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Werwölfe für Filmfans - »Das Tier« (4KUHD)

Das TierWerwölfe für Filmfans
»Das Tier« (4KUHD)

Zu einer Zeit, als der Werwolf-Film eigentlich völlig aus der Mode gekommen war, machten sich zwei engagierte junge Filmfans daran, dieses klassische Genre wiederzubeleben. John Landis drehte mit „American Werewolf“ einen Film, der zum Klassiker werden sollte. Aber Joe Dante war ihm mit „Das Tier“ um ein paar Monate zuvorgekommen – und hatte die besseren Transformationsszenen zu bieten. Jetzt ist der Film auf 4K-UHD zu haben.

Das TierDer im Original „The Howling“ betitelte Film war nach „Piranhas“ erst der zweite größere Film des 1946 in New Jersey geborenen Filmliebhabers Joe Dante, der bereits in seinem für Roger Corman zum Schleuderpreis produzierten Regiedebüt „Hollywood Boulevard“ liebevoll aus der Filmgeschichte zitierte. Auch in all seinen kommenden Filmen sollte Dante den Großen der Kinogeschichte stets Referenz erweisen, sei es mit Cameo-Auftritten renommierter Genrestars oder Filmregisseure, sei es mit Filmplakaten oder Utensilien im Hintergrund oder durch Anspielungen bei den Namen seiner Filmcharaktere. Das ist insbesondere bei „Das Tier“ der Fall, in dem fast jede Figur nach einem bekannten Gruselfilmregisseur benannt ist. Es finden sich hier u.a. George Waggner („Der Wolfsmensch“), Roy William Neill („Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“), Sam Newfield („Wolf Dog“), Freddie Francis („Die Legende vom Werwolf“), Terence Fisher („Der Fluch von Siniestro“), Erle Kenton („Frankensteins Haus“), Charles Barton („Abbott & Costello treffen Frankenstein“) und Lew Landers („Die Rückkehr der Vampire“) als Paten für die Rollen, und alle von ihnen haben im Laufe ihrer Karriere auch einmal einen Film mit einem Werwolf gedreht.

Das TierDie Nachrichtensprecherin Karen White (Dee Wallace) wird seit einiger Zeit von einem Mann verfolgt, der Eddie (Robert Picardo) heißt. Gemeinsam mit der Polizei versucht sie nun, den Täter dingfest zu machen. In einem Pornokino kommt es zur Konfrontation, und Eddie wird von der Polizei erschossen. Die schwer traumatisierte Karen begibt sich auf Anraten des Psychologen Dr. George Waggner (Patrick Macnee) in dessen am Meer gelegenes Selbsthilfecamp. Sie wird von ihrem Mann R. William Neill (Christopher Stone) begleitet, der vor Ort schnell von der üppigen Marsha (Elisabeth Brooks) verführt wird. Im unheimlichen Camp jaulen nachts nicht nur die Wölfe, auch einige der anderen Patienten scheinen ein dunkles Geheimnis zu haben. Karens Freundin Terry Fisher (Belinda Balaski) und deren Kollege Chris (Dennis Dugan) recherchieren in dem Fall und finden schnell heraus, dass vermutlich die Legende der Werwölfe hinter den Vorkommnissen stecken könnte. Außerdem ist Eddie gar nicht so tot, wie es zunächst den Anschein hatte, denn seine Box in der Leichenhalle ist plötzlich wieder leer und weist Spuren von Gewalt auf…

Das Tier„Das Tier“ ist ein kurzweiliger Werwolfthriller, der der Geschichte kaum etwas Neues hinzufügt, sondern eher die bestehende Legende untermauert. Joe Dante drehte hier einen zitatenreichen, selbstironischen Horrorfilm mit zahlreichen Genrestars, bei dem vor allem die perfekten Transformationsszenen auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. Der Film hat Atmosphäre, ist nach heutigen Sehgewohnheiten aber sehr langsam entwickelt. Ein insgesamt noch immer unterhaltsamer Hybrid aus gruseligen und komischen Szenen, der Dantes Genreliebe offensichtlich macht. Die 4KUHD-Erstveröffentlichung von StudioCanal bietet ein beeindruckend detailreiches und scharfes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1). Der Ton liegt wahlweise auf Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 5.1 oder auf Englisch und Französisch in PCM 2.0 Stereo vor, optional sind auch Untertiteln in diesen drei Sprachen verfügbar. Das Steelbook enthält darüber hinaus auch noch eine herkömmliche BluRay des Films. Als Extras bietet die Veröffentlichung die neu gedrehte Dokumentation „Die Karriere von Joe Dante“ (21 Minuten), das bereits auf der 2004er DVD erschienene Special „Willkommen im Land der Werwölfe“ (51 Minuten), siebzehn geschnittene Szenen (zusammen 11 Minuten), Outtakes (13 Minuten) und einen neuen Trailer zum Film.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2021-10-25 14:33
Tatsächlich sind "Das Tier" und "American Werewolf" zwei der besten Genrebeiträge der 1980er, die dazu einen klassischen Hauch bieten können. Und das liegt wohl zum großen Teil mit an der Leistung der beiden FX-Experten Rob Bottin und Rick Baker,

Allerdings würde ich dann doch eher Joe Dantes Werwolf-Beitrag vorziehen. Der Film fasziniert anfänglich schon mal mit einer wunderbar getricksten Verwandlungsszene, die Picardos "Eddie" ohne Zwischenschnitte durchmacht.

Der Plot ist atmosphärischer Grusel "at its best" und bietet Rollennamen, die für Kenner das "Who is Who" des altgedienten Monstermovies bedeuten dürften.

Hier gibt es aber auch Schauspieler wie Dick Miller/1928 - 2019, der ja in der "Corman-Factory" bereits gut beschäftigt war (u,a, "Kleiner Laden voller Schrecken, 1960") und den Dante (ebenfalls ein "Corman-Schüler") später immer wieder gerne besetzte .(u.a. "Explorers,1985")

Selbstverständlich sollte man den genialen Pino Donaggio (u.a. "Wenn die Gondeln Trauer tragen, 1973" und "Dressed to Kill;1981) nicht vergessen, der ja bereits vorher bei "Piranha,1978" (ebenfalls von Joe Dante) mitarbeiten konnte.

"Das Tier" kommt bei mir alle paar Monate wieder in den Player. Wenn es dann da draußen auch noch richtig nebelig ist..... :-*
#2 Toni 2021-10-25 21:02
Ja, Joe Dantes Werwolfverwandlung ist die beste Ever...
#3 Andreas Decker 2021-10-26 10:27
zitiere Toni:
Ja, Joe Dantes Werwolfverwandlung ist die beste Ever...


Das ist wahr. Ist nach der langen Zeit immer noch die beste Verwandlung.

Dem Film verzeihe ich sogar sein misslungenes Ende - Dee Wallace sieht als Werwölfin wie ein Pudel aus - und den eher lustlosen Auftritt von Macnee.
#4 Toni 2021-10-26 15:54
Wird wohl stimmen, denn ich kann mich nur noch an die krasse Verwandlung erinnern. :-) Wenn ich an die Metamorphosen in anderen Filmen so denke, ich meine die Streifen vor den ganzen PC-Tricksereien, kann ich verstehen, warum der Werwolf nicht immer ganz ernst genommen wurde. Trotz dem gekonnten Minenspiel von Paul Naschy blieb die Kreatur immer etwas bemitleidenswert. Peter Saxon, war glaube ich ein Sammelpseudo, hatte so eine Verwandlung mal in schriftlicher Form (DAS SCHLOSS DER VAMPIRE) hingelegt. Die war auch nicht schlecht...
#5 Friedhelm 2021-10-26 21:10
Andreas Decker; was das Ende betrifft, gebe ich dir teilweise Recht. Karens Transformation wirkt eher lächerlich - aber dafür wird der Zuschauer am Ende doch noch überrascht.

Die vom Zuschauer totgeglaubte Werwölfin Marsha hat überlebt und sitzt in einer Gaststätte. Ob man dabei an eine direkte Fortsetzung gedacht hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Jedenfalls konnte, das was dann als sogenannte Fortsetzungen so geboten wurde, dem Erstling kaum das Wasser reichen. Damit hatten die Macher dieses Films allerdings auch nicht das geringste zu tun..
#6 Friedhelm 2021-10-26 21:23
@Toni: naja, vor Dantes "Tier" wurde aus Gründen des Machbaren halt mit Überblendung gearebitet. Heute läuft so etwas natürlich digital ab - und überzeugt in den meisten Fällen.

Was Paule (aka Jacinto Molina Alvarez) Naschy betrifft, so bin ich eigentlich ein Fan von ihm und seinen trashigen Filmen um den Lycantrophen Waldemar Daninsky.

Naschy war, zusammen mit Amando Ossorio, einer der wichtigsten Vertreter des spanischen Horrorfilms - das verdient schon eine Würdigung. Und wenn man es genau nimmt, dann war nicht nur der spanische Werwolf bemitleidenswert. Ich denke , das trifft auf jeden zu, der sich nächtens unfreiwillig in einen Monsterwolf verwandeln muss. ;-)

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