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Cook, Paul: Tintagel

Paul Cook

Tintagel

 (Tintagel)

Knaur SF Taschenbuch 5799

Originaljahr: 1981: deutsch  1985

Übersetzung: Reinhold H. Mai

Titelbild:  Michael Embden

273 Seiten

ISBN   3-426.05799-9

  

Zu den drängenden Problemen auf der Erde in der Mitte des 21. Jahrhunderts wie Umweltzerstörung, Armut und zunehmende Anarchie ist ein weiteres gekommen: die „Musikseuche“. Mutierte Bakterien, ausgestreut in einem chinesischen Bürgerkrieg, sind um die ganze Welt gezogen, sensitive Menschen verlieren sich unter ihrem Einfluss in sich selbst und verschwinden schließlich ganz real von der Erde in eine von ihrem Geist selbsterschaffende Welt, die Elemente eben jenes Musikstücks enthält, das sie zuletzt hörten. Nur einige besonders stabile Leute (aus einer lokalen Gruppe in Arizone stammend, die ironischerweise vor zwei Generationen selbst durch Umweltgifte gengeschädigt wurde) , die sogenannten Stalker“, sind fähig, ihnen in diese Traumwelten zu folgen und wieder mit ihnen zurückzukehren. Der beste von ihnen, Francis Lanier, muss schließlich selbst die Präsidentin der USA aus ihrer ureigenen Welt zurückschaffen und entdeckt dabei auch, dass ein anderer gewissenloser Politiker nicht nur ein Heilmittel gegen die Seuche zurückhält, sondern auch die gesamte US-Bevölkerung mit Fernseh- und Kinobilder unterlegten Schwingungen beeinflussen lässt, um natürlich selbst Präsident werden zu können. Lanier durchkreuzt schließlich diesen Plan, indem er selbst eine eigene Traumwelt aufbaut (nach dem zeitgenössischen Musikstück TINTAGEL eines britischen Komponisten), in der alles wieder „frisch“ und grün und normal ist und die dem Grossteil der Menschen, die dorthin „wechseln“ können, die Möglichkeit für einen Neuanfang in einer besseren Welt bietet.....

 

Vom Erstlingsroman eines Autors kann man kaum besseres sagen, als dass er hier einen ganz und gar „neuen Plot“ geschaffen hat /Noch ihm am nächsten kommt eine alte sehr satirische Story von Philip K. Dick, wo aus Musikstücken Tiere erschaffen werden....). Nebenher ist er äußerst spannend und ohnehin rundherum gelungen. Er beweist in doppelter Hinsicht, dass die Macht der Phantasie in den Köpfen der Menschen liegt und was sie erschaffen kann – neue Welten im wahrsten Sinn des Wortes. Es ist kein reiner SF-Roman, sondern einer Mischung aus nur Science Fiction (reale Zustände des 20. Jahrhunderts, nur wenig in die Zukunft extrapoliert; obwohl die Existenz eines weiblichen US-Präsidenten schon viel Vorstellungskraft erfordert.....) und reiner Fantasy (Traumwelten aller Art), selbstbewusst und offensiv spielend mit eben jenem Vorwurf, den man SF und Fantasy seit jeher macht: Eskapismus, Flucht, und hier in einer ganz realen Form (die allerdings, deshalb Fantasy, physikalisch ganz und gar unmöglich ist).

Bei aller Komplexität wird das ganze in der gängige Form eines Spannungsromans serviert, und das atemberaubende Ende (3 Milliarden Menschen finden sich ohne Zeitverlust in einer besseren Welt wieder.....) hat viel vom guten alten „Sense of Wonder“ in sich:

 

Die ganzen im Roman verstreuten Hinweise zu verstehen, ist eher einem Musikwissenschaftler und/oder –kenner zuzutrauen, weshalb man leider auch die Anspielungen auf die aus den Musikstücken entstehenden verschiedenen Welten nicht recht goutieren kann. Stalker Lanier ist selbst Spezialist für zeitgenössische Musik des 20. Jahrhunderts; der Rezensent kann mit fast allen der aufgeführten Musikstücke und Komponisten nichts anfangen, schon gar nicht mit dem „Symphonischen Gedicht ‚TINTAGEL’ von Sir Arthur Bax“, auf dem der Buchtitel basiert.

 Aber an anderer Stelle findet man auch als Beschreibung der Auswirkungen der Musikseuche: „Alle Welt (...) erlangte eine enge Vertrautheit mit der Krankheit. Und sie erkannten bald ihre Auswirkungen, als sie sich eines klassischen Blues-Song oder eines alten Ohrwurm von Bob Wills und seinen Texas Playboys zu erinnern suchten. Diese Lieder waren inzwischen verboten, weil Blues und Country- und Westernsongs der alten Schule die tiefsten und stärksten Gefühle ansprechen“  

Man sieht also: Paul Cook versteht wirklich etwas von Musik!

 

Und sein Roman darf in keiner Sammlung von (wirklichen) Klassikern der SF fehlen....so wie jeder Songs von Bob Wills kennen sollte....

„No matter who’s in Austin – Bob Wills is still the King“ 

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