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Österreichische SF-Heftreihen von 1948 bis 1965: Der dritte Weltkrieg

Östereichjische SF Österreichische SF-Heftreihen
von 1948 bis 1965

Der dritte Weltkrieg

In den 50er und 60erJahren haben sich mehrere österreichische Verlage auch auf dem Gebiet der Science Fiction und Fantasy versucht, wobei diese Reihen und Romane im Laufe der Zeit weitgehend, meiner Meinung nach zu Unrecht, in Vergessenheit geraten sind. An diesem Thema Interessierte möchte ich auf den Artikel von D. Wrath über „Utopische Leihbücher und Romanhefte aus Österreich“ verweisen.


Ich will versuchen, einige dieser Romane wieder ins Gedächtnis zu rufen: Romane, die nur mehr teilweise, wenn sie überhaupt auf den Markt kommen, für uns Sammler zugänglich sind.

Als nächstem Objekt möchte ich mich einer weiteren Besonderheit zuwenden, der Romanreihe „Bärenbücher“ der Linzer Demokratischen Druck u. Verlags- Gesellschaft, bei der insgesamt 4 Bücher in den SF-Bereich hineinspielen. Davon möchte ich 3 Bücher eines auch heute noch bekannten Sachbuchautors vorstellen, nämlich von ...

Östereichjische SF Der dritte Weltkrieg
Als Autor firmiert Louis Emrich, einer der wenigen Heft-Autoren, die sich nicht hinter einem Pseudonym verstecken.

Er hieß Ludwig Friedrich Emrich, später nannte er sich nur noch Louis Emrich (Professor h. c. Louis Emrich). Er wurde am 17. März 1893 in Lambrecht in der Pfalz geboren und starb am 28. Januar 1974 in Baden-Baden.

Nach der Schule begann er eine Laufbahn im Zeitungswesen und war von Januar 1917 bis Ende Februar 1919 der verantwortliche Redakteur des General-Anzeigers in Neustadt an der Haardt. Später verschrieb er sich der Psychoprognostik, was man heute als Trend- oder Zukunftsforschung bezeichnen würde.

1934 gründete er in Straßburg einen Verlag in der die Halbmonatszeitung - Neues Europa – herausge- bracht wurde.

Die Nationalsozialisten verboten seine Schriften und schoben ihn nach West-Frankreich ab, wo er im Lager von le Vernet interniert wurde. Die Franzosen schätzen sein Wissen und ehrten ihn mit mehreren Titeln.

Er gab noch viele prognostische und esoterische Bücher heraus.

Für alle an diesen Themen Interessierte folgt hier eine auszugsweise Bibliographie:

  • Alte und neue Prophezeiungen über den Weltkrieg der Zukunft.
    Verlag Neues Europa, (1938).
  • Das europäische Chaos und seine Überwindung. Die nihilistische Phase 1946-1949.
    Europa Verlag, 1945
  • Die Zukunft des Abendlandes: Europa in der Welt von morgen.
    Mondial-Verlag, 1946.
  • Die mit dem Flügelkreuz. Ein Fliegerroman aus dem ersten Weltkrieg
  • Flüssige Kohle. Ein Roman aus dem Gebiete der Kohlen Chemie
  • Östereichjische SF Magie der Zahlen. Der Mensch und seine Glücks- und Unglückszahlen.
    Lebensweiser Verlag, 1952.
  • Wohin steuert die Welt? Was wird aus Europa? Die kommende Entwicklung im Spiegel der Zyklen und Rhythmen.
    Lebensweiser, 1954.
  • Leben, nicht sterben! Ein Zukunftsroman ü. den atomaren Krieg, d. morgen schon rauheste Wirklichkeit werden kann
    Neues Europa 1956
  • Fabriken ohne Menschen. Unsere Zukunft im Zeichen d. Automation.
    Verlag Gabler 1957
  • Der sechste Sinn - Das zweite Gesicht, 2500 öffentlich dokumentierte Voraussagen die in Erfüllung gingen
    Verlag Neues Europa 1963
  • Fatima das dritte Geheimnis,
    Verlag Neues Europa 1963/1970
  • Die grosse Krise von morgen. Zwischen der Scylla der zweiten Welt-Wirtschaftskrise und der Charybdis des dritten Weltkrieges. Eine Verheißung und eine Warnung zugleich
    Verlag: Neues Europa 1966
  • Östereichjische SF Die magische Welt der Amulette und Talismane.
    Neues Europa (1966).
  • Europa 1975 / Die Welt von Morgen - Die technischen und kulturellen Perspektiven zwischen 1950 und 1975,
    München 1968
  • Die Welt im Jahre 2000: Der General-Trend und seine Unter-Trends im Laufe der nächsten 30 Jahre.
    Drei-Eichen-Verlag, 1969.

Im Internet wird Emrich wegen seiner apokalyptischen Prophezeiungen auch in religiösen Schriften, z.B. APOLOGETISCHE BLÄTTER, Mitteilungen des Apologetischen Instituts des Schweizerischen katholischen Volksvereins, Nr.10 (Zweite Mainummer) 24. Mai 1940 4. Jahrgang, zitiert.

Doch nun zum vorliegenden Heft. Im Katalog der österreichischen Nationalbibliothek steht folgendes:

Der dritte Weltkrieg: der Untergang der Menschheit
Emrich, Louis [ca. 1950]

Da dieses Heft sehr selten ist, möchte ich mich mit dem Inhalt etwas ausführlicher befassen.

Zunächst einmal ist es nicht SF im eigentlichen Sinn, sondern bringt auf 40 Seiten in sechs Kapiteln eine Prognose der zukünftigen Entwicklungen im Hinblick auf die aktuellen technischen Trends des Jahres 1949. Und die eindringliche Warnung des tief religiösen Autors vor diesen Entwicklungen. Rückblickend nach mehr als sechs Jahrzehnten betrachtet, war das eine recht gute Prognose über die Entwicklungen auf dem Gebiet der atomaren, chemischen und bakteriellen Kriegsführung. Dazu kamen einige erschreckende Prognosen, die Gottseidank nicht eingetreten sind.

Emrich zitiert ausführlich aus den damaligen technischen Publikationen und interpretiert daraus die möglichen zukünftigen Entwicklungen, Entwicklungen, also auch das, was das Gebiet der SF ist, nur mit wissenschaftlicherem Hintergrund und ohne sonstige Handlung.

Inhalt des Heftes
1. Kapitel  Quo vadis humanitas!
Menschheit, wohin gehst du? — Wo stehen wir? Am Kreuzweg des Schicksals. — Die Uebertrumpfung der Atombombe. — Die Konsequenzen, die daraus resultieren. — Im Falle eines neuen Weltkrieges: Europa Atomkriegsschauplatz Nr. 1. — Die Wahrheit über die Kehrseite der Atomkraft-Aera.

In diesem Kapitel spricht Emrich erst einmal die technologischen Möglichkeiten für neue Kriegswaffen an: Giftgase, Bakterien, Schall, Licht, Raketenbomben sowie die damals noch utopischen Unterwasser- und Interkontinentalraketen und künstliche Naturkatastrophen (Unwetter, Flutwellen, Gefrierbomben); letztere wurden meines Wissens nicht realisiert.

2. Kapitel  Die Vernichtungswaffen im Kriege der Zukunft
Neue ungeheure «Fortschritte» auf dem Gebiete der Massenvernichtungsmittel. — Neue Methoden des Giftgas- und Bakterien-Krieges. — Auch Schall- und Lichtwellen im Dienste der Vernichtung.— Gefrierbomben und andere neue Waffen von morgen.— Stratosphären-Raketen mit Atombomben und kosmischen Energien.

Hier bespricht Emrich allgemein die  Möglichkeiten eines Giftgas- und Bakterienkrieges, ferner Schallwaffen, Lichtkanonen (heute Laser), Raketenbomben, Unterwasserexplosionen und Gefrierbomben, die im Umkreis von 3 km alles Leben auslöschen sollen. In einem sehr realistischen Planspiel zeigt er, wie durch eine Unterwasserexplosion mit nachfolgendem radioaktiven Fallout die Stadt New York vernichtet und ca 80 % der Bewohner getötet würden. Und die Versuche mit Schall an lebenden Objekten werden beschrieben.

3. Kapitel  Das Grauen der biologischen Kriegführung von morgen
Der Bakterienkrieg der Zukunft. — Die kombinierten Atom- und Bazillenbomben. — Der Virus der spinalen Kinderlähmung als Massenvernichtungswaffe von morgen. — «Der tödliche Regen». — Der Bazillus botulinus. — Perspektiven, die das Herz verkrampfen. — Das Kleinste wird das Größte vernichten.

Hier bespricht Emrich die Möglichkeiten eines Bakterienkrieges (Poliomyelitis, Botulinus). Die Bakterien und Viren könnten in Form eines tödlichen Regens verbreitet werden, dazu zitiert er wissenschaftliche Untersuchungen über Virulenz und Folgen.

4. Kapitel  Die Schreckens-Aspekte des Atombombenkrieges der Zukunft
Super-Atombomben von einer Vernichtungskraft, die drei Millionen Tonnen Dynamit entsprechen. — Das Inferno des Atombombenkrieges von morgen. — Es gibt keine Schutzmittel gegen die Wirkung der Super-Atombomben. — Die Liquidierung aller Kriege als Forderung der ganzen Menschheit.

Hier spricht Emrich über sogenannte Super-Atombomben, die später als Wasserstoff-Bomben getestet wurden. Außerdem vertritt er die Meinung, daß es dagegen keinerlei Schutz gibt und Bunker und Höhlen letztlich nicht vor Strahlen und verseuchter Nahrung schützen. Gleichfalls spricht er über Raketenabwehrsysteme, die damals nur eine Erfolgsquote von 10 -15 % hatten und als Schutz untauglich waren. Die heutigen Abwehrsysteme sind zwar besser, können aber nicht alles abwehren.

5. Kapitel  Die Uebertrumpfung der Atombomben durch künstliche kosmische Strahlen
Neue Geheimnisse, die der Natur entrissen wurden. — Die Strahlen der Gestirne als Kriegswaffe. — Künstliche Mesotronen und Betatronen. — Energien von unvorstellbarer Vernichtungskraft. — Stärker noch als die Atombomben. — Das infernalische Gesicht des Atom-Weltkrieges von morgen.

Hier spricht Emrich über noch heute utopische Strahlwaffen sowie Versuche mit Ultrakurzwellen, sogenannten Todesstrahlen, bei denen menschliches Gewebe zerstört wird. In gewissem Sinn wurde das durch sogenannte Neutronenbomben realisiert.

6. Kapitel  Der dritte Weltkrieg, der Untergang der Menschheit
Die Technik des Krieges mit atomistischen Waffen. — Ihre Auswirkungen beim direkten und indirekten Einsatz. — Massenvernichtung auf breitester Front. — Künstliche Springfluten bis zu 300 Meter Höhe. — Feuerstürme über ganzen Kontinenten. — Das Ende aller Kriege oder das Ende der Menschheit.

Hier zieht Emrich ein Resümee seiner Thesen und zeigt auf, wie es zu einer totalen Vernichtung der Welt kommen könnte. Er endet mit einem Appell, untermauert mit Bibelzitaten, an die Menschen, sich vor einer derartigen Entwicklung zu hüten.

Östereichjische SF Nachdem ich das Heft gelesen hatte, war ich in einer zwiespältigen Stimmung. Einerseits ließen die Thesen Emrichs es einem kalt über den Rücken rieseln - verbunden mit der Erleichterung, daß die Vernunft doch die Oberhand behalten hat und es nicht dazu gekommen ist.

Andererseits sind Emrichs Thesen weiterhin aktuell. Zwar dürften sich die Großmächte zu einem pragmatischen Miteinander durchgerungen haben, andererseits besteht noch immer die Gefahr, daß ein Herrscher oder Diktator eines kleineren Landes zu derartigen Vernichtungswaffen kommt und damit eine Apokalypse auslöst.

Die Verbreitung dieses Heftes dürfte mangels einer entsprechenden Auflage eher gering gewesen sein, ja es ist ziemlich selten, wird aber im Internet gehandelt. Auch dürfte der Verlag „Neues Europa“ trotz der Ankündigungen auf der Rückseite des Heftes eher ein Kleinverlag gewesen sein, der aber mit Verlagen in Deutschland, der Schweiz und in Österreich kooperiert haben dürfte. „Neues Europa“ hat etwa beim vorliegenden Band mit dem österreichischen „Zeitschriften-Verlag Franz Decker“ und mit der Wiener Druckerei Szabo zusammengearbeitet.

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