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Der Ghostface Killer wetzt wieder die Messer! - »SCREAM« (2022)

SCREAM (2022)Der Ghostface Killer wetzt wieder die Messer!
»SCREAM« (2022)

Nach den Morden, die vor 25 Jahren Woodsboro erschüttert haben, nimmt ein neuer Killer die Maske von Ghostface an und beginnt, eine Gruppe von Teenagern ins Visier zu nehmen, um Geheimnisse aus der Vergangenheit der Stadt wieder aufleben zu lassen. Auch die Überlebenden von damals Sidney Prescott, Dewey Riley und Gale Weathers sehen sich gezwungen, sich der erneuten Bedrohung entgegenzustellen und der neuen Generation im Kampf gegen Ghostface zur Seite zu stehen.

SCREAM (2022)Doch schaffen sie es gemeinsam dem blutigen Treiben des Killers ein für alle Mal ein Ende zu setzen?

Heutzutage hat der geneigte Horror-Fan ja die Qual die Wahl, erlebt das Genre doch in den letzten Jahren einen regelrechten Boom und bedient vom altbekannten Slasher („Halloween“ - Reboot), über klassischen Geisterhaus- und Exorzismus-Grusel („Conjuring“-Universum) bis hin zum relativ neuen sogenannten „elevated horror“, also Filmen, bei denen der Horror auf äußerst subtile Weise erzeugt wird und auch eine gesellschaftliche bzw. politische Bezugsebene eingefügt wird. Filme dieser Art wie etwa „Hereditary“ von Ari Aster oder „Get Out“ von Jordan Peele konnten viel Kritikerlob einheimsen. Dies war aber nicht immer so. In den 90er Jahren galt das Horrorgenre nach dem Slasherboom der 80er Jahre als ausgelaugt und tot, neue Ideen waren Mangelware. Diese Genre-Einöde nahm sich ein gewisser Wes Craven zum Anlass, das tot geglaubte Genre mit einem genialen Twist zu rehabilitieren: Der Meta-Slasher „Scream“ war geboren, der die fest gefahrenen Genre-Konventionen auf links drehte, in dem sich die Charaktere den Genre-Tropen im Film bewusst sind und dementsprechend agieren bzw. eben nicht agieren.  Diese Meta-Ebene gepaart mit dem Whodunit Element der Geschichte und dem ikonischen Killer-Design der Ghostface-Maske schlugen ein wie eine Bombe und begründeten den andauernden Hype um Teen-Slasher und Meta-Ebenen im Film. Im Gegensatz zu vielen anderen Horror-Reihen schaffte es „Scream“ sogar über die obligatorischen Sequels hinweg die Qualität des Erstlings mehr oder weniger zu halten.

SCREAM (2022)Nachdem der vierte Teil (SCRE4M) 2011 an den Kinokassen enttäuschte und das Mastermind hinter der Reihe Wes Craven 2015 verstarb, schien eine Rückkehr des Ghostface Killers nahezu unvorstellbar. Nach einer kurzweiligen MTV Fernsehserie (die man aktuell noch bei Netflix nachholen könnte) erfolgte aber Anfang 2022 das große Comeback auf der Kinoleinwand. Und eines kann direkt festgehalten werden: Etwaige Bedenken bezüglich des Erbes von Wes Craven und einer befürchteten Nest-Beschmutzung des guten „Scream“-Namens können direkt zerstreut werden, denn das Regie-Duo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett liefert nach „Ready or Not“ erneut einen überaus gelungenen Beitrag im Horror-Fach ab. Sie schaffen nämlich den Balanceakt eine gewisse Ehrfrucht vor dem Original zu bewahren und dennoch etwas erfrischend Neues mit der „Scream“-Marke zu kreieren. Neben den „Scream“ typischen Quer-Verweisen auf das Horror-Genre an sich (statt „Freitag der 13.“ oder „Saw“ werden nun allerdings „Der Babadook“ und „Hereditary“ referenziert), schafft es „Scream“ aber auch die neuerdings breit diskutierte Toxic-Fandom-Thematik geschickt in die Handlung einzufädeln.

SCREAM (2022)Dass dieser Drahtseilakt zwischen Tradition und neuen Ideen so perfekt gelingt, liegt zu einem großen Teil allerdings auch am grandiosen Cast, der diesen Brückenschlag zwischen den (Scream)-Generationen verdeutlicht: Neben den Franchise-Veteranen Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette, weiß auch die junge Darstellerriege rund um Jenna Ortega vollends zu überzeugen. Es handelt sich eben nicht um das Genre übliche Kanonenfutter für den Killer, sondern um Charaktere, an deren Schicksal man ein ehrliches Interesse hat. „Scream“ schafft es deshalb eine äußerst dichte Atmosphäre zu erzeugen, denn zum einen sitzen die vereinzelten Jump-Scares wirklich perfekt und zeigen die Wirksamkeit dieses Stilmittels, wenn es nur richtig und dosiert eingesetzt wird. Zum anderen sind die Kills spannend inszeniert, überaus blutig und gehen wirklich an die Nieren (zeitweise wundert man sich gar über die FSK 16 Freigabe).  Was die „Scream“-Reihe immer schon von vergleichbaren Slasher-Reihen wie „Halloween“, oder „Freitag der 13.“ unterschied, war die Tatsache, dass die Identität des Killers (im Gegensatz zu den vorher erwähnten Titeln) immer ein großes Rätsel darstellte, und die „Scream“-Reihe dadurch ein Whodunit- Element erhielt, welches die Reihe (neben dem ironischen Humor) deutlich von anderen Genre-Vertretern abhob. Die Identität des Killers war bei den Teilen zuvor oftmals eine große Überraschung und sorgte meistens für einen richtigen Twist zum Schluss. Im fünften „Scream“ funktioniert das nicht ganz so gut wie etwa im allerersten „Scream“ oder in „Scream 4“, da man als achtsamer Zuschauer schon früh einen Verdacht entwickelt, wer sich diesmal hinter der ikonischen Ghostface Maske verbirgt. Dies ist allerdings der einzige Makel an einem sonst wirklich rundum gelungenen Slasher-Meisterwerk, dem es gelingt für eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, während man gleichzeitig mit einem Dauergrinsen die Geschehnisse verfolgt – typisch „Scream“ eben.

SCREAM (2022)Fazit:
Der großen Skepsis im Vorfeld zum Trotz schafft „Scream“ das eigentlich Unmögliche: Der Film katapultiert die „Scream“-Reihe auf spektakuläre Weise ins neue Jahrzehnt, in dem die bekannten Merkmale der Slasher-Reihe (selbstreferenzieller Humor mit Anklängen beim aktuellen Filmdiskurs, Whodunit-Elemente, packende Kills, starke und gut geschrieben Charaktere) auf intelligente Art und Weise variiert und um neue Aspekte ergänzt werden (Stichwort Toxic Fandom). Der Verdienst der beiden Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett kann gar nicht hoch genug bewertet werden, da sie auf der einen Seite das Erbe von Wes Craven mit Respekt behandeln und dem Altmeister wenig subtil die Ehrerbietung erweisen (Die Benennung eines Charakters namens Wes und dessen Schicksal in der Handlung spricht Bände) und sich auf der anderen Seite auch trauen, neue Wege zu beschreiten und dem Film ihre eigene Note zu verleihen. Kurzum eine mehr als würdige Fortführung der Reihe und ein genialer Slasher, welcher das Potenzial zum modernen Klassiker hat.

Kommentare  

#1 Mainstream 2022-10-03 22:36
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Ich möchte bitte insofern widersprechen, dass es einen zweiten, wesentlich eklatanteren Makel gibt.
Das ist Deweys unrühmlicher und unwürdiger Abgang. Nach 26 Jahren Erfahrung mit Ghostface hätte er niemals derart reagieren, und damit in die Falle laufen dürfen. In dem sonst werktreuen und innovativen Film, haben die Macher in diesem Fall schlichtweg versagt. MEIN Dewey hätte originelleres verdient.
#2 Laurin 2022-10-04 17:08
Da ich mit der SCREAM-Filmreihe bisher eh nie wirklich warm geworden bin, bin ich noch ein wenig am schwanken, ob ich bei dieser neuen Verfilmung überhaupt zugreifen sollte.

Ich schätze mal, da brauche ich wesentlich mehr Infos zum Film, bevor ich ihn mir überhaupt ansehe (oder auch nicht). :sigh:
#3 Mainstream 2022-10-05 10:27
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Wenn Du bisher nichts damit anfangen konntest, bzw warm geworden bist, wird dieser Film nichts daran ändern.
#4 Laurin 2022-10-05 11:39
Irgendwie habe ich mir das auch schon so gedacht, @Mainstream, weshalb sich meine Neugierde hierzu auch in extrem engen Grenzen bewegt,

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