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»Dorian Hunter« revisited - Teil 4 - Ungebetene Gäste…

»Dorian Hunter« revisited»Dorian Hunter« revisited
Teil 4 - Ungebetene Gäste…

Im September 2018 wurde die legendäre Dämonenkiller - Serie im Bastei - Verlag unter dem Namen Dorian Hunter neu gestartet. Die ersten 50 Bände sind erschienen und ein Ende ist nicht in Sicht. In dieser Artikelserie werfe ich einen kritischen Blick auf die alten Romane im neuen Gewand und begleite den “Dämonenkiller” auf seinem Weg in jene Gefilde, die bislang nur in Buchform erreicht wurden…

Der Gast aus dem Totenreich“Der Gast aus dem Totenreich”
Dorian Hunter Band 54
von Roy Palmer
Als in unmittelbarer Nähe der Villa des seit einiger Zeit untergetauchten Violinisten Marco Bertini zwei mumifizierte Frauenleichen gefunden werden und Dorian durch die Mystery Press von den Hintergründen und weiteren Vermissten erfährt, beschließt er der Sache nachzugehen. Zur gleichen Zeit kündigt Laura Bertini, die Frau des Musikers, dessen Comeback an und lädt einige handverlesene Gäste zu einer Soiree ein, die in der Villa stattfinden soll. Hunter nutzt die Gelegenheit und lässt sich als Begleiter eines der Gäste dort einschleusen. Hier stößt er zunächst auf die Mitglieder eines Hexenkreises, zu dem auch die Frau des Musikers gehört, welche sich für seine jahrelangen Affären an ihm rächen wollte, indem sie ihn nach seinem Freitod zu einem untoten Leben verdammte. Es kommt zu einem ersten Kampf mit Bertini, welcher die Morde beging, um sich mit der Lebensenergie seiner Opfer zu versorgen, allerdings gelingt es Hunter nicht, ihn zu vernichten. Immerhin kann er ihm seine Maske entreißen und einen Spiegel vorhalten. Nach der Erkenntnis, was man ihm angetan hat, wendet der Untote sich im Zorn gegen seine Frau und die Hexen, und wird schließlich gemeinsam mit Laura ein Opfer der bei dem finalen Kampf entfachten, reinigenden Flammen…

Dieser erste Beitrag aus der Feder von Roy Palmer ist sicher kein Glanzlicht der Serie, allerdings hat der Autor trotz der nicht gerade grandiosen Vorlage einen zwar nicht wirklich spannenden aber immerhin temporeichen und größtenteils lesbaren Roman abgeliefert.

Die Darstellung der Hauptfigur wirkt im direkten Vergleich mit dem Debüt von Hans Kneifel etwas authentischer und stimmiger. Man hat zumindest an keiner Stelle den Eindruck, es mit einer beliebig austauschbaren Heldenfigur zu tun zu haben, obschon man die Figur durchaus noch rauer und kantiger darstellen könnte, doch für den ersten Auftritt des Autors ist die Darstellung okay.

Das Verhalten eines Jeff Parker sorgt dagegen für ein leichtes Stirnrunzeln beim Leser, weil man ihn eigentlich als recht zuverlässigen Partner kennt. Dass er die Mädchen, die Hunter in seine Obhut übergibt, trotz ausdrücklicher Warnung des Dämonenkillers, sie nicht aus den Augen zu lassen wegen eines “dringenden” Termins im Stich lässt - worauf sie natürlich prompt dem Feind in die Hände fallen - wirkt dementsprechend unglaubwürdig und konstruiert, wobei das allerdings auf die Kappe des Expose - Autors geht.

Überhaupt wirkt die ganze Story etwas an den Haaren herbeigezogen und uninspiriert. Während man die Rachegeschichte gerade noch nachvollziehen kann, erscheint die Tatsache, dass Bertini sein eigener untoter Zustand mit Hilfe einer Gummimaske “verheimlicht” werden muss, doch reichlich obskur und sinnfrei, auch wenn man der Figur so natürlich eine gewisse Tragik andichten kann. Das Ganze wird dann noch auf die Spitze getrieben, als Hunter ihn demaskiert und ihm einen Spiegel vor die Knochenfratze hält, worauf der Untote allen Ernstes einen Schock erleidet…

Dass der Dämonenkiller dem Maestro dann nicht so recht beizukommen vermag, weil er halt “nur” ein Kreuz und eine Gemme zum Einsatz mitgenommen hat, darf noch als erhöhter Schwierigkeitsgrad durchgehen, immerhin muss Hunter sich so etwas einfallen lassen und kann den Gegner nicht einfach so umpusten, wie es in anderen Serien gerne gehandhabt wird. Insofern ist auch die finale Lösung, an welcher Hunter nur indirekt beteiligt ist, durchaus schlüssig und akzeptabel.

Etwas seltsam mutet dann die Art und Weise an, wie der Hexenkreis zerschlagen wird. Zwar handelt es sich dabei nicht um schwarzmagische Wesen, aber dass hier eine Denunzierung durch die Presse ausreicht, um die Sache abzuschließen, erscheint doch etwas sehr einfach, auch wenn es sich bei den Mitgliedern um höher gestellte Damen aus der römischen High Society handelt.
    
Alles in allem liefert der “Neue” hier einen zwar lesbaren aber im Vergleich mit den teils großartigen Vorgängern doch eher durchschnittlichen Roman mit einigen unfreiwillig komischen Szenen ab, der stilistisch sehr gut anfängt, aber im letzten Drittel auch diesbezüglich leider etwas abflacht.

Kleine Zitate - Grosser Meister
Erkältungsgefahr…
Er hatte einen Untoten vor sich. Einen abscheulichen, nasskalten Kerl mit schnappenden Zähnen (…).
(DH 54)

Geistige Abwehr…
Es war zweifellos ihre Rettung, dass sie den Verstand verlor.
(DH Band 54)

Nicht so stürmisch…
“Los pack ihn! Besorge es ihm! Du brauchst lebenswarmes Blut.”
(DH Band 54)

Quell des Lebens…
Wenn er ihm den Schädel einschlug und sein Gehirn auslutschte, regenerierten sowohl sein Leib als auch sein Geist.
(DH Band 54)

Nicht ganz untot…
Er stellte Überlegungen an, die für ihn gänzlich neu waren.
(DH Band 54)

Kommentare  

#1 Laurin 2020-10-01 12:28
Die Heftromane um DORINAN HUNTER bei Bastei scheinen wohl durchaus gut zu laufen. Denn ab dem 27. Oktober kommt dann auch DAS HAUS ZAMIS um die Hexe Coco Zamis als Heftroman bei Bastei heraus.
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#2 Cartwing 2020-10-01 12:50
Das denke ich auch.
Die Serien werden dann wohl im Wechsel erscheinen. Das ist gut, wobei mir eine wöchentliche Erscheinungsweise der Mutterserie lieber wäre, aber dazu wird es wohl nicht kommen.

Ob der Baphomet Zyklus im dritten Anlauf fortgesetzt wird, wenn er denn überhaupt erscheint, erfahren wir so erst in knapp vier Jahren...
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#3 Robert Martschinke 2020-10-03 04:42
Mich würde ja spaßeshalber mal interessieren, wie hoch die Auflage ist. Nicht nur bei Dorian, auch bei Sinclair oder Rhodan. In den 70ern und 80ern haben die Verlage noch mit ihren Auflagen geprotzt. Heute herrscht diesbzgl. weitestgehend Diskretion. Hab´ zumindest den Eindruck. Weiß wer mehr?
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#4 Helmut.A 2020-10-08 19:32
Das erste ist bei Google/Bing suchen .Nachschlagen bei: Wikipedia, Spiegel, Der Tagesspiegel, Süsdeutsche Zeitung, Deutschlandfunk Kultur hier findet man sehr viel Info. Alle Zeitungen haben über Heftromane berichtet. Das liegt im Trend. Auch wenn im Zauberspiegel vor Jahren eine heftige Diskussion über den TOD der Heftromane war. Nur Auflagezahlen findet man nirgends.
Zitate aus:
Tagesspiegel vom 22.11.2013 www.tagesspiegel.de/
der 20 Prozent seines Umsatzes erzielt der Bastei-Lübbe-Verlag bereits mit digitalen Inhalten. Die Abteilung Bastei Entertainment wurde in den vergangenen vier Jahren von drei auf 18 Mitarbeiter ausgebaut. „Jerry Cotton“ soll in seinen Hochzeiten eine Auflage von 180 000 Exemplaren gehabt haben. Heute liegt die Auflage bei unter 12 000.Tsp
Bastei verkauft zwar immer noch zehn Millionen Heftromane im Jahr. Doch an die Blütezeiten der 1960er und
Süddeutsche Zeitung
Und die Gewinnspanne ist hoch: Selbst wenn 75 Prozent der Hefte unverkauft von den Kiosken zurückkommen würden, hätte Bastei noch einen Gewinn
Der Groschenroman und seine Leser Großes Glück für kleines Geld
Beitrag vom 17.03.2019
Deutschlandfunk Kultur
Etwa 50 Millionen Heftromane im Jahr liefert der Kelter Verlag aus. Von Dauerbrennern wie „Dr. Norden“ oder „Mami“ werden Woche für Woche 25.000 Hefte gedruckt. Wie viele davon tatsächlich verkauft werden, darüber gibt es keine Zahlen.
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#5 Postman 2020-10-08 20:03
Sind die Hefte wirklich alle ungekürzt?
Habe alle Zaubermond Bücher und frage mich, ob ich hier noch einsteigen sollte... falls eben die Serie mit neuen Romanen fortgesetzt wird.

Falls nicht, wären die Neuauflage für mich eher für den Müll.
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#6 Laurin 2020-10-09 13:25
@Postman:
Warum eigentlich bei den Heftromanen von Bastei einsteigen, wenn man die entsprechende Serie auch gleich im Zaubermond Verlag in Taschenbuchformat an Land ziehen kann. Zudem werden die TB-Serien DORIAN HUNTER (ehem. Dämonenkiller) und DAS HAUS ZAMIS (ehem. Coco Zamis) bei Zaubermond lustig weitergeführt und zwischendurch (so ca. einmal im Jahr) kommt dann noch ein weiteres TB-Spin-off unter dem Titel HEXENHAMMER heraus (vor kurzem Band 2 erschienen).
Die Heftromane sind da eher schon eine Art Zweitverwertung und soll entsprechend die ansprechen, die als Laufkundschaft gelten bzw. die eh eher im Bereich Heftroman ihren Lesestoff an Land ziehen. Es soll ja auch so einige Leser geben, die den Zaubermond Verlag und dessen zwei Serien (was da noch als Printausgaben bzw. auch als Hörspiele rauskommt) nicht mal kennen, dafür aber den Bastei Verlag in Sachen Heftromane zu schätzen wissen.
Als Sammler würde ich da zumindest eher direkt auf die laufenden Taschenbuchserien bei Zaubermond (mit je zwei Storys pro Band) zurückgreifen.
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#7 Cartwing 2020-10-09 14:55
Da kann ich nur zustimmen, Laurin.
Wobei die Bücher früher umfangreicher waren, aber bis die Inhalte in der Heftserie erscheinen, wenn überhaupt, dauert es noch ewig.

Und so schön auch die Covergestaltung ist, wird bei der Herstellung mitunter geschludert.
Ich weiß nicht wie oft in letzter Zeit die Kapitel einfach nahtlos ineinander übergingen, bzw. nicht durch Absätze oder Symbole getrennt wurden. Und das in aufeinanderfolgenden Heften
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#8 Helmut.A 2020-10-10 23:43
Was Kürzungen bei Bastei betrifft weis inzwischen jeder Leser, spätestens seit Hefte ungekürzt mit 80 Seiten auf dem Markt sind. Ich selbst hatte einmal eine große Diskussion bezüglich der Kürzungen mit Herren von Bastei.
Vor langer Zeit;
Ich hatte das Leihbuch CHISHOLM TRAIL von G.F.Unger. Hier hatte sich der Autor meiner Meinung nach selbst übertroffen. Noch heute halte ich diesen Roman für den besten den er geschrieben hat. Nach Jahren kaufte ich den Bastei WB Nr.1190. Dieser war so stark gekürzt was mich sehr verärgerte und ich mich diesbezüglich an die Geschäftsleitung von Bastei wandte. Den Text, fast ungekürzt, kannte ich vom SILBER Western Nr. 240. Damit man sich ein Bild von Kürzungen machen kann schreibe ich hier die Daten, die damals auch an BASTEI gingen.
Silber Western hatte 64 Seiten, 1-64
120 Zeilen pro Seite, jede Zeile hatte 34 Buchstaben, 13 Kapitel
BASTEI hatte 62 Seiten, davon 3 Seiten Werbung. Text-Anfang Seite 3, keine Kapitel.
104 Zeilen pro Seite, jede Zeile hatte 32 Buchstaben
Ich wollte hier einmal schreiben wie Texte gekürzt werden.
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#9 Robert Martschinke 2020-10-11 12:06
Ich kenne zwar nur die "Romane", die aktuell im Heftformat erscheinen, inhaltliche Logik- oder Anschlussfehler, die offensichtlich auf Kürzung/en der Texte zurückzuführen sind, sind mir bisher allerdings keine aufgefallen. Die Schludrigkeit im Layout (nahtloser Übergang zwischen einzelnen Kapiteln) finde ich allerdings ebenfalls ärgerlich.

Danke für die Infos zur Auflagenstärke im Heftroman-Sektor! - Weiß jemand eventuell auch, wie hoch die Honorare der Autor*innen sind?
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#10 Cartwing 2020-10-11 18:26
Abgesehen von einigen Anpassungen an gegenwärtige Technik etc. entsprechen die Texte der Dorian Hunter - Serie denen der Originalserie bzw. der Bücher.
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