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Terror bei der Olympiade - »Die 21 Stunden von München«

Die 21 Stunden von MünchenTerror bei der Olympiade
»Die 21 Stunden von München«

Genauso wie die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Jahr 1977 zählen die Geiselnahme und Ermordung israelischer Sportler während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 zu den weltweit bekanntesten und schockierendsten Terrorakte der 1970er Jahre. Genau wie das Kidnapping ins ugandische Entebbe wurden auch die Ereignisse in München mehrfach filmisch adaptiert.

Die 21 Stunden von MünchenWilliam A. Grahams 1976 für das US-Fernsehen entstandene Version „Die 21 Stunden von München“ war die erste und somit auch zeitlich am nächsten an den tatsächlichen Ereignissen.

1986 folgte mit einem zweieiligen, weiteren Fernsehfilm die nächste Verfilmung: „Gideons Schwert – Attentat und Mörderjagd“. Wesentlich bekannter indes dürften die beiden Kinofilme sein, die erst recht spät in Angriff genommen wurden: 1999 drehte Kevin Macdonald mit Michael Douglas als Erzähler den Dokumentarfilm „Ein Tag im September“, und im Jahr 2005 ließ Steven Spielberg mit einem Großaufgebot an Stars (Eric Bana, Daniel Craig, Geoffrey Rush, Ciarán Hinds) „München“ folgen, der sich allerdings in erster Linie mit der Jagd des Mossad auf die Attentäter befasste und die eigentlichen Vorkommnisse während der Olympiade lediglich streifte. „Die 21 Stunden von München“ war ein am Puls der Zeit entwickelter, nach wie vor sehr packender Film, der in vielen Ländern seine Erstauswertung schließlich sogar im Kino erfuhr, so auch in Deutschland, wo er allerdings in einer um sechs Minuten gekürzten Fassung gezeigt wurde.

Die 21 Stunden von MünchenAm 5. September 1972 dringt eine Gruppe palästinensischer Terroristen, die sich „Schwarzer September“ nennt, in das olympische Dorf in München ein und nimmt einige israelische Sportler gefangen. Auf diese Weise wollen die Männer um einen gewissen Issa (Franco Nero) bei der israelischen Regierung unter Golda Meir (Else Quecke) die Freilassung von mehr als 200 Fedajin erpressen, die sich in israelischer Gefangenschaft befinden. Vor Ort laufen die Verhandlungen mit den Terroristen an. Anneliese Graes (Shirley Knight) soll als Frau an die Emotionen Issas appellieren, während der Münchner Polizeipräsident Dr. Schreiber (William Holden), Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (Georg Marischka) und Bundeskanzler Willy Brandt (Richard Basehart) in erster Linie darum bemüht sind, Zeit zu schinden und gemeinsam mit dem israelischen General Zvi Zamir (Sir Anthony Quayle) einen Plan auszuhecken, um die Geiseln zu befreien und die Palästinenser unschädlich zu machen. Aber Issa ist ein cleverer Mann, der sich nicht so leicht aufs Glatteis führen lässt und alle Angebote eingehend prüft, bevor er diese akzeptiert. So kommt es schließlich zu einem blutigen Showdown auf dem Flugplatz von Fürstenfeldbruck, nur 21 Stunden, nachdem das Unheil mit dem Eindringen der Terroristen ins olympische Dorf seinen Anfang gefunden hatte.

Die 21 Stunden von MünchenSchon in den ersten Einstellungen, die das gewaltsame Eindringen der Terroristen nachstellen, erweist sich William A. Graham als exzellenter Spannungsregisseur. Mit einem semi-dokumentarischen Touch wird man als Zuschauer hineingerissen in die Szenerie, die von Hass und Gewalt bestimmt ist. Auch bei den späteren Verhandlungen, die von beiden Seiten mit viel Geschick geführt werden, spürt man die Authentizität dieser Rekonstruktion. Die Hauptrollen sind mit erfahrenen Publikumslieblingen wirkungsvoll besetzt, in den Nebenrollen des vor Ort in und um München gedrehten Films tummeln sich etliche deutsche Darsteller, von denen einige (Michael Degen, Günther Maria Halmer, Sky Du Mont, Jan Niklas) noch sehr bekannt werden sollten. Eine unterhaltsame und spannende Verfilmung eines düsteren Kapitels deutscher Nachkriegsgeschichte. Die BluRay-Erstveröffentlichung bietet ein weitgehend sehr überzeugendes Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) und einen nicht zu beanstandenden Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Mono, optional mit deutschen Untertiteln). Die bislang nicht in der deutschen Fassung enthaltenen Sequenzen wurden hier ebenfalls mit deutschen Untertiteln versehen. Als Extras gibt es den amerikanischen Trailer, eine kleine animierte Bildergalerie sowie Hintergrundinformationen zu den Vorfällen, die man auf elf Texttafeln nachlesen kann.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-08-04 11:40
Bei dem Film fand ich die Besetzung ein wenig schräg. Holden als Schreiber ging dabei ja noch durch,, aber Richard Basehart als Willi Brandt?
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#2 c.r.hays 2019-08-04 13:39
Ein guter Film.
Interessanterweise spielte Georg Marischka den damaligen Innenminister Genscher. Einige Jahre später spielte Marischka in 'Kir Royal' Franz-Josef Strauß. Bekanntermaßen konnten Strauß und Genscher sich nicht leiden. Zwei völlig verschiedene Charaktere. Ein guter Beweis für die Wandlungsfähigkeit eines Schauspielers... ;-)
Und Else Quecke als Golda Meir brauchte wahrscheinlich gar nicht in die Maske. Die sah immer schon so aus! :lol:
Danke für den Hinweis, daß es den Film nun ungekürzt auf BluRay gibt.
P.S.: In der Überschrift sollte es besser 'Olympische Spiele' als "Olympiade" heißen...
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#3 Friedhelm 2019-08-04 14:49
Zitat:
Und Else Quecke als Golda Meir brauchte wahrscheinlich gar nicht in die Maske. Die sah immer schon so aus!
Wobei die Besetzung als Golda Meir schon sehr deutlich aus ihrem sonstigen Repertoire heraussticht. Quecke sah man ansonsten ja auch eher im "leichteren" Fach - meisten familientaugliche Unterhaltung ala "Kümo Henriette" ect..ect...
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