Professor Zamorra 1156 - Gefangen im Totenhaus
Professor Zamorra - Der Orden der Tausend
(Amulette-Zyklus)
1156 Gefangen im Totenhaus, von Michael Breuer
das Hannover Medium Lenske wird von Kylian Roux, dem Notar des Verstorbenen Sebastian Manteau angeheuert, um in einem Nest im Elsass im Rahmen einer Testamentseröffnung eine Séance durchzuführen. in dem unheimlichen Haus sind bereits die dreizehn Familienmitglieder versammelt, man will die Chose rasch über die Bühne kriegen. unser deutsches Medium beginnt also die Zeremonie, die aber für ihn gründlich schief geht. eine uralte böse Präsenz manifestiert sich, überwältigt Lenske und tötet ihn auf grausame Weise. die Familie Manteau ist erstmal schockiert, doch wird sie rasch vom Notar an die Kandare genommen. der entpuppt sich als Hypnotiseur, und er bannt die Bande unter seinen Willen. und er kontaktiert Sanja, ein anderes deutsches Medium, als Ersatz für Lenske. aufgrund der unanständig hohen Summe, die ihr geboten wird, macht sich diese auch gleich auf den Weg.
im Haus angekommen, spürt sie mit ihren übernatürlichen Sinnen sofort Tod und böse Schwingungen. hier droht Gefahr! sie erbittet sich vom Notar Zeit, um den Raum vorzubereiten, anders als Lenske hat sie einige Utensilien wie Kreide und Salz dabei, was ihr auch gewährt wird. während sie sich frisch macht, nützt sie die Gelegenheit im Badezimmer, Zamorra zu alarmieren, der macht sich mit Nicole auf den Weg, wobei sich unser Dämonenjägerpärchen auch mit den E-Blastern, den Strahlwaffen aus der Fertigung der Dynastie der Ewigen, bewaffnen.
im Konferenzraum hat sich die Familie neuerlich versammelt, Sanja fällt am teilnahmslosen Verhalten der Manteaus sofort auf, dass sie hypnotisiert sind. sie startet die Séance, und wie schon bei Lenske manifestiert sich die böse Präsenz auf grausame Weise. dunkle Wolken ziehen auf im Raum, eine Gewittersturm bricht los, Blitze werden geschleudert. der Notar unterbricht den magischen Ring - man hält einander ja reihum an den Händen - und fordert das Böse heraus, sich zu zeigen, was nicht geschieht. am Ende sieht es aus wie nach einem Bombeneinschlag, und acht Manteaus wurden von den magischen Blitzentladungen förmlich gegrillt, Sanja verliert das Bewusstsein und erwacht in den Kellergewölben des Horrorhauses. dort findet sie die Leichname von offenbar ehemals Gefangenen, aber auch eine Axt, mit der sie das Schloss der Kellertüre aufbrechen kann. sie schleicht sich zurück zum Konferenzraum, und hört dort den Notar vor den Überlebenden der Familie prahlen. der Verstorbene Sebastian Manteau hatte wohl schon seit vielen Jahren ein magisches Artefakt in seinem Besitz, wusste aber nichts Sinnvolles damit anzustellen. Sebastian und er selbst befassten sich intensiv mit Okkultismus und Magie, und der Notar will jetzt dieses Artefakt an sich nehmen und aktivieren, doch nur wer sich würdig erweist, kann seine Kraft entfesseln. Sanja erkennt, dass sie und die Manteaus vom Notar missbraucht wurden, um die bösartige Präsenz überhaupt erst zu erwecken.
Notar Roux kann die Kontrolle über den überlebenden Paul Manteau zurückgewinnen und zwingt ihn, seine Frau Daphne und seinen Neffen Henri im Obergeschoss einzusperren. Henri versucht sich durch einen Sprung aus dem Fenster hin zu einem nahen Baum zu befreien, und stürzt dabei zu Tode. Daphne wiederum stöbert im Kleiderschrank und findet einen Zweitschlüssel, mit dem sie sich befreien kann. indes hat Roux das Artefakt gefunden, es ist ein handtellergroßer Diskus aus Silber, mit einem Pentagramm in der Mitte, die zwölf Tierkreiszeichen im Kreis darum, und erhabenen Hieroglyphen am Rande... na sowas!
Roux spürt, wie er vom Amulett gescannt und offenbar in seiner Bosheit für würdig befunden wird. der Zauberstern tritt in geistigen Kontakt mit ihm und eröffnet ihm, wie er den Stern handhaben kann. Daphne stößt zu der Szene, statt zu fliehen wird auch sie von der Ausstrahlung des Amulett gefangen genommen, sie will ihm seinen "Schatz" abnehmen. sie stürzt sich auf den überraschten Roux und entreißt ihm tatsächlich das Amulett, doch der Notar "ruft" es zurück und lässt Daphne mit Blitzen zu Asche verbrennen.
Sanja flieht aus dem Haus und stößt auf die eben eingelangten Dämonenjäger, die auch schon den zerschmetterten Henri gefunden hatten. Roux taucht auf, er ist erstaunt über Zamorras Erscheinen, vor allem aber, dass auch er ein Amulett hat. es kommt zum Duell, Paul Manteau schaltet sich auch nochmal ein, als er erfährt, dass seine Frau Daphne tot ist. auch er wird von Roux gegrillt. bevor Nicole und der Professor den Notar festsetzen können, baut der mit dem Amulett ein Weltentor und verabschiedet sich durch selbiges. zurück bleiben unsere ratlosen Helden, die Schlimmes für die Zukunft fürchten - wenn alle 999 Amulette ähnlich skrupellose Besitzer wie Kylian Roux fanden, dann stand der Welt eine Katastrophe unermesslichen Ausmaßes ins Haus...
der Autor begrüßt uns in klassischer Gruselatmosphäre, und setzt recht rasch einen ersten Schockmoment, wenn dem Totenbeschwörer gleich zu Beginn der Séance im wahrsten Sinne des Wortes der Kopf platzt, LOL. obschon der body count für einen klassischen Grusler eindeutig zu hoch ist - immerhin muss ein gutes Dutzend Menschen dran glauben, die gesamte Familie Manteau wird vom bösen Amulett verbrutzelt, nur einer kommt durch Fenstersturz zu Tode.
langsam führt uns Herr Breuer an die große Enthüllung des Romans heran, stückchenweise wird klar, worum es sich bei diesem Artefakt wohl handelt - nichts anderes als eines der entfesselten 999 Amulette:
- erst erwähnt der Notar ein magisches Artefakt, dass sich seinen würdigen Besitzer selbst erwählt
- Sanja erinnern die silberfarbenen Blitze während der Séance an jene aus Zamorras Amulett
- dann findet der Notar das Artefakt, und der Autor beschreibt schließlich Zamorras Stern, dessen Kopie dieses böse Amulett ja auch ist
wir sind bereits in der Mitte des Romans, als unser Lieblingsfranzosen endlich in Aktion treten, sprich: am Totenhaus anlangen. das fällt mir bei Zamorra-Romanen öfter mal auf, dass sich die Geschichte zunächst mal ohne die Schlossbewohner entwickelt und diese relativ spät ins Geschehen eingreifen.
als Daphne Manteau und Kylian Roux sich um das Amulett balgen, baut der Autor eine Referenz auf die Fantasy-Geschichte schlechthin ein, und er lässt Daphne "mein Schatz!" murmeln...
der Stil ist teilweise fast schon umgangssprachlich. Nicole drückt auf die Tube, die Familie Manteau macht den Eindruck, einen gebechert zu haben, der Notar hat nicht alle Tassen im Schrank, Sanja könnte ein ganzes Schwein verspachteln, Zamorra trudelt rechtzeitig ein, um sie rauszuhauen, usw. usf.
der Autor bezeichnet Zammy und Nici häufig als Dämonenjäger(pärchen), er verwendet den Begriff fast so oft (28 mal) wie "Parapsychologe" (33 mal). jaja, ein eBook ist für solche Statistiken recht praktisch ;-P
warum der französische Notar gleich zwei Medien aus Deutschland und nicht Frankreich holt? naja, wie sonst soll denn der Einsatz der bereits im Zammyversum etablierte Figur der Sanja La Motte gerechtfertigt werden...
auch der running gag darf nicht fehlen: "Der dunkelblonde Dämonenjäger wandte den Kopf. Seine Lebens- und Kampfgefährtin räkelte sich immer noch in den Laken." tja, der Schluck aus der Quelle des Lebens dürfte sich auch positiv auf die Libido unserer Dämonenjäger ausgewirkt haben. oder, wie Sanja, sagen würde: die Franzosen mal wieder...
der Bösewicht heißt hier Kylian, das ist sehr nahe an Kelan, dem Namen des Haupt-Bösewichts in diesem Zyklus - Zufall?
die Geschichte war vom Stil her so ganz anders als die Romane von Herrn Weinland, über einige doch sehr glückliche Zufälle (Zweitschlüssel in Kleiderschrank) sehe ich gerne hinweg, Herr Breuer hat mich gut unterhalten, die Geschichte war gut aufgebaut und wurde Zamorra-typisch mit einem offenen Ende eben nicht abgeschlossen. glatte 4 von 6 möglichen Gruselromanforum Punkten!
das Tibi ist von Razvan Ionut Dragomirescu, und wird vielfach verwendet, u.a. für Spiele. der Grafikdesigner hat eine eigene Shutterstock-Seite. durchaus atmosphärisch und passend zu dem als unheimlich beschriebenem Haus.

P.S.: das Heft bringt auf der Leserseite eine Vorstellung des Autoren Michael Breuer, im Fandom (und vor gut zehn Jahren auch noch hier auf dem Zauberspiegel) als Elefanten-Mike umtriebig. unter diesem Namen betreibt er auch seine eigene Autorenwebseite. ich durfte den grundsympathischen und unprätentiösen Michael schon persönlich kennenlernen, mit ihm kann man sehr gut ganz zwanglos schnacken. hier sieht man ihn mit seinem ersten PZ-Roman 787 "Das Mordreptil".
P.P.S.: ich dachte ja zunächst, dass alle Romane aus dem Amulette-Zyklus von Manfred Weinland alias Adrian Doyle stammen, dem ist aber nicht so. daher schiebe ich diese Geschichte hier nach, und schaue mir auch noch den Band 1161 "Dunkle Geliebte" von Christian Schwarz an, da soll es auch um ein anderes Amulett als Zamorras Stern gehen. für weitere zweckdienliche Hinweise bin ich offen und dankbar!



