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»Schön war die Jugend?« - Ausflüge in die Romanheftvergangenheit: Die Nacht der Bestien (Geister-Western 1)

Schön war die Jugendzeit? -  Ausflüge in die RomanheftvergangenheitAusflüge in die Romanheftvergangenheit:
»Die Nacht der Bestien«
Geister-Western 1 von Les Willcox (U.H. Wilken)

Nach meinem kurzen Ausflug in den Alles-ist-Erlaubt-Bereich des wackeren Spionage-Action-Heftromans kehre ich nun geläutert auf die Weide zurück, denn wo der Grusel-Western grast, da äst auch der Geister-Western nicht allzu ferne. »Grusel«-(Western) war ja nun noch ein »Marken«-Produkt, wobei dieses Wortspiel ja immer mit einem Spier Salz zu nehmen ist.

Die Nacht der BestienBastei mit dem zog mit dem „Geister-Western“ kurz darauf nach – 1975/76 war wirklich und wahrhaftig eine knallbunte Zeit am Kiosk, wie schade, dass ich noch nicht mal eingeschult war damals. .

Von Bastei erwartet man natürlich ganz andere Kaliber als aus der rasant aufgekochten Markenküche, mehr Atmosphäre, mehr Substanz, vielleicht sogar größeres schriftstellerisches Talent, ein wenig mehr pfleglicher Umgang mit dem schwergängigen Symbiosethema. Natürlich kann man gleichermaßen auf die Idee kommen, hier hätte der alteingesessene Branchenriese den Drang verspürt, hinter einer vorwitzigen Idee her zu hoppeln und das habe dann auch nicht eben zu überwältigenden Ergebnissen geführt. Eine definitive Antwort darauf gibt es wohl nicht (mehr).

Also mal ausnahmsweise ran an die Pilotfolge oder Nr. 1 der leider nach nur 30 Bänden gescheiterten Serie. Wenn ich denn schon mal an so ein Ding ran komme und dazu noch diverse Leute „Hier!“ schreien können, weil der Roman als „Dämonen-Land“ Nr. 93 noch einmal einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war. Zusätzlich motivierend wirkt sich dabei aus, dass sich hinter dem Bombenpseudonym „Les Willcox“ (Wortspiel mit „Last Will“ möglicherweise?) in diesem Fall auch noch Western-Spezi und Revolverfachmann U.H. Wilken verbarg, der an sich in Sachen Pferdeoper natürlich ein Garant für stabile Qualität sein müsste.

Andererseits hat der nicht gerade auf dem Schützenfest den Garantiepreis für die gruseligste Einschlafmär gewonnen, war eher ein Fachmann für menschliche Grausamkeiten ohne übernatürlichen Bezug. Aber das muss ja nichts heißen, für ein ordentliches Zeilengeld läuft das mit der Qualität ja manchmal wie geflutscht.

Doch leider, leider: außerordentlich schwankend, was der versierte Autor hier in seinem Gruseldebüt so ablieferte, ein munteres Konglomerat aus Stärken und Schwächen, die wie schon die besprochenen Grusel-Western andeutet, dass die Mischung aus Horror und Wildwest im Duett wie eine Decke sind, die immer zu kurz ist, ziehst du sie hoch, liegen unten die Füße frei.

Da wird frei flottierend reichlich aus der Gruselkiste an finsteren Gesellen, Gestalten und Viechern in den Wok gekloppt und es duftet stellenweise echt anheimelnd nach unbehaglicher Atmosphäre und frisch aufgestellten Nackenhaaren, doch wenn es da  mal klappt, reicht das dann wieder nicht an den Plot ran, bzw. der Plot verläuft sich in endlosen Situationen und Effekten, bietet aber nicht genügend Erklärungen. Und wenn man sich das dann bemüht mit einer Tube Pattex zurecht geklebt hat, dann lahmen die Figuren an akuter Charakterarmut und dauerhafter Flachheit, so sehr, dass sie nicht mal (bis auf ganz wenige Ausnahmen) einen Nachnamen verpasst bekommen haben.

Wer also an dieser Chimären-Premiere teilnehmen möchte, der lese jetzt weiter …

Die Nacht der Bestien»Ich hab euch ― überall gesucht, Jim! Die Pferde :― sind weg! Ich habe Angst!«
Wir sind…wo sind wir eigentlich…also Prärie, Rinderherden, in der Nähe von Mexiko, wenig Wasser. Eine Viehtreibermannschaft sorgt sich um das fehlende Nass für die armen Viecher und der Vormann schickt seine Männer hinaus in den  langsam dahinsiechenden Spätnachmittag, eine Quelle finden.

Einer der Männer namens Lucky (welche Ironie!) erkundet in der Einöde ein schmales Tal, weil er schon von dem allgegenwärtigen Wolfsheulen die Levis‘ voll hat. In dem Tal entert er eine verfallene Hütte, die kurz vor dem Zusammenbruch steht – und prompt geht ihm sein Pferd durch (ein Vorfall, der in diesem Roman noch bis zum Erbrechen wiederholt werden soll). Binnen weniger Sekunden fährt Lucky die volle Psycho-Schiene, weil er sich von wilden Wölfen mit menschlichen Augen eingekreist fühlt. Als er den Schädel eines Menschen findet, ist es auch schon zu spät, ein knöcherner Toter ohne Augen knuspert ihm den Kehlkopf raus. Diabolisches Gelächter.

Letzteres plus Todesschrei locken Luckys Kumpels Jim, Andie und Scott an (Lieber Herr Wilken, nirgendwo in Amerika schreibt man Andy mit „ie“, vielen Dank für diesen, im Roman hundertfach wiederholten wunden Punkt an einer Stelle, an die man zwecks Kratzen nicht ran kommt!), die Luckys Pferd abfangen. In der Hütte ist nur reichlich Blut, auf dem Boden liegt der Kehlkopf und weil alle Cowboys abergläubig sind, geht dem Trio sofort die Muffe. Während Andie dringend ne trockene Jeans braucht, will Scott (der mit den Narben) einer ominösen Schleifspur folgen, die sie dann auch zu Luckys ausgebluteter Leiche bringt.

Scott will natürlich sofort der Mörderwolf meucheln und ignoriert auch das heranziehende Unwetter. Alsbald gelangt man zu einer Berghöhle, die Jim und Scott grimmig erkunden, während Andie schlotternd bei den Pferden bleibt, die ihm der Reihe nach, erst Luckys, dann die Anderen, alle durchgehen.

Derweil legen Scott und Jim in den weiträumigen Höhlen eine säugende Wölfin um und stoßen auf jede Menge Schädel und Gebeine und fliehen wieder nach draußen. Dort ist nun auch Andie verschwunden (er wurde beim Sturz bewusstlos) und so sucht man erstmal eins der geflohenen Pferde, von denen man drei wieder einsammeln kann. Lucky ist derweil auch verschwunden. Weil Andie nicht zu finden ist, reiten sie wieder in die Ebene in ihr Treibercamp.

Im Camp nässt es zwar etwas (Regen!), aber sonst sind alle ganz fröhlich und lassen Legenden kreisen, speziell die eine von den Spaniern, die einen ganzen Indianerstamm ausgerottet hatten – wegen eines Goldschatzes. Als Jim und Scott eintreffen, finden sie Andie nicht vor Ort, können aber die Anderen von der Notwendigkeit der Suche überzeugen. Miller, Cash und Vormann Logan bilden eine Gruppe und auch Scott und Jim reiten wieder los.

Leider sind die Mächte des Bösen aber schon vor Ort  und als die verbleibenden Herdenschützer die Herde von zwei Berittenen umkreisen lassen, werden diese Männer von augenlosen Knochenmännern gemeuchelt und geköpft. Dann attackieren die Skelette das Restcamp, nur Dave Cassidy reitet halb wahnsinnig hinaus in die Nacht.

Jim und Scott stöbern schließlich den weinenden Andie irgendwo in der Wildnis auf und reiten zum Camp zurück, dass natürlich nicht mehr existiert. Notgedrungen suchen sie die andere Gruppe um Vormann Logan und geraten in eine wüstenähnliche Gegend, in der sie die Leiche des „Alten Buck“ finden (auch ein Wassersucher). Sie ziehen weiter und geraten an eine Wüstenei, wo sie in einiger Entfernung eine Stadt ausmachen.

In der Hoffnung, die andere Gruppe dort zu finden (und ohne je von Geisterstädten gehört zu haben), macht man sich auf den langen mühsamen Ritt durch die glühende Wüstenhitze, angetrieben von Gesang, Kirchengeläut und der Furcht vor den Wolfsfährten.

Doch der namenlose Ort scheint menschenleer, die Geräusche scheinen aus der Kathedrale zu kommen, doch niemand ist zu sehen, nur eine Kerze scheint mal zu brennen und mal wieder nicht. Notgedrungen sucht man Schutz in einem leeren Saloon, ist aber diesmal schlau genug, die Pferde mit hinein zu nehmen. In der Nacht werden sie von Fratzen und Geräuschen geplagt, bis plötzlich die Logan-Gruppe auftaucht. Die haben leider ihre Pferde verloren, da half auch Anbinden nichts.

Am nächsten Morgen reitet der Logan-Trupp also mit Jim, Scott und Andies Pferden los, um die eigenen Hottemäxe zurück zu holen. Das geht natürlich in die Hose, denn in der Wildnis kommen alle drei durch gut organisierte Wolfsangriffe mit Kehlenbiss ums Leben. Pferde sind natürlich ausgebüxt/tot.

Da das Trio nicht wieder kommt, bricht in der Stadt natürlich zunehmend Depression aus. Man durchsucht weiter die Gebäude, doch dann melden sich die Wölfe wieder. Bald kommt es zu einer regelrechten Invasion der Viecher, die drei Männer verbarrikadieren sich im Saloon, doch es kommt dennoch zu einem Angriff, bei dem Scott in den Arm gebissen wird.

Am nächsten Morgen bekommt nicht nur Scott Fieber, sie finden auch die anderen drei Männer, aufgehängt, augenlos und blutleer am Mietstall. Jim begegnet auf der Straße einem abgerissenen Mann, der den Verstand verloren hat: Dave Cassidy. Als der Jim angreift, verscheucht er ihn mit Schüssen. Später findet Scott auch Cassidys blutleere Leiche, dann verschwindet er wieder in der Stadt.

In der Nacht dringt noch ein dürrer, knochiger Mann in den Saloon ein, flüchtet aber beim Erwachen der Männer auf die Straße. Dort wird er von vier just eingetroffenen Goldsuchern durchlöchert. Jim und Andie sind nicht eben begeistert von der neuen Gesellschaft, aber die Männer haben Wasser und Pferde – aber auch keine Skrupel. Während sie noch abwarten, finden sie in einem Hohlraum unter dem Gebäude, in dem sie sich befinden, tatsächlich eine größere Menge Gold. Vorsichtig folgen sie dem Quartett durch die Stadt und begegnen dabei einem weiteren, kriechenden Mann, dem die Wölfe nicht antun und der hinter einem Gerümpelberg verschwindet. Als Jim und Andie die Pferde der Goldsucher stehlen wollen, werden sie jedoch erwischt und überwältigt. Jim pokert hoch, als er angibt, die Männer am nächsten Tag zum Gold führen zu wollen, aber so kriegen sie noch eine Schonfrist.

Noch in der gleichen Nacht wird die Wache der Männer durch einen Unheimlichen ermordet. (Jaja, auch die Pferde laufen mal wieder weg…) Am nächsten Morgen führt Jim die restlichen Goldsucher zu dem Hohlraum und nimmt bewusst in Kauf, dass in dem Raum eine Klapperschlange ist. Prompt wird ein weiterer Goldsucher gebissen, läuft weg und wird von dem kriechenden Mann ermordet. Dann führt Jim die Männer zu dem Gerümpelberg, der sich als Eingang in Minenschächte entpuppt. Scott und Andie werden vorausgeschickt und finden jede Menge Wölfe und den „Kriechenden“, dann rücken die Banditen nach und bringen den Alten um. Scott und Andie entkommen, bewaffnen sich draußen und wappnen sich gegen eine erneute Wolfsinvasion.

Zwar warnen sie im letzten Moment noch die Banditen vor den Untieren, doch im folgenden Gefecht kommen die letzten Goldsucher und alle Wölfe ums Leben. Anschließend machen sich Jim und Andie bereit für den Rückweg durch die Wüste bei Nacht.

Doch wieder einmal ertönt die Kirchenglocke, ertönt unheimlicher Gesang aus der Kathedrale. Ein letztes Mal lassen sich zum Nachschauen hinreißen und werden Zeuge einer Geistermesse aller Getöteten im Kirchenschiff. Zum wiederholten Male geraten sie in Panik, zum wiederholten Male fällt Jim noch ein Grund zum Bleiben ein, die Suche nach Scott.

Jim durchsucht schließlich mehrere Gebäude und bricht am Ende in einen alten Minenschacht ein. Gleichzeitig taucht ein vollkommen veränderter, zunehmend wölfischer Scott bei Andie auf, der sein Heil in der Flucht (zu Fuß) in Richtung Wüste sucht.

Jim indes kämpft sich durch die Minengänge und erreicht eine Grotte, in der er all die furchtbaren Skelettkrieger antrifft, sich vor einer maskierten Gestalt in einer alten spanischen Rüstung sammelnd. Während er noch beobachtet, nähert sich ihm Scott von hinten, den Jim als mögliche Gefahr leider total unterschätzt. Die Würgehände schon um den Hals, kann Jim Scott schließlich erschießen, woraufhin der Wölfische in die Grotte fällt und von den Wölfen zerrissen wird.

Daraufhin attackiert der Unheimliche in der Rüstung den Cowboy, der aber erst den Helm abschießt (und ein Dämonengesicht frei legt) und dann das Monster in den Kopf trifft. Daraufhin greifen die Knochenkrieger ihren ehemaligen Herrn an. Jim flieht kopflos, während um ihn herum die Stadt in sich zusammen bricht und im Sand versinkt. Im Morgengrauen findet ihn eine Suchexpedition um Andie und ihren gemeinsamen Boss…

»Unterwegs hielten sie an, und Scott gab Andie etwas Kautabak. Andie nahm ihn, kaute und übergab sich. Danach fühlte er sich etwas ruhiger.«
Junge, könnte man denken, hier wird ja gleich mal richtig geklotzt, gar nicht erst gekleckert: Wölfe, Wolfsmenschen, Werwölfe, Knochenmänner, Geister, Conquistatorendämonen, Gruselgeisterstädte, dämonisches Gelächter, alles mit der groben Kelle in die Handlung gespachtelt, als müsse der Rohbau vom Reihenendhaus von außer besser nach Gründerzeit aussehen. Ich bin nicht sicher, ob es die allgemeine Unvertrautheit mit dem Genre an sich oder das verständliche Scheuen vor der ungewöhnlichen Kombination war, die diesen beidhändigen Griff ins Gewürzregal provoziert hat, Langeweile sollte bei diesem An-die-Wand-Schmeißen von Versatzstücken eigentlich nicht aufkommen. Schließlich fließt hier ja auch eine Menge Blut, gehen die handelnden Figuren gleich reihenweise über den Jordan, herrscht Panikatmosphäre an allen Fronten.

Und doch: das hier war es nicht. War es noch nicht! Was schade ist.

Denn atmosphärisch hat – hätte – der Roman eine Menge zu bieten. Hier wird nicht der typische Gruselroman über ein Westernsetting gepaust oder wie weilend Frankenstein es getan hätte, die Einzelteile einfach grob vernäht, sondern Wilken wählte hier ein urtypisches Geistergeschichtensetting – nämlich das der „haunted ghost town“ – um eine permanente Atmosphäre des Schreckens zu erzeugen. Mit reichlich widerborstiger Natur (Dürre, Hitze, Sand, Unwetter, Regen, Sturm, Wolkenberge) garniert, formen sich angesichts des reinen Plots wirklich beeindruckende Bilder im Kopf und ich könnte mir vorstellen, dass die Story eine hervorragende TV-Episode für eine Gruselserie ergeben hätte.

Wären da nicht...ja, wären da nicht all die anderen Elemente, die den Gesamteindruck leider erheblich schmälern.

Zunächst erschlagen sich die übernatürlichen Phänomen gegenseitig und das leider von vorne bis hinten. Was sich im Kopf gut zu Bildern formen lässt, ist gelesen leider immer wieder eine gehackt wirkende Zumutung. Kurze Sätze. Knappe Aussagen. Keine Ausmalung. Karge Beschreibungen. Ständig sich wiederholende Muster.

Endlos rinnt der Sand, stetig hört man geisterhaftes Gelächter, quietschen die Ruinen in den Angeln, hört man leises Singen und spektralen Glockenschlag. Und alles, aber auch wirklich alles hier macht auf gut 60 Seiten den Cowboys grauenhafte Angst, führt zu Bangigkeit, lässt sie vor Schrecken zittern und erbeben, hier und da wird sogar ausgiebig geheult. Im ganzen Heft zieht niemand mal den Hosenbund und gibt sich auch nur halbwegs wie ein zielstrebiger oder harter Westmann, selbst wenn keine unmittelbare Bedrohung besteht. Allen gehen einfach nur permanent die Gäule durch – und das gilt nicht nur für den Seelenzustand, es gilt auch für die tatsächlichen Pferde. Spätestens wenn die Viecher das dritte Mal scheuen und abhauen, von Zügeln entbunden werden oder sich losreißen, wird es zur reinen, mechanischen „plot device“, um die hoffnungslose Ausgangsposition der Figuren zu umreißen. Und hat man endlich mal Pferde, Nahrung und Wasser, dann kommt zwischendurch einer der eben noch Schlotternden auf die sagenhafte Idee immer genau dann noch denjenigen zu suchen, der schon seit zwei Tagen in der Geisterstadt verschwunden ist. Hauptsache, der Zauber kann weiter gehen.

Das passt zu den blassen, schablonenhaften Charakteren, die sich nur anhand ihrer sehr beliebigen Vornamen (oder eben nur ihrer Nachnamen) identifizieren lassen. Jim ist offenbar die Hauptfigur, Andie das ängstliche Kind und Scott hat eine Narbe im Gesicht – fertig sind die Charaktere. Ansonsten folgen sie – abgesehen davon, dass sie alle angsterfüllt sind – charakterlos dem Plot und seinen Fußangeln, bleiben dem Geschehen ausgeliefert und entwickeln nur selten so etwas wie organisierte Zielstrebigkeit. Dass der Suchtrupp B etwa in die Geisterstadt geritten ist, gerät genauso zum Zufall, wie dass der Suchtrupp genau dort nach ihnen sucht. Und die Idee, dass eine ferne Stadt mitten in der Wüste noch fleißig belebt sein könnte, mit Wasser und Essen, zeitigt auch nicht gerade von überwältigender Weisheit.

Ansonsten bleiben viele Fragezeichen: wieso reitet selbst ein Dave Cassidy trotz Panik mitten in die Wüste zur Geisterstadt? Wieso läuft da ein dürres Klappergestell rum, außer um von den Goldsuchern erschossen zu werden und ihre Gesinnung damit festzulegen. Wer ist der kriechende Mann und warum haben ihm die Wölfe nichts getan? Sind es eigentlich teilweise echte Wölfe oder sind alle dämonisch. Warum saugen sie Blut, bzw. tun sie das eigentlich oder sind das dann doch die Knochenmänner gewesen? Wie weit kommen die Knochenmänner eigentlich so rum bei ihrer Suche und was wollen die in den Bergen, wenn sie eigentlich in der Wüste beheimatet sind? Warum gibt es keinen Leitwolf, aber diverse größere Wolfsm ütter? Wer löst die Geistermesse für die Verstorbenen aus und wie? Was soll die Messe bringen? Wie hält die dämonische Conquistadorengestalt die Knochenmänner eigentlich in ihrem Bann und was tun die Knöchernen (eventuell der abgeschlachtete Indianerstamm?) für ihn. Worin besteht seine Macht und warum kann ihn dann eine simple Winchesterkugel so sehr schwächen oder zerstören, dass seine Sklaven über ihn herfallen können und gleich die ganze Stadt untergeht.

Man könnte diese Liste beliebig fortsetzen, erklärt wird hier aber nie etwas – Wilken setzt als Autor hier auf Effekt, nicht auf Erklärung, doch wenn man sich anderweitig gewisse Dinge vielleicht noch zusammenreimen kann, bleibt man hier vollkommen sich selbst überlassen.

Da hilft auch kein hervorragend gewähltes, altwestliches Gruselsetting, wenn der Verfasser sich episodisch von einer Szene zur nächsten hangelt. Da spürt man keine Lust am Grauen oder an der Bebilderung der eigenen Erzählung, hier arbeitet sich jemand an seinem Sujet ab und scheint es erst während des Schreibens überhaupt zu erfinden. Also müssen immer wieder Leute verschwinden und wieder auftauchen, gehen irgendwo hin und laufen von dort wieder weg. Zwischendurch haben sie dann berechtigt Angst, aber keinerlei Tiefe.

Mit den Figuren muss man mitfiebern können, nicht vergleichsweise hölzern eine Abfolge von unheimlichen Szenen entwerfen, die sich nicht wesentlich steigern können.

Wenn es dann hier doch noch geschieht, so geschieht das wieder einmal in einem Finale, das zu viele Fragen ob des reinen Effekts offen lässt – ein unbefriedigendes Ergebnis.

So gesehen hat der erste Roman das vermutlich anvisierte Ziel damals nicht erlaubt, aber vielleicht haben wir ja noch Exemplare anderer Güteklassen in der Satteltasche...

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2018-03-06 09:58
Da ist aber etwas durcheinandergeraten :-) Der Teil von Sandra Kjng, der sich hierher verirrt hat, erschwert etwas das Lesen.

Der Weird Western funktioniert eher selten, auch im Ursprungsland. Und da hatte man den Vorteil, viele Dinge thematisch handfester anpacken zu können als im deutschen Heftroman.

Trotzdem zehn Punkte für Bastei für seine damalige Experimentierlust. Wo gab es schon einen Geister-Western neben einem unverblümt geklauten Kung Fu-Western?
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#2 zeerookah 2018-03-06 12:22
Ich habe die Erstausgabe damals gelesen. Für mich wirklich der letzte Mist. Wie arm dran war denn U.H.Wilken das er sich für sowas damals hergegeben hat?
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#3 matthias 2018-03-06 19:38
U.H.Wilken zählte damals (und irgendwie auch heute noch) zu den von mir gerne gelesenen deutschen Autoren von Wildwest-Romanen.
(ich denke nur an DAN OAKLAND)
Den GEISTER-WESTERN hatte ich damals komplett, aber irgendwie nicht gelesen, da mir übernatürliche Phänomene im Wilden Westen nicht passten.
Aber: die Nr. 1 von Wilken hätte ich mir antun sollen. Ärgert mich jetzt, wo alle meine Romanhefte verkauft sind.
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#4 Schnabel 2018-03-08 11:48
zitiere Andreas Decker:
Da ist aber etwas durcheinandergeraten :-) Der Teil von Sandra Kjng, der sich hierher verirrt hat, erschwert etwas das Lesen.


Der Sandra-King-Text-Teil ist entfernt worden. Der Lesegenuß des Artikel ist hergestellt.
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