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Schaurige Geschichten - Merkwürdige Vorkommnisse

Schaurige Geschichten

Merkwürdige Vorkommnisse

 

Im Jahr 1976 entstand für das Norddeutsche Werbefernsehen die dreizehnteilige Anthologieserie „Schaurige Geschichten“, die in abgeschlossenen 25minütigen Episoden um seltsame Vorkommnisse kreiste. Die Serie basierte auf einem schwedischen Original aus dem Jahr 1972, von dessen ursprünglich sechs Folgen fünf in diese Serie integriert worden sind. Nun ist die lang gesuchte Serie erstmals auf DVD erhältlich.

Immer wieder wird die 13teilige Serie „Schaurige Geschichten“ (1976) in einem Atemzug genannt mit anderen Anthologiereihen wie „Merkwürdige Geschichten“ (1970), „Unheimliche Geschichten“ (1982) oder „Gespenstergeschichten“ (1984). Nachdem das Label Pidax diese drei Serien im Laufe der letzten Jahre bereits veröffentlicht hat, folgt nun „Schaurige Geschichten“, dessen Cover einen in der Ansicht bestärken könnte, dass es auch hier wieder um übersinnliche Phänomene, Geister und andere phantastische Erzählungen geht. Dem ist aber nicht so, und auch der Titel „Schaurige Geschichten“ bewahrheitet sich nicht bei allen dreizehn Folgen. Im Jahr 1972 hatte der Schwede Leif Krantz (1932-2012) für das schwedische Fernsehen sechs halbstündige Geschichten geschrieben und inszeniert, die dort unter dem Titel „Stora Skälvan“ (wörtlich ungefähr „Das große Zittern“) ausgestrahlt wurden. Für die deutsche Adaption hat man einen ungewöhnlichen Weg gewählt. Fünf der sechs Episoden wurden einfach übernommen und dafür lediglich deutsch synchronisiert, andere Bücher von Leif Krantz hat man mit deutschen Darstellern verfilmt, drei Episoden wiederum wurden komplett von deutschen Teams erdacht und gedreht. Diese zählen am Ende sogar zu den gelungensten Folgen dieser durchwachsenen Reihe, bei der es zwar immer wieder um merkwürdige Vorkommnisse und Begegnungen geht, die aber nur in den allerseltensten Fällen wirklich schaurig sind oder gar einen übersinnlichen Hintergrund haben. Wenn man also nicht mit der falschen Erwartungshaltung an die Serie herangeht, hat man definitiv deutlich mehr von ihr.

„Wer hat Angst vor Wetzenstein?“, die den Auftakt bildet, fällt noch am ehesten in die Kategorie schaurig, da die junge Karin (Andrea L’Arronge) hier in einem alten Haus als Mieterin unterkommt, dessen Besitzer für sie lange ein Mysterium bleibt. Auch die Haushälterin (Gisela Trowe) verhält sich höchst sonderbar. „Der Traum vom Fliegen“ handelt von Teenager Martin (Michael Poliza), der sich für die Fliegerei begeistert. Durch eine Verkettung von Ereignissen landet er hinter dem Steuer eines Segelflugzeugs, obwohl er dieses nur in der Theorie fliegen kann. „Spurlos verschwunden“ ist genau wie „10.000 Mäuse“ eine deutsch synchronisierte schwedische Folge, die eher mau ausgefallen ist. Letztere ist sogar dermaßen albern-überdreht, dass sie einem schnell auf die Nerven fällt. Wesentlich interessanter ist da schon „Geisterstunde“ mit Hans Peter Korff als Arzt, der sich in einem Dorf mit dem Aberglauben der Bevölkerung auseinandersetzen muss. „Ein rätselhafter Abgang“ ist die erste rein deutsche Folge und ein erstes Highlight der Box. Hier muss die kleine Britta (Annette Nolte) mit ansehen, wie ein Zauberer (Achim Strietzel) ihren älteren Bruder Mischa (Herbert Heeckt) tatsächlich verschwinden lässt. „Reiner Zufall“, „Altes Gemäuer“ und „Die Falken“ sind schwedische Folgen, von denen „Die Falken“ am ehesten überzeugen kann, weil er einige spannende dokumentarische Aufnahmen enthält. „Böses Erwachen“ und „Taxi nach Hamburg“ sind wohl die beiden spannendsten Episoden, die sich mit einer Entführung und der Fahrt einer Anhalterin befassen. Den Abschluss bilden die etwas seichte Geschichte „Der Ausbrecher“ und „Liebste Luise“, in der Thomas (Hans-Georg Panczak) die Bekanntschaft mit der exzentrischen alten Luise (Lisa Helwig) macht und ihr in ihre heruntergekommene Bleibe folgt.

Die Rahmenhandlung spielt jeweils auf einem Segelschiff, auf dem sich junge Menschen ihre „schaurigen“ Erlebnisse erzählen, die ihnen mitunter bereits als Kind, manchmal aber auch erst vor wenigen Monaten passiert sind. So richtig fügt sie sich nicht immer in die Haupthandlungen ein, zumal die beiden Elemente einer Folge mitunter in zwei verschiedenen Ländern gedreht wurden. Vielleicht wollte Leif Krantz die Geschichten durch ihre Verortung auf einem Schiff als „Seemannsgarn“ abstempeln. Auch die Tatsache, dass weite Teile der Geschichten von einer Erzählstimme aus dem Off geschildert werden und kaum direkte Dialoge vorhanden sind, befremdet heute ein wenig. Trotzdem und vielleicht auch gerade wegen seiner ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte ist „Schaurige Geschichten“ auch heute noch einen Blick wert, zumal auch bekannte Namen wie Jürgen Prochnow, Witta Pohl oder Karl-Heinz von Hassel mit auf der Besetzungsliste standen. Die DVD-Erstveröffentlichung der dreizehn 25minütigen Folgen auf zwei Scheiben bietet ein passables Bild (im Vollbildformat 1,33:1 – nicht 1,66:1, wie auf dem Cover angegeben), das aber etliche Verunreinigungen aufweist und kaum über VHS-Niveau hinauskommt. Der deutsche Ton (in Dolby Digital 2.0) ist stets gut zu verstehen, Bonusmaterial ist nicht mit aufgespielt.

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