Die Reise ins Labyrinth - Ein Popstar als Koboldkönig
Die Reise ins Labyrinth
Ein Popstar als Koboldkönig
Obwohl Jim Hensons Herzensprojekt „Der dunkle Kristall“ bei seiner ursprünglichen Kinoauswertung nicht sonderlich erfolgreich war, gelang es dem Muppet-Schöpfer vier Jahre später mit „Die Reise ins Labyrinth“ einen ähnlich innovativen und düsteren Fantasyfilm zu finanzieren. Nun ist der Klassiker mit David Bowie wieder neu auf 4KUHD erschienen, als 3-Disc-Edition im Steelbook.
Ich muss zugeben, dass „Die Reise ins Labyrinth“ in meinem Leben eine ganz besondere Rolle spielt. Als ich den Film als junger Teenager das erste Mal auf der großen Leinwand sah, war ich restlos begeistert von Jim Hensons fantasievoller Welt, den skurrilen Figuren und Räumen, die meine eigene Vorstellungskraft weiter beflügelten. Auf dem Cover der damals aktuellen „Film-Illustrierten“ war David Bowie als Koboldkönig aus diesem Film abgebildet, weswegen ich das Filmmagazin unbedingt haben musste. Seitdem habe ich mir allmonatlich neue Printausgaben aus dem Kinobereich gekauft und schließlich irgendwann den Entschluss gefasst, selbst über dieses faszinierende Medium zu schreiben. Indirekt ist also durchaus Jim Henson dafür verantwortlich, welchen beruflichen Weg ich eingeschlagen habe. Vor diesem Hintergrund fällt es fast ein wenig schwer, objektiv über „Die Reise ins Labyrinth“ zu berichten. Aber da Jim Hensons dritter und leider bereits letzter Kinofilm als Regisseur (er starb knapp vier Jahre nach dessen Uraufführung mit gerade einmal 53 Jahren) unzählige andere Generationen von Filmliebhabern auf der ganzen Welt seit 40 Jahren begeistert und längst zu einem der wenigen wirklichen Kultfilme im Fantasybereich geworden ist, stehe ich mit meiner Schwärmerei für die Abenteuer der jungen Sarah im Reich des Koboldkönigs nicht alleine da. Wer diesen wunderbaren Film bislang noch nicht gesehen hat, sollte dies mit der exzellent gelungenen neuen 4KUHD-Version von Plaion Pictures schleunigst nachholen!
Die 15jährige Sarah (Jennifer Connelly) ist genervt von ihrem kleinen Halbbruder Toby (Toby Froud, der Sohn des Konzeptdesigners des Films, Brian Froud), den sie mal wieder babysitten muss. Sie wünscht sich, dass der Kleine von den Kobolden geholt wird – was prompt geschieht! Kurz danach erscheint Koboldkönig Jareth (David Bowie), der Sarah eine letzte Chance gewährt, Toby zu retten, bevor er diesen ebenfalls in einen Kobold verwandelt. Sarah muss binnen dreizehn Stunden das riesige Labyrinth durchqueren, das sich rund um Jareths Schloss auftut. Auf ihrer Reise wird das Mädchen von allerlei seltsamen Gestalten und Begegnungen in Atem gehalten. So trifft sie auf rätselhafte Türen oder Feuertrolle, durchquert das „Moor des ewigen Gestanks“ und macht dabei aber auch die Bekanntschaft von Hoggle (in der deutschen Fassung gesprochen von Franz Otto Krüger), Ludo (Kurt Goldstein) und Sir Didymus (Wolfgang Spier), die sie fortan begleiten und auf ihrer Mission tatkräftig unterstützen.
Jim Hensons letzter Film in Eigenregie ist wieder ein vor Einfällen strotzendes Fantasymärchen für die ganze Familie geworden. Da das Drehbuch von Ex-Monty-Python und Kinderbuchautor Terry Jones stammt, sind auch derbe Zwischentöne vorprogrammiert, die aber nur zusätzlichen Reiz in die ansonsten etwas zu kitschig geratene Geschichte bringen. Die Ausstattung (teilweise an M.C. Eschers Kunstwerken orientiert) und die Spezialeffekte (vom Jim Henson’s Creature Shop in Zusammenarbeit mit Industrial, Light & Magic von George Lucas) sind erste Sahne – aber das muss man bei einem Henson-Film gar nicht nochmal gesondert erwähnen. Obwohl auch dieser Film an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurückblieb, hat er längst eine eingefleischte Fanbase und zählt zu den großen, originellen und mit viel Detailliebe hergestellten Fantasywerken aus der Ära vor den immer seelenloser werdenden Computertricks.
Die 4KUHD-Wiederveröffentlichung im Steelbook enthält sowohl eine 4KUHD als auch eine reguläre BluRay des Films sowie eine zusätzliche BluRay mit Bonusmaterial. Das Bild (im Widescreen-Format 2,39:1) ist dabei exzellent ausgefallen, auch der Ton (leider nur in der englischen Originalfassung in Dolby Atmos TrueHD, optional auch in PCM 2.0; Deutsch und Französisch wahlweise im DTS HD Master Audio 5.1 oder PCM 2.0, zusätzlich mit Untertiteln in diesen drei Sprachen) lässt kaum mehr Wünsche offen. Die umfangreichen Extras bestehen aus bereits veröffentlichtem Material und neuen Features. Sie umfassen einen Audiokommentar mit Konzeptdesigner Brian Froud, deutsche und englische Trailer, die Dokumentation „Die Reise ins Labyrinth“ (56 Minuten), die Features „Das Hensons-Vermächtnis“ (11 Minuten), „Im Wandel der Zeit – Ein Rückblick auf die Reise ins Labyrinth“ (10 Minuten), „Im Reich der Fantasygestalten“ (28 Minuten), „Auf der Suche nach der Koboldstadt“ (30 Minuten), „Kontaktjonglage-Tutorial“ (13 Minuten), „Erinnerungen an den Koboldkönig“ (5 Minuten), „Die Geschichtenerzähler“ (33 Minuten), ein Q&A (Fragen & Antworten) Fan-Event mit Brian Henson & Toby Froud (34 Minuten), ein Q&A (Fragen & Antworten) zum 25 Jubiläum (41 Minuten), entfallene und alternative Szenen (zusammen 25 Minuten, optional auch mit Audiokommentar von Brian Henson), Auditionclips mit Trini Alvarado (14 Minuten), Maddie Corman (15 Minuten), Tracey Gold (3 Minuten), Molly Ringwald (3 Minuten), Jill Schoelen (14 Minuten), Daniele von Zerneck (3 Minuten) und Claudia Wels (4 Minuten) sowie eine umfangreiche Bildergalerie mit rund 100 Motiven.



