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Verliebt in das eigene Opfer - »Catchfire«

CatchfireVerliebt in das eigene Opfer
»Catchfire«

Die Regiekarriere des Schauspielers Dennis Hopper (1936-2010) begann 1969 mit dem fulminanten „Easy Rider“, der innerhalb kürzester Zeit Kult wurde. Auch „The Last Movie“ geriet 1971 noch zu einem Achtungserfolg. Trotzdem sollten danach nur noch fünf weitere Inszenierungen von Langfilmen folgen, von denen „Catchfire“ aus dem Jahr 1989 eine Sonderstellung einnimmt – denn Hopper war mit dem Ergebnis so unzufrieden, dass er seinen Namen zurückzog und in den Credits das Pseudonym „Alan Smithee“ auftauchte.

CatchfireDennis Hoppers ursprüngliche Version des Films hatte eine stattliche Laufzeit von drei Stunden, was dem produzierenden Studio Vestron Pictures offensichtlich zu lang war. Sie kürzten den Film so radikal zusammen, dass Hopper das Hollywood-Standard-Pseudonym „Alan Smithee“ als Regisseur verwendete, um seine Unzufriedenheit mit dem Endprodukt zum Ausdruck zu bringen. Seine Bemühungen, das Studio zu verklagen, scheiterten aufgrund der Tatsache, dass dieses zuvor insolvent ging. Unter dem Titel „Backtrack“ gelang es Hopper später, einen knapp zweistündigen Director’s Cut herzustellen, bei dem er dann auch wieder als Regisseur genannt wurde. Obwohl in der vorliegenden DVD-Wiederveröffentlichung bei „Pidax Film-Klassiker“ Dennis Hopper als Regisseur in den Credits genannt wird, handelt es sich auch hier wieder lediglich um die rund 20 Minuten kürzere Ursprungsfassung des Films, mit der Hopper nicht einverstanden war und von der er seinen Namen zurückgezogen hatte. Es ist die nach wie vor einzige verfügbare Fassung des Films hierzulande, die bereits 1991 Videopremiere feierte und danach auch mehrfach im Free-TV ausgestrahlt wurde.

CatchfireDie Künstlerin Anne Benton (Jodie Foster) wird eines Abends zufällig Zeugin eines Auftragmords. Sie kann zwar entkommen und bei der Polizei aussagen, doch die Killer von der Mafia nehmen schon bald ihre Spur auf. Greek (Tony Sirico) und Pinella (John Turturro) dringen in ihre Wohnung ein und erschießen dort ihren Liebhaber Bob (Charlie Sheen). Anne taucht unter und nimmt eine neue Identität an. Doch Leo Carelli (Joe Pesci) lässt nicht locker und setzt den stoischen Auftragskiller Milo (Dennis Hopper) darauf an, Anne wiederzufinden und sie aus dem Weg zu räumen. Auch Kommissar Pauling (Fred Ward) und Captain Walker (Sy Richardson) sind Anne dicht auf den Fersen, weil sie verzweifelt versuchen, sie in ein Zeugenschutzprogramm zu nehmen und mit ihrer Hilfe die Gangster um den mächtigen Industriellen Avoca (Vincent Price) dingfest machen zu können. Als Milo auf Anne trifft, entscheidet er sich aber gegen seinen Auftrag und lässt der hübschen jungen Frau die Wahl: entweder, sie folgt ihm bedingungslos und verbringt den Rest ihres Lebens mit ihm, oder er erledigt, für was er engagiert wurde.

CatchfireDennis Hopper behandelt in seinem fünften Film das so genannte „Lima Syndrom“, das diesen Namen allerdings erst einige Jahre nach Entstehung von „Catchfire“ erhielt. Es geht, im Gegensatz zum „Stockholm Syndrom“, um den Effekt, dass ein Kidnapper Sympathien für sein Opfer entwickelt und dadurch seine eigentlichen Intentionen vernachlässigt. Das Ergebnis ist hier jedoch ein verworrener Thriller mit unzähligen Handlungssträngen, deren Zusammenhang nicht klar wird und deren Bedeutung bis zum Schluss nicht gänzlich geklärt werden kann. Der recht konfus wirkende Film protzt zwar mit Stars, die sich aber mit albernen Dialogen und einer absurden Story herumschlagen müssen. Vincent Price wird in einer Minimalstrolle undankbarerweise schwer unter Wert verkauft. Die erste Hälfte ist noch halbwegs überzeugend, hier wird es mitunter auch spannend, doch dann flaut der Film ziemlich ab. Die DVD-Wiederveröffentlichung, die am 5. März 2021 erscheint, bietet ein nicht zu beanstandendes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) und einen stets gut verständlichen Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Digital 2.0 Stereo). Extras sind nicht vorhanden.

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