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Amazing Pulps Teil 3: Raymond A. Palmers Redaktions-Revolution - Der junge Wilde (1938-44)

Amazing PulpsTeil 3: Raymond A. Palmers Redaktions-Revolution
Der junge Wilde
(1938-44)

Raymond Palmer gilt bis heute bei orthodoxen SF-Fans als eine Art Judas. Niemand in diesem Genre wird so gehaßt wie er, kein anderer Herausgeber eines SF-Magazins ist so oft geschmäht und beleidigt worden.

Hat er das wirklich verdient?


Raymond A. PalmerI.
Bücher, die sich mit SF-Geschichte oder ästhetischen Aspekten dieses Genres beschäftigen, sind bis in unsere Zeit hinein oft recht dogmatisch geprägt. Das heißt, es findet kein Versuch einer objektiven Sichtung des Materials statt, sondern der Blick auf die Geschichte folgt Schablonen. Folglich kann der erstaunte unbefangene Leser hier tatsächlich – ganz in der Terminologie mittelalterlichen Kirchenschriften – mitunter noch den Vorwurf der Ketzerei, des Abweichlertums und der Entehrung finden. Alle diese abwertenden Begriffe wurden auf einen behinderten kleinen Mann angewendet, der versucht hat, Farbe und Abwechslung in die SF-Szene der 40er und 50er Jahre zu bringen. Raymond A. Palmers Haupt-Provokation bestand darin, nicht (nur) für die eingefleischten SF-Fans mit ihren Zeitschriften und kleinen Organisationen schreiben zu wollen, sondern vor allem für die andern – die Nicht-Fans. Ein Todesurteil in den Augen der meisten SF-Experten. Schnee von gestern? Man lese die herabsetzenden Zeilen in der online-Ausgabe der „Enzyclopedia of Sciene fiction“, wo es auch heute noch im Artikel zur Zeitschrift Amazing Stories heißt:

„Ray Palmer (…) actually damaged the image of SF.“

SF-encyclopedia.com

Kann sein! Doch die Geschichte hat uns eines gelehrt -  Querulanten, die ein festgefügtes Image beschädigt haben, wirken in späteren Zeiten meist mutiger und sympathischer als die beschädigten Hohepriester unantastbarer Wahrheiten. Palmer ist ein guter Kandidat für eine Rehabilitierung. Zwei neue Biographien der letzten letzten Jahre deuten die Kehrtwende an und zeigen ihn in neuem Licht. (Richard Toronto, War over Lemuria, 2013, und Fred Nalis, The man from Mars, ebenfalls 2013).    

Fantastic AdventuresII.
Der Bilderstürmer hatte eine extrem schwere Kindheit. Durch einen Verkehrsunfall brach seine Wirbelsäule, die Ärzte gaben ihn auf. Er überlebte, behielt einen Buckel – und verwandelte sich nach diesem Erlebnis in eine ebenso zähe wie esoterisch orientierte Persönlichkeit. Diese Kombination – Mißtrauen gegenüber jeder Art von Dogma oder Autorität – und ein Hang zum Okkulten, ein gewisser Wunderglaube, begleiteten ihn lebenslang. Hinzu kam eine weitere für die SF entscheidende Begabung – Palmer war einsam aufgewachsen und dürstete immer nach Gesellschaft, er war ein Kommunikationsfreak. Als er die Redaktion von Amazing Stories 1938 übernahm, wurden seine Bowling-Abende mit den Mitarbeitern des Blattes bald legendär, ebenso seine täglichen Besuche in einem deutschen Bierkeller (wie ein Drittel seiner Heimatstadt Milwaukee war er deutscher Abstammung). Wichtiger war jedoch seine geradezu magische Fähigkeit, mit Lesern zu kommunizieren. Kaum hatte er die Redaktion von Amazing übernommen, gestaltete er die dröge Diskussionsseite des Blattes um. Palmers Philosophie war: Keine puren Lobeshymnen. Die Leserbriefseite sollte einen Stimmungs-Durchschnitt bieten durch die Leserschar, egal ob freundlich oder feindlich gesinnt. Er druckte alles – Elogen auf sein Blatt wie heftige Verrisse, analytische Kritik und völlig durchgeknallte Verschwörungstheorien am Rande des Wahnsinns. Selbst in den Zeiten der heftigsten Angriffe auf sein Blatt druckte er tapfer solche Beschimpfungen ab. Für die SF-und Pulp-Forschung sind diese realistischen Seiten eine ideale Fundgrube.

Selbst eingefleischte Gegner Palmers räumen bis heute – oft zähneknischend - ein, dass keine andere SF-Magazin-Leserseite so lebendig zu lesen war die von Amazing unter Palmer. Viele Zeitgenossen bekannten, zuerst diese „Discussions“ zu lesen, bevor sie irgendeine Story anfingen. So findet sich gleich in den ersten Ausgaben des neuen Amazing ein herrlich erfrischender Zoff zwischen Donald A. Wollheim (dem späteren Tolkien-Herausgeber) und Palmer.

Doch Palmer, als 28jähriger auf dem Chefsessel des altehrwürdigen Amazing angekommen, das nach dem Verkauf an Ziff/Davis nach Chicago umgezogen war, entrümpelte nicht nur die Leserseite.  Heute muten seine zielstrebigen, wirkungsvollen Reformen, die bald die gesamte SF-Fan-Szene in kochende Wut versetzen sollte, so an, als wären sie von langer Hand geplant und genau überlegt. Das war vermutlich auch so, denn Palmer handelte nicht allein. Hinter ihm standen die fictioneers, sein alter Pulp-Fiction-Club aus Milwaukee, bei dem er sich Rat holte und dessen Träume vom idealen Pulp-Magazin er umsetzte.

Fantastic AdventuresDie ficioneers waren kein reiner Haufen SF-Freaks. Unter ihnen waren auch Western- und Horror-Autoren. Das Ideal eines SF-Magazins, das dieser Gruppe vorschwebte, war Äonen entfernt von dem des elitären, eher intellektuell veranlagten SF-Fans. Waren diese Gruppen grade dabei, eine eher „reine“ SF, oder „High SF“ zu destillieren, die sich eklatant von allem anderen Genres unterschied, strebten die fictioneers mit Palmer an der Spitze eine Vermengung der Sf mit anderen Genres an, besonders mit der Fantasy und dem Horror, aber auch mit dem Western und der damals populären Sport-Geschichte. Zwar fiel dabei noch nicht das später in den 50ern von Palmer (In „Other worlds“) proklamierte legendäre Wort „No rules!“, doch es ging schon in diese Richtung. Palmers Ziel war es, die SF in die Pulp-Ästhetik zu integrieren, während sein frischgebackener Konkurrent John W. Campbell als neuer Chef bei Astounding genau das Gegenteil wollte – alles Pulpisch-Grelle, Abenteuerlich-Reißerische aus der SF entfernen und sie zu großer Literatur umformen.

Palmer las die Astounding-Hefte mit kritischer Begeisterung, während Campbell nur Verachtung für Amazing übrig hatte. Palmer, immer wieder gefragt, warum er als Bewunderer Campbells nicht dessen Kurs einschlug, antwortete kontinuierlich: „Warum soll ich ihn imitieren? Das machen doch schon alle anderen“.

Der Pulp-Kurs wurde mit Volldampf betrieben und bekam bald eine überdrehte selbstironische Note. Während Campbells Cover immer seriöser wurden und sich immer weiter von jeglicher Pulp-fiction-Anmutung entfernten, gab sich Palmer, fast wie zum Trotz, immer grellbunter, lärmender, effekthascherischer  - ja er erfand sogar das „Back-Cover“. Die ewig gleichen drögen rückseitigen Werbeanzeigen wurden durch schrille Bilder ersetzt, meist fanden sich dort seltsame Aliens, fremdartige Städte auf andern Planeten oder Raumschiff-Grundrisse.

In Rekordgeschwindigkeit hatte er innerhalb weniger Monate das angeschlagene Amazing nicht nur aus den roten Zahlen herausgeholt, sondern zum meistverkauften SF-Blatt Amerikas gemacht, ein Umstand, den er dem mürrischen Campbell unentwegt während seiner gesamten Redaktionszeit unter die Nase rieb, besonders in Palmers letzten Jahren, als Amazing etwa 10mal so viele Exemplare absetzte wie Astounding.

Fantastic AdventuresIII.
Der feste Autorenstab des neuen Amazing war fast völlig neu – nur wenige Leser hatten vorher jemals etwas von ihnen gehört, viele debütierten hier. Einzig ROBERT MOORE WILLIAMS war schon bekannt, ein SF-Autor mit stark fantasylastigem Einschlag, ein eleganter Stilist aus der Schule Burroughs' & Merritts, allerdings nicht immer originell. Er schrieb aber solide Stories durch die gesamte Palmer-Periode. Aufregender ist da schon Palmers Autor Nr. 1, DON WILCOX. Wilcox war lange vergessen, wird jetzt im 21. Jahrhundert allmählich wiederentdeckt als großartiger Geschichtenerzähler, der sich in keine Schublade stecken läßt und dessen Stories meist eine starke emotionale Komponente haben. Er hat sehr beeindruckende fantasylastige SF für Palmer verfasst („The hollow Planet“, ein Kurzroman mit einer originellen Hohlweltvision), seine Hauptstärke lag allerdings in den Weird/Horror-Stories. Die populärste für Palmer war „The whispering Gorilla“, (Der flüsternde Gorilla); in einigen nähert er sich durchaus der Qualität von E.T.A. Hoffmann (Madmoiselle Butterfly) oder E.A. Poe (The secret of the stone doll, „Das Geheimnis der Steinpuppe“).

Ein extrem populäres Team waren WILLIAM P. McGIVERN und DAVID WRIGHT O'BRIEN. Beide teilten sich ein Büro in Chicago und heckten meist die Ideen für ihre Stories gemeinsam aus.

Ihre Stärke lag in bizarr-parodistisches Fantasy, die ihre Wurzeln zunächst in den humoristischen Romanen von P.G. Wodehouse hatte, bald aber zu etwas sehr Eigenständigem aufblühte, eine bizarre Welt von dämlichen Dschinns, rachsüchtigen Wunschfeen, zerstreuten Magiern und neurotischen Dämonen  – ein Kosmos des Absurden, der Terry Pratchetts Welt nicht nur vorwegnimmt, sondern an Einfallsreichtum vielleicht sogar übertrifft. Beide schrieben aber auch ernste Stories für Palmer, besonders im Horror-und SF-Genre; McGivern steuerte – schon hier ganz der spätere Krimi-Meister - einige sehr ungewöhnliche Hard-boiled-Storys bei, etwa die brutale Story „The ghost who haunted Hitler“, die den Mord am SS-Chef Heydrich in Prag und die anschließenden Massenmorde in Lidice behandelt.  

Fantastic AdventuresDass so viele Mischgenres bedient wurden, war, wie gesagt, ohnehin Palmers Wunsch und Direktive, doch selbst tolerante SF-Freunde hätten das auf die Dauer und in diesem Umfang und Maßstab nicht akzeptiert. So kam 1939 ein zweites Blatt für phantastische Literatur hinzu – Fantastic Adventures. Eigentlich zunächst von Palmer als zweitrangiges Magazin gesehen, entwickelte es sich schnell zur vielseitigeren und originelleren Zeitschrift.

Auch die Konkurrenz versuchte sich grade an solch einer Schwesternzeitschrift. Etwa zeitgleich gründete John W. Campbell als Ergänzung zu Astounding „Unknown“, das eigentlich dieselbe Funktion erfüllen sollte wie Fantastic Adventure – einerseits Überlaufbecken für viele originelle Stories, die im Hauptblatt keinen Platz mehr fanden, andererseits Experimentierfeld für das junge Genre Fantasy. Obwohl sich „unknown“ viel Mühe gab, gute hochwertige Fantasy zu liefern, blieb auch hier Fantastic Adventure erfolgreicher. Während „unknown“ 1943 eingestellt wurde, überlebte Fantastic Adventure bis 1980 (seit 1953 mit knapperem Titel als „Fantastic“). Die Mischung war abenteuerlich im Wortsinne: Auch hier erschien SF, meist frühe Varianten des später als „science fantasy“ bezeichneten Subgenres – lange verpönt, heute wieder mit Vergnügen zu lesen. Vor allem blühte hier aber der Nonsense und der Horror in tausend Spielarten.

Die heitere arkardische, fein zisellierte Prosa des „Unknown“ konnte nicht mithalten mit dem brausenden monty-python-haften Gewittersturm der Groteske, der hier in immer neuen absurden Abenteuern die Leser entzückte, meist sofort erkennbar an den schwachsinnigen Eigennamen. Palmer erinnerte sich hier an frühe ähnliche lustige Geschichten im alten Amazing Gernsbacks   (zb. Mr. „Fosdick invents the Seidlitzmobile“ von Jaques Morgan, das in der Juniausgabe 1926 erschienen war, eine Story um ein Auto, das mit Abführmittel betrieben wird). Die erste neue absurde Geschichte stammte vom prominenten SF-Autor Nelson S. Bond und hieß „The amazing invention of Wilferforce Weems“. Der Erfolg war so groß, dass bald ganze Serien von Grotesken folgten: Etwa die Lancelot Bigg-Serie (14 Teile) über einen tollpatschigen Astronauten, (auch von Bond). Oder „Oscar, der Detektiv vom Mars“, eine kleine Reihe über ein Alien mit exzellentem hundeähnlichen Geruchssinn, das auf der Erde eine Detektei gründet (von James Norman, 5 Teile) Und – als Hauptspaß – eine Serie über eine Art amerikanischen Münchhausen, der den genervten Ich-Erzähler nicht weniger als 23 mal mit abartigem Garn nervt: Lefty Feep. Sein Erfinder: Robert Bloch, bis zum Tode ein Autor, der trotz aller Verleumdungskampagnen immer zu Palmer gehalten hat und seine Position in einem Artikel für die Januarausgabe 1984 von Amazing Stories noch einmal bekräftigte.

Fantastic AdventuresIV.
A propos Bloch – klar war er dabei! Er gehörte zu den fictioneers und kannte Palmer aus frühen Tagen in Milwaukee. Er war zwar kein Stammautor, steuerte für Palmers Blätter aber die beeindruckende Summe von 50 Stories bei, wofür Bloch sich durchaus nicht schämte („Ich finde, dieser Output rivalisiert durchaus mit der Anzahl von Stories, die ich für Weird Tales geschrieben habe“ meinte er stolz.)

Dennoch zählt Bloch eher zu den prominenten Gaststars. Palmer hatte durchaus ein Faible für beide Gruppen von Gastautoren – Newcomer und alte Haudegen. Er ermunterte Legenden wie Tarzan-Autor Burroughs, wieder zur Feder zu greifen und für ihn zu schreiben. Einige sehr schöne späte Mars- und Venus-Fantasy-Abenteuer kamen dabei heraus. Und SF-Veteran Eando Binder schuf mit seinen Geschichten um Adam Link, einem Roboter als Ich-Erzähler, einige der besten Palmer-Amazing-Stories überhaupt. Adam Link war etwas völlig neues in der SF. Binders erste Adam-Link-Story, „I, Robot“, hatte großen Einfluß auf Asimov. Dessen erste Geschichten sind übrigens auch in Palmers „Amazing Stories“ erschienen.

Etwas später stieß ein weiterer Hauptautor hinzu, vielleicht nicht der aufregendste im literarischen Sinne, doch für die Biographie von Palmer extrem wichtig: Leroy Yerxa. Yerxa, sowohl fürs Horror- wie Fantasy-Genre talentiert, war ein junger arbeitsloser Dilettant, den Palmer unter seine Fittiche nahm, nachdem er in sein Büro spaziert war und ihm seine erste  Geschichte zeigte.

Fantastic AdventuresEbenfalls in Palmers Leben spaziert war mit Yerxa dessen hübsche Frau Frances, deren beste Freundin Palmer bald heiraten sollte- die Yerxas und die Palmers wurden ein unzertrennliches Quartett.

Yerxa stieg vom tastenden Anfänger schnell zum Amazing-Publikumsliebling auf und bedrohte auf dem Höhepunkt seines Erfolges sogar Wilcox' Ruhm. Die Dezember-Ausgabe von Fantastic Adventure 1943 bestritt er allein mit 10 Stories, deren Farbe, Anmutung und Thematik beeindruckend voneinander abweichen. Bald entwickelte sich Yerxa, zusammen mit den blutjungen O'Brien, zur neuen Garde des Blattes und zu Palmers Lieblingsautoren. Beide Mitzwanziger starben tragischerweise kurz hintereinander. O'Brien fiel Ende 1944 im 2. Weltkrieg, und Yerxa, freigestellt wegen eines Herzfehlers, erlag seiner Krankheit 1946. Für Palmer war das ein Schock, der sein Leben veränderte und ihn neue, dunklere Wege gehen ließ – sein fröhlich-trotziger Stil wich nach dem Ende des 2. Weltkrieges einer ruhelosen Suche nach okkulten Lösungen der Existenzfrage. Hatte er schon lange vor 1945 ein starkes Interesse an Okkultismus, Geheimlehren und sonderbaren esotherischen Theorien gezeigt und seine Magazine in weit größerem Maße als Gernsback für die dunkle Seite des Phantastischen geöffnet, sollte diese Seite in der Nachkriegsära sein Blatt so stark prägen, dass sich selbst loyale Amazing- und Fantastic-Adventure-Fans fragten, ob sie immer noch ein SF- bzw. Fantasy- Blatt lasen.

Entscheidend für den sensationellen Stilbruch war Palmers Begegnung mit dem paranoiden und schizophrenen, aber hochbegabten Hobbyautor Richard Shaver, der nicht nur Palmers Denken, sondern die Geschichte von Amazing Stories und der SF nachhaltig beeinflussen sollte.

Fantastic Adventures1943 trafen erste Briefe von Shaver ein, die behaupteten, er hätte Beweise dafür, dass die Erde vor zehntausenden Jahren von einer hochintelligenten Alienrasse bewohnt gewesen sei. Und obwohl die längst wieder verschwunden wäre, hätte sie nicht nur Spuren hinterlassen, sondern auch eine kleine Gruppe von dämonischen Meuterern, die heute in unterirdischen Höhlen existiere und den Untergang der Menschheit plane.

Die Historie geht mitunter seltsame Wege. Der erste dieser Briefe lag schon im Papierkorb - Vizechefredakteur Howard Brown hatte ihn dort kopfschüttelnd hineingeworfen. Palmer holte ihn wieder heraus. Und druckte ihn. Und beschwor damit den größten Skandal der SF-Geschichte herauf.

Amazing Stories – Die Palmer-Jahre bis zum Shaver-Mysterium 1938-44
Amazing Stories: 68 Ausgaben
Fantastic Adventures: 48 Ausgaben
Herausgeber: Ziff & Davis Publication, Chicago

Nächste Teile:
Teil 4: Todesstrahlen in Chicago. Amazing Stories und der Shaver-Skandal (1944-48)
Teil 5: Der Riese in der Krise – Amazing weiß nicht wohin (1949-53)
Teil 6: Falsche Freunde? – Amazing wird seriös (1953-65)
Teil 7: Amazing Stories reloaded: Ableger, Konkurrenten, Nachfolger (1949-heute)

Kommentare  

#1 AARN MUNRO 2017-05-03 08:47
Ich danke für diesen schönen, spannenden Artikeln (obwohl man aus meinem Pseudo ja sicher meine Vorliebe für campbellartige Stories erkennen kann ...). Dennoch habe ich auch nichts gegen schön breitwandig erzählte Abenteuer a la Burroughs etc.
Nur das mit der "seriöseren" Literatur schien mir irgendwie nicht so zu sein. Ich dachte immer, Campbell wolle mehr "Hard-SF" mit pseudowissenschaftlichen Begründungen, weniger Sense of Wonder im Sinne von Fantasyerzählungen oder Horror, weniger Irrationales, Durchgeknalltes (es sei denn, es wäre ein durchgeknallter Wissenschaftler), sondern mehr im Sinne des "science"in der "science-fiction". Mehr Gadget-Stories. Dass diese Art von Literatur aber "seriöser" sein soll, als die barock breitwandigen Stories geht mir irgendwie nicht ein. Im Notfall bitte mal begründen. Danke. ;-)
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#2 Matzekaether 2017-05-05 15:39
Lieber Aarn Munro,
Meine Lektüre der Campbellschen Editorials und vor allem der vielen, vielen theoretischen Auslassungen seiner Vasallen Asimov und Shuyler Miller legen eigentlich beide Bestrebungen nahe. Die Entwicklung einer Geschichte als SF sollte immer auch eine gesellschaftliche/soziale Komponente haben, und stilistisch sollte sich die Sprache deutlich vom Pulp abheben und der "großen" Literatur annähern. Geführt wurde die Debatte immer unter der Flagge "Adult SF", d.h. die Campellianer beanspruchten für sich, eine Literatur für Erwachsene zu produzieren, während Pulps eher angeblich "juwenal stories" produzierten.Diese Debatte führte lange zu Rückzugsgefechten der Palmianer/Pulpianer, bis sich Mitte der 1950 Jahre eine Krise in der SF-Heftszene abzeichnete und sich zeigte, dass "adult" vor allem elitär hieß und es eine Menge Erwachsene gab, die sich nach einer abenteuerlicheren, action- und fatasyreicheren SF-Literatur sehnten. Plötzlich ruderten dann sogar die "edlen" Magazine zurück - das Magazin "Fantasy and SF" brachte eine Schwesternzeitschrift mit dem Titel "Venture SF" heraus, und ab 1965-70 brachte Amazing nur noch Nachdrucke aus der "guten alten Zeit". Die meisten Magazine verschwanden von Markt, weil es keine Massenbasis mehr für sie gab - und nicht genug "Erwachsene", die das lesen wollten.
Dennoch ist ja sonnenklar, dass Campbells Magazine und auch Galaxy/If/ F-SF , die einen milden campelliansichen Kurs fuhren, eine ganze Flut an genialen Geschichten produziert haben. Tragisch ist nur, dass eben auf die Pulp-SF/Super SF so eine Hexenjagd gemacht wurde (und teilweise noch wird). Deswegen find ich grade den Zauberspiegel einen tollen Ort, um an diese Verleger/Autoren zu erinnern, die sich mehr in der populär-Literatur orientiert haben und deswegen fast vergessen sind.
Ich finde die Bemerkung von dir aber interessant - tatsächlich hat, glaube ich, Sam Moskowitz mal boshaft bemerkt, hinter dem ganzen Technikgewitter des Campellschen Astounding/Analog-Magazins verberge sich eigentlich nichts anderes als die Fortsetzung der antiquierten alten Gernbeckschen "Gadget"-Story, nur modisch übertüncht. Das hat er aber über die Zeit gesagt, als Campbells Zeitschrift wirklich nicht mehr gut war (60er).
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#3 Andreas Decker 2017-05-06 10:29
Zitat:
die Campellianer beanspruchten für sich, eine Literatur für Erwachsene zu produzieren, während Pulps eher angeblich "juwenal stories" produzierten
Ernsthaft? Literatur für Erwachsene? Als wären Stories der Campellianer letztlich keine amerikanischen Allmachtsphantasien im Weltraum. Die haben sich alle wirklich viel zu ernst genommen.
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