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Derrick und seine Fälle: Folge 167 - Das Ende einer Illusion

Derrick und seine FälleFolge 167
Das Ende einer Illusion

Der Kunsthändler Alexander Rieger wurde in der Tiefgarage von zwei Kugeln tödlich getroffen. Derrick erfährt von Riegers Angestellten, dass dieser einen Bruder hat, zu dem er jedoch keine Kontakte unterhält. Einen interessanten Ansatzpunkt sieht Derrick in der Tatsache, dass Alexanders Bruder Erich der Spielleidenschaft verfallen ist. (1)

SzenenfotoNach der hervorragenden Folge 166 folgt wieder eine äußerst schwache und langweilige Derrick-Ausgabe, die tatsächlich eher zum einschlafen auffordert, als zum Wachbleiben. Und letzteres sollte ja das eigentliche Ziel eines Krimi sein.

In einem langen vorlauf wird über Rieger und seine Spielleidenschaft erzählt. Dabei spielt die düstere Spelunke, in der er sich aufhält eine größere Rolle. Der Spielclubchef, dargestellt von Günther Ungeheuer, wirkt neben seinen Bodyquard, dargestellt von Hanno Pöschl, allzu klischeehaft. Auch Cornelia Froboess wirkt in ihrem vierten Derrick-Einsatz allzu stark überzeichnet, und setzt der eigenen inne wohnenden Theatralik noch die Krone auf. Als alternde und abgetakelte Prostituierte, die geläutert wirkt, ist sie genauso wenig glaubhaft wie Ungeheuer und Pöschl.

Harry und Derrick kommen erst nach 25 Minuten zu ihrem ersten Einsatz, und tappern bedeutungslos, beinahe etwas fehl am Platze, durch die Handlung. Die Figuren sind allesamt so farblos wie die Folge selbst. Auch der zugegebenermaßen grandios-spannende Schluss kann diese Folge letztlich nicht retten. "Das Ende einer Illusion" gehört zu den schlechtesten aller Derrick-Folgen, und zerstört eigentlich nur die Illusion der Zuschauer, die eine spannende und unterhaltsame Folge erwartet haben. Zudem geht die Folge schon stark in Richtung 90er Jahre, wo philosophisches Gequatsche an der Tagesordung war.

Zum Glück erwarten uns bessere Folgen im Derrick-Jahr 88/89.


Darsteller: Horst Tappert (Stephan Derrick), Fritz Wepper (Inspektor Klein), Willy Schäfer, Gert Anhoff, Cornelia Froboess, Günther Ungeheuer, Hanno Pöschl, Marion Kracht, Michael Gahr, Klaus Abramowski und andere

Musik: Dieter Kawohl, Titelmusik: Les Humphries, Regie: Günther Gräwert, Produzent: Helmut Ringelmann. Eine Produktion der Telenova Film- und Fernsehproduktion im Auftrag von ZDF, ORF, SRG. Erstsendung: 12.08.1988

(1) Quelle: ZDF

 

Kommentare  

#1 Michael 2017-02-03 00:16
Dieser Kritik kann ich mich Keinesfalls anschliessen! Ich habe den Fall Hochspannend sehr genossen...
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#2 Carsten 2018-07-13 01:03
zitiere Michael:
Dieser Kritik kann ich mich Keinesfalls anschliessen! Ich habe den Fall Hochspannend sehr genossen...


Dito. Es kommt häufig vor, dass ich die Derrick-Rezension auf Zauberspiegel-Online nicht teilen kann, aber so extrem auseinander wie bei dieser gehen die Meinungen selten. M.E. ganz eindeutig in den Top 20 der besten(!) Derrick-Folgen - Herr Walt sieht sie offenbar auch in den Top 20, aber der schlechtesten...
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#3 Ralf 2018-12-07 20:57
So verschieden können Meinungen sein. Ich kann mich dem Michael und dem Carsten anschließen, ich empfand diese Folge sogar als herausragend gut gemacht. Ich habe mich hier auch keine Sekunde gelangweilt.

Die Froeboess hat hier ihre nicht gerade einfache Rolle grandios gespielt. Aber ich persönlich finde die späteren Derricks deutlich gereifter als die frühen Folgen, die mitunter sehr unglaubwürdig waren. Das philosophische Gequatsche hat für mich erst den richtigen Anspruch und die richtige Würze in die Serie hinein gebracht, was im Übrigen vorher auch schon den Kommissar mit Erik Ode ausgezeichnet hatte. Gute Krimis können meines Erachtens auch immer sehr gute psychologische Lehrstücke über die Abgründe der Menschen sein. Wenn sie auch die Frage, die wir uns wohl fast alle schon einmal gestellt haben, berücksichtigen: Warum handeln Menschen gegen die allgemeinen Regeln und warum machen sie sich strafbar und stellen sich damit selbst ins Abseits? Und was steckt dahinter, damit ein Mensch kriminell wird? Warum handelt der eine Mensch moralisch und der andere überhaupt nicht? Diese Fragen sind viel komplexer als man gemeinhin denkt.

Reinecker wußte das nicht nur, für ihn war es ein wichtiger Aspekt und ein persönliches Anliegen, dem Zuschauer auch solche Fragestellungen zu präsentieren. Neben der Spannung ist gerade das meines Erachtens nach ein Hauptgrund für die Beliebtheit des Krimi-Genres.

Es ist schade, dass den heutigen deutschen Krimis dieser Anspruch und die damit verbundene psychologische Detailverliebtheit verloren gegangen ist. Damit fehlt für mich bei einem Krimi die Seele. Das kann keine noch so gute Spannung ausgleichen. Das hat den deutschen Krimi früher sogar ausgezeichnet, dass er nicht so oberflächlich war wie so manche ausländische Produktion, die heute längst in Vergessenheit geraten ist. Das hat ihn seinerzeit sogar im Ausland beliebt gemacht. Der "Exportschlager" Derrick ist ein gutes Beispiel dafür.
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