann auch nicht, stattdessen ein solide aufgebautes Westernabenteuer mit ein paar Archetypen aus dem Goldenen Westen, eingebettet in eine Postkutschenstory.

Veröffentlicht zwischen 1984 und 1986 kam die Serie auf über 90 Einzelabenteuer zu einer Zeit, als Pabel eigentlich außerhalb der SF schon langsam die Luft dünn wurde, aber gute Qualität findet offenbar immer noch seine Leser.

Und hier haben wir alles was wir brauchen: einen Helden des Kutschbocks, eine komplexe Frauenfigur, einen fiesen Schurken, einen Sternträger, einen ängstlichen Zeugen und noch ein paar Quertreiber auf dem Weg in die Hölle. Auch wenn der eine oder andere angerissene Erzählstrang am Ende im Nichts versickert, die zwischenzeitliche Rammelei tatsächlich eher antiklimatisch wirkt und es an zugänglicheren Charakteren manchmal mangelt (soll heißen: die Greinerei der Figuren geht einem irgendwann auf den Keks), kommt hier ein schnittiges Westernabenteuer zusammen, welches mich nicht das Böhnli gelangweilt hat.

Was in meinen Augen der erstrebsamste Zustand bei einem Heftroman ist.

Also dann mal rein in die Kutsche…

Höllenfahrt nach Sacramento»Einen Überfall hat es gegeben. Jawohl! Beinahe wären wir alle ermordet worden. Ein Skandal ist das, dass man am hellen Tag nicht mal in einer Kutsche sicher ist. Ich bin heilfroh, dass ich hier aussteigen kann.« PS: der Bandit wurde angeschossen, niemand verletzt, das Wetter war schön.)
...nein, doch noch nicht!

Alles fängt nämlich mit einem kleinen Attentat an, welches zwei gedungene Mörder vom Dach aus eines benachbarten Gebäudes an zwei speziellen Gästen eines Hotels vollziehen wollen. Ihre Ziele sind Marshal Carter und ein Mann namens Webb Landon, der vor Gericht gegen den Goldclaimbaron Barlow Chisum aussagen soll. Sie sind im Besitz zahlreicher belastender Unterlagen, die jedoch (logo!) erst mal nach Sacramento müssen.

Leider sind unsere Killer jedoch waffentechnisch nicht so gut ausgestattet, dass ihr Schuss durchs Fenster zum nötigen Erbebnis führt und so können die Ziele gerade noch in Deckung gehen. Landon geht schon an diesem Punkt der Erzählung der Arsch bärig auf Grundeis, doch der US Marshal will den Claim-Betrüger unbedingt vor Gericht bringen.

Als Nächstes ist der Held dieser Erzählung dran, ein Reisekutschenbegleiter von erhaben drahtiger Statur namens Jim Calder, der kurz vor dem Ziel der letzten Fahrt mal eben den Überfall eines Banditen verhindert, diesen aber nur anschießt.

Auftritt der Frauenfigur: Esmeralda hat die Schnauze voll. Speziell von ihrem Ehemann, der sie sowieso mehr oder minder links liegen lässt. Dummerweise heißt dieser Ehemann Barlow Chisum und deshalb muss sie sich zu sehr früher Stunde aus dem Haus schleichen, um zur ersten Kutsche nach Sacramento zu kommen, wo ein hoffentlich neues Leben auf sie wartet.

So treffen sie an der Station von San José alle zusammen: Calder mit seinem neuen Kutscher Peevy, der Marshal und sein Zeuge, Esmeralda auf der Flucht und ergänzend noch zwei Mitfahrende: Betty Farlow und ein Mann namens Ladd Perkins. Calder gibt erst mal die Reise- und Sicherheitshinweise raus, inclusive Überfallwarnung und Zwischenhalten und dann rattern sie los.

Jetzt fehlt nur noch der Fiesling und den gibt John Caleb, ein kaltblütiger Mietkiller, der mit seinen Männern (wie viele es sind, wird leider nie so ganz erwähnt) von Barlow Chisum beauftragt wird, sowohl den Zeuge wie auch das Beweismaterial zu entsorgen, komme was da wolle. Dass Chisums Frau auch weg ist, ist bei der Angelegenheit sekundär, denn Chisum hat Angst, dass er sonst demnächst am Galgen baumelt. Chisum setzt Caleb auf die Kutsche an, macht dann aber selbst schon mal vorsorglich sein Fluchtpäckchen klar.

Unsere Postkutsche kommt schon bald zum ersten Hindernis, denn die nötige Brücke über einen Fluß ist von einem Boot zerstört worden und die provisorische Fähre genügt nicht für das massive Gefährt. Calder ist gezwungen, den Umweg zu einer Furt zu nehmen, der ein paar zusätzliche Stunden kostet. Landon macht das natürlich noch nervöser, doch der Marshal wiegelt ab. Doch auch Esmeralda ist sich bezüglich ihrer Flucht nicht mehr so sicher über ihre Erfolgsschancen.

Tatsächlich gibt es dann auf der Fahrt zur Furt einen Hinterhalt am sogenannten „Devils Point“, wo Caleb und seine Männer schon auf der Lauer liegen und ganz klar festgestellt wird, dass es keine Zeugen geben darf. Doch Calder, der alte Ornithologe, sieht ein paar kreisende Vögel und riecht den  Braten vorab. Es bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als weiter zu fahren und durch den Kugelhagel zu rasen, während Calder ordentlich Gegenfeuer gibt.

Schließlich schafft es einer der Angreifer, auf die Kutsche zu springen und in den Wagen zu sehen, bevor Calder ihm die Hände mit seinem Gewehrkolben bricht und er abspringen muss.

Die wilde Horde setzt zur bleihaltigen Verfolgung an, während Calder die Kutsche noch etwa zwei Meilen weit bringen muss, ehe sie bei einer Station namens Lathrop Schutz finden können. Im Kugelhagel kann Calder einige der Banditen verletzen oder töten und Peevy bringt die Kutsche gerade noch nach Lathrop, wo die Angreifer vorerst in einiger Entfernung zurück bleiben.

Kaum gibt es nun im Schutz der Station Kaffee und Steaks, fallen die Beteiligten auch schon übereinander her: während Esmeralda im Stillen glaubt, der Überfall gelte ihr, giftet Betty Farlow gegen Landon und Marshal. Letzterer schaltet jedoch auf stur und tut das alles als gewöhnlichen Überfall ab. Calder ist wütend, entscheidet sich aber für eine Weiterfahrt in der kommenden Nacht.

Zur romantischen Zeit des Sonnenuntergangs fallen dann auch langsam alle Röcke: Mrs.Farlow erweist sich nämlich als enorm triebige Drossel, die dringend mal auf Calder Sattelsporn reiten möchte. Zwar hat Calder Wache, aber auch eine Menge Staub abbekommen und als sie schon mal vorsorglich ihr Kleid öffnet, vergisst er tatsächlich ganz kurz die Dienstvorschrift.

Man ist schon in der Scheune (und ja, da hinten in der Ecke liegt Stroh und ich weiß, warum!), als Calder Schritte hört und den kleinen Mann wieder einpackt, was von der ziemlich hitzigen Mrs. Farlow nicht eben besonders goutiert wid. Dennoch schickt er sie weg und eröffnet auf noch sehr nebulöse Ziele das Feuer und enthüllt so einen Angriff der Banditen auf die Station.

Bald liegen alle Beteiligten in der Station unter Feuer, was mal wieder Anlaß für Paranoia bietet: erst sind der Marshal und Landon als Verantwortliche dran, dann schwenkt Betty auf Esmeralda als Schuldige um, weil Calder dieser dummerweise einmal recht gegeben hatte, was ja nun mal gar nicht geht. Prompt verdächtigt sie borderlinig Calder, dass er scharf auf Esmeralda wäre und plaudert das versuchte Schäferstündchen aus. Nebenbei nennt Esmeralda, die bisher sehr laut geschwiegen hat, auch noch ihren vollen Namen, was natürlich bei dem eh schon hysterischen Webb Landon endgültig die Söckchen wegfliegen lässt.

Derlei nette Diskussionen werden durch einen zweiten Angriff der Banditen unterbrochen. Einer der Männer dringt sogar mit einer Schrotflinte in die Station ein, kann aber gerade noch erschossen werden. Peevy wird leicht verletzt, dann ist der Angriff zunächst zurück geschlagen.

Das gibt den Verschanzten jetzt natürlich erneut Gelegenheit übereinander herzufallen: Esmeralda muss natürlich ein Spitzel in der Kutsche sein, Landon macht sich erneut den Zwickel nass und will nicht mit ihr weiterfahren, Calder singt seinen liebsten Hit, nachdem er alle heile ans Ziel bringen wird (eine übrigens zum Scheitern verurteilte Absicht) und der Marshal mauert weiter.

Bei Farlow flattert von nun an komplett der mentale Unterrock, denn neben allerlei Verdächtigungen setzt sie jetzt noch Eifersuchtsparanoia drauf, weil Calder ja schon die ganze Zeit Esmeralda an die Wäsche wollte. Esmeralda muss nun Calder gestehen, dass sie den Angreifer aus der Kutsche erkannt hat (und er sie wohl auch), aber sonst von der Aktion nichts wusste. Auch Landon will sie nicht kennen.

Jetzt endlich – nach erneutem, dritten Instistieren – kommt der Marshal mit der Wahrheit über Landons Zeugenaussage um die Ecke, als wirklich schon jeder Taubblinde sich alles hätte denken können. Demzufolge sind natürlich alle Passagiere ob des Fahrens mit zwei Risikofaktoren der Marke Chisum total aus dem Häuschen.

Nun muss man aber endlich von dieser einsamen Station weg. Bevor Betty Farlow nun komplett aggro gegen Esmeralda werden kann, stoppt der Marshal noch einmal die Rasende.

Die Verfolger wissen nun auch alle, dass nicht nur Chisums Mann, sondern auch dessen Frau in der Kutsche unterwegs ist – und dass Caleb ein gefährlicher Verteidiger ist.

Der startet die Kutsche dann noch schnellstens zur tiefsten Nachtzeit, jedoch haben sie bald einen Schaden an einem der Eisenreifen, der neu geschmiedet werden muss. Die einzige Möglichkeit dazu ist ein nahe gelegenes und verlassenes Minencamp namens „Pighole“ (Shithole wäre wohl auch okay gewesen), wohin man reist, während das Maulen und Bitchen fortgesetzt wird.

In dem Camp angekommen werden sie noch kurz von dem letzten Bewohner, einem Goldgräber namens Dusty Haig bedroht, den sie aber überzeugen können, dass sie nur die Hilfe der verlassenen Schmiede benötigen. Die Passagiere zeigen sich auch weiterhin eher als Meister im Jammern und Wüten, anstatt für ihre Sicherheit mal etwas zu tun (also so eine Art Pauschaltourismus im 19.Jahrhundert) – und so ist es denn auch Esmeralda, die den Ansturm von Calebs Reitern als Erste bemerkt.

Es kommt zu einem groß angelegten Gefecht, bei dem ausgerechnet der Marshal tödlich getroffen wird, den Koffer aber noch der hochriskant agierenden Esmeralda anvertraut. Landon nimmt ihn allerdings dann panisch wieder an sich, dafür kann sie sich anschließend an einem Banditen mit dem Revolver beweisen. Am Ende: wieder ein zurück geschlagener Angriff.

Als nächster will dann Dusty Haig in Richtung auf die Angreifer türmen, wird aber noch rechtzeitig von Esmeralda gestoppt und von Calder überwältigt. Farlow ist inzwischen fast endgültig von Sinnen, Esme dafür inzwischen um so entschlossener.

Und jetzt – angesichts einer aussichtslosen Belagerungssituation – beginnt zwischen Calder und Esme die große Rammelbärfete im Mondlicht, spontan beobachtet von Betty Farlow. Nach der Spannernummer geht sie prompt zu den Angreifern auf die nächste Anhöhe, um was für sich auszuhandeln.

Als ihre Abwesenheit bemerkt wird, ist es auch schon fast zu spät, denn die Angreifer belagern schon den provisorischen Saloon. Wieder entsteht ein Feuergefecht, bei dem Landon angeschossen wird und das Gebäude in Flammen aufgeht. Wieder kann man die Banditen zurück schlagen, was offenbar bei Caleb nicht gut ankommt. Er schickt die Verräterin Farlow wieder den Hang runter und schießt ihr flott in den Rücken.

Jetzt verfällt Calder auf den Plan, die Gruppe zu trennen. Er und der Kutscher lenken die Banditen ab, während Esme mit Ladd Perkins (nutzlos) und Landon (verletzt) der Kutschenstraße zu einem Haltepunkt folgen soll. Man trifft sich wieder, doch als man die Station „Central“ erreicht, erwartet Caleb die Passagiere bereits in der Station.
Doch Calder zieht schneller und Caleb ist endgültig Geschichte, die übrigen Männer können fliehen.

Eine Woche später haben Calder und Esme noch ein Schäferstündchen hinter sich gebracht und Landon konnte seine Aussage machen. Esme Mann wurde inzwischen aufgegriffen und gehängt, noch bevor der Prozess zuende gehen konnte, insofern ist Esme in der Lage, sich in Sacramento ein neues Leben aufzubauen, während Calder vorerst weiter nach San Francisco muss…

»Komm mit, da hinten liegt Heu!« (Und wer hatte da jetzt die Maske auf?)
Joah, so geht das.

Kurz und knackig, eine typische Reisegeschichte, von Punkt A zu Punkt B (wobei B nie erreicht wird), angerichtet mit einem MacGuffin (den Papieren im Koffer) und vielen unberechenbaren Charakteren, die für ordentlich giftige Chemie auf dem Weg nach Sacramento sorgen.

Gut, das Ding hat jetzt nicht den dramaturgisch modernen Feinschliff, der das alles noch angenehm ambivalenter machen würde. Calder ist kein wirklich komplexer Charakter, eigentlich scheint er nur den Stempel als „harter Mann“ und „Sympath“ zu führen, der notfalls einem Banditen erklären würde, dass seine Passagiere niemals umkommen, zumindest „nicht in seiner Schicht!!!“. Ein großer Psychologe ist er nicht gerade und da folgt Kügler dem Trend, hier einen harten Westmann zu generieren, der sein Handwerk versteht und halbwegs ordentliche Moralvorstellungen hat, dem aber die Empathie und die Psychologisierung der Moderne abgehen.

Anstatt nämlich die sich aufbauende Situation zu befrieden oder zumindest zu entschärfen, geht er ziemlich stoisch und praktisch zu Werke, lässt aber die Konflikte (Landons Panik, Farlows Wahnsinn, Carters langes Schweigen) solange brodeln, bis sie sich fast gegen die Gruppe wenden.

Esmeralda als damals recht moderne bzw. gebildete Frau eines reichen Mannes, die ihre anfangs noch bescheidenen Fähigkeiten dann aber zwecks eigener Lebensrettung gewinnbringend einsetzt, ist dann auch eigentlich die zentrale Protagonistin, da dem Leser in sie von Kügler eine größere Einsicht vermittelt wurde.

Eher schweigen und arbeiten ist dann auch praktikabel angesichts der restlichen Passagiere, die dann doch eher zu den bedenklichen Mitreisenden gehören. Landon ist meistens nur ein angstschlotterndes Nervenbündel, womit das Bemühen des Marshals, seine Reiseabsichten im Unklaren zu lassen, praktisch unmöglich gemacht werden.
Dass es bis weit nach der Hälfte des Romans dauert, ehe die Absichten allen Passagieren der Kutsche bekannt werden, ist auch nur dem dramatischen Effekt geschuldet, dass vorher sowohl Landon als auch Esme denken, die Banditen würden speziell hinter ihr her sein.

Der Marshal ist dann auch ein Chiffre, während Perkins das Musterbeispiel eines mutlosen Mannes ist, der auch im Rahmen seiner Möglichkeiten eigentlich nur eine Belastung darstellt, während Farlow offensichtlich psychisch komplett zerrüttet ist, denn anders ist kaum zu erklären, dass sie sich erst nymphoman an Calder hängt, um später psychopathisch gegen Esme vorzugehen. Aber vielleicht hängen wir das alles zu den psychischen Belastungen dieser Overland-Fahrt.
Ein paar komplexere „normale“ Mitreisende hätten dem Geschehen sicher gut getan, denn hier müssen Kutscher und Calder praktisch alles allein erledigen, während die übrigen die Rettung fast noch immer behindern.

Stilistisch bleibt Kügler detailreich und immer nah am Geschehen, versieht die Handlung mit Details zu Natur, Geographie und Waffenkunde und schweift nur selten ab. Einmal gönnt er Barlow Chisum einen Auftritt, ehe dieser im Buch nicht mehr auftaucht, einmal opfert er ein Zwischenspiel dem Banditen Amos Tuller, der Esme in der Kutsche erkennt, dann nicht mehr mitreiten kann und später Chisum verrät, wie man am Ende erfährt.

Dennnoch: nichts an diesem Roman wirkt überflüssig, auch wenn sich einige der Anfeindungen und Verdächtigungen für meinen Geschmack ein wenig zu oft wiederholen.
Ein bißchen fremdeln tue ich mit den Liebesabenteuern, die – aus meiner Sicht – sich dem aufrechten Calder immer zum falschen Zeitpunkt anbieten und die er trotzdem gewillt ist, anzunehmen, obwohl stets sein Leben in Gefahr ist. Kann ich bei der Farlow-Attacke noch darüber hinweg sehen, ist das Nümmerchen in der Goldgräberstadt bei einer offenkundigen Psychopathin im Camp allerdings fast schon Harakiri und gibt der Storyline die einzige spannungsbrechende Note (es kommt auf Seite 54 dazu, also praktisch fünf Minuten vor Showdown).

Witzig: auf der Leserseite beklagt sich ausgerechnet eine Leserin darüber, dass der Autor da wohl immer zu sehr ins Detail geht, das würde ich glatt unterschreiben, zumindest was den Umfang der Szene zur Unzeit angeht.

Alles in allem war das aber ein sehr robuster Roman einer mir fast unbekannten Serie, für die man durchaus eine Empfehlung ausstellen kann, sofern man „Classic Western“ den dreckigeren Beispielen vorzieht („Ronco“ war da wesentlich grimmiger), aber man muss wohl konstatieren, dass sich der Autor mit dieser Serie noch mal so richtig austoben konnte, ehe die ersterbenden 80er den Heftromanboom ein rasches Ende setzten.

Als Nächstes ergänze ich dann wie bereits erwähnt auch noch mit der Santana-Reihe von Bastei, ehe ich wirklich an den Giftschrank gehe und strahlendes Material hervor hole. Bis dahin laden bitte alle nach und striegeln ihr Pferd!

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Kommentare  

#1 R. Windeler 2018-11-13 17:34
Dazu fällt mir ein, was John Ford auf die Frage, warum die angreifenden Indianer in dem Film „Stagecoach“ nicht einfach die Zugpferde der Kutsche abschießen, antwortete: Weil dann der Film zu Ende wäre.
So wäre es wohl auch dem Roman ergangen.
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