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Privatdetektive und private Ermittler: Ein Interview mit Autor GUIDO M. BREUER

Detective und private ErmittlerEin Interview mit dem Kriminalautor
GUIDO M. BREUER

Guido M. Breuer über sich: Ich wurde im August des Jahres 1967 in Düren geboren. Kaum war ich aus dem Mutterleib, gings nach Blens in die Nordeifel, wo unser Zweitwohnsitz in Form eines privaten Campingplatzes lag.

Direkt an der Ruhr, in der ich schwimmen lernte. Deswegen bin ich bis heute kein guter Schwimmer, aber seitdem liebe ich die Eifel. Und kaltes Wasser macht mir nichts aus.

Guido M. Breuer

Nach dem Abitur wurde ich Bankkaufmann, dann Wehrdienst, dann Studium der BWL und ab ins Business: Unternehmensberatung. 2008 habe ich mich selbständig gemacht, auch um mehr Freiheit fürs Schreiben zu haben, und nun habe ich gerade den Sprung ins reine Schriftstellerleben vollzogen.

Zauberspiegel: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Guido M. Breuer: Ich schreibe, seit ich es kann. Als Kind Gedichte, dann Kurzgeschichten, dann längere Erzählungen. Der Vorsatz, gezielt für ein Publikum zu schreiben, kam erst viel später - bei einer krankheitsbedingten Auszeit vom Beruf im Jahre 2000. Drei Monate Reha-Klinik waren ein Bruch, den ich genutzt habe.

Zauberspiegel: Hatten Sie Vorbilder aus Ihrer Kinder- oder Jugendzeit an denen Sie sich beim Schreiben Ihrer Romane orientieren?
Guido M. Breuer: In der Schulzeit war ich sehr beeindruckt von den großen Schweizern wie Bichsel, Dürrenmatt und Frisch. Von einer Orientierung im engeren Sinne jedoch kann ich nicht sprechen. Ich suche meine ganz eigene Sprache und auch meine eigenen Themen.

Zauberspiegel: Wann, wo und unter welchen Titel wurde ihr erster Roman veröffentlicht?
Guido M. Breuer: Im Frühjahr 2009 erschien „All die alten Kameraden“ im KBV-Verlag. Seitdem arbeite ich sehr gerne und regelmäßig mit Ralf Kramp und seinem kriminellen Hillesheimer Team zusammen.

All die alten KameradenZauberspiegel: Können Sie den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zum Inhalt verraten?
Guido M. Breuer: Amerikanische Veteranen kommen in die Eifel. Diese verbindet ein dunkles Geheimnis aus den Tagen des zweiten Weltkrieges und den verheerenden Kriegsereignissen im Hürtgenwald mit einigen Bewohnern der Seniorenresidenz Burgblick zu Nideggen.
Dort lebt auch Lorenz Bertold, genannt Opa Bertold, der sich noch nicht so ganz mit seiner Situation dort abgefunden hat. Dass dann ein Mord geschieht, kommt dem alten Hobby-Detektiven eigentlich ganz recht ...

Zauberspiegel: Wie kamen Sie auf die Idee zu Lorenz Bertold, einem Rentner und Hobby-Detektiv in einem Seniorenheim, sowie zu seinen Mitstreitern Bärbel Müllenmeister, Gustav Brenner und Pfleger Benny Bethge?
Guido M. Breuer: Mir fiel auf, dass es immer mehr ältere Leser gibt, die gute Unterhaltungsliteratur suchen und darin Identifikationsfiguren lieben, deren Lebenserfahrung und -situation der ihren entspricht.
Protagonisten aus dem älteren Semester sind für mich auch deshalb besonders spannend, weil sie soviel wissen und gerne von jüngeren Menschen unterschätzt werden. Jeder der drei Senioren steht für eine bestimmte Art, sich als älterer Mensch zu definieren, und Benny ist ein sympathischer junger Kerl, der kooperativ mit der älteren Generation umgeht und vom Zusammenleben auch profitiert.

Zauberspiegel: Opa Bertold scheint über ein kriminalistisches Gespür zu verfügen. Wie würden Sie seinen Charakter beschreiben? Warum tut er das, was sie tut?
Guido M. Breuer: Opa Bertold ist frech, grantig, aufsässig und hat einen schrägen Humor. Er ist schlau, aber emotionale Intelligenz ist nicht unbedingt sein Ding. Aber auch daran arbeitet er noch. Er liebt seine Heimat, speziell die bewegte und weit zurückreichende Geschichte der Eifel.
Und wie es der Zufall oder besser gesagt der Autor will, geschehen um ihn herum Verbrechen, die immer einen geschichtlichen Hintergrund haben. Und da er neben der Geschichte auch ein Faible fürs Kriminalisieren hat, passt das wie Arsch auf Eimer, wie er selber sagen würde.

Zauberspiegel: Gustav Brenner wird in der Inhaltsgabe von  „All die alten Kameraden“ als geheimnisvoll beschrieben. Hat Brenner ein Geheimnis, das er zu verbergen weiß?
Guido M. Breuer: Gustav hat einen sehr außergewöhnlichen Lebenslauf, ganz anders als Lorenz. Und er leidet unter einer absonderlichen Form des Somnambulismus. In allen persönlichen Dingen ist er so ganz anders als man es sich von einem normalen deutschen Rentner erwartet.
Die optimale Ergänzung für Opa Bertold, auch wenn Lorenz mit dem einen oder anderen Detail noch so seine Probleme bekommt. Im dritten Abenteuer „Alte Narben“ erfahren wir, was es mit Gustav auf sich hat. Und dies gilt auch für ihn selbst, denn er weiß vieles über seine eigene Vergangenheit nicht ...

Zauberspiegel: Wer ist eigentlich Kommissar Wollbrand? Eine ausgedachte, imaginäre Figur der Senioren?
Guido M. Breuer: Opa Bertold schreibt Krimis, die jedoch niemand lesen darf. Kommissar Wollbrand ist sein Held, dem er gerne Kommentare zu den realen Geschehnissen in den Mund legt. Lorenz weiß natürlich, dass der in Ehren ergraute Ermittler seine Erfindung ist, aber er identifiziert sich mit seinem Protagonisten, eine Berufskrankheit unter Autoren.

Zauberspiegel: Lorenz hat zu seinem Sohn Stephan ein anscheinend angespanntes Verhältnis. Wie kam es dazu?
Guido M. Breuer: Das hat mit dem Verschwinden von Gerda Bertold zu tun, die jüngste Tochter von Lorenz. Dieses viele Jahre zurückliegende Ereignis hat die Familie traumatisiert. Im vierten Band „Nach alter Mörder Sitte“ lebt dieses Trauma wieder auf und es kommt zur Auflösung von Gerdas Verschwinden.

Zauberspiegel: Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Opa Bertold und seiner Enkelin, der Kommissarin Rita, beschreiben?
Guido M. Breuer: Die beiden lieben sich innig. Lorenz ist sehr stolz auf Rita, die eine hervorragende Polizistin ist. Diese wiederum ist über seinen Hang zum Kriminellen besorgt, bringt er sich doch ständig in Gefahren, die der alte Sturkopf gar nicht richtig einschätzen will.

Zauberspiegel: Nervt sie es nicht gewaltig, wenn sich Lorenz in ihre Ermittlungen einmischt?
Guido M. Breuer: Natürlich nervt es sie und oft genug macht es ihr auch Angst. Aber gleichzeitig ist der Alte auch urkomisch in seiner Ermittlungsarbeit.

Zauberspiegel: Hat Kommissarin Rita das kriminalistische Gespür ihres Opas geerbt? Ist sie darin genauso begabt?
Guido M. Breuer: Rita ist sehr intelligent. Vor allem aber versteht sie das Handwerk ihres Berufs, und darin ist sie ihrem Opa weit überlegen. In Opa Bertolds Abenteuern spielt die Darstellung der Polizeiarbeit keine besonders große Rolle. Er agiert aus seinem Erfahrungsschatz, sie ist eine moderne junge Frau mit perfekter Ausbildung. Und mit ihrer Walther P99 kann sie verdammt gut umgehen.

Alte NarbenZauberspiegel: 2011 erschien mit „Alte Narben“, der dritte Roman mit Opa Bertold und seinem Team im KBV Verlag. Können Sie den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zum Inhalt verraten.
Guido M. Breuer: Es geht um die Geschichte der Juden in der Nordeifel. Die unerbittliche Verfolgung und Ermordung, aber auch die Versuche der wenigen Überlebenden, ihre Heimat wieder annehmen zu können, von der sie verstoßen wurden.
Der Holocaust ist Geschichte, aber diese Geschichte ist nicht abgeschlossen. Opa Bertold und seine Freunde erfahren dies auf schmerzliche Weise, und die alten Narben verheilen nie ganz. Neue kommen dazu, Morde geschehen, und die Freunde werden auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Und mit einer neuen Form des Judenhasses, der verdeckt und gefährlich daherkommt; die jüngste Vergangenheit hat uns gezeigt, dass dies keine Fiktion ist,  leider.

Zauberspiegel: Neben ihren Romanen veröffentlichten Sie auch Kurzgeschichten in Anthologien wie „Eifel-Winter“, „Wein, Mord und Gesang“ oder „Tatort Eifel 3“. Wurden darin in sich abgeschlossene Geschichten veröffentlicht oder spielten darin auch Charaktere aus Ihren Romanen mit?
Guido M. Breuer: Die Kurzkrimis sind immer ganz eigene, abgeschlossene Geschichten ohne Bezug zu meinen Romanen. Die Anthologien, zu denen ich wunderbarerweise regelmäßig eingeladen werde, sind eine sehr willkommene Möglichkeit, andere Ideen, die in mir schlummern, zu Papier zu bringen.
Der Kurzkrimi ist eine ganz spezielle Disziplin, für viele Autoren die Königsklasse des Krimis. Form und Inhalt müssen harmonieren, jedes Wort ist wichtig, die Stimmung muss perfekt auf den Punkt in Buchstaben gepresst werden.

Zauberspiegel: Was halten Sie persönlich vom aufkommenden Ebook-Markt? Wäre das Ebook für Sie als Autor als auch als Privatmann eine wirkliche Alternative zum bedruckten Buch?
Guido M. Breuer: Es ist eine sehr schöne Ergänzung zum papiernen Buch, ein anderes Medium, für andere Lesegewohnheiten oder -situationen. Wichtig ist die Beschäftigung mit Texten, mit Sprache.
Nach alter Mörder SitteUnd als Krimiautor möchte ich unterhalten. Jeder Leser wählt die für ihn passende Darreichungsform. Wenn ich für einige Zeit verreise, ist es doch toll, die Texte die ich lesen will, in einem kleinen Ding mit Bildschirm zu haben und keinen zusätzlichen Koffer mit Büchern herumschleppen zu müssen. Aber mit einem Brandy und einem Buch ins Bett, das hat schon was.

Zauberspiegel: Welche weiteren Buchprojekte sind für die nahe Zukunft geplant? Können Sie uns darüber schon etwas verraten?
Guido M. Breuer: In diesem Frühjahr erscheint das vierte Abenteuer von Opa Bertold „Nach  alter Mörder Sitte“. Und eine etwas schräge Camping-Mordgeschichte in Regine Kölpins Anthologie „aufgebockt und abgemurkst“ - beides bei KBV.
Ich arbeite aber daneben auch an der baldigen Veröffentlichung eines düsteren, harten Thrillers, ganz anders als bei Opa Bertold.
Und ich arbeite mit einem befreundeten Koch an einer kriminellen Rezeptesammlung der ganz besonderen Art ... dazu wird bald mehr verraten.

Zauberspiegel: Herr Breuer, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

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