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Der »Neue« im Westen - Ein unterhaltsamer Western in Hollywoodmanier - Kelters »Cassidy«

CassidyDer »Neue« im Westen
Ein unterhaltsamer Western in Hollywoodmanier
Kelters »Cassidy« Nummer 3

Im Grunde ist es eine [kleine] Sensation. Nach wohl drei Jahrzehnten kommt eine Westernserie [Ausnahme: Red Light Ranch, 2001/02] mit neuen Romanen und einem neuen Helden an die Kioske und Bahnhofsbuchhandlungen. »Cassidy« nennt sich die Serie, die aus Hamburg kommt. Fünf Autoren schildern unter dem Pseudonym Nolan F. Ross im monatlichen Rhythmus seine Abenteuer …


Jetzt ist der dritte Band erschienen. Er stammt von Friedrich ›Fritz‹ Tenkrat, der ja schon alles mögliche geschrieben hat, aber nur wenige Western ... Sein Roman trägt den Titel:

Cassidy 3 (eBook)Die rote Hexe von Lake Devil

Cassidy Nummer 3 von Nolan F. Ross (=Fritz Tenkrat), Kelter Verlag.
Cassidy kommt nach Lobo Town in Wisconsin. Er spricht mit einem Farmer, der die rothaarige Sängerin Jane beim Masturbieren an einem See beobachtet hat. Eben dieser Sängerin lauscht der Held und erteilt einem aufmüpfigen Teenager eine Lektion mit seinem Revolver. Der erste Abend in Lobo Town hat es also in sich.

Kurze Zeit später ist Cassidy nicht nur Sheriff der Stadt (der alte war schon alt und hatte einen Schlaganfall), sondern hat auch bereits mit Jane geschlafen und weiß, dass er sich mit dem mächtigen, alles beherrschenden Rancher der Gegend anlegen wird, der seine Frau schlägt.

Derek Logger, der nach außen hin den perfekten Gentleman markiert, beherrscht die Gegend mittels seiner rauhbeinigen Jungens. Er schreckt auch nicht davor zurück, Cassidy Mordbuben auf den Hals zu hetzen und einen angeschossenen Cowboy, der ihn verraten könnte, durch seinen Vormann beseitigen zu lassen.

Cassidy nimmt den Kampf auf und lässt sich auch nicht abschrecken, als er brutal verprügelt wird und ihm so ein Ultimatum gestellt wird, die Stadt zu verlassen.

Was soll nun der Rezensent sagen?

Friedrich Fritz TenkratFritz Tenkrat vermeidet es, den Roman (Achtung Insiderjoke) zu ›mallorquinisieren‹ - er schafft es, einen recht spannenden und unterhaltsamen Roman abzuliefern, dessen Lektüre einfach Spaß macht. Ihm gelingen sogar einige interessante Varianten gängiger Figurenklischees des Western. So gewinnt er dem Teenager, der sich für den schnellsten aller Revolverträger hält, eine interessante Seite ab, in dem er den Typen nicht von Cassidy erschießen lässt. Statt dessen erweist sich der Rüpel als lernfähig, lässt sich von Cassidy erziehen und entschuldigt sich sogar für seinen Versuch, den Helden ins Duell zu zwingen.

Gut, von einem historischen Western ist er meilenweit entfernt. Aber das sind die meisten anderen auch. Da gab es nur wenige Autoren in der Geschichte der deutschsprachigen Westernromane, die dem Ideal eines historischen Western auch nur nahe gekommen sind - einem Roman, in dem nicht nur ein paar Details stimmen, sondern ein Zeitbild mit historisch korrekt geschilderten Figuren entworfen wird. Aber das ist ja auch nicht der Sinn von Cassidy. Hier wird der Western als Vorbild genommen, den auch Hollywood in Deutschland kultiviert hat.

Fritz Tenkrat nimmt sich hier des Motivs an, dass ein Mann eine Stadt säubert und von einem Unterdrücker befreit. Das ist von Leinwänden, Mattscheiben und aus Romanen ein hinlänglicher und gängiger Plot eines Westerns, und das gelingt Fritz Tenkrat überzeugend. Da braucht es auch keine historische Genauigkeit. Das ist ein Motiv der Legenden des Westens.

Fritz Tenkrat hat immerhin darauf verzichtet, Cassidy zum dritten Mal am Grab eines Freundes stehen zu lassen, aber auch er wählt das Motiv des von einem bösen Rancher beherrschten Landstrichs. Das wäre dann das dritte Mal der gleiche Typ Bösewicht. Ein bisschen mehr Koordination täte gut. Es muss doch noch andere zwielichtige Gestalten im Westen gegeben haben als Großrancher (um mal ein bisschen historisch zu werden: Von denen gab es gar nicht soviele und erst recht nicht solche mit Riesenranchhäusern wie wir TV-Zuschauer sie noch aus Bonanza, Big Valley und anderen Serien und Filmen kennen). Hier dürfen in den kommenden Bänden auch mal andere Gegenspieler auftauchen als Großrancher und ihre Vormänner. Das muss doch machbar sein ...

Zu diesem Hollywood-Westernmotiv kommen dann noch ein paar erotische Szenen, um den Anspruch des Adult-Western gerecht zu werden. Das gelingt Tenkrat ganz gut. Nach guter deutscher Tradition nicht sonderlich explizit, aber doch so, dass sie nicht lächerlich sind. Er hat es geschafft, ohne sich zu blamieren. Da Erotik immer eine sehr persönliche Sache ist, mögen das andere Leser anders empfinden.

Im großen und ganzen: Ja Fritz, schreib weiter an Cassidy. Deine Romane machen mir Spaß.

Kommentare  

#31 dor 2016-04-08 15:05
Im 3teiligen Zauberspiegel-Interview hatte Martin Baresch doch davon erzählt, dass er gern "viele" ist. Angesichts dieser Onanie/Masturbations-Debatte würde es mich doch diebisch interessieren, ob er neben Cotton, Sinclair, Damona King nicht auch bei "Lassiter" dabei war. So entspannt und lässig, wie er mal wieder rüberkommt, auch abends, ohne Espresso.
Und @ "Feldelse": Wenn du Mohlbergs Post 24 nicht ignorierst, ergibt sich für auch für dich, dass dein Salto nach hinten, zurück zur These von der entspannenden Wirkung vom "selber Hand anlegen" völlig überflüssig ist. Aber vielleicht kommen so doch noch 60 oder 70 Reaktionen zusammen.
@ Listenmacher allgemein: Nicht untergehen sollte "Feldeses" netter Aufruf oben (Reaktion 18): "Wo kann ich eine Übersicht finden, welcher bisher erschienene CASSIDY von welchem Autor geschrieben wurde?" Ein paar, so wissen wir seit der BLITZ-Debatte hier, stammen auf jeden Fall von Guido G.G. Grandt alias Cico Cavka ("Stahlwölfe"), alias dem BLITZ-Chefredakteur. Bloß: machte der Guido damals etwa einen entspannten Eindruck?!
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#32 Harantor 2016-04-08 15:27
In Sachen der Cassidy-Verfasser frage ich gerade mal nach. Mal schauen was ruskommt. Oh ja, der Guido ist dabvei. VBei Lektüre seines ersten Romans bin ich raus. Erst bemüht er sich um eine Wortwahl in den Dialogen und dann haut er das Wort Schwuchtel raus ... Und nach ein paar weiteren Seiten hatte sich der Roman für mich erledigt ....
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#33 Marduk 2016-04-08 16:41
Bezüglich der Autoren der Reihe CASSIDY wurde auch an anderer Stelle bereits auf die Aufstellung im Bastei-Forum hingewiesen:

www.bastei.de/forum/thread.html?bwthreadid=337&bwpage=72
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#34 Feldese 2016-04-09 22:11
@ dor
Auch Mohlbergs Post 24 erklärt mir leider nicht die zuvor vorherschende Aggressivität. Ungefähres Zitat "das sind doch ALLES dritt- bis viertklassige Lohnschreiber". Und zwar welche, ebenfalls Zitat, die nur die Leser (sprich: Heinis) hier interessieren würden, sonst niemand. Aha. Um in Post 24 wieder das Genre und Zauberspiegel zu lieben.
Aber diese Stimmungsschwankung kann Herr Mohlberg wohl am besten selbst erklären. Was ist zwischen den Posts - erst beleidigende Verärgerung, dann doch moderates Lobhudeln (zumindest des Forums) - passiert? Und ich mach jetzt nicht wieder einen Handanlegen-Spruch... Und auch keinen über abendlichen Espresso- oder Alkoholgenuss. :-?
Ich hab bisher (fast) drei Cassidys gelesen. Band 1 abgebrochen, Band 2 für gut befunden, Band 18 für ungewöhnlich: dieser Tenkrat wirkt irgendwie wie eine Bonanza-Folge plus Sex (oder Rauchende Colts, siehe Name des Docs).
Wer an Cassidy mitschreibt war übrigens dank Zauberspiegel und dem interessanten Autoreninterview schon letztes Jahr hier bekannt, die Frage war, wer genau welchen Roman geschrieben hat. Dank Ana im Basteiforum (Spannungsromane/Western) ist das jetzt bis Band 26 geklärt (Link siehe oben). Da die Autoren wirklich nicht aus einem Guss schreiben, ist das Verlagspseudonym noch unverständlicher, Kelter sollte das einmal überdenken.
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