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Der Versicherungsbetrüger - »Steig ein und stirb«

Steig ein und stirbDer Versicherungsbetrüger
»Steig ein und stirb«

Der Fernseh- und Romanautor Bruno Hampel (1920-1996) hatte sich schon früh den Ruf erworben, ein Spezialist für Spannungsstoffe zu sein, die nah an der Realität blieben und mit viel Fingerspitzengefühl die Abläufe beinhalteten, die im Alltag von Kriminalbeamten, Rettungssanitätern oder Feuerwehrleuten von Relevanz sind. Mit dem Drehbuch zum Fernsehfilm „Steig ein und stirb“ griff Hampel auf reale Vorkommnisse aus den frühen 1930er Jahren zurück.

Steig ein und stirbMit dem Straßenfeger „Kommissar Freytag“, in dem Konrad Georg neununddreißigmal in die Titelrolle schlüpfte, war Bruno Hampel ab 1963 erstmals erfolgreich in Erscheinung getreten. In den folgenden Jahrzehnten lieferte er gleichermaßen überzeugend einige spannende Drehbücher für weitere Erfolgsserien wie „Polizeifunk ruft“, „Das Kriminalmuseum“ oder „Notarztwagen 7“. Auch für die juristischen Fernsehunterhaltungsformate „Dein gutes Recht“ oder „Wie würden Sie entscheiden?“ schrieb der Erfolgsautor etliche Drehbücher. In „Steig ein und stirb“ vermischen sich die Genres, weil es sich zum einen um „ein dokumentarisches Kriminalspiel“ handelt, wie uns der Vorspann verrät, zum anderen aber auch die abschließende Gerichtsverhandlung einen nicht unwesentlichen Teil einnimmt, in dem es Hampel gelungen ist, die Protokolle und Zeugenaussagen zu einem spannenden Schlagabtausch zwischen dem Täter und den Vertretern von Recht und Ordnung zu verdichten. In der einnehmenden Titelrolle des Fernsehfilms aus dem Jahr 1973 ist übrigens Peter Drescher zu sehen, der nicht sonderlich viele Auftritte vor der Kamera vorweisen kann, seine hier zwischen Charme und Skrupellosigkeit pendelnde Rolle aber mit Bravour meistert.

Steig ein und stirbKurt Tetzner (Peter Drescher) ist mit dem Automobil unterwegs. Er ist durchaus gewillt, einen Anhalter mitzunehmen, ist allerdings wählerisch dabei und verteilt auch Abfuhren. Alois Ortner (Günter Clemens), ein Arbeiter aus Bayern, passt Tetzner ins Konzept und wird auf seiner Reise in den Süden mitgenommen. Der Fahrer zeigt sich auch sonst überaus spendabel, schenkt Ortner Geld, damit er sich rasieren und neu einkleiden kann, kauft ihm mittags bei der Rast ein üppiges Essen und versorgt ihn darüber hinaus mit Bier und Schnaps. Das Entgegenkommen hat allerdings seinen Preis. Denn nach Einbruch der Dunkelheit fällt Tetzner in einem entlegenen Waldstück über den Anhalter her und versucht, diesen zu erschlagen. Ortner gelingt die Flucht, doch die Mitmenschen sind skeptisch angesichts seiner Schilderungen, zumal Ortner ganz offensichtlich betrunken ist. Derweil erreicht Tetzner seine Wohnung, wo er von seiner Frau Lina (Dagmar Biener) bereits erwartet wird. Sie weiß, was ihr Mann vorhatte – einen Menschen ermorden und im eigenen Auto verbrennen lassen, damit Lina die hohen Lebensversicherungen kassieren kann, die Kurt in den letzten Wochen abgeschlossen hat. Auch, wenn es nun mit Ortner schiefgelaufen ist, hält Tetzner an seinem Plan fest und fährt schon kurz darauf wieder los, um einen Anhalter mitzunehmen…

Steig ein und stirbGünter Gräwert („Tatort“, „Derrick“, „Der Alte“) hat Bruno Hampels schnörkelloses Drehbuch in einen packenden Kriminalfilm verwandelt, der in gelungenen Schwarzweißbildern die Depressionszeit der ausgehenden 1920er Jahre wirkungsvoll einzufangen versteht. Der beeindruckend besetzte Film (etliche Größen wie Walter Sedlmayr, Karl Obermayr, Wilfried Klaus, Harald Dietl oder Herbert Steinmetz sind ebenfalls mit dabei) ist von der ersten Minute an spannend und lässt den Zuschauer nicht mehr los. Die Figuren werden glaubwürdig gezeichnet und mit Tiefe ausgestattet. Ein nach wie vor sehenswerter Fernsehfilm, der eine authentische Geschichte effektvoll nacherzählt. Die DVD-Erstveröffentlichung bietet ein ganz gutes Bild (im Vollbildformat 1,33:1), das mitunter noch Verschmutzungen und Aktmarker aufweist, sowie einen stets gut verständlichen deutschen Originalton (in Dolby Digital 2.0), Bonusmaterial ist keines vorhanden.

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