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Blitz-Recycling der besonderen Art

Blitz-Recycling der besonderen ArtBlitz-Recycling der besonderen Art
Larry Brent-Taschenbuch Nr. 1 »Das Horror- Baby« vs.
Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 »Die andere Ebene« (Schattenchronik 1)

2013 startete im Blitz-Verlag eine Larry Brent-Taschenbuchreihe, die es auf sieben Ausgaben brachte.

Der erste Roman "Das Horror-Baby" ist von Curd Cornelius geschrieben. Hinter dieser Pseudonym stecken Guido Grandt und der Blitz-Verleger Jörg Kaegelmann.

Als in der "neuen" Gespenster-Krimi-Reihe aus dem Bastei-Verlag am 20.11.2018 die Nummer 3 erschien, wurde ich leicht stutzig, denn das Titelbild war identisch mit der ersten Nummer der Larry Brent-Taschenbuchreihe aus dem Blitz-Verlag und hatte den gleichen Autoren. Im Roman "Die andere Ebene" gab es eine Szene, die mich stark an Iwan Kunaritschew erinnerte.

Also las ich den Roman mal komplett und dann das Larry Brent-Taschenbuch und heute präsentierte ich Euch den Vergleich:

Das Horror-BabyLarry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“
Seite 6, 4. Absatz – Seite 15, 1. Absatz
Ann-Marie tastete verschlafen nach der Fernbedienung ihres CD-Players und grunzte missmutig, als sie immer wie­der ins Leere griff. Das Ding musste unter die Couch oder in eine Sesselritze gerutscht sein (sie hatte das Gerät nach einer feuchtfröhlichen Nacht auch schon mal im Kühl­schrank gefunden), doch sie konnte sich nur noch daran erinnern, dass sie sich irgendwann nach Mitternacht sturzbetrunken von einem Taxi hatte nach Hause bringen las­sen, um im Tran noch etwas Musik zu hören und kurz darauf in einen komaähnlichen Schlaf zu fallen.
Von Technik hatte Ann-Marie wenig Ahnung. Das Ent­fernen der Wiederholungsschleife war für sie seit jeher eine unüberwindbare Hürde gewesen, daher liefen die Ballermann-Hits von 2005 immer noch. Und nun nervte Möhre mit Nackidei.
Es half nichts, sie musste sich von ihrer kleinen Couch erheben. Gerade als Olaf Hennig sein Lied von Indianern und Cowboys anstimmte, schaffte sie es, den Netzstecker zu ziehen. Die Ruhe tat gut, und so sackte sie erst einmal völlig entkräftet wieder in sich zusammen. Zurück auf die Couch? Oder ins Bett? Oder noch besser: Ab in den Kühl­schrank.
Schließlich schlurfte sie ins Klo und pinkelte sich aus.
Ann-Marie fuhr sich durch das kurz geschnittene, dunkle Haar und begann ihre Stirn zu massieren. „Himmel, ist mir schlecht!“
Seit sie den alternden Robby aus ihrer Wohnung hatte werfen müssen, hatte sie zu ihrem früheren Lotterleben zurückgefunden: jobben, schlafen, feiern. Alles in beliebi­ger Reihenfolge, wobei die Priorität in jedem Fall auf fei­ern lag. Der Samstag in der Siegener Diskothek war gut ge­wesen, den Nachschlag gestern am Sonntag hätte sie sich jedoch sparen sollen.
Mit beiden Händen griff Ann-Marie seitlich an ihr Waschbecken und zog sich mühsam von der Toilettenbrille in die Höhe. Ihr Gesicht tauchte im Spiegel auf, doch was sie darin sah, war so entsetzlich, dass sie sich wieder zurück­fallen ließ. Durch den Aufprall verstärkten sich ihre Kopf­schmerzen.
„Herrgott, ich sterbe!“, stöhnte sie wütend.
„Dann ruf doch den Notarzt!“, tönte eine männliche, müde Stimme dumpf aus der Dusche.
Ann-Marie erstarrte, sie musste laut schlucken. „Wer wer ist da?“, fragte sie zaghaft.
Keine Antwort.
„Wer ist da?“, fragte sie wieder, diesmal ein wenig energischer.
„Bobby.“
Ann-Marie ließ sich nach vorne kippen, landete auf ihren Knien und fiel weiter schlaff vornüber. Der Schwung reichte aus, um den Duschvorhang zu greifen. Mit einem Ruck riss sie den speckigen Plastikfetzen zur Seite und schrie auf. In der Dusche saß ein halb nackter junger Mann, nur mit einer Unterhose bekleidet und notdürftig in Stoff eingehüllt. Sie erkannte die Decken als ihre eigenen, die eigentlich eingerollt im Wäscheschrank stecken sollten.
„Wer zum Teufel bist du?“
„Bobby.“
„Was für 'n Bobby, verdammt noch mal?“
Der Mann starrte sie nur stumm aus glasigen Augen an.
Sein Atem kroch ihr in Form einer Gaswolke aus schalem Bier und unverdauten Currywürsten entgegen. Der Alkoholpegel in seinem Blut lag sicherlich nahe an ihrer eigenen Promillegrenze.
Mühsam brachte sich Ann-Marie in eine Art Hockstellung. „Was machst du hier?“
„Du hast mich eingeladen.“
„Was? Ich?“
Er nickte. „Ja, du.“
„Das kann nicht sein.“
„Ist aber so.“
Ann-Marie lehnte sich gegen die Kloschüssel. „Bin ich gestern nicht alleine nach Hause?“
„Nein, bist du nicht.“
„Sicher?“
Der junge Mann rieb sich umständlich die Augen.
„Natürlich bin ich mir sicher. Wäre ich sonst hier?“
„Wie bist du reingekommen?“
Er stöhnte und sah sie genervt an. „Bist du blöd, oder was?“
„Wer bist du denn?“
„Bobby B-o-b-b-y!“
„Bobby?“
„Soll ich's dir aufschreiben? Du hast mich regelrecht mit ins Taxi gezerrt. Sagtest, du wolltest mir unbedingt eine neue CD vorspielen.“
Ann-Marie schloss die Augen und versuchte krampfhaft nachzudenken. „Und dann?“
„Dann hast du sie nicht gefunden, und ich sollte wieder gehen.“
„Echt?“
„Ja, echt!“ Bobby suchte offenbar nach einer bequeme­ren Liegeposition und wühlte sich durch die Decken. „Und warum bist du dann noch hier?“
„Wo sollte ich denn hin? Wir hatten fünf Uhr in der Früh ... Montagmorgen.“
Montagmorgen? „Ach du Scheiße! Ich muss zur Arbeit!“
„Nein, musst du nicht. Du hast bei denen auf den AB gesprochen und gesagt, dass du krank bist und nicht kom­men kannst.“
Ann-Marie schlug sich beide Hände vors Gesicht. „Mein Gott, ich muss echt bescheuert sein! Hab ich das wirklich gemacht?“
„Die werden aber kaum was verstanden haben, so wie du gelallt hast.“
Sie starrte trübsinnig auf den alten Kachelboden in ihrer kleinen Zwei-Zimmer-Mietwohnung.
„Betrunkene Frauen, die betont sachlich etwas sagen wol­len, sind immer furchtbar unverständlich”, versuchte Bobby sie zu trösten.
„Vielleicht hab ich Glück, und sie können den Anruf nicht zuordnen.“
„Dann hättest du deinen Namen nicht so laut brüllen sollen.“ Bobby drehte sich wieder. Er fand offenbar keine bequeme Stellung in der engen Dusche. „Außer deinem Namen werden die aber nichts verstanden haben.“
„Da brauch ich mich nicht mehr sehen zu lassen“, resig­nierte Ann-Marie.
„Vermutlich.“
„Und ich hab dich mitgenommen, weil ich dir eine CD vorspielen wollte?“
„Genau. Und dann hast du eine uralte Ballermann-Scheibe aufgelegt und mich mit den muffigen Decken ins Klo geschoben.“
„Ich muss stinkbesoffen gewesen sein.“
„Allerdings, das warst du.“ Bobby fuhr sich durch das strubblige Haar. „Ich aber auch, sonst wäre ich gar nicht erst mitgekommen.“
„Warum denn nicht?“, entfuhr es ihr.
Bobby winkte ab. „Vergiss es.“
„Wie viel Uhr haben wir eigentlich?“ Sie schob sich lang­sam wieder in die Höhe. Mit Anfang vierzig spürte man nach Alkoholexzessen jeden Knochen im Leib.
Bobby starrte auf seine schwarze Plastikarmbanduhr, das einzige Kleidungsstück außer seiner Unterhose. „Halb acht.“ Sie musterte ihn nachdenklich. „Wie alt bist du eigentlich?“ „Zweiundzwanzig, das weißt du doch. Das hast du mich gestern tausendmal gefragt. Und ich weiß  auch, wie alt dein letzter Macker war, den du vor zwei Wochen rausgeschmis­sen hast.“
„Fünfundsechzig“, hauchte Ann-Marie und wirkte etwas beschämt. „Robby.“
„Ja, Robby“, äffte Bobby sie nach. „Bobby-Robby! Robby-Bobby! Das musste ich mir dauernd von dir anhö­ren. Ständig hast du mich Robby genannt. Keine Ahnung, was das sollte.“
Das wusste Ann-Marie jetzt auch nicht mehr. Steif wie ein Zombie stakste sie in ihre Wohnküche zurück, Bobby in seiner lächerlichen Unterhose hinterher.
„Meine Sachen liegen noch hier“, sagte er und schaute sich um.
Sie ließ sich wieder auf die Couch fallen. „Warum hast du dich eigentlich ausgezogen?“
„Vergiss es!“ Er angelte nach seinen Strümpfen, die unter dem Couchtisch lagen, nicht weit davon Shirt und Hose. „Gleich hab ich alles.“
„Soll ich uns einen Kaffee machen?“
„Gute Idee.“ Bobby starrte einige Sekunden lang nach­denklich auf die Aufschrift seines T-Shirts und zog das Klei­dungsstück noch einmal über den Kopf, um es zu wenden. „Willst du heute doch arbeiten gehen?“
„Ganz bestimmt nicht. Ich leg mich besser wieder hin.“
„Ich muss was Kaltes trinken.“ Bobby überprüfte seine Kleiderordnung erneut und war sichtlich zufrieden. „Ich hab 'n Geschmack im Mund, als hätte mir 'n Uhu in den Hals gepisst.“
Ann-Marie lachte kurz auf und zeigte Richtung Veranda. „Draußen steht ein Kasten Wasser.“
Die Wohnung war so klein, dass Bobby bereits nach zwei Schritten an der Tür war. Langsam schob er den langen Hebel nach unten. Die alte Holztür ploppte nach oben. Es knarrte fürchterlich, als er sie öffnete. „Ich seh' keinen Kas­ten.
„Mitten drauf.“
„Da ist nix.“
„Ach, komm schon ... so groß ist der Balkon wirklich nicht. Der Wasserkasten ist nicht zu übersehen.“
„Hier liegt nur ein alter, zusammengerollter Teppichbo­den oder so was.“
Teppichboden?, dachte Ann-Marie und schielte zwischen den halb heruntergeklappten Augenlidern Richtung Bal­kontür. Sie fühlte sich viel zu schlapp, um noch einmal auf­zustehen. Der Junge scheint übel angeschlagen zu sein. Was hat mich nur geritten, so ein Würstchen mit nach Hause zu schleppen?
Der kleine Balkon lag in diffusem Zwielicht. „Mach dir Licht an“, sagte sie und beobachtete, wie sich Bobby bück­te, um ein schwarzes Ding hochzuheben. Er tastete und griff vorne in die Öffnung der angeblichen Teppichbodenrolle, wohl um besser zupacken zu können.
Von draußen drang kalte Luft unangenehm in die Woh­nung.
„Nimm dir eine Flasche und mach die Tür zu …
Im selben Augenblick zuckte Bobbys Körper wie bei einem Stromschlag zusammen. Der Rest ihrer Worte ging in seinem furchtbaren Gebrüll unter.
„Robby!“ Sie fuhr hoch, erkannte vor Schreck nur am Rande, dass sie wieder die Namen verwechselt hatte, und stürzte mit einem Satz zum Balkon. Der junge Mann wackel­te schemenhaft hin und her und brüllte wie am Spieß.
Ann-Marie wurde richtig wütend. „Was zum Teufel machst du da?“, rief sie, steckte ihren Kopf ins Freie — und fuhr sofort wieder zurück, als ihr etwas Nasses, Klebriges ins Gesicht klatschte.
Blut!
Überall Blut!
Wie in Trance wischte sie sich durchs Gesicht. Bobby taumelte ihr entgegen und riss sie um. Zusammen stolper­ten sie halb in die Wohnung zurück. Noch im Fallen sah Ann-Marie einen gigantischen Wurm, und im gleichen Augenblick wurde ihr bewusst, was Bobby im Dunkeln für eine Teppichbodenrolle gehalten hatte. Ein Tausendfüßler —um ein Vielfaches vergrößert, pechschwarz und mit kleinen, funkelnden Augen.Bobby lag mit dem Rücken auf ihr, sein Körper zitterte fürchterlich. Allmählich erstarben seine Schreie.
Sein rechter Unterarm!, durchfuhr es Ann-Marie. Er ist ... weg!
Zitternd hielt sich Bobby den Armstumpf vor sein Gesicht. „Der ... das ... das Viech hat mich gebissen ...“ Dann erschlaffte sein Körper. Der Schock, der akut hohe Blutverlust, alles zusammen gipfelte in einem Kreislaufkol­laps.
Ann-Marie schielte unter Bobbys Körper in Richtung des Wurms. Ihre Gedanken wirbelten wie Schneeflocken im kalten Wintersturm durcheinander. Krampfhaft überlegte sie, was zu tun war. Einen Meter zurück in die Wohnung und sie konnte die Verandatür wieder verschließen. Das war die einzige Lösung. Daran dachte sie als Erstes.
Dann an ihr Handy: Hilfe rufen!
Dann: Nie wieder Alkohol!
Sie versuchte sich zu beruhigen, doch Bobbys Zittern schien sich auch auf sie zu übertragen. Erstaunt lauschte sie ihrem eigenen Zähneklappern. Ein riesiger Wurm! Ein Mons­ter auf meinem Balkon!, durchfuhr es sie immer wieder. So etwas kann es nicht geben!
Doch der Wurm war real. Er hatte Bobby angefallen und lebensgefährlich verletzt.
Scheiße! Der Junge braucht Hilfe! Ich muss etwas tun! Mit den Ellenbogen stützte sie sich ab und rutschte, während Bobby auf ihr lag und sie ihn festhielt, Zentimeter für Zen­timeter in ihre Wohnung zurück. Dabei ließ sie den Wurm, der ihr wie aus einem Albtraum entsprungen schien, keine Sekunde aus den Augen.
Das Tier begann leicht zu dampfen, als sich die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont durch die eben noch dicke Wolkendecke zwängten. Die Haut des Monsters schillerte für einen kurzen Moment in wunderschönen Farben, doch dieses unter anderen Umständen wahrscheinlich ungewöhnlich beeindruckende Farbenspiel übte auf Ann-Marie im Augenblick nicht den geringsten Reiz aus.
Gleich hab ich es geschafft. Sie bewegte sich weiter zurück. Noch ein kleines Stück. Angestrengt beobachtete sie den Wurm, der sie zu belauern und jede ihrer Bewegungen zu verfolgen schien. In seinen kleinen Augen war keinerlei Re­gung zu erkennen. Ann-Marie rutschte weiter. Die Wolken­decke riss endgültig auf, und die monströsen Beißwerk­zeuge der Kreatur wurden in helles Sonnenlicht getaucht. Angeekelt bemerkte sie das viele Blut, das von dem schwar­zen Panzer des Monsters perlte. Nur ein paar Zentimeter noch! Der Wurm duckte sich unter den wärmenden Son­nenstrahlen. Ann-Marie war inzwischen so weit zurückgerutscht, dass sie das Tier draußen auf dem Balkon kaum noch erkennen konnte. Dann endlich haue sie es geschafft. Zusammen mit dem ohnmächtigen Bobby auf ihrem Bauch war sie jetzt vollständig in ihrer Wohnung. Rasch zog sie beide Beine an und brachte so ihre Füße hinter die glä­serne Balkontür. Bobby stöhnte laut auf. Mit aller Kraft trat sie die Tür zurück ins Schloss, in der Hoffnung, dass der Hebel durch die Wucht von selbst einrastete. Als sie sich zur Seite streckte, um auf den Balkon hinauszusehen, beobach­tete sie entsetzt, wie sich der monströse Tausendfüßler gerade zusammenzog und zum Sprung gegen die Veranda­tür ansetzte.

Die andere EbeneGespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 6, 1. Spalte, 14. Absatz – Seite 9, 2. Spalte, 5. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.

Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“
Seite 20, 5. Absatz – Seite 25, 6. Absatz
Sein eigenes Schnarchen rauschte angenehm wie eine Mee­resbrandung in weiter Ferne, wurde lauter, kam näher und überlagerte dabei fast eine andere Sinneswahrnehmung. Das Schnarchen verstummte abrupt. Der schwergewich­tige Schläfer mit dem roten Vollbart schnupperte. Seine Augenlider begannen zu flattern. Rauch? Zigarettenqualm? Angenehmer ... sehr angenehmer Zigarettenqualm! Ein absolut sympathischer Geruch!
Iwan Kunaritschew riss die Augen auf. Verdammt! Das war das Aroma seiner geliebten Zigaretten! Und doch ... niemand außer ihm mochte dieses Kraut. Niemand war überhaupt imstande, es wirklich zu rauchen.
X-RAY-7 fuhr hoch. Sämtliche Köperfunktionen rasten von null auf hundert. Das Unterbewusstsein signalisierte Gefahr. Mechanisch hatte Iwan eine Kampfhaltung einge­nommen. Das Zimmer lag im Halbdunkel, seine Augen suchten die nähere Umgebung ab. Nichts. Oberflächlich schien alles unverändert. Er war offenbar nur kurz auf sei­nem Bett eingenickt.
Soweit muss es kommen, dass mich geträumter Zigaretten­geruch in Alarmbereitschaft versetzt, überlegte er. Hier ging etwas vor, das nur als Vorbote einer nahenden Katastrophe gewertet werden konnte.
Iwan tastete nach dem Lichtschalter. Klick! Da! Qualm kräuselte sich über dem Sessel an seinem Schreibtisch. Der Russe legte seine Stirn in Falten. „Hallo?“
Keine Antwort, stattdessen schob sich eine weitere Rauchwolke nach. Eigentlich war klar, dass in dem Sessel jemand sitzen musste. Okay, das war möglich, doch wenn dieser Jemand seine Selbstgedrehten paffte, dann ging etwas nicht mit rechten Dingen zu. Dass jemand seinen Tabak rauchen konnte, war praktisch ebenso unwahrscheinlich wie ein Meteoriteneinschlag.
„Wer raucht denn da meine Zigaretten?“, fragte der Russe laut und kam sich im gleichen Moment etwas albern vor. Er wusste nicht recht, wie er reagieren sollte, und so versuchte er es auf der humorigen Schiene. „Mein guter Tabak! Sollte er sich etwa selbst entzündet ha­ben?“
Iwan erhob sich, machte ein, zwei Schritte, war schnell um den Sessel herum — und erstarrte.
Vor ihm saß Changye, das Horror-Baby, jenes unheilige Ergebnis der Vereinigung von Doktor Tschang Fu und Doktor X. Die Eltern hatten ihr Kind getötet, nachdem sie gemerkt hatten, dass sie das kleine Mädchen mit noch unbekannten Fähigkeiten nicht wie erhofft als Verbündete gewinnen konnten. Kurz darauf war das rasch wachsende Baby spurlos aus dem Memorial Hermann verschwunden. Seitdem war kaum eine Woche vergangen.
Das runde Babygesicht grinste ihn breit an. In beiden Mundwinkeln steckte jeweils eine qualmende Zigarette. Jedes andere Kleinkind wäre durch diese Giftwolken, selbst in einigen Metern Entfernung, in akute Lebensgefahr gera­ten, doch augenscheinlich nicht dieses Dämonengeschöpf. „Was geht ab, Alter?“
Iwan war, für ihn äußerst ungewöhnlich, sekundenlang sprachlos. „Wie ... ?“, begann er langsam. „Wie bist du hier herein ... ?“
Das Horror-Baby spie ihm eine geballte Ladung Qualm ins Gesicht. „Wie gefällt dir das, Alter?“
Der Russe stand ratlos in einer riesigen Nebelwolke. „Nun, wenn ich es selbst rauche, ist es eigentlich ganz okay.“
„Dann siehst du mal, was du anderen Menschen antust, mein Lieber!“ Das Babygesicht funkelte ihn böse an. „Jetzt ist es an der Zeit, dass du endlich die Quittung für all das bekommst, was du angerichtet hast. Das gilt für euch alle, ihr Nervensägen von der PSA!“
Iwan starrte das Baby verdattert an.
„Harte Zeiten kommen auf dich zu, X-RAY-7!“, sagte das Baby und lachte wie eine Comicfigur.
Ohne Vorwarnung schlug Iwan mit aller Kraft und Wut zu, die gerade in seinem riesigen Körper entstand, doch im gleichen Augenblick verschwand das Baby. Iwans Faust brach durch die Qualmwolke, ohne auf den geringsten Wi­derstand zu treffen, und donnerte mitten in den Polstersessel.
Mit einem wütenden Aufschrei fuhr der Russe herum, als das Horror-Baby plötzlich hinter ihm kicherte. Das Kind stand krummbeinig da, qualmte und gluckste.
Iwan trat ansatzlos zu — und traf wieder nur ins Leere.
Eine Sekunde später qualmte und kicherte es aus der Regalwand. Es dampfte sogar aus dem Loch, das Doktor Tschang Fu mit Mornas Laser mitten in die Stirn des Babys geschossen hatte. Ganz offensichtlich war das dämonische Wesen wieder zu Kräften gekommen. Woher es die neu ge­wonnene Energie nahm, wusste Iwan nicht, doch über ei­nes war sich der Russe im Klaren: Das Geschöpf der Doktoreneltern barg unberechenbare Kräfte in sich. Es besaß ganz offensichtlich die Begabung der Teleportation und Teleki­nese. Wie lange konnte das kleine Wesen so agieren, ohne zu ermüden? Waren seine Kräfte unerschöpflich, oder musste es sich, auf welche Weise auch immer, neu aufladen?
Obwohl sich Iwan über die Sinnlosigkeit seines Tuns bewusst war, stürmte er mit lautem Gebrüll auf die Regalwand zu, in der das Horror-Baby qualmend vor sich hin gickelte. Knapp einen Meter vor seinem Ziel traf ihn etwas Unsichtbares, streckte ihn ein gewaltiger Schlag aus dem Nichts nieder. Iwan Kunaritschew wurde zurückgeschleudert, als hätte ihn ein Schnellzug erfasst, und flog durch sein Apartment bis hin zum Kühlschrank. Dort schlug der stäm­mige PSA-Agent hart auf und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen.
„Verdammtes Dämonenbalg!“, keuchte Iwan und rieb sich den kantigen Schädel.
Im selben Augenblick qualmte es direkt neben ihm. Das Horror-Baby hatte sich erneut teleportiert und starrte ihn aus nur wenigen Zentimetern Entfernung böse an. „Früher waren wir beweglicher, hm“, krähte das Kind vergnügt.
„Verpiss dich, oder ich dreh dir deinen kleinen Hals um!“, presste Iwan durch seine gefletschten Zähne und versuchte sich schnaufend aufzurichten, doch das Horror-Baby drück­te ihn durch seine mentale Kraft immer wieder nach unten.
„Das würde ich zu gerne sehen, du Klotz!“
Der Russe legte sich eine andere Strategie zurecht. „Ei­gentlich bist du ja ganz putzig.“
Das Baby schüttelte sich vor Lachen.
„Irgendwie kann ich deine Wut ja auch verstehen. Deine Eltern haben dir übel mitgespielt.“
Die unsichtbare Kraft, die ihn im Griff hielt, ließ für einen Moment nach.
„Dein Vater hat dir mitten in die Stirn geschossen.“
„Ja ... weil die dämliche Blondine nicht auf ihre Waffe aufpassen konnte!“
„Morna ...“ Iwan brach ab, als er wie ein nasser Sack hin und her geschüttelt wurde.
„Ihr von der PSA seid doch alle gleich! Meine Eltern sind mir einerlei. Sie haben mir genug Fähigkeiten verpasst, die mir alle Möglichkeiten offenlassen, um durch eure Orga­nisation zu fegen.“
„Übernimm dich nicht, du Zwerg!“, quetschte Iwan her­vor. Er fühlte sich wie ein ferngesteuerter Punchingball. Es ruckte, dann hing er rücklings unter der Decke.
„Das ist für den Zwerg!“, rief das Horror-Baby und ki­cherte.„Wenn ich runterkomme, mach ich dich platt!“, wütete Iwan von oben.
„Falls ich dich überhaupt wieder runterlasse ...“ Das dämonische Wesen schien unglaublichen Spaß daran zu haben, X-RAY-7 zu quälen. „Dann bist DU platt!“
Das Baby verzichtete diesmal auf Teleportation und steppte vergnügt zur Seite.
Iwan sah, wie der Boden ungebremst auf ihn zuraste. Der Aufprall war so heftig, dass es bei ihm noch nicht einmal für ein Uff eichte. Aus tränennassen Augen sah der Russe die kleinen Babyfüßchen vor sich und hörte die Worte: „Grüß deine Freunde von mir, du PSA-Schwachkopf! Auch sie bekommen noch Besuch von Changye.“ Dann ploppte die Luft an der Stelle zusammen, an der das Horror-Baby eben noch gestanden hatte. Das Dämonenkleinkind war verschwunden, und Iwan gönnte sich eine kurzfristige Ohnmacht.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 12, 2. Spalte, 6. Absatz – Seite 14, 2. Spalte, 8. AbsatzEs folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.

Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“
Seite 25, 7. Absatz – Seite 27, 9. Absatz
Larry und Morna hatten die letzten Minuten schweigend miteinander verbracht. Jeder hing seinen eigenen Gedan­ken nach, als plötzlich zwei Dinge gleichzeitig passierten.
Larry erhielt einen Anruf. „Es ist Iwan!“, sagte er zu Morna und aktivierte die Verbindung mit dem Erkennungs­wort.
Morna war jedoch in diesem Augenblick abgelenkt. Je­mand aus dem Team hatte sie höflich grüßend im Pausen­raum aufgesucht.
„Er hat sich tatsächlich gemeldet“, sagte der Mann. Die Schwedin teilte ihre blonde Haarmähne, die ihr ins Gesicht gerutscht war. „Wer hat sich gemeldet?“
„Der von Ihnen gesuchte Robert Kane.“
Morna bekam eine Gänsehaut. „Tatsächlich?“
„Zumindest erreichte uns eine Nachricht, unterschrieben mit X-RAY-8. Ich hab sie schon auf Ihren Arbeitsplatz ge­legt. Ich dachte, da Sie mich ja mehrmals danach gefragt hatten, überbringe ich Ihnen diese Information persönlich.“
„Gut gemacht!“ Morna fühlte sich von einem Moment auf den anderen wie ausgewechselt. „Wie wurde die Nach­richt übermittelt?“
„Merkwürdigerweise über einen PSA-Ring. Die Ken­nung zeigt tatsächlich X-RAY-8, obwohl diese Stelle seit Langem unbesetzt ist.“
Morna unterdrückte den Wunsch, den Mann böse anzu­starren. „Offensichtlich doch nicht. Inzwischen war ich selbst schon so weit, daran zu zweifeln.“
Der Mann nickte bedächtig. „Alles sehr eigenartig.“ Morna griff nach Larrys Hand. „Robert hat sich gemel­det!“
X-RAY-3 wirkte trotz dieser sensationellen Nachricht auf­fallend ungerührt. „Iwan hat auch gerade Kontakt mit mir aufgenommen.“
„Robert ist jetzt wichtiger, Larry!“, rief Morna und sprang so abrupt auf, dass ihr Stuhl geräuschvoll nach hinten rutschte.
Der PSA-Mann verließ eilig den Raum.
Larry schien nicht registriert zu haben, dass sein Bruder offenbar wieder aufgetaucht war. „Und es hat sich noch jemand gemeldet“, sagte er leise.
In Morna stieg ein Anflug von Wut hoch. „Ja, wer denn?“ „Das Baby von Doktor X und Doktor Tschang Fu. Changye war bei Iwan.“
Morna hob die Augenbrauen. „Bei Iwan? Na ja, irgend­wie mussten wir damit rechnen, dass dieses Dämonenkind wieder auf der Bildfläche erscheint, oder?“„Das Horror-Baby dürfte unseren russischen Freund übel zugerichtet haben.“
„Mein Gott!“ Morna nagte an ihrer Unterlippe. „Was ist mit ihm?“
„Er liegt verprügelt in seinem Appartement. Angeblich soll dies nur eine Warnung für uns alle gewesen sein.“
Morna stieß hörbar Luft aus. „Na gut, dann sind wir eben gewarnt. Und was sagst du dazu, dass sich Robert ge­meldet hat?“
Als Larry schwieg und wieder seltsam teilnahmslos vor sich hin starrte, drehte sich Morna auf dem Absatz herum und rannte aus dem Raum.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 14, 2. Spalte, 9. Absatz – Seite 15, 2. Spalte, 5. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.

Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“
Seite 32, 5. Absatz – Seite 37, 6. Absatz
Die wohlige Wärme der Bahnhofsgaststätte wurde durch den eiskalten Wind, der durch den menschenleeren Siege­ner Bahnhof fegte, erbarmungslos in die dunkle Nacht gedrückt und von ihr aufgesogen. Zwei Gestalten wank­ten ins Freie. Hinter ihnen fiel die Gaststättentür schwer ins Schloss. Einer der beiden drehte sich umständlich um, als müsse er das laut hörbare Verschließen der Tür selbst noch einmal kontrollierend in Augenschein nehmen. „Gute Nacht!“, sagte er zur Tür und deutete eine Verbeugung an.
Statt einer Antwort klackte es erneut, dann erlosch das Licht hinter den kleinen Butzenfenstern.
„Die Richtung, Otto!“, sagte der andere Mann und dreh­te seinen Saufkumpan nach vorn.
„Jawohl, Fred!“ Otto schaute sich um, als wolle er einen Maulwurf parodieren. „Wir sind ja auf dem Bahnsteig.“
Fred beugte sich nach vorn, als könne er so besser sehen, wo er sich gerade befand. „Vorne war schon zu. Wurde gewischt.“ Umständlich kramte er seine Armbanduhr unter dem Jackenärmel hervor. „Ist ja schon spät.“ Er hielt sich die protzige Plastikuhr direkt vor seine flackernden Augen, geriet dabei ins Schwanken und musste schnelle Rückwärts-schritte machen, um nicht hinzufallen.
„Warte auf mich!“ Otto breitete beide Arme aus und stakste seinem Freund hinterher. „Nun mal langsam.“
Ein Fahrkartenautomat stoppte Freds Rückwärtsgang. Er prustete empört, als eine Metallkante in seinen Rücken stieß.
Otto hatte sich inzwischen warmgelaufen, seine Schritte wurden sicherer, doch dann rannte er an Fred und dem Fahrkartenautomaten vorbei. In dem Moment, als er sich dessen bewusst wurde und eine Kehrtwendung versuchte, kam er in Schieflage und knickte seitlich ein. Die linke Hand auf dem Boden, gingen seine Füße einmal um ihn herum. „Himmel! Das ist aber auch kalt.“
Fred stierte ihn verständnislos an. „Dann nimm die Hände aus dem Dreck, Junge. Von dem Gehampel wird dir auch nicht wärmer.“
Otto war völlig aus dem Tritt geraten. Umständlich sor­tierte er Arme und Beine. „Das wär mir am Tresen nicht passiert, da kenn ich mich aus.“
„Trottel!“ Fred stieß sich vom Fahrkartenautomaten ab, doch ohne Halt im Rücken gab er keine wesentlich bessere Figur als sein Kumpel ab. Unkontrolliert stapfte er los, mehr seinen wackeligen Beinen gehorchend als diese ihm. Auf diese Weise latschte er dem am Boden Sitzenden prä­zise über beide Hände.
Otto brüllte empört los. Seine abgehackten Schreie klan­gen schaurig durch den offenen Bahnhof. „Du Idiot!“, japs­te er. „Warum hast du das gemacht?“
Fred war unterdessen wieder zu seinem Fahrkartenauto­maten zurückgetrudelt. „Mensch, Otto, das war doch keine Absicht! Was tust du da unten eigentlich?“
„Hilf mir wenigstens hoch!“ Otto rieb mit schmerzverzerrtem Gesicht seine Hände. „Mir ist irgendwie schlecht. Ich glaub, ich hab heute noch nichts gegessen.“
„Hoch...helfen?“, fragte Fred und schaute in die Ferne. Er sah aus, als überlegte er, ob er so einer komplexen Anfor­derung überhaupt gewachsen war. „Du kommst doch leicht selbst hoch.“
„Ich hab dir auch geholfen!“, entgegnete Otto wütend und machte einen trotzigen Eindruck.
„Mir geholfen? Wobei denn?“
„Vorhin, als du auf dem Weg zum Klo gestolpert bist.“ „Ich?“ Fred schüttelte energisch den Kopf. „Quatsch!“ „Nix Quatsch! Du wolltest zum Klo, da hat jemand den Stuhl zurückgeschoben, und du bist mit deinem Bein ... in dem Bein ... in dem Stuhlbein hängen geblieben.“
„Ich bin nirgendwo hängen geblieben.“
„Bist du doch!“
„Ich war noch nicht mal auf dem Klo!“
„Verdammt noch mal, du bist seit heute früh hier, Fred!“ Mühsam drehte sich Otto in die Höhe. „Du warst mindes­tens zehn Mal auf dem Klo.“
Fred hatte sich abgewandt und versuchte eine wegwer­fende Handbewegung in Richtung seines Kumpels. Dabei büßte er den sichernden Halt des Fahrkartenautomaten ein, knallte schräg mit der Schulter dagegen und rutschte kraft­los nach unten.
„Verdammte Schnäpse!“, entfuhr es ihm dabei, gleichzei­tig streckte er beide Arme nach Otto aus, der es inzwischen geschafft hatte, sich hochzurappeln, und wieder auf seinen Beinen stand. Schwankend zwar, aber er stand.
„Du hast mir auch nicht geholfen“, sagte Otto kopf­schüttelnd und versuchte demonstrativ beleidigt die Arme vor seinem Bierbauch zu verschränken. Da er jedoch be­merkte, dass eine solche Haltung seinem gerade erst zurück­gewonnenen Stehvermögen im höchsten Maße abträglich war, ließ er diese diffizilen Bewegungen sein und beschränk­te sich darauf, Fred mit vernichtenden Blicken zu strafen.
„Du bist mir ein Freund ...“ Fred kletterte am Automa­ten mühsam wieder nach oben.
„Lass uns jetzt nach Hause gehen“, schlug Otto vor.
„Vielleicht ein Taxi?“, meinte Fred und glotzte wieder auf seine Armbanduhr, konnte aber offensichtlich nicht sofort etwas erkennen. Sein Kopf wackelte wie ein Luftballon, als er die große Bahnhofsuhr über sich betrachtete. „Halb fünf?“
„Echt? Schon halb fünf?“, wiederholte Otto ungläubig. „Auweia, das gibt Ärger.“
Fred starrte in den Sternenhimmel. „Für 'n Taxi hab ich eigentlich kein Geld mehr.“
„Dann lassen wir's eben.“
„Die hätten uns eh nicht mehr mitgenommen.“ Fred hatte bereits mit dem Abmarsch Richtung Unterführung begonnen. „Du hast mal alles vollgekotzt. Das haben die sich gemerkt.“
„Ich?“ Otto holte seinen Saufkumpanen ein, ruckte zu ihm herum und musste erneut um sein Gleichgewicht kämpfen, bevor er weiterreden konnte. „Du warst das, nicht ich!“
Fred hatte sich auf wegwerfende Handbewegungen fest­gelegt, hielt sich jedoch nicht länger mit einer korrekt sicht­baren Ausführung auf, da er gerade in Fahrt gekommen war und den aufrechten Gang durch unüberlegte Drehungen nicht weiter gefährden wollte. „Komm jetzt!“, sagte er und ging weiter.
Otto folgte ihm schimpfend. Den Blick starr nach unten gerichtet, stapfte er mechanisch hinter seinem Freund her. Sie hatten den Tunnel zur Unterführung der Bahngleise auf die andere Stadtseite fast erreicht, als Fred im hell erleuch­teten Gang eine Frauengestalt bemerkte und abrupt seinen Marsch stoppte.
„Otto!“
„Was ist?“, unterbrach dieser sein schimpfendes Grummeln. „Da steht jemand. Eine Frau.“
Otto schraubte seinen hochroten Kopf wie ein Kran nach vorne und riss seine Schweinsaugen so weit auf, bis die Trä­nensäcke in Wallung gerieten. „Oh, tatsächlich. Um diese Zeit!“ Er schluckte kräftig und rief: „Hallo?“
Fred wackelte wie ein welkes Blatt im Wind, behielt dabei aber die Gestalt, die irgendwie unheimlich wirkte, sicher im Blickfeld. „Keine Angst, gnädiges Fräulein ...“ Er kicherte zufrieden über seine gelungene Wortfindung. „Wir wollen nur nach Hause.“
„Da sollten Sie auch besser sein!“, rief Otto von hinten und stapfte heran. „Sie haben ja kaum was an. Ist Ihnen nicht zu kalt?“
Angestrengt fixierte Fred die Frau, die immer noch re­gungslos im Tunnel stand. „Tatsächlich, nur ein ... Nacht­hemd ... oder so ähnlich.“
„Geht es Ihnen ... nicht gut?“ Otto stand jetzt direkt neben Fred und nutzte die Nähe, um sich an ihm festzu­halten. Das brachte Bewegung in die beiden Zecher. Eng umklammert schwankten sie hin und her, als wären sie bei einem Casting zum Synchronbauchtanzen.
„Die ist sicher irgendwo ... ausgebrochen“, flüsterte Otto seinem Freund ins Ohr. „Entwischt ... hähähä!“
Die seltsame Frau vor ihnen hatte sich bis jetzt keinen Millimeter bewegt und nicht für einen Augenblick ihre Miene verzogen. Regungslos stand sie da, die dunklen Augen in weite Ferne gerichtet. Doch dann, von einer Se­kunde zur anderen, war sie verschwunden. Mit einem abge­hackten Zischen tauchte sie fast zeitgleich unmittelbar vor den beiden Saufnasen wieder auf, die unisono ein Schreckensgeheul anstimmten.
„Was war das denn?“, kreischte Otto.
Fred bekam seinen Mund nicht unter Kontrolle, seine Lippen zitterten wie Wackelpudding.
„Wie haben Sie das gemacht?“, fragte Otto mit weiner­licher Stimme.
Wieder zischte es, als würden abgebrochene Fingernägel über Schiefer kratzen, dann stand die unheimliche Frau hinter ihnen.
Otto und Fred schrien wie kleine Kinder und kippten vornüber.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 20, 2. Spalte, 14. Absatz – Seite 23, 1. Spalte, 5. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.

Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 38, 3. Absatz – Seite 40, 3. Absatz
Tobias Winter, von seinen Freunden Tobi genannt, sah in seinem vor sich hin brummenden Taxi auf die Uhr. Noch eine halbe Stunde, dann hatte er Feierabend.
„Warum müssen Studenten immer in der Nacht als Taxi­fahrer arbeiten?“, murmelte er und klappte seinen Laptop zu, dessen Akkuanzeige bereits seit fünf Minuten blinkte. „Kann man nicht mal studieren ohne den Stress nebenher?“
Tobi schaltete den Motor ab, verließ den Wagen und schlug schnell die Tür hinter sich zu. Die letzte halbe Stunde musste die jetzige Temperatur im Innenraum aus­reichen. Wärme war kostbar, und der Chef wurde schnell ungehalten, wenn die Spritkosten nicht in Relation zu den Einnahmen standen.
Der Student sah sich um. So früh am Morgen reichten zwei Taxen vor dem Siegener Bahnhof aus. Der Kollege war unterwegs, und Tobi stand alleine auf dem Bahnhofsvor­platz. Er absolvierte ein paar Kniebeugen, um seine müden Beine vom langen Sitzen wieder in Schwung zu bringen, und überlegte, nach Schichtende auf einen Sprung ins bahnhofseigene McDonalds-Restaurant zu gehen. Dort brannte bereits Licht, Schatten huschten hin und her. Um fünf öffnete die Schnellfutterbude, passend für seinen Fei­erabendkaffee.
Voller Vorfreude verfiel Tobi in einen leichten Laufschritt und joggte am Bahnhofsgebäude vorbei. Im Zeitschriften­laden, direkt am Nebeneingang zu den Bahnsteigen, fla­ckerte Licht auf. Auch hier bereitete man sich auf einen wei­teren Arbeitstag vor. Tobi passierte einige kleine Geschäfte mit noch dunklen Schaufenstern. Dann ging er weiter zur Bahnüberführung. Als er das Gelände über den Gleisen erreicht hatte, um dort zu verschnaufen, vernahm er deut­lich Stimmen. Letzte Gäste aus der Bahnhofskneipe? Tobi spitzte die Ohren. Das war kein übermütiges Säuferjaulen, das war echtes Angstgeheul.
Vorsichtig beugte er sich über das breite Eisengeländer. „Hallo?“
Unter ihm schwankten zwei Männer, die er vom Sehen her kannte. Direkt neben ihnen stand eine weiße Frau. Er konnte nur ihre schwarzen Haare und das wallende Kleid erkennen. Es musste ein Nachthemd sein, denn er glaubte, darunter die Konturen eines nackten, wohlgeformten Kör­pers zu erkennen.
„Hallo?”, rief Tobi noch einmal.
Ein früher LKW rauschte an ihm vorbei, und Tobi konnte nicht hören, ob sein Rufen erwidert wurde. Eher nicht, denn die Männer wirkten wie versteinert und starr­ten auf die Frau — oder besser auf die Stelle, an der die Frau eben noch gestanden hatte. Tobi fuhr sich übers Gesicht. Von einer Sekunde zur anderen befand sich die merkwür­dige Frau etwa zehn Meter von den beiden Männern ent­fernt, ohne dass sich an ihrer Haltung etwas verändert hatte. Sie hatte sich offensichtlich nicht bewegt und dennoch ihren Standort gewechselt. Tobi verzichtete auf weiteres Rufen, denn die beiden Männer kreischten laut genug. Ihre langen Schatten, geworfen von den Bahnhofslaternen, zuck­ten wie irre hin und her. Dabei bewegten sich die Männer selbst nicht.
Doch irgendetwas waberte durch die Luft unter ihm. Tobi fühlte in dieser kalten Nacht eine unnatürliche Wärme aufsteigen. Auf dem Bahnsteig unter ihm schien es offen­bar zu brodeln. Dann zuckte die Frau im Sekundentakt um die beiden Männer herum. Tobi glotzte gebannt auf dieses unglaubliche Schauspiel.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 23, 2. Spalte, 4. Absatz – Seite 24, 2. Spalte, 2. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“
Seite 42, 5. Absatz – Seite 44, 16. Absatz
„Freut mich, dass es dir wieder besser geht, Brüderchen“, antwortete Larry. Routiniert ordnete er sich in den mor­gendlichen Berufsverkehr ein. „Haben Sie dich wieder hin­gekriegt, hm?“
X-RAY-3 hörte, wie Iwan ausgiebig gähnte.
„Solltest du dich nicht besser noch etwas ausruhen ... um diese Zeit?“
„Mach dir keine Sorgen, Larry. Ich hab bis Mitternacht geschlafen. Ich bin fit wie ein Turnschuh.“
„Und du sitzt in der Zentrale?“
„Richtig, Brüderchen. In meinem Büro, vor mir ein eiskaltes Glas Wodka. Irgendwie muss ich den Chemiedreck wieder rausspülen, den mir die Docs hier eingeflößt ha­ben.“
„So schlimm?“
„Überhaupt nicht!“, polterte Iwan durch die Satelliten­leitung. „Nur ein paar Kratzer. Glaubst du wirklich, ich lass mich von einem Baby verprügeln?“
„Na ja ...“ Larry brach ab. „Wo ist Morna?“
„Sitzt in ihrem Büro.“ Wieder ein deutlich vernehmba­res Gähnen. „Trinkt Wasser und wartet auf irgendwas.“ „Hat sie dir nicht erzählt ...“
„Doch, hat sie!“, unterbrach ihn der Russe ohne spürbare Zeitverzögerung in der Leitung. „Ich kenn ja eure seltsame Geschichte. Kann aber nur wenig damit anfangen.“
So wie alle anderen auch, dachte Larry und seufzte.
„Morna wird wohl auch nach Deutschland kommen“, brummte Iwan. „Ich allerdings bleibe hier und suche nach diesem ... nach der netten Changye.“
„Der Boss weiß Bescheid?“
„Der weiß wie immer mehr als wir beide zusammen, Brüderchen.“ Larry hörte seinen Kollegen lachen. „Die PSA fahndet bereits nach den Doktoreneltern.“
„Wird wenig Sinn haben.“
„Das sehe ich ähnlich. Du, ich krieg da grad was rein ... Wir hören wieder voneinander.“
Mit einem Knacken wurde die Verbindung getrennt.
Larry hatte das Frankfurter Kreuz hinter sich gelassen und brauste weiter in Richtung Gambacher Kreuz. Er schaltete einen Radiosender ein, doch als er die Abfahrt Bad Homburg passierte, wurde die Musik abrupt unter­brochen.
„Larry!” Mornas Stimme klang ungewöhnlich schrill aus den verdeckten Lautsprechern.
„Schwedenfee!“, rief X-RAY-3. „Schön, deine Stimme zu hören.“
„Er hat sich wieder gemeldet!“
Larry konnte die Anspannung seiner Kollegin förmlich spüren. Die Stimme der PSA-Agentin vibrierte vor Aufregung.
„Wer?“, fragte er mechanisch und wusste sofort, wie unpassend seine Reaktion erneut auf Morna wirken musste.
„Robert! Dein Bruder!“ Die Anlage regelte die Lautstärke automatisch runter.
„X-RAY-8 ...“, entfuhr es Larry, doch eigentlich hatte er etwas anderes sagen wollen. Morna schwieg. Ihm war klar, dass sie wütend war. „Woher kam der Ruf? Wieder durch den Ring?“
„Ja.“
„Konntest du den Standort schon bestimmen?“
„Wir sind dabei.“ Ihre Stimme klang leise, sie hatte sich offenbar abgewandt.
Der Regen wurde stärker, doch der kantige Caravan lag trotz der nassen Fahrbahn wie ein Brett auf der Straße.
Larry starrte stur geradeaus.
„Wieder Deutschland“, hörte Larry Mornas Stimme.
„Weiter.“
„Taunus. Nähe Bad Homburg.“
Larrys Gedanken wirbelten durcheinander.
„Verdammt, wo bist du, Larry?“
X-RAY-3 trat so abrupt auf die Bremse, dass der Wagen ruckte und ausbrach.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 25, 1. Spalte, 10. Absatz – Seite 26, 1. Spalte, 8. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 45, 1. Absatz – Seite 45, 3. Absatz
„Geh weg!“, schrie Otto. Seine Stimme klang immer noch weinerlich wie die eines Kleinkindes.
Fred hatte seine Hände zu Fäusten geballt und schwang sie um sich herum, was jedoch wenig bedrohlich aussah, eher lächerlich.
Die beiden Männer spürten die Wärme nicht, von der sie plötzlich eingehüllt waren. Ihre vom Alkohol umnebelten Gehirne hatten sich längst vollständig nach innen geklappt. Die weiße Frau zuckte im Sekundentakt um sie herum, bis Freds Augen im wahrsten Sinne des Wortes schräg standen. Er stöhnte und wimmerte, dann ging eine seltsame Verän­derung mit ihm vor. Seine Lippen wurden blass, sein Ge­sicht erbleichte, die zappelnden Bewegungen froren lang­sam ein. Nur wenige Sekunden später stand er steif wie ein Stock neben Otto, der die Veränderung seines Freundes noch nicht mitbekommen hatte. Otto brauchte einige Zeit, um zu bemerken, dass sein Zechkumpan nicht mehr der­selbe von eben war. Als er Freds Metamorphose erkannte, war es bereits zu spät. Freds Körper bestand nur noch aus gefrorenem Eis.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 26, 1. Spalte, 9. Absatz – Seite 26, 2. Spalte, 1. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 45, 4. Absatz – Seite 50, 3. Absatz
Für einen Augenblick hatte Larry geglaubt, die Erde würde sich zu schnell drehen, doch das hochtechnisierte Gefährt hatte seine unüberlegte Handlung längst ausgeglichen. Die Dark Lady lag weiter sicher in der Spur und passierte die Ausfahrt Bad Nauheim.
„Verdammt, was ist bloß los mit mir!“ Larry erschrak vor seinen eigenen Worten. Er hatte diesen Satz nicht nur ge­dacht, sondern förmlich aus sich herausgeschrien.
 „Larry!” Mornas Stimme war nicht mehr wütend, sie klang besorgt. „Was ist passiert?“
„Keine Ahnung. Mir ist plötzlich schlecht geworden.“ Erneut drosselte er die Geschwindigkeit. Hatte er aus Ver­sehen auf das Gaspedal gedrückt? Oder entwickelte die Dark Lady ein Eigenleben? Nun, solange der Wagen alles im Griff hatte, sollte es in Ordnung sein.
„Halt an, Larry!“, forderte ihn Morna aus ihrem Büro in New York auf. „Wir müssen reden.“
„Ich muss weiter!“ Entsetzt lauschte Larry seinen Wor­ten hinterher. Hatte er gekeucht?
„Warum?“ Die Schwedin klang mehr als nur alarmiert. „Verdammt Larry, halt endlich an!“
„X-RAY-1 hat ...“ Larry unterbrach sich. Ein Parkplatz­schild tauchte auf. Die Wetterau. Er blinkte, steuerte den Rastplatz an und schaltete den Motor aus.
Ruhe.
Larry legte seinen Kopf auf das Lenkrad und schloss für einen Moment die Augen.
„Larry?“
Nur einen Moment, bitte ...
„Larry!“
X-RAY-3 blinzelte. Der Regen hatte zugenommen und trommelte auf das Wagendach. Eine dichte Wolkendecke hing über dem Land. Es war stockdunkel. Ein heftiger Wind kam auf.
„Larry, was ist passiert? Warum meldest du dich nicht?“ Im Licht der Parkplatzbeleuchtung sah er einer Plastik­plane hinterher und fühlte sich betrunken.
„LARRY!“
„Ja!“ Er erschrak über das Krächzen in seiner Stimme.
„Bist du verletzt? Ich jag dir den Notarzt auf den Hals. Ich weiß, wo du stehst.“
„Parkplatz Wetterau.“ Die Stimme von X-RAY-3 ver­kümmerte zu einem leisen Flüstern.
„Hast du eigentlich verstanden, was ich vorhin zu dir gesagt habe?“
Larry grunzte Unverständliches.
„Robert hat sich wieder gemeldet.“
„Es gibt doch ...“ Larry musste sich zusammenreißen, um nicht einzuschlafen.
„Er muss ganz in deiner Nähe sein.“
„Unsinn!“ Er stemmte sich mit aller Kraft hoch, kniff sich fest in beide Wangen und fuhr sich dann durch die Haare.
„Doch! Laut unserem Satelliten ist Robert ganz in deiner Nähe.“
Irgendetwas donnerte gegen seinen Wagen. Larry fuhr schreiend zusammen.
Verdammt! Seit wann konnten ihn solche Kleinigkeiten aus der Fassung bringen? Was - ist - nur - los - mit - mir?
Wieder knallte etwas gegen seinen Wagen, diesmal von der anderen Seite. Larry schaltete sämtliche Scheinwerfer der Dark Lady ein. Um ihn herum wurde es taghell. Er spähte nach draußen. Nichts. Außer herumfliegendem, wel­kem Laub konnte er nichts Verdächtiges erkennen. In hun­dert Metern Entfernung leuchteten die bunten Lichter der Raststätte.
„Larry, bitte rede mit mir!“
„Mir geht es gut, Morna.“
Larry hoffte, dass die Schwedin ihn überhaupt hören konnte. Er schluckte. Sein Mund war staubtrocken. Er drehte sich, um zwischen den Sitzen zum Kühlschrank zu kommen, als es erneut knallte. Diesmal auf dem Dach.
„Okay, es reicht!“ Larrys Hand zuckte zum Schulterhols­ter. Und wieder wunderte er sich. So hätte er früher niemals reagiert. Erst einmal nachsehen. Er wollte gerade die Wa­gentür öffnen, als draußen ein dunkler Fleck sichtbar wur­de, der von ganz weit vorne kam, rasch größer und größer wurde, um dann, direkt vor Larrys Augen, gegen die Front­scheibe zu klatschen.
„Changye!“, stöhnte Larry.
Das hässliche Chinesenkind hatte seinen breiten Mund weit aufgerissen und schnitt Grimassen. Eine, höchstens zwei Sekunden, länger dauerte dieses Schauspiel nicht. Dann war das Balg wie auf ein magisches Fingerschnippen hin wieder verschwunden.
„Es ist hier!“, rief Larry laut.
Morna reagierte sofort. „Was denn?“
„Das ... das Kind ... das ... ja, es ist dieses ... Horror-Baby.“
Larry hörte, wie Morna Tausende Kilometer weit ent­fernt in New York aufstöhnte.
„Es hat mich hier gefunden!“
„Hau ab, Larry!“
„Abhauen? Ja, wie denn? Wohin?“
Stille.
Und dann betätigte Larry doch den Startknopf, aber nichts tat sich. Er drückte die Pedale durch, um eine et­waige Störung zu reseten. Starten. Nichts. Starten. Nichts. Dann gingen wie von selbst die Scheinwerfer aus. Fast wütend betätigte Larry einige Tastfelder auf seinem Steuerboard. Wieder ohne Erfolg!
„Hau ab, Larry!“
„Es geht nicht!“ Larry biss sich auf die Unterlippe und schielte nach oben.
„Hau ab, Larry!“ DAS war nicht Mornas Stimme!
„Hau ab, Larry!“ Direkt neben ihm!
X-RAY-3 fuhr herum. Tief in die weiche Polsterung ver­sunken saß das Dämonenkind auf dem Beifahrersitz und äffte ihn nach. Die kleinen Ärmchen tasteten — so wie er eben — durch die Luft, bedienten unsichtbare Felder. Die kurzen Beinchen strampelten auf der Suche nach imaginä­ren Fußpedalen. Dann drehte das Kind ganz langsam sei­nen Kopf. Böse Augen funkelten den PSA-Agenten an. „Hau ab, Larry! Na los, hau schon ab! Schnell!“
Larrys Magen krampfte sich zusammen. Er fühlte nie gekannte Wut in sich aufsteigen. Wo war sie, die kühle, be­rechnende Gelassenheit vergangener Tage?
Das Baby legte seinen Kopf schief und grinste diabolisch. „Och, Larry ... Hau doch ab! Nun mach schon!“ Das dünne Stimmchen troff nur so vor Hohn. „Ach, hau doch ab ... bütte, bütte ...“
Larry schaffte es, sich zusammenzureißen. „Changye!“ „Laaaaary!“, dehnte das Dämonenkind seinen Namen. „Versuchst du, mich zu provozieren?“
„Ich?“ Changye zog eine unschuldige Grimasse, hob beide Schultern an und breitete die Hände aus. „Nö!“
„Ich schlage keine kleinen Kinder, Changye.“
„Hm ...“ Changye wiegte ihren übergroßen Kopf hin und her. „Hm ...“ Dann explodierte das kleine Wesen förmlich. „HAU AB, LARRY!“
„Halt aus, Larry!“, platzte Mornas Stimme aus den Laut­sprechern. „Hilfe ist unterwegs!“
„Zu dir komme ich auch noch, du dämliche Blondine!”, kreischte Changye, wobei ihre Zunge in dem breiten, zahn­losen Mund hin und her flatterte.
Larry schlug ansatzlos zu, doch bevor er den kleinen Kör­per treffen konnte, hatte sich Changye längst entmateria­lisiert. Larrys Faust rammte mit Wucht in das weiche Pols­ter des Beifahrersitzes.
Genau, wie Iwan es mir erzählt hat!, waren Larrys letzte Gedanken, bevor im Cockpit der Dark Lady die Hölle los­brach.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 26, 2. Spalte, 2. Absatz – Seite 28, 2. Spalte, 2. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 50, 4. Absatz – Seite 51, 2. Absatz
Tobi hatte drei Meter über dem Geschehen alles mitbekom­men. Ihm war schlecht. Der Mann dort unten reflektierte das Laternenlicht wie lupenreines Eis. Wo die Kleidung den Körper nicht bedeckte, waren Blutbahnen zu erkennen. Tobi sah die Halsschlagader und erkannte einen Teil des Gehirns unter der fransigen Frisur des Mannes, der zum menschlichen Eisblock geworden war.
Der Student stieß sich vom Geländer ab und rannte wie von Sinnen Richtung Bahnhofsvorplatz. Dann zischte es — und vor ihm stand die weiße Frau. Der Schrei, den Tobi ausstieß, erstickte in einem dumpfen Glucksen. Tobi brems­te seinen Lauf so abrupt ab, dass seine weichen Knie nach­gaben. Mit einem Stöhnen fiel er zu Boden. Es zischte erneut, und die Frau war verschwunden.
„Oh Gott! Oh Gott!“ Tobi rappelte sich wieder hoch und spurtete los. Vom Taxi aus konnte er über die Zentrale Hilfe rufen. Er jagte mit aller Kraft über den Asphalt. Das Sei­tenstechen setzte schon nach wenigen Sekunden ein, seine Lunge schmerzte, als stünde sie unter Feuer, sein Magen rebellierte. Nur noch wenige Meter.
Dann sah er die weiße Frau wieder. Sie saß auf seinem Wagen und starrte ihn an.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 28, 2. Spalte, 3. – 6. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“
Seite 52, 6. Absatz – Seite 53, 1. Absatz
Otto spürte, wie nah sein Organismus einem Gesamtkol­laps war. Seine Gedanken fuhren nicht nur Achterbahn, sie befanden sich im Dauerschleudergang. Otto verstand die Welt nicht mehr. Ein Bier, ein Korn, das ließ sich greifen und verarbeiten. Doch was eben um ihn herum geschehen war, konnte ein normaler Menschenverstand ganz sicher nicht aufnehmen.
„Fred! Warum ... warum tust du das?“
Doch Fred war starr, kalt und tot. Er konnte keine Ant­wort mehr geben.
„Fred!“ Ottos Hände fuchtelten sinnlos in der Luft he­rum und stupsten seinen Freund an. Die steife Figur geriet durch den leichten Stoß aus dem Gleichgewicht, wankte und kippte dann seitlich nach vorn, um laut krachend in unzählige Eisstücke zu zersplittern.
Otto wurde von einem gewaltigen Gedankenwust über­fahren. Seine Augen flackerten wie Glutfäden in einem lodernden Feuer hin und her. Er sackte schnaufend in sich zusammen, und dann versank die Welt um ihn herum in wohliger Ruhe. Zurück blieb der Schwur, für immer und ewig die Finger vom Alkohol zu lassen. Er kicherte irre. „Danach fühlt man sich immer so zerschlagen ...“ Die Worte tropften zäh über seine Lippen.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 29, 1. Spalte, 8. Absatz – Seite 30, 1. Spalte, 5. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.


Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 53, 2. Absatz – Seite 55, 7. Absatz
X-RAY-3 glaubte, in den Hades gefahren zu sein. Um ihn herum tobte ein Orkan aus Bewegung und Licht. Über und neben ihm ratterte und knatterte es. So stellte er sich das Jüngste Gericht vor.
Der PSA-Agent musste seine Augen schließen, als grel­les Scheinwerferlicht schneidend in das Cockpit seines Wagens drang. Hinter den nach außen hin verspiegelten Seitenscheiben konnte er die leuchtenden Anzüge einiger Notärzte erkennen. Sie sprangen aufgeregt hin und her, ver­suchten vergeblich, einen Blick ins Innere des Wohnmobils zu erhaschen, und klopften immer wieder an beide Türen. Direkt vor ihm landete ein Polizeihubschrauber, ein weite­rer kreiste in nur wenigen Metern Höhe über dem Park­platz. Larry konnte die zuckenden Schatten der Rotoren erkennen, die die Menschen vor und neben der Dark Lady wie Tänzer in einer Spotlight-Disco erscheinen ließen.
Vorsichtig kontrollierte der PSA-Agent seine nähere Umgebung. Das Dämonengeschöpf war verschwunden. Es hatte sich offenbar in dem konzentrierten Luftwirbel auf­gelöst, den es kurz zuvor entfacht hatte. Larry war für Sekunden wie durch einen Fleischwolf gedreht worden. Glücklicherweise hatte er alles relativ unbeschadet überstan­den. Keine offenen Wunden, keine gebrochenen Knochen, sogar seine Laserwaffe steckte noch im Holster. Bis auf höl­lische Gliederschmerzen fühlte sich der PSA-Agent wieder einigermaßen fit.
Larry aktivierte seine letzte Verbindung zur PSA-Zentrale. „Morna?“
„Larry! Gott sei Dank! Ist mit dir alles in Ordnung?“
„Ja. Das nervige Kleinkind scheint nicht mehr hier zu sein.“
„Bist du verletzt?“
„Ich glaube nicht. Um mich herum tobt ein Heer von Rettungskräften und wartet auf Einlass. Ich werde mich dem Volk mal zeigen.“
„Tun Sie das, X-RAY-3!“, funkte die Stimme von David Gallun dazwischen. „Checken Sie Ihren Wagen, danach erwarte ich einen Bericht.“
Larry öffnete die von innen verriegelte Tür, und sofort stürzten sich die Sanitäter auf ihn. Zwei Männer führten ihn zu einer mobilen Krankenstation, wo er sich auf eine bereitstehende Liege legte und die folgenden Untersuchun­gen mit stoischer Ruhe über sich ergehen ließ. Nach und nach entspannte sich die Lage auf dem Rastplatz. Der krei­sende Polizeihubschrauber zog ab, eine Viertelstunde spä­ter startete auch der zweite. X-RAY-1 dirigierte das Ge­schehen mit gewohnter Perfektion von seiner Zentrale in New York aus.
„Mir geht es gut“, betonte Larry immer wieder. „Vielen Dank für Ihre Hilfe!“
Die Ärzte nickten, noch immer skeptisch; offenbar hatte man ihnen die Lage vor Ort völlig anders geschildert. Den­noch mussten sie einsehen, dass sie es hier mit einer kern­gesunden und unverletzten Person zu tun hatten. Der aktu­ellen Order entsprechend waren weitere Maßnahmen nicht nötig, und so gab man Larry die Freiheit zurück.
Eine Stunde später war dieser reale Spuk vorbei, und Larry stand wieder fast alleine auf dem Rastplatz Wetterau. Lediglich ein paar Schaulustige gingen in einiger Entfer­nung zu ihm noch auf und ab und beäugten neugierig das auffällige Wohnmobil. Nachdem Larry den hinteren Be­reich der Dark Lady sehr genau untersucht hatte, setzte er sich wieder in sein Cockpit, startete den Wagen und bog auf die Autobahn Richtung Gambacher Kreuz.
„Sir!“
„Ich höre.“
„Changye, das Kind von Doktor X und Doktor Tschang Fu, ist nicht mehr hier. Während mich die Notärzte unter­sucht haben, haben Polizisten die Dark Lady durchge­checkt. Ohne Erfolg.“
„Gut, Larry. Haben Sie eine Erklärung für den Funk­spruch des X-RAY-8-Rings? Er kam aus Ihrer direkten Nähe.“
„Nein, Sir. Keine Erklärung.“

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 30, 1. Spalte, 6. Absatz – Seite 31, 1. Spalte, 3. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.


Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 55, 8. Absatz – Seite 56, 5. Absatz
„Hau ab!“, würgte Tobi aus sich heraus. Er spürte die Bli­cke der Frau sengend in seinem Kopf: „Haaa! Geh weg!“ Es sollte ein wütendes, energisches Rufen werden, doch seine Worte verkümmerten zu nicht kontrollierbaren Jammerlau­ten. Hilfesuchend sah sich Tobi um, aber auf dem tagsüber so belebten Bahnhofsvorplatz war keine Menschenseele zu sehen. Die ersten Berufspendler sollten eigentlich längst da sein, doch niemand zeigte sich.
Der Student zwang sich zur Ruhe. Sein Handy! Damit konnte er Hilfe herbeirufen. 110. Die Polizei war immer schnell vor Ort und würde ... „Scheiße!“, fluchte er, als ihm einfiel, dass sein Handy im Handschuhfach seines Taxis lag — und auf dem Autodach hockte noch immer diese grässliche Frau. Sie saß nur da, rührte sich nicht und starrte ihn stumm aus ihren tiefschwarzen Augen an.
„Gehen Sie da runter ... Bitte!“ Tobi schaffte es, seiner Stimme wieder einen festen Klang zu geben. Dennoch hatte der Schock seine Gedankenwelt fest im Griff. Nüchtern betrachtet war es völlig unmöglich, dass sich jemand in Sekundenbruchteilen zwischen zwei Orten hin und her bewegen konnte, die mehrere Meter voneinander entfernt lagen. Und warum sollte eine nur leicht bekleidete Frau auf einem Autodach sitzen? Das ergab wenig Sinn.
Doch Tobi beschränkte sich auf das Wesentliche. „Run­ter da! BITTE!“
Dann rauschte und zischte es. Die Frau flog auf ihn zu, raste mitten durch seinen Körper hindurch und ver­schwand. Wie eine abgeschnittene Marionette klappte Tobi zu Boden und blieb mit verrenkten Gliedmaßen liegen.

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 31, 1. Spalte, 4. Absatz – Seite 31, 2. Spalte, 3. Absatz
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Seite 63, 2. Absatz – Seite 68, 10. Absatz
„Er hat sich wieder gemeldet, Larry.“
Larry wollte nicht, doch er konnte nicht anders und fragte: „Wer?“
Er hörte Morna schnaufen. „X-RAY-8! Eine Nachricht von Robert!“
„Wieder aus meiner unmittelbaren Nähe?“
„Diesmal nicht ganz. Etwa fünfzig Kilometer von deinem Standort entfernt. Ich gebe die Daten gerade in deinen Bordcomputer ein.“
Larry suchte nach einem Grund, um sich vor dieser Fahndung zu drücken. „Sicher wieder nur ein Fehlalarm, der ins Nichts führt.“
„Larry!“ Morna wurde in New York energisch. „Genau aus diesem Grund bist du doch nach Deutschland gereist! Was soll das? So kenne ich dich nicht.“
„Diese Funksprüche führen definitiv in die Irre. Sie kamen zuvor aus einem Umkreis, aus dem sie nie hätten kommen können. Da war ich. Nur ich. Ich bin X-RAY-3 und nicht X-RAY-8. Außerdem habe ich meinen Ring seit Tagen nicht mehr benutzt.“
„Larry, es geht offenbar auch um ...“ Morna brach un­vermittelt ab. „Ich hab dir den genauen Wortlaut auf dei­nen Arbeitsplatz gelegt.“ Plötzlich klang sie ungewöhnlich bitter. „Du hast die Koordinaten. Fahr einfach! Schnell!“
Das Navigationssystem lotste ihn am Leimbachstadion der Sportfreunde Siegen vorbei Richtung Autobahn. Larry hielt sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen und hatte Zeit genug, die von Morna weitergeleitete Botschaft auf seinem Pad zu lesen. Die Nachricht bestand nur aus einer einzigen Zeile.
Dodo ist in Gefahr! Hilft! X-RAY-8
Larry durchfuhr ein eiskalter Schlag. Er befand sich bereits auf dem Zubringer. „Warum hast du das nicht eher gesagt, Morna!“, schrie er durch das Cockpit, während er Vollgas gab.
Anstelle der Schwedin meldete sich die Stimme von Iwan: „Morna ist wie weggetreten, Larry. Ich weiß nicht, was mit ihr los ist.“
„Was?“ Sie benimmt sich genau wie ich, durchzuckte es Larry. Verdammt, was ist das nur?
Mit hoher Geschwindigkeit donnerte er zwischen zwei LKWs hindurch auf die Autobahn Richtung Gießen und beschleunigte auf der äußersten linken Spur auf über zwei­hundert Stundenkilometer. Geschwindigkeitsbegrenzungen kümmerten ihn nicht mehr. Larry aktivierte die für solche Fälle in der Dark Lady eingebaute Blitzleuchte, die auf Knopfdruck aus dem Wagendach klappte, und beschleu­nigte weiter.

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An der Ausfahrt Dillenburg musste X-RAY-3 die Auto­bahn verlassen. Die Dark Lady rauschte weiter in Rich­tung Biedenkopf. Bedingt durch zwei Abbiegespuren wurde die Straße vierspurig. Der PSA-Agent besaß dank seines ungewöhnlichen Gefährts und der rotierenden Blitzleuchte die volle Aufmerksamkeit der anderen Ver­kehrsteilnehmer und konnte sich so zwischen den einzel­nen Fahrzeugen durch die erste, auf Rot stehende Ampelanlage hindurchmanövrieren. Drei weitere Ampeln folgten. Sie alle zeigten grünes Licht, und Larry beschleu­nigte wieder, bis sich die Straße zu einer einzigen Spur ver­engte.
Die Dark Lady schoss an einem Stahlwerk, dann an einem Baumarkt vorbei, doch der PSA-Agent musste die rasante Geschwindigkeit alsbald erneut drosseln, als er einen Kreisverkehr erreichte. Es begann wieder zu nieseln. An diesem Tag wollte es offenbar nicht richtig hell werden. Die nächste Ortschaft ließ sich durch die stark befahrene Straße nur schwerlich passieren.
„Larry?“ Es war Mornas Stimme.
„Was ist?“, fragte Larry und starrte verbissen in eine ihn böse anblitzende mobile Radarstation. Statt abzubremsen, gab X-RAY-3 Vollgas. Der Insasse des getarnten Radarwa­gens lugte verschüchtert aus seinem Seitenfenster, als die Dark Lady mit dem Geräusch eines startenden Flugzeugs an ihm vorbeischoss.
„Alles klar bei dir?“
„Ich weiß es nicht, Morna. Hast du noch eine Nachricht bekommen?“
„Nein.“
„Warum hast du nicht sofort gesagt, dass es sich um Dodo handelt?“
„Ich ... ich habe keine Erklärung dafür“, klang es klein­laut aus den Lautsprechern. „Es ist alles so ... unwirklich.“ Larry hörte seine Kollegin tief seufzen. „Außerdem, wie soll Dodo nach Deutschland gekommen sein? Das ist doch völ­lig unmöglich.“
„Ich hab sie seit Wochen nicht mehr gesehen“, entgeg­nete Larry bitter.
Morna schwieg für einen Moment, dann sagte sie: „Das wusste ich nicht, Larry.“
„Seit Robert verschwunden ist, ist auch Dodo nicht mehr aufgetaucht.“
Es klackte. Die Verbindung war wieder getrennt.
Wenig später meldete sich das Navigationssystem: „Rechts abbiegen. Ziel erreicht.“
„Perfstausee“, murmelte Larry, als er auf den in großen Grashügeln eingebetteten Parkplatz einbog und die Satellitenverbindung zur Zentrale in New York aktivierte. „Ich bin da. Gibt es neue Informationen?“
Diesmal kam Iwans Stimme aus den Lautsprechern. „Nein, Larry.“
„Wo ist Morna?“
„Sie hat ihr Büro verlassen. Offenbar geht es ihr nicht gut.“
„Was ist mit ihr?“, fragte Larry und fuhr die Systeme der Dark Lady herunter.
„Keine Ahnung, Towarischtsch. Sie benimmt sich merk­würdig.“
„Ich mach mich auf die Suche. Sollte etwas sein, könnt ihr mich über meine Com erreichen.“ Larry wartete Iwans Antwort nicht mehr ab und sprang aus dem Wagen. Mit seiner in der Jacke eingehängten Fernbedienung verriegelte er die Dark Lady.
Der Regen hatte zugenommen. Hier hatte man den Ruf von X-RAY-8 also geortet. Larry konnte, als er sich rasch in Richtung See bewegte, ein Restaurant erkennen. Nur müh­sam schaffte er es, sich auf die zwei Personen zu konzentrie­ren, die er an diesem Ort finden wollte.
... Robert ...
... mein Bruder Robert ...
... und Dodo
... meine Freundin ...
Beide Personen kannte er von klein auf, und doch waren sie seltsam verschwommen, als hätte es sie nie gegeben. Und seit dem Verschwinden der zwei — merkwürdigerweise zur gleichen Zeit — war die Erinnerung vollkommen verblasst. Die Zusammenhänge in der Vergangenheit ließen sich für ihn überhaupt nicht mehr herstellen. Larry stöhnte und massierte seine Stirn. Irgendetwas lief hier gewaltig falsch. Aber was? Was war mit Robert? Was war mit Dodo? Und was passiert mit mir ...?
Ein weit entfernter Schrei ließ ihn aufhorchen. Larry hatte die Anhöhe des Restaurants erreicht. Die gegenüber­liegende Seite des Stausees war bis an den Rand bewaldet. In nordöstlicher Richtung erkannte Larry undeutlich ein Boot, direkt in Landnähe. Wer oder was sich darin befand, ließ sich von seiner Position allerdings nicht ausmachen. Hastig nestelte er sein elektronisches Fernglas hervor und schaltete es ein. Die Funktionen wurden aktiviert, und Larry spähte durch das Glas. Schnell hatte er sein Ziel erfasst.
„Dodo!“, entfuhr es ihm. „Verdammt! Dodo!“
Er zoomte näher heran. Im Boot lag tatsächlich seine Freundin! Sie trug das grüne, rückenfreie Kleid, das er ihr erst vor Kurzem geschenkt und in dem er sie zuletzt gese­hen hatte ... zumindest glaubte er, sich vage daran zu erinnern. Verdammt, wie kam sie hierher? Und warum bewegte sie sich nicht mehr?
„Dodo!“
Larry schrie aus Leibeskräften, während er längst zu lau­fen begonnen hatte. Wie ein Wettkämpfer spurtete er den geteerten Weg auf der Wiese entlang, der offenbar den gesamten Stausee umspannte.
„Dodo!“
Du hast doch eben noch geschrien! Warum rührst du dich jetzt nicht mehr? Ohne seine Geschwindigkeit zu verringern, hielt er sich erneut das Fernglas vor die Augen. Larry befand sich zwar immer noch sehr weit von der Stelle entfernt, an der das Boot ruhig im Wasser dahintrieb, doch er hatte sich inzwischen so weit genähert, dass sein Gerät schärfere Bil­der liefern konnte. Ihn schauderte, als er Blut auf Dodos nacktem Rücken erkannte.
„Dodo ... nein ... bitte nicht!“
Verbissen hetzte er weiter. In Abständen blickte er immer wieder durch sein Fernglas. Dann blieb er abrupt stehen. Hatte sie sich bewegt? Doch, ja! Ihr Körper wackelte hin und her, blieb jedoch seltsam schlaff. Verdammt, da war noch etwas im Boot!
Larry rannte wieder los, ohne das Fernglas abzusetzen. Plötzlich rutschte Dodos Körper zur Seite, und eine Gestalt wurde sichtbar.
Das Horror-Baby!
Das kleine Dämonengeschöpf starrte mit seinen bösen Augen genau in Larrys Richtung. Die kugelrunde Fratze leuchtete blutverschmiert. 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 33, 1. Spalte, 4. Absatz – Seite 37, 2. Spalte, 6. AbsatzEs folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.


Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 69, 1. Absatz – Seite 71, 3. Absatz
X-RAY-3 lief und lief, wie eine Maschine. In seinem Kopf dröhnten noch immer Dodos Schreie, obwohl ihr Körper leblos im Boot lag. Sie konnte nicht mehr rufen. Die Qua­len der Vergangenheit tobten in Larry, all das erlebte Grauen schien sich zu manifestieren, ließ ihn fast wahnsin­nig werden.
Die Kälte schlug erbarmungslos über seinem Kopf zusammen, als er sich brüllend ins eisige Wasser stürzte und dabei beinahe die Besinnung verlor. Wütend bog sich sein Körper aus den Fluten, dann wühlte sich der PSA-Agent mit langen Armschlägen durch den Stausee. Ab und zu nahm Larry die kleine Dämonenfratze wahr, die ihn über den Bootsrand hinweg hämisch angrinste. Das grausame Horror-Baby schien sich über ihn lustig zu machen, wäh­rend er sich Meter um Meter dem Ruderboot näherte. Dodo war aus dieser Position natürlich nicht mehr zu erkennen, doch das Monsterkind lachte ihm schadenfroh entgegen und schien sich diebisch zu freuen.
Verbissen arbeitete sich der PSA-Agent durch die Eises­kälte, seine Lungen schmerzten, die Muskeln glühten wie unter Feuer. Mit jeder Schwimmbewegung spürte Larry ein Stechen hinter seiner Stirn, und sein gesamter Körper begann sich allmählich zu verkrampfen. Weiter! Nur nicht aufgeben!
Dumpf krachte Larrys Kopf gegen die Holzwand des Bootes. Sofort krallte er seine Hände an den mit Alumi­nium verkleideten Bootsrand, um sich im nächsten Au­genblick mit einem kraftvollen Ruck nach oben zu ziehen. Sein Körper fuhr wie ein Geschoss ins Innere des Kahns, doch der PSA-Agent traf nicht wie erwartet auf Wider­stand, sondern landete hart und ungebremst auf blankem Holz. Noch während des Fallens, tausendmal geübt und erprobt, hatte Larry seinen Laser aus dem Holster gezogen.
Mit einer blitzschnellen Drehbewegung brachte sich X-RAY-3 in Kampfposition und sah sich schnaufend um — doch das kleine Boot war leer. Nichts! Nicht der kleinste Tropfen Blut war zu sehen, der darauf hingedeutet hätte, dass zuvor eine verletzte junge Frau hier gewesen sein könnte. Seine Freundin lag nicht mehr drin, und auch von dem Horror-Baby war nichts mehr zu entdecken.
„DODO!“, brüllte Larry über den See, als er die Lage erfasste.
Ein Vogel kreischte und flatterte davon, doch nirgendwo sonst regte sich etwas. Niemand schien ihn zu hören. Ledig­lich der Wind fuhr leise rauschend durch den nahen Wald.
Larry schüttelte sich wie ein Hund, dann drückte er seine Waffe ins Holster zurück. Dabei bemerkte er seine blin­kende Com. „An!“
Das Blinken erlosch, wurde gleichmäßig.
„Ja?“
„Brüderchen!“ Iwans Stimme klang besorgt. „Was ist pas­siert?“
„Ich habe Dodo gesehen ... genauer gesagt, ihren leblo­sen Körper.“
„Dodo? Du hast sie tatsächlich gefunden?“
„Ja und nein. Sie ist wieder verschwunden.“
Während Larry mit dem Boot quer über den See ruderte, um sich den Umweg am Ufer zu ersparen, erzählte er sei­nem Freund und Kollegen das eben Erlebte.
„Kein X-RAY-8? Dafür das Kind der Doktoren?“, fragte Iwan, als er geendet hatte.
„Ja.“
„Dieses Höllengeschöpf! Und wir haben nicht die ge­ringste Ahnung, wozu dieser Wicht sonst noch fähig ist.“
Larry hatte unterdessen einen kleinen Steg erreicht und sprang an Land. Von hier aus war es nicht mehr weit bis zur Dark Lady. 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 37, 2. Spalte, 7. Absatz – Seite 38, 2. Spalte, 11. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 71, 10. Absatz – Seite 73, 10. Absatz
In Mornas Büro herrschte bedrückende Stille. Iwan saß neben ihr verkehrt herum auf einem Bürostuhl, die Arme auf der Lehne verschränkt. Der struppige, dunkelrote Bart des Russen kräuselte sich über sein Holzfällerhemd.
„Hier hat es jemand ganz gezielt auf uns abgesehen“, meinte X-RAY-7. „Diesmal werden nicht wir gerufen, dies­mal sollten eigentlich wir um Hilfe rufen.“
Morna unterbrach ihre Kritzeleien auf der Schreibtisch-unterlage und sah den Russen an. „Für uns gibt es nieman­den, Iwan.“
„Ja, Morna, ich weiß ... für uns gibt es niemanden“, murmelte er leise. „Wir sind auf uns allein gestellt.“
„Hinter alldem steckt das Dämonenkind.“
Iwan nickte. „Dieses bizarre Horror-Baby ist für uns eine nicht kalkulierbare Größe. Wir sollten dieses Wesen keines­falls unterschätzen.“
„Du hast ja bereits deine Erfahrungen mit ihm gemacht.“
„Und die waren nicht schön, wirklich nicht!“ Iwan machte eine Pause und schien sich an das Erlebte zu erin­nern. „Es hat sogar meine Zigaretten geraucht.“
Morna zog ein gespielt empörtes Gesicht. „Nein, wirk­lich?“
„Tatsache!“
„Dann ist es allerdings ein unkalkulierbares Schwerge­wicht für uns.“
„Sogar zwei Zigaretten gleichzeitig!“ Dem Russen war nicht anzumerken, ob er auf Mornas Spötteleien einging oder ob ihm dieses Erlebnis wirklich so naheging.
„Die Babykönigin der Dämonen!“, rief Morna aus und verdrehte ihre Augen.
„Wenn dieses qualmende Gör jetzt hier wäre, dann ...“ Iwan schlug mit der Faust in seine Hand. „Ich würde es in Stücke schlagen.“
„Das hättest du mal direkt machen sollen, als du die Gelegenheit dazu hattest.“
Der Russe winkte ab. „Was ist eigentlich mit diesem Robert Kane? Ich hab ihn ja auch nie gesehen, aber irgend­wie hast du mir das Gefühl vermittelt, dass ihr euch ... wie soll ich sagen ... nähergekommen seid. Hm?“
Morna stierte düster vor sich hin und schwieg.
„Hast du nicht vorhin gesagt, dass dieser Robert vielleicht tot ist? Dich scheint das alles plötzlich nicht mehr zu belas­ten, Morna. Irgendwie merkwürdig ...“
Die Schwedin wirkte von einer Sekunde zur anderen geistesabwesend.
Iwan richtete sich auf. „Morna?“ Als sie nicht reagierte, schnippte er einige Male mit den Fingern. „Hallo! Morna!“ Die Schwedin presste ihre Lippen aufeinander.
„Und was ist mit dieser Dodo? Verflixt, die habe ich auch nie kennengelernt.“
X-GIRL-C sah aufgewühlt aus, doch sie schwieg und wollte offenbar von diesem Thema nichts mehr wissen.
„He, Morna! Rede mit mir!“
Die blonde Schwedin schien sich plötzlich wie unter Schmerzen zu winden. „Ich ... ich ... kann mich kaum noch an Robert erinnern. Es ist ... furchtbar. Sein Bild ... mein Gefühl an ihn ... es fließt ... aus meiner Seele.“ 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 38, 2. Spalte, 12. Absatz – Seite 39, 2. Spalte, 1. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 73, 11. Absatz – Seite 77, 4. Absatz
Larry legte den Rückweg zu seinem Hotel wie in Trance zurück. Der sympathischen Stimme seiner Navigation gehorchte er mechanisch, ohne wie sonst auf Einzelheiten in der Umgebung zu achten. Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als ihn der Satz „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ zurück in die Realität holte. Der PSA-Agent parkte und wankte dann mit schweren Schritten durch die Hotelhalle.
Als er den Gang zu den Gästezimmern erreichte, spürte er, wie ihn jemand an der Schulter berührte.
„Herr Brent?“
X-RAY-3 fuhr herum. „Ja?“ Im selben Moment wurde ihm bewusst, wie seine Aufmachung und sein Verhalten —durchnässte Kleidung, schwankender Gang — auf Außen­stehende wirken musste. „Ich bin völlig nüchtern“, sagte er schnell. „Hatte nur einen kleinen Unfall.“
„Das tut mir leid.“ Der Mann wirkte aufrichtig betrof­fen. „Mein Name ist Rensenbrink. Ich gehöre zum Ma­nagement dieses Hotels. Geht es Ihnen gut?“
„Danke, mir geht es gut“, sagte Larry mit großer Be­stimmtheit und hoffte, dass die Angelegenheit damit erle­digt wäre. Sein Gegenüber jedoch hatte offenbar einen ganz anderen Grund, ihn anzusprechen.
„Herr Brent, wir möchten nur eine Sache klären ...“ Larry musterte den Mann misstrauisch. „Was gibt es denn, Herr Rensenbrink?“
„Sie haben eine Wand in Ihrem Zimmer verunstaltet ... zumindest gehen wir davon aus, dass Sie es waren, Herr Brent, weil außer dem Hotelpersonal niemand sonst Zugang zu Ihren Räumen hatte. Möchten Sie dazu etwas sagen?“
Der PSA-Agent war perplex. „Verunstaltet?“
„Mit einer Farbspraydose.“
Die Lethargie, die eben noch wie seine nassen Kleider an ihm geklebt hatte, war von einer Sekunde zur anderen ver­schwunden. X-RAY-3 war wieder der smarte Psycho-Agent.
„Das muss ein Irrtum sein. Ich besprühe in der Regel keine Wände.“
„Dürfen wir es uns gemeinsam ansehen?“, fragte Rensenbrink bereits eine Spur freundlicher.
„Ich bitte sogar darum!“
Larry schritt energisch voran. Er erreichte sein Zimmer, das ebenerdig lag, öffnete die Tür — und erstarrte. Direkt gegenüber auf der weißen Wand, fast wie gewollt von zwei schmalen Stehlampen eingerahmt, prangte in fetten Druck­buchstaben ein Satz.
SIE IST ZURÜCK S
Die Farbe stammte offensichtlich aus einer Sprühflasche, wie sie von Graffitikünstlern benutzt wurde.
„Wenn das nicht Ihr Werk ist, Herr Brent“, sagte Rensenbrink, „wer war es dann?“
Der PSA-Agent zuckte mit den Schultern. „Ich habe nicht die geringste Ahnung, mein Freund. Im Augenblick kann ich mir noch nicht einmal vorstellen, was dieser Satz bedeuten soll.“
„Und Sie sind sich absolut sicher, dass nicht Sie ...“
„Ja!“, schnitt Larry dem Hotelangestellten das Wort ab und sah den Mann missbilligend an.
„Bei uns ist es völlig unmöglich, dass jemand hier unbe­merkt durchs Haus läuft.“
„Ich war es jedenfalls nicht!“
Rensenbrink nickte nachdenklich und ging ins Badezim­mer, kam wieder zurück und hielt eine Spraydose in der Hand. „Ist das Ihr Eigentum, Herr Brent?“
„Nein, ist es nicht.“ Larry betrachtete die Dose. „Jetzt sind Ihre Fingerabdrücke drauf, meine ganz sicher nicht.“
Rensenbrink sah betreten zwischen der Sprühdose und Larry hin und her. „Nun ja ... die Spurensicherung woll­ten wir eigentlich nicht rufen ...“
Larry schmunzelte. „Irgendjemand muss die Renovie­rung am Ende bezahlen, hm?“ Er fingerte eine Klarsichtfolie aus der Innentasche seiner Lederjacke und nahm da­mit dem Mann die Dose aus der Hand. „So, das werden wir uns mal näher ansehen.“
Rensenbrink staunte. „Sie wollen es untersuchen? Aber ...“ „Ich will natürlich auch den Hintergrund dieser Aktion klären.“
„Sind Sie etwa von der Polizei?“
„So ähnlich. Bitte überlassen Sie alles Weitere mir. Ich werde dafür sorgen, dass Ihr Hotel den Schaden nicht tra­gen muss.“
Rensenbrink schaute sichtlich erleichtert drein.
„Und keine Angst, was mich betrifft. Im Augenblick sehe ich zwar etwas desolat aus, doch ich habe das Hotelzimmer ganz sicher nicht bekleckert. Allerdings finde ich eines sehr merkwürdig.“
„Und das wäre?“
„Sehen Sie hier ... nach dem S ... da hat sich ein feiner Farbfilm gebildet, der nach unten spitz zuläuft. Es sieht für mich ganz so aus, als sollten noch weitere Buchstaben fol­gen.“
„Der ... Künstler ... ist demnach wohl gestört worden“, sprach Rensenbrink die Gedanken aus, die auch Larry zuvor durch den Kopf gegangen waren.
„Korrekt. Wenn jemand bei einer solchen Aktion gestört wird, warum nimmt er ... oder sie ... sich dann noch die Zeit, das Tatwerkzeug im Badezimmer zu deponieren?“
„Da haben Sie allerdings recht, Herr Brent“, stimmte Rensenbrink Larry zu. „Das macht in der Tat keinen Sinn.“
„Vielleicht glaubte er sich entdeckt, hat sich dann dort versteckt und die Dose bei seiner späteren Flucht verges­sen.“
„Durchaus möglich.“ Das Gesicht des Mannes hellte sich weiter auf. „Ich sehe ein, Herr Brent, dass Sie gewiss nicht zu solchen Schmierereien fähig sind. Aber vielleicht hat die­ser Vandalenakt dennoch etwas mit Ihrer Person zu tun ... Ich meine, wenn jemand explizit Ihr Zimmer aufsucht und verunstaltet ... obwohl ich mir immer noch nicht vorstel­len kann, dass jemand unbemerkt ...“
„Ich werde mir darüber Gedanken machen.“ Larry nickte Richtung Tür. „Und ich werde Ihnen Bescheid geben, so­bald ich etwas herausgefunden habe.“
„Danke, Herr Brent!“ Rensenbrink deutete eine Verbeu­gung an. Der PSA-Agent war somit offenbar rehabilitiert.
Nachdem Rensenbrink sein Zimmer verlassen hatte, ent­kleidete sich Larry und gönnte sich eine lange, heiße Du­sche. Als er die Duschkabine wieder verließ, begannen die Schmerzen. 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 39, 2. Spalte, 2. Absatz – Seite 41, 1. Spalte, 4. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 77, 5. Absatz – Seite 79, 12. Absatz
„Ich hab wirklich keinen Hunger.“
Morna saß kreidebleich in ihrem Bürosessel. Sie hatte sich geweigert, mit Iwan die Kantine aufzusuchen, also war der Russe losgezogen und hatte ihr eine heiße Suppe mit Fleischeinlage und ein Käsebrötchen besorgt.
„Aber du musst was essen, Schwedenmädel!“, insistierte Iwan und schob den Teller noch ein Stück weiter in ihre Richtung.
Morna zeigte eine erste Reaktion, indem sie den Löffel in die Hand nahm und ein kleines Würstchen schwindelig rührte.
„Du bist käseweiß“, meinte der Russe besorgt.
„Dann wäre dieses Brötchen doch eher kontraproduktiv.” „War das ein Witz? Ha-ha-ha! Dann ist es gut. Ich hab mir schon Sorgen gemacht.“
X-GIRL-C ließ den Löffel in ihre Suppe fallen, dass es nur so spritzte. „Ich mache mir Sorgen, Iwan! Ernsthafte Sorgen, und zwar um uns alle. Mich eingeschlossen. Mit mir stimmt etwas nicht. In mir geht etwas vor ...“
Iwan baute sich vor ihr auf. „Okay, bis hierhin und nicht weiter! Das war eine klare Ansage, Morna. Du gehst jetzt mit mir zu den Psycho-Docs, dann lassen wir uns mal so richtig auf den Kopf stellen, hm?“
„Hör auf mit dem Quatsch, Iwan“, entgegnete Morna müde. „Was soll das bringen?“
„Ich meine es ernst. Die finden raus, wenn es was gibt.“
„Vergiss es! In meinem tiefsten Inneren läuft irgendetwas schief. Soll ich meine Seele zum Röntgen rausziehen, oder was stellst du dir vor?“
„Mir geht es außer meiner Wut auf das Dämonenbalg recht gut. Aber bei dir und Larry ... da liegt was ganz ge­waltig im Argen.“
Die blonde Schwedin nickte. „Das sehe ich ähnlich. Und genau da werden wir ansetzen.“ Sie erhob sich und biss in ihr Käsebrötchen. „Wir müssen zu Iarry. Ich spüre, dass ich unbedingt bei ihm sein sollte.“
Wie auf Befehl meldete sich X-RAY-1 über die Sprech­anlage in Mornas Büro: „Meinen Segen haben Sie, X-GIRL-C.“
Morna und Iwan wechselten einen kurzen Blick und seufzten.
„Bitte keine langen Gesichter ziehen, Leute!“ Galluns Stimme war so klar zu vernehmen, als stünde er gemeinsam mit den beiden im Raum. „Hier in meiner PSA sehe und höre ich alles!“
Iwan breitete beschwichtigend die Arme aus und drehte sich im Kreis. „Wir haben doch nichts gesagt, Sir! Also, wie war das jetzt? Nur Morna soll nach Deutschland?“
„Korrekt. Sie bleiben hier bei mir, X-RAY-7. Mein Krib­beln im Hinterkopf weist mich darauf hin, dass einer von euch drei Musketieren in meiner Nähe sein sollte.“
Der Russe nickte selbstbewusst in die Luft. „Gute Wahl, Sir!“
Morna hingegen schnaufte geringschätzig und sagte lako­nisch: „Tapferer Krieger Der-von-Babys-verhauen-wird bleibt als Türsteher hier.“
Iwan musterte sie missbilligend.
„Für wann haben Sie meine Abreise gebucht, Sir?“
„Jetzt sofort, Morna“, antwortete X-RAY-1. „Während des Flugs studieren Sie bitte ausgiebig Ihr Pad. Es gibt uner­freuliche Neuigkeiten aus der Stadt in Deutschland, in der sich Larry aufhält. Über das LKA wurde mir soeben ein höchst seltsamer Vorfall gemeldet.“
„Was ist passiert?“, fragte Morna sofort.
„Steht alles in der Dienstanweisung. Und oben steht noch was ... Ihr Wagen zum Flughafen.“ 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 41, 1. Spalte, 5. Absatz – Seite 41, 2. Spalte, 12. Absatz
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Seite 82, 4. Absatz – Seite 84, 5. Absatz
 „Was ist passiert?“
„Morna, seitdem Sie den Hangar in Frankfurt verlassen haben, herrscht bei uns so etwas wie Alarmstufe Rot.“
„Wie soll ich das denn missverstehen, Sir?“, fragte Morna, noch gut gelaunt.
„In einem Radius von ungefähr fünfzig Meilen um Ihren augenblicklichen Standort häufen sich plötzlich die Mel­dungen über unerklärliche Phänomene. Sie und Larry sit­zen mittendrin.“
Die Schwedin rauschte mit Höchstgeschwindigkeit durch den Lahn-Dill-Kreis. „Definieren Sie Phänomene, Sir.“
„Wo befinden Sie sich im Moment?“
Morna sah auf das blaue Autobahnschild, das gerade über sie hinwegsauste. „Herborn-Süd.“
„Dann ist es nicht mehr weit.“
„Sir?“
„Nahe der Autobahn, noch ungefähr zehn Kilometer in Ihrer Fahrtrichtung, wurden riesige schwarze Würmer gemeldet. In einer Wohnung hat man bereits zwei Leichen gefunden, die offenbar Opfer einer Wurmattacke wurden.“
Morna war für einen kurzen Moment sprachlos. „Sagten Sie eben schwarze Würmer, Sir?“ Sie starrte auf den einge­bauten Lautsprecher im Cockpit, als könnte sie auf diese Weise ihren Boss fixieren. „Würmer?“, fragte sie noch ein­mal.
„Es existieren Aufnahmen von einem Handy, die uns eben vom BKA überspielt wurden. Sie können alles auf Ihrem bordeigenen Computer abrufen.“
Morna nahm das ungefähr DIN-A4-große Display mittig in ihrem Armaturenboard in Augenschein. Ein Druck auf das Tastfeld und das Display leuchtete auf. Eine Nach­richt kündigte sich an. Morna bestätigte und öffnete die E-Mail.
„Dank dieser Aufnahmen konnten wir hier in unserem Archiv bereits zu einem Ergebnis kommen“, sagte X-RAY-1.
Morna fegte weiter über die Autobahn, ein Auge auf dem Verkehr, das andere auf der kleinen Computeranlage, und aktivierte den Filmanhang, den die E-Mail enthielt.
„Nicht weit von Ihrem jetzigen Standpunkt entfernt, in Hanau, hatten wir vor Jahrzehnten einen Fall mit mutier­ten Schnurfüßern. Vergleichen wir die aktuellen Aufnah­men mit den alten Fotos, so ergibt sich eine exakte Über­einstimmung.“
„Schnurfüßer?“, echote Morna.
Die Bilddatei öffnete sich und zeigte einen glänzenden schwarzen Wurm. Für ein Amateurfoto von einem Handy war die Aufnahme ungewöhnlich detailgetreu. Daneben, sozusagen als Größenvergleich, befand sich ein Kleinwagen. Der Wurm wand sich um das Fahrzeug und hatte den Wagen mit seinem schleimigen Körper bereits zur Hälfte umschlungen. Die Schwedin betrachtete die Aufnahme prüfend. „Und das sind aktuelle Aufnahmen, Sir?“
„Brandaktuell, kaum zehn Minuten alt. Die Polizei ist bereits vor Ort. Zusätzlich rückt wohl gerade der Katastro­phenschutz an. Man überlegt sogar, das Militär anzufor­dern.“
Mornas Aufmerksamkeit wurde wieder auf die Fahrbahn vor ihr gelenkt. In ungefähr einem Kilometer Entfernung leuchteten Bremslichter flackernd auf. Links und rechts der Autobahn befanden sich mannshohe Schutzwände. Ein Blick zur Seite verriet ihr, dass sie gerade eine Autobahn­brücke befuhr. Sie drosselte die Geschwindigkeit, um kurz darauf abrupt abzubremsen. Ungefähr zweihundert Meter vor ihr drehte sich ein PKW im Kreis, nachdem er gegen ein Hindernis geprallt war, das tatsächlich wie ein großer, schwarzer Wurm aussah.
„Ich glaube, ich bin da, Sir.“ 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 42, 2. Spalte, 8. Absatz – Seite 43, 2. Spalte, 8. Absatz
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Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 84, 6. Absatz – Seite 95, 5. Absatz
„Sie sehen die Biester, Morna?“, fragte X-RAY-1.
„Verdammt noch mal, ja!“ Mechanisch öffnete die Schwedin ihr Schulterholster, das sich unter ihrer Lederja­cke befand.
„Hier steht, dass sie in Sechshelden, nahe dem Ort Haiger gesichtet wurden.“
„Über ebendiesem Ort befinde ich mich ... präziser ge­sagt: auf der Autobahnbrücke.“ Morna hatte ihren genauen Standort über das Navigationssystem in Erfahrung gebracht. „Ich glaube, ich muss jetzt mal raus und helfen. Sie können mich jederzeit über meine Kragencom erreichen, Sir.“
„Tun Sie das!“ Die Stimme von X-RAY-1 klang verhal­ten. „Wenn die Viecher jetzt schon die Autobahn bevöl­kern, werde ich die Aktionen der Deutschen von hier aus nicht mehr stoppen können.“
„Warum sollten Sie das tun, Sir?“, fragte Morna, während sie sich abschnallte.
„Weil ich denke, dass diese wahnsinnigen Vorfälle nicht wirklich etwas mit Deutschland zu tun haben.“
Morna war schon mit einem Bein aus dem Wagen. „Son­dern?“
„Mit Larry ... und mit Ihnen. Vielleicht ...“
Morna hörte ihren Boss nicht mehr. Sie stürmte auf die Fahrbahn, auf der ein heilloses Durcheinander herrschte. Hupen, Schreien, entsetzte Gesichter — der Verkehr war längst zum Stillstand gekommen. Stoßstange an Stoßstange hatte sich eine dicht gedrängte Blechlawine gebildet. Hin­ter ihr krachte es. Trotz Geschwindigkeitsbegrenzung gab es augenscheinlich immer wieder Fahrer, die auf unvorher­gesehene Hindernisse nicht eingestellt waren.
X-GIRL-C zwängte sich durch aufgeregte Menschen­trauben, die das, womit sie hier konfrontiert waren, ganz offensichtlich nicht wirklich zu begreifen imstande waren. Riesenwürmer auf der Autobahn! Wie sollte ein rational denkender Mensch so etwas einordnen! Auch aus mehre­ren Hundert Metern Entfernung war das bizarre Gesche­hen gut zu erkennen. Inzwischen schlängelten sich bereits drei dieser schwarzen Monsterwürmer zwischen den Autos hindurch.
„Zur Seite! Polizei!”, rief Morna mit gezückter Laserwaffe und stieß jeden beiseite, der nicht schnell genug auf ihre Zurufe reagierte. Je näher sie dem Staubeginn kam, umso lauter wurde das Angstgebrüll der Menschen. Ein junger Mann wurde von ihr zu Boden geschleudert, doch Morna kümmerte sich nicht weiter um den Gestürzten. Ihre ge­ballte Konzentration und Aufmerksamkeit war vollständig auf diese neue, völlig absurde Situation fokussiert.
In einem rosafarbenen Kleinwagen saßen zwei junge Frauen, die mit zittrigen Fingern überall herumfummel­ten und kreischend wie kleine Kinder auf ihren Sitzen auf und ab hüpften, als stünden sie kurz vor einem kollekti­ven hysterischen Anfall. Morna schlug im Vorbeigehen mit der flachen Hand gegen die Seitenscheibe und rief: „Ruhig bleiben!“ Fast synchron drückten sich die Mädels ihre manikürten Finger vor die weit geöffneten Münder. „Bleibt im Wagen und verhaltet euch still!“, befahl die PSA-Agentin. „Und nicht bewegen, dann seid ihr sicher!“
Sie war nur wenige Schritte weiter, als sich ein alter Mann mit Jägerhut und Wolljacke durch die entsetzte Menschen­menge zwängte. Er war kreidebleich und hielt sich an einer offenen Fahrertür fest. „Schießen Sie!“, rief er und starrte auf den Laser in der Hand der Schwedin. „So schießen Sie doch!“
X-GIRL-C schob den Mann zur Seite und drängte wei­ter nach vorne. Sie musste näher heran, um sicherzugehen, dass sie niemanden gefährdete. Wenig später befand sie sich direkt am Ort des Geschehens. Drei schwarz glän­zende Würmer hatten sich um einen Fiat Panda gewunden und rieben knirschend mit ihren Chitinpanzern über den Lack.
„Halt!“, schrie Morna, als sie eine ältere Frau entdeckte, die mit einem Regenschirm auf die Kreaturen zustürmen wollte. „Weg da!“ Sie riss die Frau am Mantel zurück und verfrachtete sie hinter einen quer stehenden Lieferwagen, dessen Fahrer sich scheinbar nicht ins Freie wagte. „Bleiben Sie zurück! Schließen Sie sich in Ihrem Wagen ein!“ Dann hob sie ihre Stimme: „Alle sofort zurück in die Autos!“
Morna wartete nicht ab, ob ihren Anweisungen Folge geleistet wurde. Beiläufig bemerkte sie, dass sich ihr Boss in ihre Kragencom geschaltet hatte, doch für ein Gespräch war keine Zeit. Sie zielte auf die kleinen Augen des Wurms, die ebenso dunkel wie die Panzerhaut leuchteten und kaum auszumachen waren. Sie hörte das Tier schnaufen und legte an. Im selben Moment brach ein dröhnendes Chat-chat-chat über sie herein. Mit einem Auge fixierte sie den Him­mel. Kaum drei Meter über der Fahrbahn donnerte ein Kampfhubschrauber hinweg, dann noch einer. X-GIRL-C drückte zweimal ab. Beide Schüsse drangen punktgenau in die Augen des Riesenwurms ein. Fast wie in Zeitlupe sank das monströse Tier zu Boden. Heller Schleim tropfte aus den brennenden Augenhöhlen und hob sich unappetitlich vom schwarzen Untergrund ab.
Plötzlich stand der Mann mit dem Jägerhut wieder neben ihr. „Volltreffer!“
„Zurück in Ihren Wagen!“, herrschte Morna ihn an.
„Ich bleibe bei Ihnen!“, gab sich der Alte störrisch.
„Zurück!“ Die Schwedin suchte den Augenkontakt. „Sofort!“
Der Mann entfernte sich rückwärtsgehend mit wichtiger Miene. Gehorsamkeit war in seiner Altersklasse offenbar noch ein wichtiges Verhaltensmuster.
Morna hatte die beiden anderen Würmer keinen Mo­ment lang aus den Augen gelassen. Die Kreaturen rutsch­ten weiter auf dem Fiat herum, als wäre der Kleinwagen ein leckerer Salzstein. Die PSA-Agentin konnte nicht erkennen, ob sich jemand in dem Wagen befand. Die beiden Würmer waren knapp zwei Meter lang und so dick wie ein Baum­stamm. Die Oberfläche der Tiere glänzte wie das Fell eines Seehundes, war aber aus hartem Chitin geformt. Dennoch waren die Schnurfüßer in höchstem Maße beweglich. Dass einer ihrer Artgenossen gerade sein schleimiges Leben aus­gehaucht hatte, schien sie wenig zu interessieren.
Der Fiat wackelte hin und her.
„Schießen Sie!“, rief der Alte wieder von hinten, doch Morna wollte nichts riskieren, bevor sie nicht genau wusste, dass niemand mehr im Wagen saß.
Die Schwedin aktivierte ihre Kragencom. „Sir?“
Ob X-RAY-1 antwortete, konnte sie nicht verstehen, da in diesem Augenblick wieder ein Helikopter über die Brü­cke rauschte. Auf beiden Seiten hingen Männer mit Ge­wehren.
„Sir“, rief Morna noch einmal.
„Es ist schön, dass meine Agenten immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind“, hörte sie Gallun sagen.
Morna fragte sich, ob seine Worte ernst gemeint waren. „Sie befehlen, wir folgen!“, erwiderte sie, und das war in jedem Fall ironisch gemeint.
„Die Deutschen sind mal wieder außer Rand und Band. Geben Sie mir bitte einen Lagebericht, Morna.“
X-GIRL-C schilderte das eben Erlebte. „Ein Biest konnte ich ausschalten, die restlichen zwei kleben auf einem Auto direkt vor mir. Haben Sie weitere Informationen über die Beschaffenheit dieser Viecher? Ich möchte niemanden ge­fährden, wenn ich in diesem Getümmel noch einmal meine Laserwaffe einsetze.“
X-RAY-1 antwortete, doch erneut gingen seine Worte im Getöse der Turbinen unter, als einer der Hubschrauber direkt am Brückenrand auftauchte. Zwei bewaffnete Män­ner stießen sich von den Kufen ab und sprangen auf den Seitenstreifen.
„Wiederholen Sie!“, brüllte Morna und hielt schützend ihren rechten Arm vor die Com.
„Ich sagte, es befinden sich weitere Tiere an den Brücken­pfeilern!“
„Mist! Andere Frage: Kann es sein, dass hier gerade ein Sondereinsatzkommando der deutschen Polizei eintrudelt?“
Ihr Chef schien zu lachen. „Das kann sein, aber es war auch nicht anders zu erwarten.“
Während der kleinere Helikopter abdrehte, postierte sich die größere Maschine direkt über dem Geschehen. Zwei Seile hingen links und rechts nach unten, und die Männer im Inneren des Hubschraubers machten sich gerade bereit, sich an ihnen auf die Fahrbahn hinunterzulassen. Die Seil­enden hatten kaum den Boden berührt, da bogen die monströsen Würmer ihre Leiber, und wie von der Feder geschnellt sprang jedes der beiden Tiere auf ein Seil zu. Sie landeten punktgenau, wie von einem Magneten angezogen, und schienen sich förmlich an den armdicken Strängen festzusaugen.
„Scheiße!“, schrie Morna.
Ein entsetztes Raunen ging durch die Menschenmenge, die sich zwischenzeitlich auf beiden Seiten der Brücke ver­sammelt hatte. In weiter Ferne jaulten Sirenen. Bei diesem konfusen Stau jedoch war für die Rettungskräfte ein Durch­kommen nahezu unmöglich, weshalb das SEK offenbar den schnellen Weg durch die Luft gewählt hatte.
„Was ist?“, rief X-RAY-1 in New York.
„Die Würmer haben einen Heli angegriffen, Sir!“ Morna riss ihre Augen weit auf und konnte kaum glauben, was sie da gerade vor sich sah. „Die haben Intelligenz ...“, hauchte sie so leise, dass es Gallun sicher nicht hören konn­te. „Sir, diese Biester greifen ganz gezielt einen Helikopter an!“, brüllte sie, so laut es ihr möglich war.
„So schießen Sie doch endlich!“, schrie der alte Mann wieder im Hintergrund.
Fast synchron hatten sich die Würmer der Seile bemäch­tigt. Die Tiere mochten zusammen gut und gern eine Ton­ne wiegen, und während des Übergriffs war der Helikop­ter gefährlich nach unten gesackt. Einzig dem Geschick des Piloten war es zu verdanken, dass die Maschine bislang nicht abgestürzt war. Die Männer, die sich zuvor hatten abseilen wollen, schrien wild auf die beiden Männer im Cockpit ein. Offenbar sollte die Maschine weiter an Höhe gewinnen, damit sie die Würmer von den Seilen schießen konnten, doch der Pilot hatte augenscheinlich im Moment genug damit zu tun, die Maschine auch nur einigermaßen unter Kontrolle zu halten.
ICH muss schießen!, durchzuckte es Morna. Von oben kön­nen die nichts tun, ohne die Menschen hier unten zu gefähr­den. Doch wenn sie schoss, konnte sie die Männer im Inne­ren der Maschine oder den Helikopter treffen. Bei einer Übung war es meistens ein Leichtes, eine gestellte Aufgabe zu meistern, doch jetzt, in der Hitze des Gefechts, musste Morna trotz allem mit Bedacht und eher übervorsichtig handeln. Wenn sie allerdings gar nichts unternahm, das wusste sie, würde sich die Situation für die Besatzung auch nicht verbessern.
Über ihr geschah Unglaubliches. Die Würmer krümm­ten und streckten sich wie in einer makabren Choreogra­fie und begannen tatsächlich, im Takt zu schaukeln und die ohnehin höchst bedrohliche Situation der Helikopter-Besatzung zu verschärfen. Während die Männer im Inne­ren mit allen Mitteln versuchten, die Seile aus ihren Hal­terungen zu lösen, schwangen die Würmer wie Glöckner weiter daran herum und schaukelten schneller und schnel­ler. Jeder Ruck, jeder Schwenk übertrug sich auf den Hub­schrauber und vergrößerte die Gefahr eines Absturzes. Die immer heftigeren Schaukelbewegungen der Würmer und die verzweifelten Gegenmanöver des Piloten konnten nicht mehr lange ohne Folgen bleiben.
„Verdammt! Das geht nicht gut!“, rief Morna und nahm ihre Waffe in Anschlag, doch im gleichen Augenblick, als sie schießen wollte, drehte die Maschine nach links ab, rauschte seitlich über die Autobahn hinweg und stoppte ruckartig über einem Fußballplatz, der direkt unterhalb der Autobahn begann. Der Versuch des Piloten, dabei keine Menschen auf der Brücke zu gefährden, sollte seinem eige­nen Team zum Verhängnis werden.
Plötzlich krachte ein Schuss aus dem Inneren des Helis. Begleitet von einem schrillen Fiepen fiel einer der beiden monströsen Würmer rücklings in die Tiefe, schlug auf dem Rasen auf und blieb leblos liegen. Durch das entstandene Ungleichgewicht kippte der Hubschrauber auf die andere Seite, an welcher der zweite Wurm noch hing. Der Motor heulte fürchterlich auf, die Maschine geriet ins Trudeln, erst nur sehr langsam, dann immer schneller, und krachte schließ­lich kopfüber auf das Grün des Fußballplatzes.
„Himmel!“ Morna hielt sich den kalten Lauf ihrer Waffe an die Schläfe. „Das darf nicht wahr sein!“
„Was ist?“, hörte sie X-RAY-1 in ihrer Kragencom.
„Die Würmer haben es geschafft und den Hubschrauber des SEK zum Absturz gebracht.“
„Verdammt!“
Morna bekam einen heftigen Stoß in den Rücken, tau­melte nach vorne und prallte gegen einen PKW Als sich die Schwedin umdrehte, starrte sie in das vor Entsetzen verzerrte Gesicht jenes Mannes, der sie zuvor noch so tapfer angefeu­ert hatte. Seine Wolljacke hing in Fetzen, dazwischen war blutendes Fleisch zu sehen. Der Mund des Alten war zu einem stummen Schrei aufgerissen, doch außer einem lei­sen Gurgeln war kein Ton zu hören. Dann erschlaffte der Körper des Mannes, und als die Schwedin mit beiden Hän­den zupackte, um ihn aufzufangen, erkannte sie, dass ein Stück seines Rückens herausgebissen worden war.
Morna sah zur Seite und erblickte die blutbesudelten Beißwerkzeuge eines weiteren Wurms, der über die seitli­che Abgrenzung gekrochen war. Die kleinen Augen der Kreatur funkelten sie böse an. X-GIRL-C zögerte nicht lange und schoss. Das Tier brach lautlos zusammen. Die zahlreichen kleinen, knochigen Beinchen, die zu beiden Sei­ten aus dem langen Körper herausragten, zuckten in einer einzigen Bewegung noch einmal heftig, um dann für immer zu ruhen. Nur wenige Meter davon entfernt lag die Frau mit dem Regenschirm am Boden und schrie jämmerlich, wobei sie gleichzeitig versuchte, ihr Kreischen zu mindern, indem sie sich ihre Hände auf den Mund drückte.
Der PSA-Agentin blieb kaum Zeit zum Durchatmen, denn schon krabbelte das nächste Monster über die Brüs­tung und schlitterte auf die Fahrbahn. Angesichts der nach­rückenden Würmer waren die Menschen inzwischen schrei­end geflüchtet oder zumindest über die Mittelleitplanke auf die Gegenfahrbahn gesprungen, und so befand sich Mor-na nunmehr alleine in der Gefahrenzone. Sie vermutete, dass die Autobahn ohnehin inzwischen gesperrt worden war. Zahlreiche Einsatzfahrzeuge und mehrere Notarztwagen, durch deren Windschutzscheiben mit roten Westen bekleidete Sanitäter fassungslos glotzten, standen bereits auf der gegenüberliegenden Doppelspur.
Die Schwedin hielt den Schwerverletzten weiter fest im Griff. „Hilfe ist schon da“, versuchte sie ihn zu beruhigen. „Es wird alles wieder gut.“
Der Alte starrte sie nur verständnislos an. Als der Schock langsam nachzulassen begann, kämpften sich die ersten lei­sen Angstschreie aus seiner Kehle. Plötzlich begann sein Körper zu zittern, und Morna spürte die ungeheuren Vibra­tionen, die in dem erschlafften Fleisch wirkten.
Zwei Sanitäter und ein Notarzt hatten endlich den Mut aufgebracht, den Schutz ihres Wagens zu verlassen und der PSA-Agentin zu Hilfe zu kommen. Sie nahmen ihr den Mann ab und hievten ihn bäuchlings auf eine mitgebrachte Bahre.
„Mein Gott!“, rief einer der Rettungshelfer.
„Was in aller Welt ist hier nur passiert?“, fragte der Arzt. Das wüsste ich auch gerne, dachte Morna.
Das Rettungsteam und die Schwedin zuckten zusam­men, als der alte Mann ohne Vorwarnung lauthals zu schreien begann. Sofort wurde ihm ein Beruhigungsmittel gespritzt, und noch auf dem Weg in den Krankenwagen ging sein Wehklagen in ein verzweifeltes Wimmern über.
Während ein weiterer Helikopter, auf dessen roten Au­ßenwänden das Wort Notarzt prangte, tief über die Fahr­bahn donnerte und hinter der Brücke verschwand, hech­tete Morna zu der Brüstung, über die die Schnurfüßer zuvor gekrochen waren, und brüllte in ihre Kragencom: „Haben Sie eben gesagt, dass noch mehr Würmer da unten lauern, Sir?“
„So wurde es mir zumindest gemeldet“, bestätigte X-RAY-1.
Nachdem die PSA-Agentin die metallene Außenbrüs­tung der Autobahn erklommen und endlich freie Sicht nach unten hatte, verfolgte sie, wie die Maschine unten auf dem Fußballfeld neben den Trümmern des zuvor abgestürz­ten Hubschraubers landete. Zwischen etlichen Krankenwa­gen und zahlreichen weiteren Einsatzwagen — die blauen waren von den nahen Polizeidienststellen, die dunklen Li­mousinen und Vans vom SEK — wanden sich noch weitere dieser monströsen Würmer!
„Entspricht leider den Tatsachen, Sir! Ich kann von hier aus ...“
In diesem Moment nahm Morna eine winzige Bewegung wahr, wandte ihren Kopf und blickte direkt in die Augen eines Wurms, der nur knapp einen Meter unter ihr ver­harrte. Das Tier musste kurz zuvor seine Krabbelei gestoppt haben, als die blonde Schwedin plötzlich unmittelbar vor ihm aufgetaucht war, und klapperte nun bedrohlich mit sei­nen Beißwerkzeugen. Morna ignorierte das gefährliche Sur­ren, das unter der Chitinpanzerung hervordrang, zielte auf das weit aufgerissene Maul und drückte ab. Ein heftiger Ruck ging durch den Körper des Wurms, die unzähligen Beinchen rutschten auf dem Brückenpfeiler einen halben Meter nach unten, dann noch einmal, und verloren schließ­lich endgültig ihren Halt. Das Biest trudelte mehr als zwan­zig Meter in die Tiefe, bevor es neben der geteerten Dorfstraße aufschlug und reglos liegen blieb.
Erstaunt vernahm die PSA-Agentin einen kollektiven erleichterten Aufschrei und vereinzelten Applaus und erblickte zahlreiche Menschen, die sich weit aus den Fens­tern ihrer Wohnungen und Häuser gelehnt hatten, um aus sicherer Entfernung das bizarre Schauspiel in ihrem Dorf zu verfolgen.
X-GIRL-C konnte nach dem Verschwinden des Wurms erkennen, dass sich bereits zwei weitere dieser Kreaturen an den Brückenpfeilern aus Stahlbeton nach oben bewegten. Sie schoss auch diese beiden Tiere ab, und die Menschen an den Fenstern jubelten und applaudierten erneut.
Unterdessen hatten Polizei und SEK mit deutscher Gründlichkeit Ordnung in das Tohuwabohu gebracht. Mannshohe Metallgitter trennten die Menschen auf der Autobahnbrücke von den Würmern, die es bis nach oben geschafft hatten. Nach und nach verdunkelte sich der kleine Ort im Dreiländereck durch Uniformen und Tarnanzüge. Das Innenministerium musste vor Schreck eine komplette Armee mobilisiert haben. Morna war von einem Beamten angesprochen worden, der ihr allerdings, nachdem sie sich ausgewiesen hatte, keine weiteren Fragen stellte. Die Ein­satzleitung war offenbar von ihrer Anwesenheit bereits unterrichtet. Auf X-RAY-1 war eben Verlass. Er hatte jede Situation an jedem Ort der Welt zu jeder Zeit im Griff.
Noch! 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 43, 2. Spalte, 9. Absatz – Seite 49, 2. Spalte, 2. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.


Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 96, 1. Absatz – Seite 99, 13. Absatz
Larry lag auf seinem Bett und krümmte sich vor Schmer­zen. Die durchlebten Gefahren vergangener Jahre hatten sich in seiner Magenschleimhaut manifestiert und brodel­ten durch seinen Körper. Der PSA-Agent glaubte sich mit­ten in einem Schleudergang böser Mächte. Wie gebannt starrte er auf die Schrift, die grimmig an seiner Zimmer­wand leuchtete.
Sie ist wieder zurück! S
„Wer?“, keuchte Larry. „Wer, verdammt noch mal, ist zurück?“
Die Botschaft hatte etwas zu bedeuten. Möglicherweise wollte ihm jemand helfen. Es gab schließlich nicht nur Widersacher im Reich der Toten. Sobald er wusste, wer ihm einen Hinweis geben wollte, konnte er vielleicht mehr über die näheren Hintergründe erfahren.
Zäh tropften die Sekunden durch das Zimmer. Larry glaubte plötzlich, Kälte im Raum zu spüren.
„Wer?“, rief er noch einmal schwach und verfiel wenig später in einen unruhigen Dämmerschlaf.
Als er wieder erwachte, war sein Körper schweißgebadet. Um ihn herum jedoch herrschte Eiseskälte. Wie erstarrt blieb der PSA-Agent auf seinem Bett liegen. Jede noch so kleine Bewegung bereitete ihm immense Qualen. Seine heiße Haut klebte an der klammen Kleidung und übertrug bohrende Schmerzen in sein Gehirn. Er brauchte einige Sekunden, um sich zu sammeln, dann richtete er sich vor­sichtig auf. Das klebrige Gefühl an seinem Körper ließ ihn würgen, und selbst die kleinste Bewegung reichte aus, um seinen Magen weiter zu reizen. Es rumorte in seinem Inne­ren wie bei einem Lawinenabgang. Und dann ging alles wie von selbst. Sein Frühstück schoss mit aller Macht durch die Speiseröhre nach oben. Larry spürte die Wucht beim Aus­tritt förmlich an seinen Zähnen. Er übergab sich wie nie zuvor im Leben. Was folgte, war ein stechender Schmerz, der durch seinen gesamten Körper raste und eine tiefe Mat­tigkeit nach sich zog.
„Himmel, was war das?“, sprach Larry laut zu sich selbst, als er Minuten später vornüber auf dem Bett hing und die dicken Schweißperlen spürte, die sich auf seiner Nasen­spitze sammelten, um dann nach unten zu tropfen. Ent­kräftet betrachtete er den Weg, den sein Frühstück genom­men hatte. Gut einen Meter musste es fast waagerecht von ihm weggeflogen sein, erst dann waren die ersten Spuren auf dem Boden sichtbar, die sich bis zu der Wand mit dem Satz Sie ist zurück! erstreckten.
„Wer ist zurück?“ Larry versuchte, eine wütende Resig­nation zu unterdrücken, doch es gelang ihm nicht. „Wer ist gemeint? WER?“
Fast wie bei einer Affekthandlung griff der PSA-Agent nach der Sprühflasche und schrieb schwungvoll und in gro­ßen Lettern WER? an die Wand. Dann begutachtete er müde sein Werk und murmelte apathisch: „Wer ist zu­rück?“
X-RAY-3 fuhr herum, als hinter ihm hörbar geräuspert wurde. Der penible Hotelangestellte Rensenbrink stand stocksteif in der Tür und ließ seinen Blick mehrmals zwi­schen der Wand und Larrys Hand, welche noch immer die Spraydose hielt, hin und her wandern.
„Ich hatte geklopft, Herr Brent.“ Er räusperte sich wieder. „Hatten Sie mir nicht versichert, Sie würden keine Hotelwände besprühen?“
Resignierend ließ Larry sein Kinn auf die Brust sacken. „In der Regel unterlasse ich so etwas auch, doch in diesem speziellen Fall ...“ Mit einem gezielten Wurf beförderte er die Spraydose in den Papierkorb. „Die Wand muss ohne­hin renoviert werden. Und was das da angeht ...“ Larry zeigte mit seiner Nasenspitze auf den besudelten Boden. „Das war ich diesmal wirklich selbst. Tut mir leid. Ist mir noch nie passiert.“ Er versuchte ein schiefes Grinsen. „Wirk­lich nicht. Und glauben Sie mir, ich hab immer noch nichts getrunken.“
„Wie Sie meinen, Herr Brent“, erwiderte Rensenbrink, doch seine Miene blieb düster und seine Augen trübten sich ein, als er das Erbrochene entdeckte.
„Seien Sie bitte unbesorgt, es wird alles bezahlt.“
Rensenbrink nickte. „Wir haben schon Rücksprache mit Ihrer Firma genommen, Herr Brent. Da gibt es keine Pro­bleme. Ich wollte Ihnen eigentlich auch nur das mit Ihrem Auto melden.“
Larry hob die Augenbrauen. „Was ist mit meinem Wagen?“ „Bitte, kommen Sie!“
Erneut musste der PSA-Agent unter Schmerzen und in einem sichtbar katastrophalen Zustand das Hotel durch­queren. Die hübsche Dunkelhaarige an der Rezeption wühlte in ihren Papieren herum und bemühte sich um demonstratives Desinteresse.
Draußen auf dem Parkplatz stand die Dark Lady — nur war sie jetzt nicht mehr schwarz. Irgendjemand hatte sie glänzend weiß lackiert und mit großen Buchstaben Leck mich, Larry! daraufgeschrieben.
„Da kann Sie wohl jemand nicht leiden, Herr Brent.“
Die nüchterne Aussage brachte Larry zum Kochen. „Ganz offensichtlich, Herr Rensenbrink. Und gesehen hat natürlich wieder mal niemand etwas, richtig?“
Rensenbrink schüttelte seinen Kopf. „Das ist ja das Selt­same. Uns ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen.“
„Als ich vor ungefähr eineinhalb Stunden zurückgekom­men bin, war mein Wagen noch wunderbar schwarz.“
„Das ist mir durchaus bewusst, Herr Brent. Uns allen ist dieser Vorfall unerklärlich.“
„Kann man in dieser Zeit einen Wagen komplett umlackieren?“
„Eigentlich nicht, schon gar nicht hier bei uns und be­stimmt nicht einen Wagen dieser Größe. Der Parkplatz ist sogar von der Straße aus gut einzusehen. Bitte, Herr Brent ... mir ist das alles absolut rätselhaft.“
Larry hatte sich wieder beruhigt. „Ist schon okay. Sie können nichts dafür.“
„Zumindest wissen wir in diesem Fall, wer sie nicht lei­den kann.“
„Wie meinen Sie das?“
„Bitte, sehen Sie sich die andere Seite Ihres Wagens an, Herr Brent.“
Während Larry um die Dark Lady herumging, sprach Rensenbrink weiter: „Mit Frauen hat man nichts als Ärger. Die können ganz schön nachtragend sein.“
Auf der anderen Seite seines Einsatzwagen stand, eben­falls in gesprayten Lettern:
Changye 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 49, 2. Spalte, 3. Absatz – Seite 51, 1. Spalte, 13. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.

Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 100, 1. Absatz – Seite 105, 7. Absatz
Larry kehrte in sein Zimmer zurück und bemerkte, dass die Com an seiner Lederjacke, die er über einen Stuhl gehängt hatte, blinkte.
„Wie sind wir früher nur ohne so was zurechtgekom­men?“, brummte er undeutlich. Durch seinen Brechanfall und den Ärger mit der Dark Lady war seine Stimme brü­chig geworden, sodass er sein Zugangswort mehrfach wie­derholen musste, bevor es erkannt wurde.
„In Deutschland ist die Hölle los, Towarischtsch!“, mel­dete sich Iwan. „Und von dir hört man nichts mehr. Ich mache mir Sorgen.“
In meinem Magen ist auch die Hölle los, dachte Larry. „Ich hab geschlafen.“
„Du hast Nerven!“
„Ich musste mich vorhin fürchterlich übergeben.“
„Bist du krank?“
„So könnte man es nennen.“
„Was genau?“
„Wenn ich das wüsste. Es ist, als würden sich alle bösen Geister aus der Vergangenheit zusammentun, um mich aus­zulöschen.“
„Du wirst doch auf deine alten Tage nicht sensibel wer­den, Larry?“
„In mein Hotelzimmer wurde eingebrochen, Iwan. Auf einer Wand hat jemand den Satz Sie ist zurück! gesprüht. Vermutlich soll das eine Warnung oder zumindest ein wich­tiger Hinweis sein.“
„Von wem?“
„Gute Frage.“
„Zurück, sagtest du? Wir sollten in der Vergangenheit suchen, Larry.“
„Möglich.“
„Eine Spur hätte ich da anzubieten.“
X-RAY-3 war vor seiner Jacke in die Hocke gegangen, ohne die Com aus der Halterung zu lösen. „Nun spuck's schon aus, Iwan!“
„Die neusten Infos liegen auf deinem Pad, mein Freund. Kram das Ding mal raus.“
Larry fühlte sich immer noch wie gerädert, als er sich erhob. Vorsichtig darauf bedacht, nicht in sein Erbroche­nes zu treten, ging er zum Tisch, wo er seinen kleinen Rei­sekoffer deponiert hatte, und holte sein Pad heraus, das augenblicklich dienstbereit leuchtete. Es gab einen Mailein-gang mit mehreren Anhängen. Der PSA-Agent entschied sich spontan für eine Datei, deren Betreffzeile eine Weiter­leitung durch das BKA signalisierte. Es handelte sich um eine Filmaufnahme. Larry vergrößerte das Bild und er­starrte.
Die Bilder zeigten riesige schwarze Würmer, die sich auf schmalen Straßen hin und her bewegten. Die Aufzeichnung schwenkte über eine Wiese, auf der sich ebenfalls ein paar dieser monströsen Kreaturen tummelten. Ein Stück weiter wurden mächtige Brückenpfeiler aus Stahlbeton sichtbar, die zu viert in einer Lagerachse angeordnet waren und an denen weitere dieser überdimensionalen Würmer klebten.
„Nicht das auch noch!“, stöhnte Larry.
Er erinnerte sich noch gut an den Fall, der viele Jahre zuvor geschehen war. Die sogenannten Müllmonster, die sich durch mehrere unglückliche Umstände im Bereich einer Hanauer Müllkippe entwickelt hatten. Nur mit Mühe und viel Gift konnte die Gefahr damals beseitigt werden. Eigentlicher Auslöser war eine Chemiefabrik gewesen, dessen wissenschaftlicher Leiter düstere Prophezeiungen für die Zukunft geäußert hatte.
„Nun holen mich die Monster der Vergangenheit tatsäch­lich wieder ein.“
Larry griff nach der Wasserflasche, die neben seinem Rei­sekoffer auf dem Tisch stand, öffnete den Drehverschluss und trank sie in gierigen Schlucken leer. Sein Körper war durch die Brechattacke völlig ausgetrocknet und lechzte förmlich nach Flüssigkeit. Mit jedem Schluck kehrte ein Stück seiner Lebenskraft zurück. Im Hintergrund hörte er Iwan piepsen.
„Laut!“, rief Larry, und die Com regulierte sich auf sei­nen augenblicklichen Abstand zur Jacke.
„Hörst du mich, Larry?“, tönte die Stimme des Russen jetzt völlig klar durch den Raum.
„Woher stammen diese Aufnahmen?“
„Die Uhrzeit steht drauf. Sie sind ungefähr eine Stunde alt. Alles ganz in deiner Nähe. Du hast übrigens heute diese Stelle bereits passiert. Es handelt sich um die Autobahnbrü­cke kurz vor der Abfahrt Dillenburg.“
„Stimmt, da war ich.“ Larry seufzte. „Weiter!“
„Diese beißwütigen Biester sind wie aus dem Nichts auf­getaucht, X-RAY-3“, brachte sich Galluns Stimme in die Konversation mit ein. „In Deutschland ist die Hölle los!“ Die beiden wiederholen sich, dachte Larry.
„Exakt seitdem Sie deutschen Boden betreten haben“, fuhr X-RAY-1 fort.
Larry horchte auf. „Wie meinen Sie das, Sir?“
„Wie ich es sage, Larry. Hier hat sich meiner Meinung nach etwas manifestiert, das direkt mit Ihnen und wohl auch mit Morna zu tun hat.“
„Also mit der PSA!“
„Im weiten Sinne, ja.“
„Damit entsprechen die Vorfälle exakt der Prophezeiung von Changye“, klinkte sich Iwan wieder in das Gespräch mit ein. Ob die beiden zusammen in einem Büro saßen, war für Larry nicht ersichtlich.
„Somit ist der Angriff wohl als Offensive des Horror-Babys zu werten.“
Larry hatte inzwischen die weiteren Dateien geöffnet. Alle zeigten die Würmer aus unterschiedlichen Perspekti­ven. X-RAY-3 wusste noch, dass man sie auch als Schnurfüßer bezeichnete. Gegen diese brutale Monsterattacke wirkte die verunstaltete Dark Lady wie ein harmloser Schul­streich. Larry orientierte sich jetzt an den Zeitangaben und öffnete die aktuellste Filmaufnahme. In dieser Aufzeich­nung war offenbar aus einem Helikopter gefilmt worden. Larry erkannte aus der Vogelperspektive auf einer Auto­bahnbrücke einen riesigen Stau. Schräg daneben brannte ein Helikopter. Er seufzte. Überall wuselten diese gigan­tischen Tausendfüßler herum. Dann entdeckte Larry X-GIRL-C in der panischen Mengenmenge.
„Morna!“
„Ja, Morna ist ganz in deiner Nähe“, deutete Iwan Larrys Ausruf richtig.
„Mir geht es direkt wieder besser.“
„Nur ist da noch etwas anderes“, meldete sich X-RAY-1 wieder zu Wort.
Larry fühlte sich durch seinen Vorgesetzten am Besser-gehen gehindert. „Was denn noch?“
„Eigentlich sollte Morna einen weiteren Vorfall in Siegen klären“, meinte Gallun. „Aus diesem Grund habe ich X-GIRL-C hinter Ihnen hergeschickt.“
„Das ist sehr aufmerksam von Ihnen, Sir, aber ich bin bereits vor Ort.”
„Sie hatten in dem Moment, als die Meldung kam, ande­res zu tun.“
„Richtig, aber jetzt hat Morna offenbar etwas anderes zu tun“, sagte Larry mit Blick auf sein Pad, wo er die Szene mit der Autobahnbrücke erneut abspielen ließ. „Wie ist es eigentlich zu diesem Heli-Crash gekommen? Etwa auch die Würmer?“
„Ja“, antwortete Iwan. „Diese Kreaturen scheinen über ein gewisses Maß an Intelligenz zu verfügen.“
„Und trotz ihrer Größe sind sie mit ihren fast zweihun­dert Beinchen zudem recht beweglich. Mit ihren Beißwerk­zeugen können sie einen Menschen ohne Weiteres in Stü­cke reißen.“ Der Russe machte eine Pause. „Apropos Stücke reißen, Larry. Willst du nichts von den anderen Vorfällen in Siegen wissen?“
Nein, dachte Larry, aber er sagte: „Natürlich! Ich warte. Diese gepanzerten Würmer musst du mir übrigens nicht näher erläutern, Iwan. Ich hab sie damals selbst erlebt.“
„Ist ja schon gut, Brüderchen. Also, zur Sache: Ein Be­trunkener hat einen Todesfall gemeldet.“
„Auch dazu gibt es Bilder, Larry“, ertönte wieder die Stimme von X-RAY-1. „Ich schicke sie gerade.“
Larry öffnete die Mail, die kurz darauf in seinem Post­fach einging, und sah einen Haufen Eissplitter auf Beton. „Ich hab die Datei.“
„Beide Männer hatten nach ersten Recherchen gerade die Siegener Bahnhofsgaststätte verlassen und wollten sich wohl zu Fuß auf den Heimweg machen“, erklärte Iwan. „Sie ka­men jedoch nur ein paar Meter weit. Alles spielte sich noch auf dem Bahnhofsgelände ab. Einer der Männer erstarrte zu Eis, kippte um und zerbrach. Zuvor haben sie angeblich eine weiße Frau im Nachthemd gesehen.“
Larry schenkte diesem Zusatz keine besondere Aufmerk­samkeit. Aussagen von Betrunkenen waren selten viel wert. „Dann ist ... war das auf dem Foto also einer der Zechbrü­der?“ Larry verkniff sich eine Bemerkung über die Gefah­ren von zu kalten Getränken.
„Angeblich ja. Nun, die Behörden vor Ort hätten dieser Meldung zunächst sicher keine große Bedeutung beigemes­sen, wenn sich nicht in unmittelbarer Nähe ein weiterer Vorfall ereignet hätte. Und diesmal gibt es einen wirklich handfesten Toten: ein Taxifahrer mit einem circa vierzig Zentimeter großen Loch im Körper.“
„Augenzeugen?“, fragte Larry.
„Nein“, antwortete X-RAY-1 knapp. „Und das Bild wol­len Sie auch nicht sehen, daher habe ich es nicht geschickt.“
„In meinem Magen ist nichts mehr, was ich noch auskot­zen könnte“, murmelte Larry leise. Ob man ihn verstanden hatte oder nicht, blieb unklar. Weder Gallun noch Iwan gingen auf seine genuschelte Bemerkung ein.
Für einen Moment herrschte Ruhe. Dann meldete sich X-RAY-1 wieder: „Dafür sind soeben aktuelle Neuigkeiten eingetrudelt. Die Eissplitter wurden direkt vor Ort unter­sucht. Die Universität Siegen hat dazu die besten Möglich­keiten. Das Ergebnis kommt gerade rein. Der Haufen Eis muss vorher tatsächlich ein Mensch gewesen sein. Fällt Ihnen dazu etwas ein, Larry?“ 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 51, 1. Spalte, 14. Absatz – Seite 53, 2. Spalte, 6. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.


Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 116, 3. Absatz – Seite 119, 5. Absatz
Als Morna in den Abendstunden das Hotel Zur Pfeffer­mühle erreichte, war auch der Einsatz auf der Autobahntalbrücke Sechshelden beendet. Die Polizei wollte die A45 erst gegen fünf Uhr am Dienstagmorgen wieder für den Verkehr freigeben. Der gesamte Bereich, der von der bizarren Wurm­offensive betroffen war, wurde immer noch mit riesigen Pla­nen von der Außenwelt abgeschirmt. Man hoffte, auf diese Weise die wahren Hintergründe möglichst lange vor der Öffentlichkeit geheim halten zu können — ein wenig sinn­volles Verhalten der Einsatzleitung, die sich jedoch dem Druck des Innenministeriums beugen musste. Der Über­fall hatte fünf Tote und zahlreiche Verletzte gefordert, und es war eine höchst undankbare Aufgabe, erklären zu müs­sen, auf welche Weise diese Menschen aus dem Leben geris­sen worden waren.
X-GIRL-C steuerte ihren 600er-Benz auf das Hotelge­lände. Die PSA hatte ihr dieses Quartier zugewiesen mit dem Hinweis, sich mit X-RAY-3 zu besprechen, der eben­falls hier einquartiert war. Morna freute sich von Herzen auf dieses Treffen, obwohl noch keine vierundzwanzig Stunden vergangen waren, seit sich die beiden Agenten in gedrück­ter Stimmung in der Zentrale der PSA getrennt hatten. Hier in Deutschland hatte das Unheil zwar erst begonnen, doch irgendwie, tief in ihrem Inneren, hatte Morna wieder Hoffnung gefasst. Sie war zuversichtlich, dass die Rätsel um X-RAY-8 hier in Deutschland zu lösen waren.
Morna hatte kaum ihren Wagen geparkt, da eilte ihr auch schon ein Mann aus dem Hotel entgegen, der einen ge­schäftig freundlichen Eindruck machte.
„Frau Ulbrandson?“
„Morna für Sie“, antwortete X-GIRL-C mit ihrem be­zaubernden schwedischen Akzent, ergriff die dargebotene Hand und zwinkerte dem Mann kurz zu.
„Ren...sen...brink.“ Der Mann wirkte für einen Augen­blick völlig verwirrt. Die erotische Schönheit der Schwedin schien ihn dermaßen aus dem Konzept gebracht zu haben, dass er sich kurzzeitig nicht mehr seines Vornamens entsin­nen konnte. „Sie ... Sie gehören zur selben Firma wie Herr Brent?“
„So ist es, Herr Rensenbrink“, erwiderte Morna und zog ihre Hand zurück, die der Mann immer noch hielt.
„Herr Brent hatte bereits einige ... ähm ... Unannehm­lichkeiten.“
„Wir sind Kummer gewohnt.“
„Und wir sehr um das Wohl unserer Gäste bemüht.“ Der Mann vom Hotel hatte sich offenbar wieder im Griff. „Darf ich Ihnen eine unserer Garagen anbieten?“
„Wenn ich Ihnen damit eine Freude machen kann, ger­ne“, antwortete Morna fröhlich.
„Vielleicht haben Sie schon davon gehört ... Der wun­derschöne Wagen von Herrn Brent wurde heute mit Farbe beschmiert.“
Morna hob die Augenbrauen. Davon hatte Larry bei seinem kurzen Anruf vorhin nichts gesagt, aber mitten zwischen bissigen Würmern und den Polizisten des Sonder­einsatzkommandos hatte sie X-RAY-3 ohnehin kaum ver­stehen können. Nicht weiter tragisch, sie waren ja einander fast zum Greifen nah, um alles Weitere zu besprechen.
„Nicht, dass Ihrem Wagen Ähnliches passiert.“ Rensenbrink beäugte den riesigen Benz sehr genau, den man in dieser Ausführung — von der exquisiten Ausstattung natür­lich ganz zu schweigen — nur noch selten auf der Straße sah. „Unsere Garagen sind nicht sonderlich groß, aber ...“ Er wies nach hinten auf ein Klapptor, das bereits offen stand. „Na, es wird schon gehen.“
Morna nahm kurz Augenmaß. „Wenn ich aus dem Schiebedach aussteige, vielleicht.“
Rensenbrink wrang seine Hände und nahm gleichfalls noch einmal Maß, diesmal jedoch präziser. „Vermutlich haben Sie recht, Frau Ulbrandson. Ich bin untröstlich, dass ich Ihnen diesbezüglich leider nichts Vernünftiges anbieten kann. Wir werden Ihr Fahrzeug wohl oder übel auf dem Parkplatz stehen lassen müssen. Allerdings ist ja wahrschein­lich nicht anzunehmen, dass auch Ihr Wagen von einer eifersüchtigen Frau beschmiert wird.“
Erneut hob Morna die Augenbrauen. Durch ihren blon­den Pony, der ihr fransig ins Gesicht fiel, sah man diese Regung kaum, doch Rensenbrink schien ein feinfühliger Mensch zu sein und fragte vorsichtig: „Hab ich jetzt viel­leicht zu viel geplappert?“
Die hübsche Schwedin winkte ab. „Keineswegs, lieber Herr Rensenbrink. Sie achten auf Ihre Gäste, dagegen ist nichts einzuwenden.“
Rensenbrink begleitete Morna bis zu ihrem Zimmer, das direkt neben Larrys lag. „Herr Brent wird gewiss bald wieder zurück sein. Für ihn war es ein sehr aufregender Tag. Wünsche noch einen guten Abend.“
Aufregende Tage sind bei uns der Normalfall, dachte Morna und bedankte sich für den guten Service. Dann war sie allein in ihrem Zimmer. So wie alle PSA-Agenten hatte Morna ebenfalls einen kleinen Reisekoffer dabei, der die für Einsätze nötigsten Utensilien enthielt, unter anderem ein Pad, das sie sofort auf den Tisch legte. Sie fischte sich eine Cola Light aus der Minibar und trank direkt aus der Fla­sche, während sie die lokalen Nachrichten im Netz studierte und gedankenverloren durch verschiedene Seiten im In­ternet surfte.
Als sie eine sanfte Berührung auf ihren Schultern spürte, fuhr die Schwedin herum. „Larry! Wie um Himmels wil­len bist du hier hereingekommen?“ Erst jetzt spürte sie die ungewöhnliche Kälte, die sich in ihrem Zimmer ausgebrei­tet hatte.
X-RAY-3 grinste sie spöttisch an. „Was für eine Frage, mein blondes Wunder!“
Morna spürte, wie sich ihr bei diesen Worten die Na­ckenhaare aufstellten. 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 57, 1. Spalte, 1. Absatz – Seite 58, 2. Spalte, 3. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.


Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 121, 6. Absatz – Seite 130, 1. Absatz
Es war bereits Mitternacht, als X-RAY-3 die Heimreise nach Siegen antrat. Zwischendurch hatte er zweimal versucht, Morna zu erreichen, doch sie hatte sich nicht gemeldet. 

+ + +

 „Larry!” Morna war sofort aufgesprungen und ein paar Schritte zurückgewichen.
„Was ist mit dir? Freust du dich nicht, mich zu sehen?“ X-RAY-3 streckte seine Hand nach ihr aus. „Bitte, gib mir einen Kuss, Blondie!”
„Blondie?“, echote Morna atemlos. Die Kälte im Raum hüllte sie ein wie ein nasser Lappen. „Ja, wir sind doch blond, also ...“
„Du bist nicht Larry!“, schrie Morna. Nackte Angst schnürte ihr die Kehle zu. Einer Gestalt gegenüberzustehen, die aussah wie X-RAY-3, es aber ganz sicher nicht war, fühlte sich für den Augenblick entsetzlich an.
„Und blöd bist du auch noch, Blondie! Du siehst doch, dass ich Larry bin!“
Morna riss ihren Laser aus dem Schulterholster und zielte auf den ungebetenen Besucher, doch dieser löste sich im gleichen Augenblick in Luft auf. Dann wurden ihre Arme grob nach hinten gedrückt, Sehnen und Mus­keln verdreht, sodass ihr die Waffe aus der Hand glitt. X-GIRL-C spürte im wahrsten Sinne des Wortes den kalten Atem des Todes in ihrem Nacken. Es war nicht Larry, der sie so brutal festhielt; es war offensichtlich noch nicht ein­mal ein menschliches Wesen, von dem sie soeben angegrif­fen wurde.
Morna schrie vor Wut, aber auch Angst schwang in ihrer Stimme mit. Unzählige Male war sie bereits mit dem Tod konfrontiert worden, doch die Situation, in der sie sich jetzt befand, war etwas anderes. Sie spannte ihre Muskeln an, beugte ihren Oberkörper blitzartig nach vorne und schleuderte so ihren Angreifer über sich hinweg auf den Boden.
Es krachte, als der Körper auf den Laminatboden schlug. Das Larry-Duplikat blieb grinsend auf dem Rücken liegen und streckte beide Arme nach Morna aus. „So bist du mir am liebsten, Blondie! Richtig schön wild!“
„Du Ausgeburt des Teufels!“, zischte Morna wütend. „Wo hast du deine jämmerlichen Sprüche her? Aus dem Kinderkanal?“ Sie konnte nicht anders und spuckte aus.
Die X-RAY-3-Kopie verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen. „Was bin ich?“
„Changye!“ Morna schielte nach ihrem Laser. „Du bist der widerliche Auswurf deiner schizophrenen Eltern!“
Für einen kurzen Augenblick herrschte tödliche Stille im Raum. Exakt in diesem Moment öffnete sich die Zimmer­tür und Rensenbrink steckte vorsichtig sein Gesicht durch den Spalt.
„Ich habe angeklopft“, sagte er, trat ein und betrachtete die angespannte Morna, dann Larry, der sich auf dem Boden, inzwischen wiedergrinsend, in eine Art Schneider­sitz gebracht hatte. „Kann ... kann ich irgendwie helfen?“, fragte Rensenbrink höflich.
„Wobei willst du uns helfen, Mann?“, herrschte ihn der falsche PSA-Agent an.
Dass der sonst so freundliche Herr Brent ihn dermaßen harsch anfuhr, verwirrte den Hotelangestellten sichtlich, sodass er zu stottern begann. „Ich hab ... hab ganz deut­lich ... einen Schrei gehört.“
„Schrei, Schrei!“, äffte Changye in der Gestalt Larry Brems ihn nach. „Das war ein Freudenschrei, Mann! Kannst du dir etwa nicht vorstellen, wie sehr man sich freut, wenn man sich lange nicht gesehen hat?“
„Oh, oh ... doch! Natürlich! Bitte sehr um Verzeihung ... ich...“
„Schluss mit dem Gestammel, Mann! Verpiss dich! Wir wollen alleine sein!“
Mit hochrotem Gesicht und steif wie ein Brett drehte sich Rensenbrink um.
Morna hatte die wenigen Sekunden, die Changye abge­lenkt war, genutzt, um mit den Füßen nach ihrer Waffe zu angeln. Jetzt hielt sie den Laser in der Hand, zielte auf das immer noch auf dem Boden hockende Larry-Duplikat und rief: „Das ist nicht Larry Brent!“
„Das ... das ist nicht Herr Brent?“ Rensenbrink zog sein Gesicht in die Länge. „Aber ...“ Jetzt erst erkannte er die Waffe. „Um Gottes willen, Frau Ulbrandson! Was tun Sie da?“
„Sie freut sich genau wie ich, mich zu sehen!“ Der falsche X-RAY-3 kicherte und erhob sich langsam. „Wir begrüßen uns immer so.“
Morna brachte sich in Angriffsstellung. „Zurück auf den Boden!“
„Zurück auf den Boden?“ Er gähnte und schaute gelang­weilt zur Decke. „Hör endlich auf mit dem Scheiß, Blondie! Du weißt doch, ich mach's lieber im Bett.“
Rensenbrink stand mit offenem Mund da und starrte entsetzt auf die Szene, die sich vor ihm abspielte.
„Wie blöd bist du eigentlich, Blondie?“ In Changyes Stimme schwang etwas mit, das nicht mehr menschlich war. Dann veränderte sich alles. „Wie blöd eigentlich?“ Diese Frage hörte sich nicht mehr nach Larry Brent an, eher wie das Donnern eines LKWs.
In dem kleinen Zimmer begann es unterschwellig zu bro­deln. Rensenbrink presste beide Hände an seinen Kopf und drehte sich gebückt zur Zimmertür um, die im gleichen Moment aufflog und ihn mit der Kante ins Gesicht traf Laut aufheulend vor Schmerz ging er in die Knie und hielt jammernd beide Hände vor sein blutendes Gesicht. Die Tür knallte wieder ins Schloss, dann drehte sich der innen steckende Schlüssel mit einem klackenden Geräusch. Sie wa­ren eingeschlossen!
Die Gestalt, die Larry Brent jetzt nur noch bedingt zum Verwechseln ähnlich sah, begann zu glühen. Anfänglich leuchtete sie noch in kräftigen Farben, um dann allmählich durchsichtig wie ein Regenbogen zu werden. Im Kopf ent­stand ein kreisrundes Loch, aus dem grelle Flammen loder­ten. „Das warst du, Blondier Die Stimme schien aus der Tiefe der Hölle zu kommen. „Du bist ja so dämlich!“
Morna hatte sich inzwischen wieder gefasst. Damit, dass der Dämon nun sein wahres Gesicht zeigte, kam sie besser zurecht. „Das war dein eigener Vater, Changye!“ Sie wusste nicht warum, aber sie zielte kurz und drückte ab. Der Laserstrahl traf punktgenau in das schon vorhandene Loch im Schädel, fuhr ohne sichtbare Berührung hindurch und fraß sich in den dahinter befindlichen Polstersessel. „Das jetzt war ich!“
Während Rensenbrink auf dem Boden hockte, seine blu­tende Nase hielt und völlig verständnislos auf das Geschehen um ihn herum starrte, zielte Morna weiter auf die irr­lichternde Figur, die sich mehr und mehr von dem Erscheinungsbild eines Larry Brent entfernte. Die Luft bro­delte, unheilvolles Rauschen erfüllte den Raum. Die Schwe­din fühlte sich wie unter einem riesigen Wasserfall. Alles, was lose auf den Möbeln lag, wurde durcheinandergewirbelt und flatterte ziellos umher. Papierservietten wurden von dem Feuerschatten, der kaum noch einem Menschen glich, aufgesogen. Es qualmte, als die dünnen Tücher ver­brannten.
„Fahr zur Hölle, Changye!“, rief Morna beschwörend. Sie konnte es kaum fassen, aber das Ding, das zuvor vorgege­ben hatte, Larry Brent zu sein, schrumpfte in sich zusam­men.
Gleich löst es sich in Luft auf!, dachte X-GIRL-C instän­dig. Hoffentlich!
Dann füllte ein grauenhafter Schrei den Raum. Die Tür zum Badezimmer flog auf und knallte so hart gegen die Wand, dass sie in der oberen Hälfte aus ihrer Halterung brach und schief herumbaumelte. Rensenbrink, der gerade versucht hatte, sich wieder aufzurappeln, sackte erneut zu­sammen und verschränkte die Hände über seinem Kopf. Ihre Laserwaffe noch immer fest in der rechten Hand haltend, kaute Morna nervös auf ihrer Unterlippe.
Wie in einer billigen Show aus dem Free-TV glitt eine weiße Frauengestalt, die nackte Haut wie heller Marmor, aus dem Bad heran. Dann begannen die Konturen hin und her zu zucken, verschwanden und tauchten Sekundenbruch­teile später in einer anderen Ecke des Raums auf, wieder und wieder. Der spektakuläre Vorgang wiederholte sich binnen weniger Sekunden in unglaublich rascher Abfolge. Morna folgte den Bewegungen mit ihrer Waffe, so gut sie es ver­mochte, vermied es aber, erneut zu schießen.
Rensenbrink rüttelte schreiend an der Zimmertür, schaff­te es jedoch nicht, sie zu öffnen. Der Hotelangestellte war gleichsam von einer Minute zur anderen aus seiner vertrauten Welt gerissen worden und musste Höllenqualen durchleiden.
Morna richtete ihr Augenmerk wieder auf die Mitte des Raumes, in der zuvor das Erscheinungsbild von Larry Brent gestanden hatte. Jetzt saß dort, diabolisch grinsend, das Horror-Baby.
„Changye!“, schrie Morna wütend und drückte ab, doch der nadelfeine Laserstrahl traf lediglich erneut den Sessel an der Stelle, an der sich eben noch das Dämonenbalg befun­den hatte. Die PSA-Agentin fluchte und richtete ihren Blick blitzschnell nach oben, als sie aus dem Augenwinkel heraus eine Bewegung erhaschte. Vergnügt turnte und tanz­te Changye an der- Decke über ihr herum, als ob es keine Schwerkraft gäbe.
Plötzlich stand die weiße Frau neben dem Sessel, den Morna in Brand gesetzt hatte, und berührte ihn mit der Hand. Kurz darauf veränderte sich das Möbel, beschlug wie eine Brille, die unversehens aus der Kälte ins Warme kam, zitterte kurz und zersprang bei einer zweiten Berührung in unzählige kleine Eissplitter.
Morna nahm das Unmögliche gelassen auf.
„Blondie!“, quietschte das Horror-Baby direkt über der blonden Schwedin vor Vergnügen. Morna brachte sich, der Sinnlosigkeit ihres Tuns sehr wohl bewusst, durch einen schnellen Sprung außer Reichweite. Als ob Changye ihr einen Gefallen erweisen wollte, ließ sie sich genau an der Stelle, an der die PSA-Agentin eben noch gestanden hatte, zu Boden fallen.
Das Rauschen und Brodeln im Raum legte sich. Morna kam es so vor, als hörten Changye und die weiße Frau ir­gendetwas, das ihre eigenen Sinne nicht erfassen konnten.
Die plötzlich eingetretene Stille tat im ersten Moment gut, wurde dann aber von Rensenbrinks gequältem Stöhnen durchbrochen, der es nicht geschafft hatte, sich aus der Gefahrenzone zu bringen. Immer noch rüttelte er verzwei­felt an der Zimmertür und drehte unentwegt den Schlüs­sel hin und her, doch der Fluchtweg blieb weiterhin ver­schlossen.
Nun vernahm Morna von draußen aufgeregtes Rufen und Klopfen, doch das konnte es nicht gewesen sein, dem die weiße Frau und Changye lauschten. Da war mehr, etwas anderes, Übersinnliches, etwas für Menschen nicht Wahr­nehmbares. Morna bemerkte, dass beide Wesen in eine ganz bestimmte Richtung starrten. Die Schwedin folgte ihren Blicken und richtete ihre Augen auf die Wand gegenüber dem Bett.
Der Spiegel!
Vorsichtig bewegte sich Morna weiter nach rechts, um eine bessere Blickposition zu gewinnen. In diesem Moment wurde die Tür aufgebrochen. Das Krachen und Splittern von Holz durchdrang die inzwischen fast schon andächtige Stille. Zwei Männer taumelten, mit Eisenstangen bewaff­net, geduckt und offenbar auf alles gefasst, in das Hotelzim­mer. Sie entdeckten den verstörten Rensenbrink, eilten zu ihm und stützten ihn, indem sie ihn unter den Armen fass­ten. Währenddessen materialisierte sich die weiße Frau hin­ter ihnen. Wie ein Racheengel stand sie im Rücken der bei­den Männer, die die Erscheinung nicht bemerkt hatten, und berührte sie mit ihren Händen. Die Männer erstarr­ten inmitten ihrer Bewegung, wurden zu Eis, fielen um und zerbrachen. Die Eisbrocken und -splitter rollten bis hin zur Wand mit dem Spiegel.
Rensenbrink fuhr stöhnend hoch und fuchtelte mit sei­nen Armen herum. Die weiße Frau versuchte, ihn ebenfalls zu berühren, doch als der geschundene Hotelangestellte ohnmächtig zu Boden sank, hielt sie inne.
Im Spiegel, das hatte Morna längst erfasst, war das Gesicht einer Inderin zu sehen. X-GIRL-C kannte diese Frau. Es war die Hellseherin, die ihr vor Jahren in Paris be­gegnet war, wo sie zusammen mit Larry mehrere Mordfälle gelöst hatte. Der Spiegel vibrierte wie eine Lautsprecherbox und drückte ein lang gezogenes, unmenschliches Neiiiiiin! aus seinem Material. Dieses Wort ertönte in einer für Morna unbekannten Sprache, dennoch wusste die Schwe­din um dessen Bedeutung. Dieses Nein! füllte den Raum aus, ließ das Horror-Baby und die weiße Frau wie Mäuse in einer Falle hin und her huschen und bereitete den bei­den unheiligen Dämonen sichtbare Pein. Sie wanden sich unter Schmerzen und versuchten sich zu verstecken. All das wirkte auf Morna hilflos, ja fast lächerlich. Gleichzeitig er­zeugte dieses allumfassende Nein! in ihr ein unglaublich gutes Gefühl. Je mehr Qualen die teuflischen Dämonen empfanden, umso mehr spürte Morna, wie ihre eigene Kraft und Selbstsicherheit zurückkehrten.
Die weiße Frau und Changye wurden zu Zerrbildern ihrer selbst, wirkten plötzlich wie die Schatten aus einem schlechten Fernsehbild. Die Schwedin war versucht, er­neut zu schießen, doch sie wollte den magischen Moment nicht zerstören und ließ diesem Nein! weiter freien Raum. Sie ahnte, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis die beiden Dämonen unter unsäglichen Schmerzen verschwin­den mussten.
Und genau so kam es. Mit dem Zersplittern des Spiegels lösten sich auch Changye und die weiße Frau in nichts auf, und Morna war sicher, dass sie ihre verhallenden wütenden Schreie noch lange hören konnte. 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 58, 2. Spalte, 8. Absatz – Seite 63, 1. Spalte, 1. AbsatzEs folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.


Larry Brent-TB 1 „Das Horror-Baby“

Seite 130, 2. Absatz – Seite 134, 6. Absatz
Als sich Larry Brent in der Nacht dem Hotel näherte, sah er bereits aus der Ferne das blau-weiße Lichtgewitter. Er beschleunigte und bog kurz darauf mit quietschenden Rei­fen auf das Hotelgelände ein. Auf dem kleinen Parkplatz drängten sich Einsatzfahrzeuge der Polizei sowie Rettungs- und Notarztwagen. Mit gezücktem Ausweis bahnte sich der PSA-Agent seinen Weg durch hektisch hin und her lau­fende Beamte und Hotelangestellte.
„Was ist passiert?“, rief er, als er die dunkelhaarige Rezeptionistin sah, doch durch den Lärm konnte er nicht verste­hen, was sie sagte. Als er näher an sie herantrat, erkannte er, dass die junge Frau kreidebleich und ihr hübsches Ge­sicht durch Tränen und Schminke verschmiert war.
„Wir haben einen neuen Gast bekommen“, begann die Frau stockend. „Eine Schwedin.“
„Was ist mit ihr?“
„Ich ...“ Die junge Frau begann wieder zu weinen. „Zwei Gäste sind ... sie sind ... ich glaube, sie sind gestorben.“ Sie drehte sich um, schlug die Hände vor ihr Gesicht und lief davon.
„Herr Brent!“
Larry fuhr herum. Der schwache Ruf war aus einem der Krankenwagen gekommen, in dem Rensenbrink auf einer Trage lag. Der Hotelangestellte sah furchtbar aus. Sein Kopf war blutverschmiert, die Augen waren vor Angst geweitet.
X-RAY-3 eilte sofort auf den Mann zu. „Was ist passiert?“, fragte er wieder.
„Ich habe Sie gesehen, Herr Brent“, antwortete Rensenbrink langsam und mit schwerer Zunge. Larry vermutete, dass man ihm ein Beruhigungsmittel verabreicht hatte. „Doch Sie waren es nicht.“ Er streckte zitternd eine Hand nach dem Agenten aus. „Sie waren es nicht!“ Er stöhnte, seine Lippen bebten. „Sie waren es nicht!“
Larry wusste nicht, was er anderes hätte tun können, also ergriff er die Hand des Mannes und drückte sie sanft.
„Sie waren es nicht!“, wiederholte Rensenbrink noch ein­mal.
Larry nickte nur stumm, ließ die Hand los und drehte sich um. Hinter seinem Rücken schlossen die Sanitäter die Türen des Krankenwagens.
Als Larry sich wieder dem Hoteleingang zuwandte, kam ihm Morna entgegen. Das könnte jetzt kitschig werden, dachte er noch, dann fielen sie sich gegenseitig in die Arme.
„Geht's dir gut, Schwedenfee?“, fragte X-RAY-3, als sie sich wieder voneinander gelöst hatten.
„Jetzt ja, Larry!“ Sie nickte ihm zu. „Zum Glück ist der Spuk vorbei.“
Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Erzähl mir alles.“
Nachdem Morna in gewohnt knappen Sätzen ihren prä­zisen Bericht beendet hatte, sah Larry die blonde Schwedin lange an. „Dann hat sie Wort gehalten“, sagte er schließlich.
„Wer?“
„Sheherezade. Sie hat sich auch mir offenbart. Leider feh­len mir immer noch die genauen Zusammenhänge. Eins ist jedoch klar: Der Angriff aus dem Jenseits galt gezielt uns beiden, dir und mir. Und er dauerte bereits einige Wochen an.
„Seit wann?“, hakte Morna nach. „Vermutlich seit unserem Fall mit der Davinci-Loge. Man hat mit uns gespielt.“
„Gespielt?“
„Ja. Es hat nie einen X-RAY-8 gegeben.“
„Aber Robert war dein Bruder, Larry!“
„Ich hab nie einen Bruder gehabt, Morna.“
„Du hast aber doch selbst daran geglaubt.“
„Da hatte man uns längst im Griff. Wir wurden mani­puliert. Ich habe auch an Dodo geglaubt, doch seit 9/11 habe ich sie nicht mehr gesehen, auch nicht mehr mit ihr gesprochen. Von einem Tag zum anderen war sie wie vom Erdboden verschwunden.“
Morna sah ihn völlig perplex an. „Aber sie war doch bei dir.“
„Nein, Morna“, entgegnete Larry leise. „Du warst bei mir.
„In der Zeit war ich doch nicht einmal mit dir zusam­men!“, rief die Schwedin. Das Tohuwabohu um sie herum schien sie nicht mehr zu interessieren. „Ich war mit Robert ...“ „Du warst nur mit mir zusammen, Morna. Robert gibt es nicht ... er hat nie existiert.“ X-GIRL-C wirkte verzweifelt und verwirrt. „Woher weißt du das?“
„Die Inderin hat es mir berichtet. Sheherezade behaup­tet, nach ihrem Tod die Verbindungen zu dem Nachtmahr im Jenseits nie aufgegeben zu haben. Sie hat offenbar gewusst, dass diese verbitterte Frau erneut von dämonischen Kräften heimgesucht und zu einer großen Gefahr werden kann.“
Morna nickte. „Ich habe sie gesehen, im Spiegel meines Zimmers. Sie hat mir das Leben gerettet. Die weiße Frau und Changye waren zuvor bei mir, doch die Inderin konnte die beiden Dämonen bannen und vielleicht sogar vernich­ten.
„So hatte sie es mir versprochen“, sagte Larry leise. „Dass es allerdings so schnell gehen würde, hab ich nicht vermu­tet.
„Der Spuk ist vorbei, Larry.“ Morna suchte erneut den Körperkontakt zu ihrem Kollegen. „Allerdings konnte Sheherezade nicht verhindern, dass zwei Gäste getötet wurden, die in mein Zimmer eingedrungen waren, um zu helfen.“
„Das ist furchtbar.“ Larry streichelte ihr Haar. „Und du hast gesehen, wie Changye zerstört wurde?“
„Das hab ich, Larry. Dieses Terror-Baby existiert nicht mehr, andernfalls wäre ich jetzt sicherlich nicht hier. Die­ses verteufelte Ding hat mit mir gespielt wie die Katze mit der Maus, bevor die Beute sterben muss.“
Larry schaute sie nachdenklich an. „So wird es sein.“
„Dieses Dämonenbalg hätte mich gerne weiter gequält und dann getötet. Ich spüre den tödlichen Hass immer noch. Es war grausam.“
Zwei Uniformierte drängten sich in die Nähe der beiden PSA-Agenten. „Bitte, verzeihen Sie, aber wir haben noch ein paar Fragen an Sie, Frau Ulbrandson.“
Larry löste sich von Morna und trat einen Schritt zurück, als ein Krankenwagen in Schrittgeschwindigkeit dicht an ihm vorbeifuhr. Rensenbrinks fahles Gesicht war schwach durch die Milchglasscheibe zu erkennen. Larry beugte sich vor. Der Mann zeigte immer noch mit zitternder Hand in seine Richtung und bewegte seine Lippen.
Für einen Augenblick glaubte Larry in den Konturen Robert Kane zu erkennen, seinen fiktiven Bruder, den er nie gehabt hatte.
„Robert ...“ Gedankenverloren sah er dem Notarztwagen hinterher. „Offenbar hab ich mir immer einen Bruder gewünscht. Die Dämonen graben sich verdammt tief durch meine Seele.“
Ein tiefes Seufzen ging durch seine Brust. Es tat sehr weh, jemanden zu verlieren, selbst dann, wenn man ihn sich nur eingebildet hatte.
„Hast du etwas gesagt, Larry?“ Morna war wieder bei ihm.
„Nur laut gedacht.“ Er küsste seine Kollegin auf die Stirn. „Alles wird gut, Schwedenfee.“ 

Gespenster-Krimi 2.0-Nr. 3 „Die andere Ebene“
Seite 63, 1. Spalte, 2. Absatz – Seite 65, 2. Spalte, 5. Absatz
Es folgte der veränderte Text des Bastei Verlages. Ein Vergleich ist nun hier nicht mehr möglich, da uns die Bastei-Lübbe AG die Verwendung des Textes per Abmahnung untersagt hat, weil diese zu umfangreich sind.

 

E N D E

Kommentare  

#1 Mikail_the_Bard 2019-01-24 09:56
Recycling ist ja nicht unüblich wenn z.B. ältere Romane der einen Serie in einer anderen Serie aufgegehen (Western z.B.). Die werden dann umgeschrieben, etwas angepasst und fertig. Und dem normalen Konsument, der nicht, wie Fans, alles liest was auf den Markt kommt :), fällt es nicht auf.
Ich hab mir gestern den kompletten Beitrag mehrmals durch gelesen und ja es ist eine zu fast 100% identischen "Verwurstelung" des Larry Brents.
Ich muss mir doch tatsächlich mal die Larry Brents besorgen, die nach den Originalen LBs kamen. Ich habe da scheinbar einiges verpasst?
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#2 Martin Baresch 2019-02-01 15:21
@mikail: Oh ja, besorg Dir die Brent-TBs unbedingt, die nach den Originalen kamen. In der No. 2 oder 3 hüpft PSA-Agentin Morna ständig nackig durch die Gegend. Great Performance.
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#3 Mikail_the_Bard 2019-02-04 19:56
zitiere Martin Baresch:
In der No. 2 oder 3 hüpft PSA-Agentin Morna ständig nackig durch die Gegend. Great Performance.

Also nackte Mädels, die quitschvergnügt durch die Gegend hüpfen, kannte ich als (damals noch) unschuldiger Marlos-Bürger nur aus den WKG Comics. :)
Und wenn ich naggische Frauen durch die Gegend (und sonst etwas auch noch) hüpfen sehen wollte (in meinem Alter und das Herz usw.) dann müsste ich jetzt in die Film-Sparte (1 EUR in die Wortspielkasse) reinrutschen.
Warum, bei den Brüsten der Aphrodite und dem Phallus des Dionysos, sollte Morna Ullbrandson das machen? Die Serie heißt Larry Brent, nicht Leisure Suit Larry!
Ich muss tatsächlich die Teile lesen.
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