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Wilde Zeiten: DIE MONSTERFILME DES BERT I. GORDON (1. Teil: Die Riesenviecher)

Wilde Zeiten - Das US-B-MOVIE-KINO der 50igerDIE MONSTERFILME DES BERT I. GORDON
1. Teil: RIESENVIECHER

Sein Spitzname ist „Mr. BIG“. Bert I. Gordon drehte eine beachtliche Reihe von Filmen, die sich mit Riesenwuchs beschäftigten. Dabei war er in den 50'ern damit absolut auf der Höhe der Zeit, in den 70'ern, als er eine Renaissance dieser Filme versuchte, weit hinter dem Mond.

Man muss lange suchen, bis man irgendwo jemanden findet, der mit derartigen Filmen „fair“ umgeht.


Plakate zu Mr. BIG-MonsterfilmenGordons Filme werden für gewöhnlich in die Bad-Movie-Ecke verbannt. Fraglos sind sie, wenn man sie so viele Jahre nach ihrer Entstehung sieht, technisch unzulänglich. Aber hey, das waren die 50'er. Der Standard der Filmtricks war nicht sehr hoch und die finanziellen Mittel, gerade für solche Streifen, waren nicht üppig. Und wieder einmal behaupte ich, dass die meisten Leute, die Gordons Monsterfilme so herabwürdigen, diese Dinger gar nicht gesehen haben.

Der am 24. September 1922 in Kenosha/Wisconsin geborene Bert Ira Gordon produzierte in den frühen 50'er Jahren TV-Werbespots. Sein erster Kontakt mit dem Spielfilm datiert aus dem Jahr 1954 und hieß SERPENT ISLAND, den er als Produzent und Kameramann betreute. Dieses kleine Abenteuerdrama um drei Goldsucher, die sich mit allerlei Voodookram auseinandersetzen müssen, wurde von Tom Gries inszeniert.

Gordons Erstling als Regisseur war gleich ein Monsterfilm. Ein Jahr nach SERPENT ISLAND erschien der extrem billig hergestellte und abstrus alberne KING DINOSAUR. Dabei erledigte er, wie bei fast allen seinen Filmen, alles in Personalunion. Er war Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Kameramann und Effektmann zugleich. Immerhin, schauspielern durften dann doch noch andere. Wie hätte es wohl auch ausgesehen, wenn er zudem noch alle Rollen gespielt hätte?

 

Plakat zu KING DINOSAURKING DINOSAUR ist die Mär von dem Planeten Nova, der in unserem Sonnensystem auftaucht und sich als erdähnlich herausstellt. Vier Forscher (zwei Männlein, zwei Weiblein) werden ausgesandt, diesen Planeten unter die Lupe zu nehmen. Sie treffen dort auf allerlei Getier, sowohl in normaler Größe wie auch von monströsen Ausmaßen. Auf einer Insel hausen diverse Dinosaurier. Die Wissenschaftler geraten in allerlei Trubel, jagen die Insel mittels einer Atombombe (so etwas führt man auf Expeditionen sozusagen in der Handtasche bei sich) in die Luft und kehren zur Erde zurück. Der Wissenschaft ist damit Genüge getan.

 

Wenn es einen wirklich schlechten Gordon-Film aus den 50'ern gibt, dann ist es dieser. Der Plot ist lächerlich, die Schauspieler unter aller Würde, das Handwerk jämmerlich. Ein Grossteil des Films besteht überdies aus Archivmaterial. Das beginnt schon bei den Szenen auf der Erde. Alle Soldaten stammen aus irgendwelchen Militärfilmen. Keine Einstellung wurde extra für diesen Film gedreht. Ein Teil der Monsterszenen wurde aus anderen Filmen hinein geschnitten. Ein paar Sequenzen mit Tieren wurden aber immerhin auch hierfür gedreht. Der Film ist kaum der Rede wert.

 

Plakat zu BEGINNING OF THE END1957 schenkte Gordon uns den Film BEGINNING OF THE END. Seit THEM! (Formicula, 1954) waren riesenhafte Insekten angesagt. So konnte Monsterfilmer Gordon dieses Thema natürlich nicht auslassen. Interessant ist dabei, dass er mit all seinen Riesenfilmen immer erfolgreichen Vorbildern hinterher hechelte. Das soll aber nicht heißen, dass man seine Rip-Offs einfach so abtun könnte. Nun, jedenfalls handelt dieser Film von einem Schwarm Riesen-Grashüpfern, die über Chicago herfallen.

 

Zu diesem Film verfasste Gordon das Drehbuch nicht. Die Story macht es sich, wie in den 50'ern üblich, recht leicht. In einem Labor werden mittels radioaktiver Stoffe Pflanzen zum Riesenwuchs animiert. Dummerweise ernähren sich von diesen Pflanzen ein paar Grashüpfer. Natürlich werden auch sie zu Riesen. Nachdem sie ein Dorf verwüstet haben, zieht es sie weiter in die Großstadt. Als man vor lauter Verzweiflung schon Chicago mittels einer Atombombe von der Landkarte radieren will, kommt ein Wissenschaftler (Peter Graves) auf die Idee, die Grashüpfer mittels eines erotischen Lockrufs in den Michigansee zu bitten, was die lieben Tierchen natürlich auch prompt tun.

 

Der Film genießt seinen legendären Ruf durch die zum Teil jämmerlichen Tricks. Der erfindungsreiche Gordon arbeitete grundsätzlich unter finanziellem Notstand. Also mussten die Effekte so billig wie möglich sein. So kam es, dass er seine kleinen Grashüpferchen über Fotos von großen Gebäuden laufen ließ, was er hernach versuchte glaubhaft in den Film einzubauen. Leider verstehen diese Insekten nicht jede Regieanweisung und so liefen sie schon mal über die Spitze des Hauses hinaus in die Wolken. Dies ist dann auch der Aufhänger einer jeden Rezension, die dem Film zuteil wird.

 

Obwohl Gordon nie wirklich ein Schauspielerregisseur war, denn dazu war sein Interesse an den Effekten zu groß, gelangen ihm hier recht passable Charakterzeichnungen. Sowohl der Wissenschafter (Graves), wie auch die Reporterin (Peggy Castle) kommen erstaunlich glaubhaft herüber. Nun kann man in solchen Filmen keine Charakterstudien erwarten (will ja auch keiner), aber durch eine etwas differenziertere Zeichnung und Darstellung hebt sich zumindest dieser Teil des Films aus der Masse der Billigfilme etwas heraus. Kleines Schmankerl am Rande: Peter Graves, der später mit der TV-Serie Mission:Impossible (Kobra, übernehmen sie) Weltruhm erlangte, ist der Bruder von James Arness (Gunsmoke/Rauchende Colts). Jener war einer der Hauptdarsteller des Vorlagefilms THEM!.

 

Danach wandte er sich den Menschen als Giganten zu. THE CYCLOPS und THE AMAZING COLOSSAL MAN (beide 1957), sowie ATTACK OF THE PUPPET PEOPLE und WAR OF THE COLOSSAL BEAST (beide 1958) kommen im 2. Teil zur Sprache.

 

Plakat zu EARTH VS. SPIDER aka THE SPIDERSo drehte er dann 1958 mit EARTH VS. THE SPIDER (Die Rache der schwarzen Spinne) noch einen Film um eine gewaltige Tarantel. Hierfür stand der 1955 entstandene TARANTULA Pate, zumindest was die Effekte betrifft. Die Story indes ist eine andere. Zwei Teenager finden in einer Höhle das Netz einer Riesenspinne, die daraufhin vermeintlich erfolgreich vom örtlichen Sheriff getötet wird. Man bringt sie zu Forschungszwecken in einen großen Saal der Schule. Bei einer abendlichen Fete wird sie durch die Rock'n'Roll Musik wieder zum Leben erweckt (Ja ja, das war eine wirklich schlimme Musik damals). Nachdem sie ein wenig im Ort herumgewütet hat, kehrt sie in ihre Höhle zurück, wo sie gestellt und getötet wird.

 

Fraglos ist der später unter dem vereinfachten Titel THE SPIDER aufgeführte Film der beste Tiermonster-Streifen Gordons. Er besitzt eine zwar löchrige, aber sehr einfache und straighte Storyline und hat für seine Verhältnisse beachtlich gute Tricks. Wie in Jack Arnolds Monsterklassiker wurde auch hier eine reale Tarantel in den Film einkopiert, der mittels Luftdüsen „Regieanweisungen“ gegeben wurden. Der Effekt war eindrucksvoll und zumindest die Sequenzen in der Höhle sind zuweilen richtig spannend. Hier gibt es am Ende übrigens überraschend einige kurze Stop-Motion-Effektszenen zu bewundern. Kleine Fehler in der unterschiedlichen Größe des Tieres nimmt man in Kauf – darin sind selbst Klassiker wie eben TARANTULA oder gar KING KONG (1933) nicht frei. Man darf sicherlich fragen, warum die Spinne in einem Schulsaal ausgestellt wird, als sie dann aber ausbricht größer als das Schulgebäude ist. Macht nichts, denn der Film ist über die gesamte Distanz unterhaltsam.

 

Danach war erst einmal Schluss. Gordon drehte einige Horror- und Sexfilmchen. Mitte der 70'er erschienen dann etwas überraschend mit THE FOOD OF THE GODS (Insel der Ungeheuer, 1976) und EMPIRE OF THE ANTS (In der Gewalt der Riesenameisen, 1977 – auch: Angriff der Nuklear-Monster – oder auch: Killer-Termiten) zwei weitere Monsterfilme von ihm. Da sie in den 70'ern erschienen, seien sie hier nur erwähnt. Tatsache ist jedoch, dass Gordon in rund 20 Jahren tricktechnisch nichts hinzugelernt hatte und somit die Filme bei ihrem Erscheinen schon hoffnungslos antiquiert waren. Zudem sind die Filme so unterirdisch schlecht, dass sie es nicht wert sind, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

 

Seine besten Monsterfilme drehte er mit menschlichen Riesen. Aber dazu eben mehr beim nächsten Mal.

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