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Ein Mord liegt auf der Hand - Leichen pflastern seinen Weg

Ein Mord liegt auf der Hand

Leichen pflastern seinen Weg

 

Nach Motiven von Oscar Wilde inszenierte Komödienspezialist Ralf Gregan (1933-2025; „Alles im Eimer“) 1983 für das ZDF den Fernsehfilm „Ein Mord liegt auf der Hand“, der mit etlichen bekannten Film- und Fernsehstars in den Hauptrollen trefflich besetzt ist. Nun hat man die Adaption in der Reihe „Pidax Film-Klassiker“ erstmals auf DVD veröffentlicht und nach etlichen Jahren wieder zugänglich gemacht.

Das von Ralf Gregan selbst verfasste Drehbuch basiert laut Vorspann auf Motiven von Oscar Wilde (1854-1900). Tatsächlich handelt es sich bei der Vorlage um eines der bekanntesten Werke aus der Feder des legendären irischen Autors, das rund um den Globus unzählige Male verfilmt wurde. Unter dem Titel „Lord Arthur Saviles Verbrechen“ (im Original „Lord Arthur Savile’s Crime“) wurde die Erzählung 1887 als Teil einer Kurzgeschichtensammlung erstmals veröffentlicht. In dem Sammelband findet sich darüber hinaus auch noch ein weiterer, oftmals verfilmter Wilde-Klassiker, „Das Gespenst von Canterville“ (The Canterville Ghost). Beide Geschichten spielen mit übersinnlichen Elementen, wobei sich diese im Falle von „Lord Arthur Saviles Verbrechen“ am Ende als Humbug erweisen. Und beide Erzählungen sind überaus gewitzt und setzen einmal mehr auf den süffisanten Sprachwitz Oscar Wildes, der als Meister des Bonmots galt und etliche geflügelte Aussprüche und Weisheiten hervorgebracht hat. Dass sich bei „Ein Mord liegt auf der Hand“ Ralf Gregan der Vorlage annahm, stellt sich als weiterer Vorteil heraus, da der in Bremen geborene Filmemacher ein ausgesprochen gutes Gespür für Timing, visuelle Komik und gute Schauspielerführung hatte. Dies hat Gregan über mehrere Jahrzehnte hinweg beispielsweise als Regisseur für Dieter Hallervorden („Mehrmals täglich“, „Die Hochzeitsreise“, „Herz ist Trumpf – Filme zur Verkehrssicherheit“, „Alles im Eimer“, „Die Nervensäge“) bewiesen, für den er sicherlich zu einem seiner wichtigsten Spielleiter wurde. Mit etlichen seiner Darsteller hier hat Gregan ebenfalls mehrfach zusammengearbeitet, weshalb sein Ensemble einmal mehr wie am Schnürchen funktioniert.

Carl-Enno Graf zu Wutzbach (Uwe Friedrichsen) ist trotz seines klangvollen Namens in finanzielle Bedrängnis geraten. Damit er sich seine Villa und seinen Butler Wenzel (Rudolf Platte) nach wie vor leisten kann, möchte er die Industriellentochter Sylvia (Gaby Heinecke) heiraten. Da Carl-Enno abergläubisch ist, lässt er sich zuvor von Erik Erasmus (Harald Leipnitz) aus der Hand lesen. Dieser offenbart ihm dabei widerwillig, dass Carl-Enno einen Mord begehen wird. Weil der Graf dies quasi noch vor seiner Eheschließung hinter sich bringen möchte, um Sylvia nicht ebenfalls mit hineinzuziehen, sucht er nach einem passenden Kandidaten. Vetter Alfred Freiherr von Malwitz (Ulrich Beiger) wäre dafür gut geeignet, da der notorische Trinker schon jenseits seiner Blüte steht und vom Leben kaum mehr etwas zu erwarten hätte. Oder aber Tante Clementine Fürstin zu Welseck (Brigitte Horney), die unter ihrer Gastritis leidet und den weiteren Familienmitgliedern mit ihrer schnippischen Art das Leben schwermacht. Was Carl-Enno allerdings nicht weiß: Erik Erasmus hat die Hiobsbotschaft frei erfunden und ist zusammen mit seiner Komplizin Nadja (Eva Astor), Carl-Ennos Geliebter, lediglich darauf aus, den Mörder nach vollzogener Tat um eine beträchtliche Summe Bargeld zu erpressen.

Ralf Gregans Oscar-Wilde-Adaption ist durchweg kurzweilig und unterhaltsam ausgefallen und hat die klassische Geschichte überzeugend in norddeutsche Adelskreise des ausgehenden 20. Jahrhunderts verlegt. Die namhafte Besetzungsriege ist mit viel Spielfreude bei der schwarzhumorigen Story dabei, schafft es darüber hinaus auch vorzüglich, die spöttischen und anspielungsreichen Dialoge pointiert darzubringen. Allen Fans der beteiligten Schauspieler und Freunden gepflegter makabrer Unterhaltung ist „Ein Mord liegt auf der Hand“ auch rund 40 Jahre nach seiner Entstehung noch wärmstens zu empfehlen. Die DVD-Erstveröffentlichung bietet ein ganz gutes Bild (im Vollbildformat 1,33:1) und einen stets gut verständlichen deutschen Originalton (in Dolby Digital 2.0). Auf die Beigabe von Bonusmaterial hat man verzichtet.

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