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»Dorian Hunter« revisited - Teil 5 Allein in Ägypten …

»Dorian Hunter« revisited»Dorian Hunter« revisited
Teil 5 - Allein in Ägypten …

Im September 2018 wurde die legendäre Dämonenkiller - Serie im Bastei - Verlag unter dem Namen Dorian Hunter neu gestartet. Die ersten 50 Bände sind erschienen und ein Ende ist nicht in Sicht. In dieser Artikelserie werfe ich einen kritischen Blick auf die alten Romane im neuen Gewand und begleite den “Dämonenkiller” auf seinem Weg in jene Gefilde, die bislang nur in Buchform erreicht wurden…

Das Geheimnis der Mumie“Das Geheimnis der Mumie”
Dorian Hunter Band 55
von Neal Davenport
Über die Mystery Press erfährt Coco Zamis, dass die Archäologin Susan Baxter verschwunden ist, die in Ägypten mit Untersuchungen von Ausgrabungen beschäftigt war und dass ihr Verschwinden im Zusammenhang mit dem mysteriösen Nefer Amun - Kult stehen soll. Bei ihrer Ankunft stellt Coco zunächst fest, dass die Archäologin - im Gegensatz zu einigen vermissten Touristen - keineswegs verschwunden, sondern stattdessen in die Machenschaften einer Bande von Grabräubern verstrickt ist, die mit den Grabbeigaben des Ägyptischen Priesters Nefer Amun handeln, worunter sich auch eine Anubis Toth -Statuette befindet. Als sie zusammen mit der Archäologin in die Gewalt der Nefer Amun - Priester gerät, dämmert ihr, dass die Meldung der Mystery Press offenbar vorab von Philip initiiert worden ist, um sie aktiv werden zu lassen. Schließlich offenbart ihr der oberste Priester Hu Amun, dass Nefer Amun, der (dank seiner schwarzmagischen Herkunft) bereits imstande ist, Astralkörper zu bilden, gänzlich wiederauferstehen soll, weshalb er in regelmäßigen Abständen Menschenopfer benötigt. Aus den vergangenen Ereignissen schließt Coco, dass in jüngster Zeit etwas geschehen sein muss, was Nefer Amun schwächte, weshalb er mehr Opfer benötigte und wodurch den Grabräubern Zugang zu seinem Grab und den Beigaben ermöglicht wurde. Nachdem sie sich aus der Gewalt Hu Amuns befreit hat, beschließt sie, diese Schwäche zu nutzen. Es gelingt ihr, die Grabräuber aus der Ferne magisch zu beeinflussen, welche den Sarkophag öffnen und dafür sorgen, dass die Mumie vorzeitig zu einem entarteten Leben erwacht und ihr Grab verlässt. Erst ein erneutes Eingreifen Philips, der mittels der auf mysteriöse Weise zu ihm gelangten Statuette in Gestalt des Pharaos Echnaton erscheint (welcher Nefer Amun einst zum Tode verurteilte), kann die Mumie von Coco ablenken, worauf sie von einer umstürzenden Säule begraben wird. Kurze Zeit später ist sie jedoch wieder verschwunden und Coco wird klar, dass der Fall noch nicht abgeschlossen ist…

Nach dem doch eher durchschnittlichen Erstling aus der Feder von Roy Palmer liefert Davenport hier wieder einen Roman ab, der in jeder Hinsicht zu überzeugen vermag, sowohl in Bezug auf die schon (im Sinne des Wortes) monumentale Handlung, als auch auf die Figuren und den wie immer einfachen, aber packenden Schreibstil. Davenport verzichtete meist auf blumige Formulierungen, dafür kam es bei ihm selten zu sprachlichen Entgleisungen.

Was die dem Roman zugrunde liegende Thematik um die ägyptischen Götter betrifft, scheint der Autor damals recht akribisch recherchiert zu haben, woraus ein interessanter Mix aus Fakten und Fiktion entstanden ist, wobei die Geschichte Nefer Amuns stellenweise vielleicht sogar ein bisschen zu ausführlich bzw. lang geraten ist.

Einen Dorian Hunter vermisst man in diesem Coco Zamis - Soloabenteuer nicht wirklich, immerhin wird erwähnt, dass er gerade mit einem anderen Fall beschäftigt ist, in dem er sich - wie man im nächsten Band erfährt - um das “Monster von Greenfield” kümmern muss.
Nebenbei sinniert Coco noch etwas über die momentane Situation innerhalb der Schwarzen Familie, allerdings nur kurz, denn kaum ist sie Ägypten angekommen, überschlagen sich die Ereignisse auch schon.

Dass hier die Mumien - Thematik etwas differenzierter angegangen wird, als in diversen anderen Serien, erwartet man beim Dämonenkiller nicht anders, und so ist man auch nicht enttäuscht, dass Nefer Amun sich erst am Ende des Romans in seiner Urgestalt aus seinem Sarkophag erhebt und noch ein bisschen Angst und Schrecken verbreitet.

Viel interessanter ist da das Geheimnis, welches sich um Nefer Amun rankt, und das erst im zweiten Teil dieses Doppelbandes gelöst wird. So erfährt der Leser hier nur, dass vor der eigentlichen Handlungszeit ein Ereignis stattgefunden haben muss, welches Nefer Amun schwächte und dazu führte, dass die Grabräuber die ursprünglich magisch gesicherte Grabstätte überhaupt betreten konnten.

Zu meckern gibt es in diesem ersten Teil nicht allzu viel, abgesehen vielleicht von der etwas sehr häufig eingesetzten Hypnosefähigkeit der Heldin. Diese öffnet ihr natürlich Tür und Tor, was ja auch sinnvoll ist, allerdings übertreibt der Autor es hier im ersten Drittel des Romans etwas. Erst bei den Nefer Amun - Priestern erweisen sich Cocos magische Fähigkeiten zeitweise als nutzlos, was der Spannung dann allerdings eher zugute kommt.

Dem Expose kann man entnehmen, dass dem Verlag damals gleich zwei Mumienbilder zur Verfügung standen, weshalb Vlcek dann einen Doppelband konzipierte. Um den Autor nicht mit übermäßigem Terminstress zu quälen, schob er dann das “Monster von Greenfield” dazwischen, mit dem wir uns beim nächsten Mal befassen werden…

Kleine Zitate - Grosser Meister
Was braucht man mehr …
Als Gaben sind mir bestimmt: Brot, Bier, Menschen.
(DH Band 55)

Die Mischung machts …
Er hatte den Körper eines Preisboxers und den Kopf eines Künstlers.
(DH Band 55) 

Gut getarnt…
“Von einer der Türen ging ein grauenvoller Gedankenstrom aus, der ihr Gehirn zu überfluten versuchte.”
(DH Band 55)

Kommentare  

#1 Laurin 2020-10-15 11:03
Zitat:
"Was braucht man mehr …
Als Gaben sind mir bestimmt: Brot, Bier, Menschen.
(DH Band 55)
"

Ehrlich, das muss ein Bayer auf dem Oktoberfest sein. :D
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#2 Cartwing 2020-10-15 19:59
eine kurze Zwischenfrage an jene, die diese Rubrik verfolgen...
Sollte ich weniger spoilern? Bzw. gar nicht?

Die meisten Besucher hier sind zwar alte Hasen und kennen die Romane in und auswendig, aber es mag ja durchaus auch welche geben, die sich alle zwei Wochen zum Kiosk begeben, das "neue" Heft kaufen und hier zwar mitlesen aber nicht unbedingt gespoilert werden wollen.
Ich würde die Inhaltsangaben dann dementsprechend (um)gestalten.
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#3 Robert Martschinke 2020-10-15 22:08
Frage zurück: Wo wird denn hier gespoilert? Dass die Mumiengeschichte einen Doppelband füllen wird, hat D. Ehrhardt bereits in einem früheren Misterypress-Centerfold angekündigt. Dass der nächste Band 56 nicht die direkte Fortsetzung der Handlung aus Bd. 55 ist, ergibt sich aus der Heftvorschau.
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#4 Cartwing 2020-10-16 11:01
Das bezog sich auf den Inhalt.
Bzw. die Kurzzusammenfassung oben
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#5 Estrangain 2020-10-16 13:03
Ich denke, für Neuleser sollte die Kurzzusammenfassung noch ein wenig gestrafft werden. Lieber andeuten als offenbaren.
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#6 Heiko Langhans 2020-10-16 17:33
Diesen Abschnitt in den 50ern habe ich für mich immer als Monster-Sequenz bezeichnet: Einmal alle Archetypen der alten Universal-Schinken im Schnellverfahren durchgezogen ;-)
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#7 Cartwing 2020-10-16 18:26
Ja, stimmt, wobei es aber immerhin schon recht bald auch wieder einen roten Faden gibt (Theriak) und in den 60ern dann endlich wieder Vergangenheitsabenteuer...

@Estrangain: Werde ich mir mal durch den Kopf gehen lassen. Straffen klingt gut, weniger Arbeit... ;-)
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#8 Robert Martschinke 2020-10-16 18:30
Wenn eine Rezension umfassend und ehrlich sein will und soll, sind Erwägungen wie die, ob eventuell zu viel verraten wird, eher kontraproduktiv. - Da die Rezensionen hier meist etwa eine Woche nach Erscheinen des besprochenen Textes erscheinen, halte ich das Spoilerargument für obsolet. Hier muss sich der Autor aber auch selbst fragen, was er mit seinem Text beabsichtigt: eine Leseempfehlung (oder auch nicht) aussprechen - oder eine (Text-)Analyse vorlegen? (Im ersten Fall sollte man die Pointe nicht verraten; im zweiten muss man es.) - Die Sache ist letztendlich sehr einfach: Wer sich durch die Rezensionen gespoilert fühlt, lese sie einfach erst, nachdem sie oder er den Roman gelesen hat.
Ich persönlich lese die Romane meist in den ersten Tagen nach deren Erscheinen; die Rezension an dieser Stelle nutze ich dann zur Reflexion meines eigenen Leseeindrucks. Und aus den Kommentaren zu den bisher erschienen Rezensionen schließe ich mal, dass es die Mehrzahl der Leser/innen so hält.
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#9 Cartwing 2020-10-16 18:59
Zitat:
Da die Rezensionen hier meist etwa eine Woche nach Erscheinen des besprochenen Textes erscheinen, halte ich das Spoilerargument für obsolet.
Das war eigentlich auch mein Gedanke.

Zitat:
Hier muss sich der Autor aber auch selbst fragen, was er mit seinem Text beabsichtigt: eine Leseempfehlung (oder auch nicht) aussprechen - oder eine (Text-)Analyse vorlegen? (Im ersten Fall sollte man die Pointe nicht verraten; im zweiten muss man es.)
So wie bei meinen anderen Revisited - Reihen ist eher letzteres der Fall. Da sind die Romane allerdings nicht zeitgleich erschienen...

Auf jeden Fall war dein Kommentar sehr hilfreich, danke...
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#10 Robert Martschinke 2020-10-16 19:51
... Wer hier allerdings just gespoilert hat, ist Herr Langhans. - Aus Kommentar #6 und der Vorschau am Ende von Bd. 55 kombiniere ich mal gedankenscharf, dass als nächstes eine Variante von Jekyll & Hyde ansteht ...
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#11 Heiko Langhans 2020-10-16 21:16
Du bist ja ein Feiner.

Und nu? :o
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#12 Robert Martschinke 2020-10-16 21:24
... Tu´ ich mal so, als wüsst´ ich von nix :-* ...
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#13 Harantor 2020-10-17 17:37
Ich würde die Inhaltsangaben und Meinung so belassen wie sie sind. Das könnte ggf. durch den Zusatz "Vorsicht Spoiiler" ergänzt werden.
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