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Der Luftpirat und Matthias - Band 4 Der Luftpirat im Diamantenlande

Der Luftpirat und MatthiasBand 4 –
Der Luftpirat im Diamantenlande

Was Innovation und abstruse Ideen betraf, reichte vor dem 1. Weltkrieg keine Serie an  »Der Luftpirat« heran, nach Einschätzung vieler Experten die erste Science-Fiction-Reihe der Welt überhaupt. Erschienen sind um 1910 genau 165 Abenteuer, die in einem Format herauskamen, das zwischen dem heutigen A5 und A4 angesiedelt war. Ich unternehme nun eine Lesereise und berichte über die Abenteuer des Luftpiraten. Folgt mir auf diesem Weg ...


Der Luftpirat im DiamantenlandeBand 4 – Der Luftpirat im Diamantenlande 
Schauplatz:
Erde. Eine Diamantenmine in Brasilien. / USA. Eine kleine Insel im Mississippi

Inhalt:
Der Plot folgt in groben Zügen gradezu erschreckend dem von Heft 2. Diesmal überfällt der Luftpirat kein Schiff, sondern eine Diamantenmine in Brasilien. Weit ausgreifend und mit vielen Details wird der Überfall und der Raub der Diamanten geschildert, auch hier gibt es wieder einen dickköpfigen Minen-Chef, der nicht einsehen will, dass der Luftpirat einfach besser und cleverer ist. So gelingt es dem Mann, den Piraten samt Mannschaft im Tresorraum einzuschließen – rechnet aber nicht mit dessen Wunderwaffen (subtil angedeutet wird eine Art Laserkanone), mit denen sich der Held in Windeseile wieder ins Freie schweißt und mit der Beute verschwindet. -

Einmal mehr berät nach diesem Millionencoup eine Weltkonferenz von Geheimdiensten und Polizeiorganen in New York, wie man diesem Luftpiraten zu Leibe rücken könnte. Endlich ist mal ein Detektiv so bedeutend, dass er als Gegner des Piraten auch einen Namen bekommt. Cook hat einen teuflischen Plan – er baut auf undichte Stellen in der Mannschaft des Luftpiraten. Am besten gelangt man an sie über – schöne Frauen!  Doch auf die hübsche James-Bond-Idee, Frauen selbst als Agentinnen einzusetzen kommt man erst in späteren Heften, hier begnügt man sich damit, nach Sirenen zu forschen, die vielleicht schon Kapitän-Mors-Anhänger den Kopf verdreht haben.

Und so findet man eines Tages eine attraktive Frau, die von einem Mitarbeiter des Luftschiffs heimlich besucht wird. Sie ist eifersüchtig und glaubt nicht so recht an treue Männerbünde auf Luftschiffen. Sie ist überzeugt, dass ihr Freund noch andre Frauen besucht. Da hakt die Polizei ein. Sie verspricht dem Mitarbeiter viel Geld, wenn er die Landestelle des Piraten-Luftschiffs verrät – damit er seine Freundin nicht mehr verlassen muss und mit ihr ein geruhsames Leben auf einer Farm führen kann.
Der lässt sich breitschlagen.

Das Luftschiff lagert auf einer kleinen Insel im Mississippi. Mit Hilfe des gekauften Mitarbeiters schleichen sich die Polizisten auf das Luftschiff, wieder mal mit Zeitbombe. Und auch diesmal erwischt sie der wachsame Luftpirat! Nach einer eher lauen Schießerei werden die Polizisten vernichtet – Cook werden wieder einmal großzügig das Leben und die Freiheit geschenkt, dem  Verräter aber winkt der Galgen.    

Kommentar
Es scheint fast so, als hätte der Autor die Hefte 2 und 3 gelesen und daraus eine lahme Imitation gemacht. Oder handelt es sich gar um ein und denselben Autor? Wohl kaum – denn es gibt eine Menge logischer Unstimmigkeiten im Vergleich zu den früheren Heften. Auch der streckenweise schlechte Stil, in denen es von Wortwiederholungen nur so wimmelt, zeigt, dass hier mit heißer Nadel gestrickt wurde. 

Insgesamt kann in den frühen Heften von einem auch nur einigermaßen stimmigen Gesamtkonzept noch keine Rede sein. So widerspricht das Verhalten der Mannschaft allen späteren strengen Vorgaben, die Kapitän Mors seinen Gefährten auferlegt. Nicht nur, dass anscheinend seine Leute nach Lust und Laune ausgehen und Beziehungen zu Frauen in aller Welt unterhalten können wie ganz profane Seeleute. Der Leser erfährt erstaunt, dass zum Zeitpunkt des Überfalls auf das Luftschiff die gesamte Mannschaft(!) auf einer lustigen Fischfangtour den Mississippi runterschippert und den Käptn alleine läßt, ohne Wachen aufzustellen!

Das Heft wäre ohne Zweifel völlig vernachlässigenswert (nicht wegen der Geschichte an sich, sondern weil sie der aus Band 2 so sehr ähnelt), gäbe es nicht eine erstaunlich häufige Erwähnung von Superwaffen, die beim Erobern der Diamantenminen vom Luftpiraten genutzt werden und das Ganze dann doch zu einem SF-Heft machen. Der Autor benutzt allerdings den Kniff, all diese schönen Geräte nicht weiter zu beschreiben, sondern in  ein diffuses Dunkel zu hüllen, indem er wirklich alle Wunderwerke gleich aussehen läßt. Es handelt sich meist (sieht man von den schon bekannten Tränengas-Kugeln ab) um kleine Kisten auf Rädern. Oder sollte das gar immer dieselbe Waffe sein, eine Art Allzweck-Monstergerät?

Eine ist besonders interessant, vermutlich eine Magnet-Kanone (zur Erinnerung – wir befinden uns in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg)!   

„Ein seltsames Zischen ließ sich hören, gleich darauf vernahm man ein fürchterliches Krachen. Es war keine Explosion, wie man anfangs glaubte, es hatte sich etwas anderes ereignet. Das mächtige, ganz aus Eisen bestehende Eingangstor musste von einer fürchterlichen Kraft getroffen und gesprengt worden sein. Die mächtigen Angeln waren verbogen, die einzementierten Steine der Pfeiler halb herausgerissen, und die beiden Flügel des Eisentores klafften weit auseinander.“

Von den Wunderwaffen abgesehen bleibt das Heft doch aus heutiger Sicht – und vermutlich auch aus der der Zeitgenossen – recht matt und routiniert, fast ganz ohne den „Käptn-Mors-Touch“, der viele spätere Hefte so lesenswert macht.

Das Cover:
Auch der Zeichner scheint die Ereignisse des Heftes eher mit einem Gähnen verfolgt zu haben und konnte sich schon Stunden nach der Lektüre nicht mehr auf die Details besinnen.

Gezeigt wird die Szene, in der der Luftpirat auf seinem eigenen Schiff überfallen wird. Im Text sind es US-amerikanische Polizisten. Auf dem Cover sonderbarerweise orientalisch gekleidete Finsterlinge mit Turbanen oder türkisch aussehenden Mützen. Da hat aber jemand so richtig danebengegriffen!

 

Übersicht:

  • Band 5 - Abenteuer im unbekannten Lande (21. 7.)
  • Band 6 - Der Schatz der feuerspeienden Berge (4.8.)
  • Band 7 - Das Geheimnis des Japaners ( 18.8.)
  • Band 8 - Die Meuterer in der Mandschurei (1.9.)
  • Bans 9 - Die geheimnisvolle Insel des Kapitän Mors (15.9.)

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Kommentare  

#1 matthias 2015-07-08 19:32
Kann man die schönen Titelbilder nicht größer darstellen, so mit Mausklick o.ä. ??
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#2 Matzekaether 2015-07-08 21:01
Ich habe sie leider digital auch nur in kleiner Auflösung - aber ich frag mal den Verleger, ob er mir größere schicken kann. Schöne Idee. Oder, Horst?
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#3 Harantor 2015-07-08 21:14
Schöne Idee. Im Moment kann ich da nicht viel machen, aber der Verlag kann da hilfreich sein ...
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#4 Helmut.A 2015-07-08 21:50
INFO: Zum Vergrößern verwende ich das Add-ons „Image Zoom 0.6.3.1 „bei Bilder im Mozila Firefox. Zu finden und speichern bei Firefox –extra-Add-ons-suchen-Erweiterungen
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