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Männer des Grauens: Kurt Luif

Männer des GrauensKurt Luif
(1942 - 2012)

Es gibt Autoren, die wollen eigentlich gar nicht zum Horror. Doch manche gelten dennoch als Experten auf dem Gebiet. Die hatten dann mal Anthologien zusammengestellt und/oder wirkten auch als Agent. Und plötzlich war die Anforderung da. Man wollte Horror und als Agent sollte man Personal herbeischaffen. Was aber nun, wenn die von dem Agenten vertretenen Autoren gar nicht wollten? Dann muss man eben selbst in die Tasten hauen. Das ist die Profilbeschreibung Kurt Luifs, der so zu James R. Burcette und Neal Davenport wurde ...

 

Kurt LuifKurt Luif kommt aus dem SF-Fandom und wollte eigentlich SF-Romane schreiben. 1967 schrieb er seinen ersten SF-Roman als Utopia-Kleinband Nr. 537 "Menschen in Ketten" unter dem Pseudonym Claus Hartman und es folgten 1971/1972 noch zwei SF-Romane (Nr. 113 + 124) in der Zauberkreis-SF-Reihe als Jörg Spielmans. Außerdem schrieb er 1972 als Neal Davenport 4 Krimis für die Kommissar Wilton-Serie.

Nachdem Kurt Luif für den Heyne-Verlag drei Grusel-Anthologien zusammengestellt hatte, galt er als Grusel-Spezialist und darum wollte Kurt Bernhardt (siehe Kurt Luif-Interview) von ihm Unterstützung für die Gestaltung der Vampir-Horror-Roman-Reihe. Der Pabel-Verlag lehnte die Exposés der Kurt Luif-Agentur-Autoren ab, und keiner der Agentur-Autoren wollte nach dem von Kurt Bernhardt im Auftrag gegebenes Exposé von Hans Gamber schreiben.
 
Als der Pabel-Chefredakteur das Exposé zurück haben wollte, setzte sich Kurt Luif hin und verfasste einige Probeseiten und beging so seinen ersten Fehler, denn zu seinem ‚Unglück‘ gefielen die Seiten und er durfte den Roman fertig schreiben.
 
Die Nacht der AffenDer Vampir-Horror-Roman "Die Nacht der Affen" erschien als Nr. 11 der Vampir-Reihe am 30.01.1973 und war der Startschuss zu seiner Karrriere als Grusel-Autor. Die ausführliche Entstehungsgeschichte schildert Kurt selbst im "Kurt Luif Interview" (2. Teil).
 
Niemals wollte er wieder so einen Quatsch schreiben, schwor er sich, aber leider war Kurt Bernhardt hartnäckig und schickte ein weiteres Exposé mit dem Titel „Der neue Frankenstein“. Kurt schrieb die Frankenstein-Trilogie und dann wollte der Pabel-Verlag den Autoren kennenlernen. Kurt Luif beichtete dem Pabel-Chefredakteur, dass er hinter dem Pseudonym James R. Burcette steckte.

Das HenkersschwertKurt Luifs zweiter Fehler war, dass er Ernst Vlcek zu einer Mitarbeit an der Vampir-Horror-Roman-Reihe überredete, denn Ernst Vlcek entwickelte dann die Dämonenkiller-Serie, und für die Mitarbeit wurde ein zweiter Autor gebraucht: Dieser wurde Kurt Luif alias Neal Davenport.

Als James R. Burcette hat er die elf Vampir-Horror-Romane Nr. 11, 13, 17, 20, 38, 48, 68, 138, 166, 199 und 270 in den Jahren 1972 – 1978 verfasst und als Neal Davenport erschienen zwölf Vampir-Horror-Romane (darunter acht Dämonenkiller- und drei Hexenhammer-Romane).

Für die Dämonenkiller-Serie verfasste er 45 Romane zwischen 1973 und 1977. Zusätzlich betreute er ab der ersten eigenständigen Dämonenkiller-Nummer (Nr. 18) die Leserkontakt-Seiten und beantwortete die Fan-Briefe bis zur Einstellung mit Band 143. (Es gibt noch unveröffentlichte Leserkontaktseiten bis Nr. 149).

Das Dämonenhaus1974 erschien unter dem Bastei-Verlagspseudonym Frank deLorca im Gespenster-Krimi Nr. 46 "Das Dämonenhaus". Das Luif-Exposé für diesen Roman hatte die Vampir-Redaktion abgelehnt. Kurt bot es daraufhin dem Kelter-Verlag an, dieser wollte gewisse Änderungen in der Handlung (z. B. anderes Land, nicht mehr Österreich usw.) und Kurt veränderte das Exposé und schrieb den Roman. Das fertige Manuskript gefiel der Kelter-Redaktion aber nicht. Kurt war genervt und bot es dem Bastei-Verlag an und siehe da, der Roman gefiel der Bastei-Redaktion. Der Roman erlebte 1989 eine Neuauflage in der Dämonenland-Reihe als Nummer 3 und wurde vor einigen Jahren sogar vertont.

Zu seinen DK-Romanen kommen noch sieben Dämonenkiller-Taschenbücher (Nr. 3, 31, 43, 53, 56 – 58), die er zwischen den Jahre 1975 - 1979, schrieb. Fünf davon behandeln Coco Zamis' Jugendabenteuer.

Dann gab es von 1980 bis 1982 – wie schon in den 60er-Jahren – eine schriftstellerische Pause in Sachen Heftroman, aber als Kurzgeschichten-Autor für diverse Zeitschriften wie Neue Revue etc. war er fleißig, wie er es schon seit 1970 war.

Voodoo-Zauber im Rock-Palast1982 kam er durch meine Vermittlung in das Magier-Autorenteam. Er schrieb dann die Magier-Romane 18, 23, 24 und 30.

Als am 11. April 1983 die Dämonenkiller-Neuauflage startete und seine indizierte Nummer 7 nicht erschien, waren die DK-Leser wenig begeistert. Um sie zu beruhigen, entschloss man sich, einen neuen Roman schreiben zu lassen. Man suchte nach einer passenden Lücke im Handlungsablauf und fand sie zwischen Nr. 34 und 35 der Erstauflage (ein Monat lag zwischen beiden Bänden). Ernst Vlcek entwarf ein Exposé mit Sandra Thornton, Cocos ehemaliger Dämonenlehrerin als Gegnerin. Die Rahmenhandlung drehte sich um Rennpferde und damit um Kurt Luifs Hobby Pferde. Kurt Luif besaß zehn Jahre lang zusammen mit dem befreundeten Ehepaar Melhards ein Pferd namens Ecumeur (Schaumschläger).

Der schwarze HengstKurt Luif schrieb dann 1983 den Einschubband Nr. 34 „Der schwarze Hengst“. Dann erschien bis Oktober 1985 nur noch Neuauflagen seiner bis Nummer 130 geschriebenen DK-Romane.

Der Pabel-Verlag hatte im August 1985 entschieden: der Baphomet-Zyklus erscheint nicht mehr und die Autoren werden vom Exposé-Diktat befreit und jeder darf vor sich hin schreiben, ohne auf den anderen Autoren zu achten.

Kurt Luif war "sehr begeistert", als er plötzlich innerhalb kürzester Zeit die neuen DK-Romane 133 und 134  schreiben durfte.

Diese Verlagsentscheidung war der Todesstoß für die Serie und mit Band Nr. 175 wurde die Neuausgabe der Dämonenkiller-Serie eingestellt. Bis dahin hatte Kurt noch die Nummer 138, 142, 150, 160, 164 und 168 verfasst. Die geplante Nummer 172 musste er wegen Sehnenscheidenentzündung an W. K. Giesa abgeben.

Danach war Kurt Luif noch 1990 als Krimi-Autor von zwei Kommissar X-Romanen tätig.

Dämonenrcahe in FN 1001997 beendet Kurt Luif den angefangenen Vampir-Horror-Roman „Dämonenrache“, der unter dem Pseudonym James R. Burcette in Fantastik-News Nr. 100 erschien und dann in dem Vampir-Buch Nr. 5 „Der Herr der Untoten“ des Zaubermond-Verlages 2007 nochmals veröffentlicht wurde.

Noch ein wenig Zahlenspielereien. Insgesamt 45 DK-Hefte (1. Erstauflage) hat er verfasst, dazu kommen 7 Dämonenkiller-Taschenbücher, 23 Vampir-Horror-Romane, 1 Gespenster-Krimi, 4 Magier-Romane, 9 DK-Hefte (DK-Neuausgabe), 3 SF-Romane, 1 Kelter-Krimi, jeweils 4 Kommissar Wilton und Kommissar X-Hefte, 8 Fledermaus-Krimi und 2 Mythor-Romane. Das sind 111 Titel, aber man darf 8 DK-Titel von den Vampir-Titeln abziehen und so kommt man auf 103 Romane, die Kurt Luif in seiner Autorenzeit von 1967 - 1997 geschrieben hat. Dazu kommt noch der Dick Collins-Roman "Dämonenrache", also haben wir 104. Zählt man noch seine 5 Taschenbuch-Anthologien (3 als Heyne-Horror-, 1 Terra-SF- und 1 Vampir-TB) dazu, kommt man auf 109 Titel, die Kurt als Autor oder Herausgeber herausgebracht hat. Pardon, fast vergessen: Der 110. Titel ist sein Buch über das "Gestüt Wasserburg".

Kurt Luif starb am 21. April 2012 in einer Wiener Klinik nach langer, schwerer Krankheit an Herzversagen.

... Kurt Luif über Leben, Schreiben, SF, Vampire und Dämonen (Teil 1)
... Kurt Luif über Leben, Schreiben, SF, Vampire und Dämonen (Teil 2)

© by Uwe Schnabel 2011
 

Kommentare  

#1 Remis Blanchard 2011-02-18 08:08
Die Entscheidung, die Dämonenkiller Romane ohne Exposés zu schreiben, gefiel Kurt gar nicht. Ich kann mich erinnern, dass er darüber auf der LKS einige Worte verlor. Er würde sehr gerne noch neue Dämonenkiller Romane verfassen, aber ihm würde nichts mehr einfallen oder so ähnlich klang es damals. Er würde die Form der Exposés bevorzugen.
Zu bemerkten sei ja noch, dass er Ernst Vlcek als LKS Onkel ablöste. Auf ihn prassselten dann die Kritiken über die neue Form der Romane herein, obwohl er ja gar nichts für konnte. Es war ja eine Verlagsentscheidung gewesen, die Hefte ohne Exposés zu schreiben, was ja in einem Chaos endete.
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#2 Carn 2011-02-18 14:05
Für mich war Kurt beim DK mein absoluter Lieblingsautor. Sein Stil war leicht und locker, und es hatte fast den Anschein, daß ihm die Schreibe ungeheuer leicht von der Hand ging, wobei er speziell bei der Charakterisierung der Dämonen ein gutes Feeling hatte (sie hatten viele 'menschliche' Attribute und Attitüden, was sie von anderen Heftserien-Gruselmonstern sehr unterschied) - Ernst hatte eine meiner Meinung nach eher 'gesetztere' Schreibe, sehr überlegt und strukturiert, Walter Appel hatte starke Action-Momente, aber Kurt war für mir mich Mr.Dämonenkiller :lol:
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#3 McEL 2012-04-23 13:35
Ich lasse mich heute nicht über die Serie(n) aus. Ich gedenke eines großartigen Autors, dessen Werke mir viele kurzweilige Stunden beschert haben. Ich habe ihn zwar nicht persönlich gekannt, aber ich werde ihn trotzdem nie vergessen.
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#4 Andreas Decker 2012-04-23 14:34
Ich habe Kurt Luif leider nie kennengelernt, aber er hat mich sehr beeindruckt. Er war der prägnanteste Autor beim Dämonenkiller, das war selbst für einen damals jungen Leser deutlich erkennbar. Er war einer der wenigen Autoren auf dem Gebiet mit einem eigenständigen Stil.

In einem Artikel in Fantasia hat er 1979 sehr nüchtern erklärt, wie seiner Meinung nach eine Kurzgeschichte geschrieben werden sollte. Vieles davon war durchaus kontrovers. Sätze wie "Deutsche Autoren scheinen eine panische Angst vor dem Wort 'Sagen' zu haben" und "Beschreibungen sind der Todfeind der Prosa" kamen bei vielen Leser nicht besonders gut an. Er illustrierte es mit Beispielen von Erfolgsautoren wie Evan Hunter oder John D. Macdonald. Von denen ich noch nie etwas gelesen hatte. Was ich dann schleunigst nachholte und nie bereute.

Eigentlich hätten seine Horrorromane nicht so gut funktionieren sollen wie sie es taten. Er hatte wenig übrig für ausufernde Beschreibungen; wozu andere eine Seite brauchten, war er mit einem knappen Satz fertig. Ein Erzählstil, der im Grunde besser für einen Krimi in der Tradition der Hard-Boiled-Schule geeignet ist als für einen Horrorroman, wo der Autor das Übernatürliche beschreiben will.

Aber dem Dämonenkillerkonzept verlieh dieser Stil die Ecken und Kanten, die es zu dem machten, was es wurde. Mit knappen Worten verstand er es, Dorian Hunter und Coco Zamis zu authentischem Leben zu erwecken und die Idee, dass die "Dämonen unter uns leben", wie es so schön in der Werbung hieß, auf eine Weise zu erden, die so mancher seiner Kollegen nie zustandegebracht hat. Seine Figuren waren in ihrem Rahmen glaubhaft, wenn man seine Romane als Junge im vormedialen Zeitalter las, wollte man wie Hunter sein und mit Coco schlafen. ;-) Überhaupt war seine Coco Zamis eine der ersten - und wenigen - dreidimensionalen Frauenfiguren in diesem Genre, und im Gegensatz zu vielen anderen funktionieren diese Romane auch heute noch.

Jeder wird seine Lieblingsromane haben, aber Romane wie "Hexensabbat", "Schiff der verlorenen Seelen", "Blut für Lukretia" oder "Der Spinnenküsser" sind für mich unvergesslich.

Es ist nicht verwunderlich, dass er die Lust an der Serie verlor, wie er so offenherzig in dem Interview im Zauberspiegel sagte. Der Kurs der Serie vor ihrer Einstellung kann ihm nicht gefallen haben. Und auch wenn er mehr oder weniger behauptet hat, dass seine Tätigkeit nie mehr als ein Job für ihn war, teilt sich dem Leser bei seinen Däki-Romanen doch ein Vergnügen an der Arbeit mit, das seinen letzten Romanen für KX oder dem ohnehin öden Magier abhanden gekommen war.

Als Autor wird Kurt Luif für mich unvergesslich bleiben.
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#5 Thomas Backus 2012-04-23 20:19
Kurt Luif ist leider einer der Autoren, zu dem ich kein persönliches Verhältnis hatte. Die Dämonenkiller Romane las ich erst antiquarisch, sodass nie ein Kontakt über die Leserseite zustande kam, ich habe ihn auch nie auf einem Con getroffen. Klar ich habe viele seiner Romane gelesen, zum einen im Dämonen-Land, zum anderen als Original Vampir Horror Roman. Ich habe auch die von ihm herausgegebenen Anthologien im Heyne Verlag - ach ja, der teuerste Roman, den ich mir je geleistet habe, ist von ihm. Amoklauf (Dämonenkiller Nr. 7). Für den habe ich damals 50 DM ausgegeben, und verdammt, er war es wert!
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#6 Lefti 2012-04-23 21:38
Zitat:
Kurt Luif starb am 21. April 2012 in einer Wiener Klinik nach langer, schwerer Krankheit an Herzversagen.
Habe mich schon gewundert, warum ein Artikel vom 18. Februar 2011 wiederholt als neuer Artikel eingestellt wurde.

Bei Nachrufen verstorbener Personen habt ihr doch sonst immer eine schwarze Schleife im Bild oben links. Vielleicht sollte man bei diesem Artikel die Schleife ebenfalls anbringen? :sad:

Harantor sagt: Der eigentliche Nachruf steht ab Mitternacht online. Alte Artikel werden optisch beim Ableben nicht mehr bearbeitet. Sie erscheinen quasi als Notlösung. In diesem Fall noch mit dem zweiteiligen Interviews. Dazu ein Blick in den Nachrichten. Und da findest Du auch die schwarze Schleife ...
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#7 karsten olsson 2014-06-18 13:34
seine dämonenkiller romane waren einsame spitse.ich denke da an heinrich von der lauffen und der jungfrauenturm,panik in new york,ablolute klassiker,
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