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Ermittlungsarbeit im 19. Jahrhundert: »Rabenseelen« von Bo R. Holmberg

RabenseelenErmittlungsarbeit im 19. Jahrhundert:
»Rabenseelen« von Bo R. Holmberg

Ein mit einer Sense ermordeter Knecht, Länsman Harald Morell und eine Tatwaffe, in deren Schaft die Buchstaben „INRI“ geritzt wurden.

Das sind die Hauptzutaten zu Bo R. Holmbergs erstem Fall im schwedischen Sprengel Anundsjö Mitte des 19. Jahrhunderts, der zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht.


RabenseelenIn Anundsjö, wo Harald Morell zuständiger Länsman ist, wird ein ertrunkener Knecht gefunden. Für den Ermittler ist schnell klar, dass es sich um Selbstmord handelt. Einige Zeit später jedoch wird der Bruder des Ertrunkenen, ebenfalls ein Knecht, im Nachbarort mit einer Sense ermordet. Die Sense wird am Tatort gefunden, in ihren Griff hat der Täter die Buchstaben INRI geritzt. Morell glaubt nicht an einen Zufall, revidiert seine Selbstmord-Hypothese und findet die Buchstabenfolge nach einiger Suche auch an dem See, wo der Ertrunkene gefunden wurde. Handelt es sich etwa um einen Serientäter im Namen der Bibel? Wird es weitere Opfer geben? Mit Olof Viberg, dem Länsman des Nachbarortes, findet sich Morell in einem Wettlauf gegen die Zeit wieder…

Holmberg nimmt uns mit in eine Welt, in der Verbrechen wie Sodomie noch mit Exekution bestraft werden und jeder Ort im kargen, ländlichen Schweden nur einen „Länsman“, also Polizisten, hat. „Rabenseelen“ ist der erste von bisher drei in Deutschland erschienenen Romanen um Harald Morell, dessen private Schwierigkeiten ebenso Thema sind wie seine Ermittlungsarbeit.

Mir war Holmberg vor der Lektüre dieses Buches völlig unbekannt, obwohl sich sonst relativ häufig skandinavische Krimi-Autoren unter meinen lesenden Augen finden. Bei näherem Hinsehen aber doch nicht so überraschend, denn bis zum Debut seiner Morell-Reihe war Holmberg ausschließlich als Autor von Kinderbüchern tätig. Für sein erstes Buch für den erwachsenen Leser wurde er direkt mit dem schwedischen Krimipreis ausgezeichnet.

Bo R. Holmberg - Von Arild Vågen - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16660122Mit dem Einstieg in dieses Buch habe ich mich etwas schwergetan und musste mich erst an Holmbergs Stil und vor allem an seine zum Teil sehr knappen, fast telegrammartigen Sätze und häufigen Wiederholungen gewöhnen. Nach den ersten 25 Seiten kurz davor, das Buch wieder weg zu legen, habe ich aber doch weitergelesen, und das hat sich im Nachhinein gelohnt. Einmal eingelesen, fällt Holmbergs Schreibweise im weiteren Verlauf des Buches gar nicht mehr negativ auf. Einzig die schwedischen Namen sind zeitweise etwas verwirrend, da die zum Teil doch recht ähnlich klingen, aber ein Namensverzeichnis am Ende des Buches kann hier Abhilfe schaffen.

Mit Harald Morell hat Holmberg eine vielschichtige Hauptfigur geschaffen. Im beruflichen Leben selbstsicher und von einigen Kollegen fast gefürchtet, ist Morell privat in seiner problematischen Ehe voller Unsicherheiten und Selbstvorwürfen. Der Fokus des Buches bleibt jedoch immer auf Morells Polizeiarbeit, Interaktionen mit seiner Frau Helena finden sich eher am Rande.

Holmberg liefert uns mit „Rabenseelen“ nicht nur einen düsteren Kriminalfall, sondern auch einen spannenden Einblick in die Ermittlungsarbeit lange vor Fingerabdrücken und Sondereinsatzkommandos. Für mich deshalb ein lesenswertes Buch, auch wenn die Handlung vielleicht nicht von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend fesselt.
Rabenseelen
Rabenseelen
von Bo R. Holmberg
Broschiert
304 Seiten
ISBN: 3453878027
Heyne Verlag2004 (Random House)

Kommentare  

#1 Cartwing 2017-07-29 22:39
schöner Artikel. Werde ich demnächst mal reinlesen. Haben wir eine neue Kollegin...? :-)
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#2 Harantor 2017-07-30 16:43
zitiere Cartwing:
Haben wir eine neue Kollegin...? :-)

Haben wir. Sarah hat sich freiwillig gemeldet und sie ist sehr fleißig. Das lässt das Herz des Herausgebers höher schlagen.
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