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1612: KHRONIKI SMUTNOGO VREMENI

1612: KHRONIKI SMUTNOGO VREMENI1612: KHRONIKI SMUTNOGO VREMENI
(1612: CHRONICLES OF THE TIMES OF TROUBLES)
mit Pyotr Kislov, Artur Smolyaninov, Michal Zebrowski, Violetta Davydovskaya, Ramón Langa
Regie: Vladimir Khotinenko
Drehbuch: Arif Aliyev
Kamera: Ilya Dyomin
Farbe/135 Minuten (Internationale Version) 144 Minuten (Russische Version)/2,35:1
Russland 2007

Die Russische Filmindustrie scheint nun langsam zu merken, dass mit Filmen, die einem Weltmarktstandard entsprechen, gut Geld zu verdienen ist und zudem das russische (Polit-)Gedankengut sich überallhin verbreiten lässt. Der vorliegende Film ist dafür ein durchaus Beispiel, auch wenn von Vielen mehr hineininterpretiert wird als vorhanden ist. Er entspricht technisch und inhaltlich internationalem Standard. Und er ist Patriotisch, wie immer man so etwas auch auslegen mag. Einige Kritiker in der westlichen Welt kritisieren vor allem Letzteres sowie die historische Ungenauigkeit des Films.

Die Handlung spielt vor dem Hintergrund des Krieges gegen Polen und der Besetzung Moskaus um 1605 sowie der Rückeroberung 1612. Hat man den Film gesehen und recherchiert ein wenig im Internet (ein Einblick in die Wikipedia reicht schon), dann stellt man schnell fest, dass die Kritiker mit der Ungenauigkeit recht haben. Aber ist das wirklich ein Kritikpunkt? Wo sind denn vergleichbare westliche Streifen wie BRAVEHEART oder THE PATRIOT historisch korrekt? Und warum sollte man den Russen das Einbringen von Nationalstolz verweigern, wo doch die westlichen Länder auch nicht selten dazu neigen, sich in historischen Filmen abzufeiern? Wenn es einen Kritikpunkt an diesem Film gibt, dann jener, dass er in einigen Phasen zu stark westliche Einflüsse aufnimmt.

Die Handlung (ich habe wieder einmal nur die original russische Version gesehen) ist sehr simpel. Es geht um einen jungen Mann, der sich in die Dienste eines Spaniers stellt. Als dieser von Wegelagerern ermordet wird, nimmt der Junge dessen Identität an, um sich so inkognito an jenen zu rächen, die vor Jahren sein Dorf und auch seine Eltern niedergemetzelt haben. Das geschieht, wie erwähnt, unter Einbeziehung der damaligen Kriege.

Verschiedentlich wird bemängelt, dass die Hauptfiguren des Films mit Darstellern besetzt wurden, die wenig bis gar keine Erfahrung besitzen und deshalb hin und wieder nicht wirklich glaubhaft spielen. Das mag so sein, doch man muss hier vielleicht auch bedenken, dass in Russland immer Wert darauf gelegt wurde authentisch zu sein. In der Vergangenheit habe ich vorzugsweise immer gern Historienfilme aus Grossbritannien oder Russland gesehen. Hier wurden die Rollen in der Regel immer nach dem originalen Aussehen gecastet, nicht nach Schauspielerfahrung oder gar Starruhm. Auch 1612 fühlt sich dieser Tradition verpflichtet.

Albern ist an dem Film das Schielen auf den westlichen Markt, indem von dort unnötige Einflüsse aufgenommen werden. So finden sich hier plötzlich einige Fantasyelemente, die nun wahrlich nicht in das Geschehen passen. Hin und wieder läuft etwas unmotiviert ein Einhorn durch die Wildnis (eine Vision des Helden, die jedoch auf Realität beruhen muss, da er ein solches Horn in verkleinerter Form als Umhänger trägt). In einer ganz kurzen Szene gibt es sogar einen sprechenden Fisch. Und dann gibt es da noch einen Priester, der mich in fataler Weise an Gandalf erinnert.

Was dem Film ein wenig fehlt ist eine einheitliche Dramaturgie sowie das eindeutige Zeichnen des Helden als Bezugsperson. Zu oft verliert er sich im Episodenhaften, sodass man nicht immer konzentriert bei der Sache bleibt.

Schauspielerisch geht eigentlich alles in Ordnung und handwerklich gibt es ohnehin kaum einen echten Kritikpunkt. Der Film besitzt eher eine urbane Schönheit, zeigt mir ein zwar schmutziges, aber nicht dreckiges Mittelalter. Anders als in vergleichbaren Filmen aus den USA oder auch neuerdings aus Ostasien, wo man von Panorama- und Postkartenmotiven erschlagen wird, gibt es hier nur Bilder von einfacher, erdnaher Schönheit.

Beeindruckend ist die Action des Films. Die Schlachtgemälde sind dann zum Teil doch recht opulent. Das Geschehen wird hart, teilweise blutig, aber nicht blutrünstig gezeigt. Besonders jene Entscheidungsschlacht bis kurz vor Schluss ist faszinierend episch. Dabei werden beide Seiten nicht gerade als leuchtende Helden gezeigt, denn sie bedienen sich beiderseits nicht gerade freundlicher Methoden. Leuchtender Patriotismus sieht anders aus.

Wenn in der letzten Sequenz allerdings das Einhorn im hellen Sonnenschein vor dem Gandalfverschnitt erscheint, dann wird es eklig kitschig. Es folgt danach der Nachspann, der entgegen üblicher Gepflogenheiten keinen Bombastsound enthält, sondern über den zunächst ein klassischer Klagegesang gelegt ist, bevor das Orchester einsetzt.

Der Film befindet sich bereits auf dem internationalen Markt und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er schon bald den Weg zu uns findet. Es ist sicherlich nicht falsch, bei Erscheinen einmal einen Blick zu riskieren. Es erwartet den geneigten Zuschauer durchaus ein anderes Kino als jenes aus den USA.

Kommentare  

#1 Mainstream 2008-08-18 22:10
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Lieber Norbert,
gib die Hoffnung auf. Denkst Du allen Ernstes, das der durchaus ernstzunehmende und konkurrenzfähige russische Film bei uns Fuss fassen wird.
So wie die Wächter Trilogie?
'Wächter der Nacht' war in Europa ein großer Erfolg.
Und schau was Verleiher und Betreiber mit 'Wächter des Lichtes' gemacht haben.
'Wächter des Zwilichts' werden wir wahrscheinlich überhaupt nicht zu sehen bekommen.
Nein, nein, dann lieber das amerikanische Remake.

Ich bin zwar ein Freund des neuen russischen Kinos dieser Art und verehre sogar unverblümt das amerikanische Mainstream-Kino, aber eine Bereicherung wäre die Flut vom Osten trotz alledem. Schon allein um die Qualität des West-Kinos wieder auf ein erträgliches Maß zu heben.

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